Review: Morning Harvey

Morning Harvey – „With The Pinstripes“

Gut Ding will Weile haben, jaja. Aber gleich so viel Weile? Morning Harvey, das Trio aus Brisbane, ist nämlich schon ganz schön lange am Machen. Eine erste EP auf bandcamp erschien 2013, eine zweite, quasi ihr offizielles Debüt „Love&Loveand.“ kam 2015. Seitdem tröpfeln alle paar Monate neue Singles ein. Aber auch 2018 gilt, was im Indierock immer galt: Erst mit dem ersten Album ist eine neue Band so richtig da.

Fünf Jahre existieren Morning Harvey also mindestens schon. Das sollte ausgereicht haben, um ihren eigenen Dreh zu entwickeln, oder? Tatsächlich haben sich ein paar Dinge getan seit ihrer 2015er-EP. Da bewegte sich das damals-noch-Quartett ziemlich konkret im frühen Britpop-Sound, da erinnerten sie an The Charlatans  oder die frühen Verve. 

Auf den Singles seitdem haben die Aussies ihren Schwerpunkt von Manchester nach New York verlagert. Der Gesang von Frontmann Spencer White ist schnodderiger geworden, hat heute (auch aufgrund der leicht übersteuerten Aufnahme) mehr was von Julian Casablancas (The Strokes) oder Ric Ocasek (The Cars), als dass er typisch britpop-englisch rüber käme. 

Alle sechs Singles, die seit der ersten EP erschienen, sind auch auf dem Album. Sie stecken auch den Rahmen ab, in dem die neuen Lieder sich bewegen: Ein Außenposten wäre die frühe Single „Lights. Camera. Gina“ – ein staksiger New Wave-Popsong mit 80s-Revival-Feeling. „The Safety Dance“ mit einer Schaufel „New Sensation“ und diebischer Freude darüber, wie herrlich albern das alles ist.

Ein anderes Extrem ist der Titelsong „With The Pinstripes“: Dieses Stück ist ein bombiger Glamrock-Stampfer, der wiederholt das Tempo rausnimmt und wieder anzieht. Mit rollendem Piano und Falsett-Chor ist dies halb „Bowies in Space“ und halb die Art Song, die Elton John in den 70s als Gast in der Muppets-Show hätte performen können. 

Dann ist da noch „Holy Gun“, das auf pixies-esk grungige Schnell/Langsam bzw Laut/Leise-Kontrasten setzt sowie zum Abschluss die Beinahe-Ballade „Come To Me“, die mich an Dark 80s-Pop á la Echo & The Bunnymen und The Church erinnert.

Dies also sind die vier Eckpunkte, die ich für mich für diese Band auf dem Album identifiziert habe. Will sagen, die anderen Songs finden in dem Feld zwischen diesen Punkten statt. Und das bedeutet: Morning Harvey rocken und poppen also fröhlich scheppernd zwischen New Yorker Garagenrock und dirty Britpop, mit leichter Tendenz zu 80s-New Wave.

Es ist nicht so, dass Morning Harvey hier wirklich ihre eigene Identität gefunden haben, in dem Sinne, dass es einen Faktor gäbe, der sie sofort wiedererkennbar macht. Ebenso wäre gelogen, wenn man sagen würde, dass sie etwas richtig Neues auf die Beine stellen. 

Aber das, was sie machen, das machen diese Aussies mit prima Melodien, mit Enthusiasmus, mit griffigen Gitarrenriffs und gurgelnden Basslines. Da gibt es nichts zu mosern und viel, über das man sich freuen kann. Jetzt hoffen wir nur, dass wir aufs nächste Album nicht noch mal fünf Jahre warten müssen.

    

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