Review: The Kooks

The Kooks – „Let’s Go Sunshine“

Ach ja, eine neue von The Kooks gibt’s ja auch. Seit fast zwei Wochen schon. Naja, schreiben wir drüber. Aber ihr merkt: Enthusiasmus kann ich irgendwie nicht aufbringen.

Dabei waren Luke Pritchard und seine Jungs doch eine der ganz großen Indie-Singles-Bands der letzten Jahre! Ihr unbeschwertes Debütalbum „Inside In/Inside Out“ (2006), das war keck, das war sexy, das war spritzig wie eine eine Mineralwasserflasche, die man vorher geschüttelt hatte! Man konnte gar nicht in Deckung gehen – jeder kriegte was ab. Zisch! Psssch! „Sofa Song“, „Eddie’s Gun“, „Naive“, „She Moves In Her Own Way“, „Ooh La“! Alles Songs, die heute noch auf dem Indie-Dancefloor ziehen. Man sollte sie total totgehört haben, aber man ertappt sich immer noch beim Mitsingen. 

Aber ihr wisst schon, warum ich die Mineralwasserflasche ins Spiel gebracht habe. Um zu unterstreichen: Oha, die Luft ging raus. Auf dem zweiten Album („Konk“, 2008) gab’s noch zwei, drei sprudelnde Singles, auf der dritten („Junk Of The Heart“ (2011)) perlte es schon eher sanft als Medium.

Deswegen mochte ich „Listen“ (2014). Bei den Aufnahmen zu ihrer Vierten hatten die Kooks den unbekannten HipHop-Producer Inflo kennen gelernt und ihm kurzerhand die Aufgabe übertragen, die Platte zu produzieren. Das war gewagt, aber das Ergebnis waren endlich wieder unerwartete, frische Sounds. Als hätte die Band einen Soda Stream gefunden: Es blubberte wieder! Vielleicht etwas künstlich, aber Hauptsache Kohlensäure. „Down“ oder „Westside“, das waren endlich wieder Hits. Okay, nicht jeder war meiner Meinung. Manche fanden den moderaten Stilwechsel zu gewagt. 

Was passierte seitdem? The Kooks haben ein Best Of veröffentlicht und eine Tour dazu unternommen. Fürs fünfte Album soll vor allem diese Tournee prägend gewesen sein. So nach dem Motto „Wir haben wieder entdeckt, was unsere frühen Stärken waren.“

Es kann ja auch was Wunderbares sein, wenn eine Band ihren Stil gefunden hat und ihn eisern verfolgt. Von Teenage Fanclub zum Beispiel wollen wir den Rest unserer Tage bitte immer das hören, was wir von ihnen kennen. Warum ist das bei The Kooks anders? Naja, weil The Kooks für was anderes stehen als Teenage Fanclub, oder? Teenage Fanclub, das ist wie Nachhausekommen, wo die warmen Pantoffeln und der Ofen schon warten. The Kooks, das ist doch die Baggerseeparty! Wenn da Routine eintritt, jede Woche der gleiche See, jede Woche die gleichen Leute, wird die Party langweilig.

Die Routine, das Ausbleiben der Überraschungsmomente, das sind die Schwächen dieser Platte. Es fehlt hier der Pep, aber genau vom Pep lebten The Kooks. Jedoch statt Spritzigkeit gibt’s hier keine Überraschungen und nicht weniger als 14 (!) Songs – inklusive Intro dauert die Platte 53 lange, lange Minuten! Die vergehen zäh, zäh, zäh, mit zu vielen Midtempo-Stücken und zu wenig Variation in der Abstimmung der Gitarrensounds.

Dass die Single „All The Time“ mal einen Disco-Bassgroove andeutet, reicht nicht, um das Lied spannend zu machen. Ein bisschen Abwechslung bringen vielleicht das reduzierte 60s-Pop-Arrangement mit Handclaps auf „Honey Bee“ sowie die dezente Poppunk-Note von „Pamela“ ins Spiel – ansonsten fährt die ganze Platte im dritten Gang. Man ertappt sich bei der Frage: Bin ich noch bei Song 3 oder schon bei Song 5? Man drückt mitten in den Songs auf „weiter“, nicht weil sie nerven, sondern weil so wenig passiert. 

Okay, das abschließende „No Pressure“, das hat tatsächlich eine feine, verspielte Leichtigkeit. Und „Fractured and Dazed“, das gewinnt mit einer wohligen Melancholie, die in der Tat – der Name fiel oben gerade – auf einer Teenage Fanclub-Platte zu hören sein könnte. Aber hören wir The Kooks nicht für was anderes? Und: Zwei richtig gute Songs von 14, das ist keine dolle Quote.

Dabei ist ja auch kein Lied für sich so richtig schlecht. Wenn man sie einzeln für sich nimmt, haben die Songs fast alle nette Melodien, die oft genug sogar ins Ohr gehen. „Chicken Bone“ mit seinen „Whoo-Hoo“s macht zum Beispiel Spaß (trotz seiner super bescheuerten Lyrics, aber hey, diese Band hat einen Song namens „Jackie Big Tits“ in ihres Diskographie, da erwarten wir keinen Pulitzer Preis mehr). Auch  „Four Leaf Clover“ mit seiner Johnny Marr-esken Gitarre weiss zu gefallen. Wenn The Kooks also im neuen Jahr wieder touren, dann werden vier, fünf der schmissigeren Songs dieser Platte im Set zweifellos gut funktionieren und den Schwung zwischen „Sofa Song“ und „Always Where I Need To Be“ nicht kaputt machen. Es wird schon wieder ein Spaß sein, da hin zu gehen.

Aber wenn man sich so bemühen muss, was Positives an einem Album zu finden, kann das kein gutes Zeichen sein. Also: „Let’s Go Sunshine“ ist zwar keine wirklich miese Platte. Aber sie packt halt nicht. Es fehlt der Funke, die Inspiration, der Aha-Moment. Das ist schade. 

   

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