Review: Polish Club

Polish Club – „Alright Already“

Endlich. 

Zeit war’s. Zu Hause in Australien geht’s für Novak und J-H (John-Henry) seit mehr als zwei Jahren in Steilkurve immer noch weiter nach oben. Ausverkaufte Shows, tobendes Publikum überall. Zuletzt erlaubten sie sich eine Tournee mit Bläsersatz. Auverkauft, klar.

Aber im Rest der Welt? Ist ihr zu Hause im letzten Mai erschienenes Erfolgsalbum „Alright Already“ einfach ignoriert worden. Keine Universal-Zweigstelle der Welt wollte die die Band, die ihre Kollegen down under da unter Vertrag genommen haben, auf den heimischen Markt platzieren.

Irgendwo ist das vielleicht verständlich. Das Genre Garagenrock gilt jetzt schon länger nicht mehr als der ultimative Heisenscheisen. Die Besetzung Nur-Gitarre-und-Schlagzeug ist auch nicht mehr revolutionär. The White Stripes, The Black Keys, Johnossi und Co haben große Erfolge gefeiert, okay, aber in den letzten Jahren auch keine echten Schlagzeilen mehr geschrieben. Dass dann ein Plattenfirmen-Fritze, der ja auch auf Zahlen gucken muss, sagt: „Die australischen Black Keys? Nee Danke, I’ll give it a miss“ – das ist auf gewisse Weise nachvollziehbar. Wenn man Musik so betrachtet, dass sie nun mal nach Trendkurven abläuft.

Es ist aber fucken unverzeihlich, wenn man die Platte gehört hat.

Foto Polish Club: Facebook

Es ist doch so: (Ich habe es auf diesem Blog schon mal so oder so ähnlich geschrieben, aber dann wiederhole ich mich eben.) Es gibt ein paar Dinge, die sind ewig. Wenn deine Mannschaft ein Tor schießt, durchfährt dich Euphorie. Auch wenn du schon seit Jahrzehnten ins Stadion gehst, sagst du doch nicht: „Kenn ich schon!“
Ein frisches Stück beste Pizza (wähle deinen Lieblingsbelag) ist der Hammer – auch, wenn gerade Sushi angesagt ist.
Bei heissem Wetter barfuß in einem frischen Bergbach stehen, das kribbelt und kühlt und ist eins der besten Gefühle der Welt – auch wenn’s nur Sonne, Luft und Wasser sind, die wir da geniessen. Die absoluten Basics. 

Auf diesem Level bewegt sich auch instinktiver, packender Rock’n’Roll. Es gibt doch einen Grund, warum diese Musik nach Jahrzehnten noch flasht! Weil sie, wenn sie gut gemacht ist, unser Großhirn skippt und direkt die Euphoriehormon-Drüsen in unserem Kleinhirn anspringt. Und dann gibt’s nur noch: Luftfausten! Auf- und abspringen! „YEAH!“ grölen!
Nein, Polish Club machen nichts Neues. Aber fucken Hell, machen sie das Alte gut!

Die Drums feuern dir direkt in die Magengrube! Die Gitarrenriffs schmirgeln mit Druck und mit Pop-Hooks sofort unter deine Hirnrinde! Die Melodien kann man sofort mitschreien!

Und diese Typen! Novak, was ist das für’n idealer Frontmann! Mit seinem Pornoschnurrbart, mit seinem selbstbewusst-augenzwinkernden Auftreten, vor allem aber mit dieser Stimme! Mit seinem rauen, druckvollen Organ liegt er so ca auf halbem Weg zwischen Jerry Lee Lewis und Pelle von den Hives! Drummer J-H ist sein idealer Partner, insofern, als dass er sich nicht unnötig aufbrezelt. Sein Drumming ist stark, aber er weiss genau: Das Beste, was ich tun kann, ist Novak den Ultra-Boost zu geben. Also macht er’s. 

Und so ist „Alright Already“ eine Wahnsinns-Garagenplatte geworden. Die zwei Aussies haben eine Fetzigkeit und eine Popwucht, die mich sagen lässt: Das ist der Sound, den die Hives uns immer versprochen und dann auf den Alben nie gehalten haben. 

Vor allem: Unter all der Energie und der Spitzenperformance steckt richtig, richtig gutes Songwriting. Die HiSpeed-Wuchtbrummen wie „Beeping“, „Where You Been“ oder „Come Party“ treten nicht nur in den Hintern, sie sind gleichzeitig auch echte Ohrwürmer. Wisst ihr, an wen ich immer wieder denken muss? Paul Weller! „If It Was Me“ klingt wie eine Ballade des alten Meisters, aufgetunet zum LeMans-Renner. Das in der Mitte des Albums versteckte 1:41-Minuten-Stück „Shark Attack!“ hätte, von der Melodie und vom Aufbau her, von einem klassischen frühen The Jam-Album kommen können.

Und all die Begeisterung, noch bevor „Able“ und „Divided“ liefen! Das sind die zwei Power-Balladen der Platte. Power-Balladen? Stellt euch das in etwa so vor wie bei Crocodile Dundee:
„Das soll eine Powerballade sein? DAS ist eine Powerballade!“
Mit diesen Worten knallen Novak und J-H „Divided“ auf den Küchentisch. So.

Also: Scheissegal, ob das trendy ist – das ist wahnsinnig gut. Das macht überall Häkchen, wo Rock’n’Roll Häkchen machen soll: Bei der Melodie, bei der Energie, beim Kick, bei der Performance, bei der Technik, bei der Persönlichkeit. 

Eine Spitze noch: Sollten Polish Club mit dieser Platte nun doch auch außerhalb Europas noch durchstarten, trotz des Handicaps, das nun ohne großes Backing zu machen, dann werden die Label-Typen staunen und sagen: „Oha, ist Garagenrock wieder angesagt?“ Nein, ihr Deppen! POLISH CLUB sind angesagt! Mit Trends hat das nichts zu tun, sondern mit Qualität – und die hättet ihr ruhig mal erkennen können!

  

p.s. POLISH CLUB kommen auf Deutschlandtour. Im Vorprogramm von ABAY und RAZZ werden sie ihre deutschen Headliner auf diesen Shows von der Bühne blasen – also kommt früh!

24.10. Köln, Stollwerck
26.10. Hamburg, Mojo Club
27.10. Bremen, Schlachthof
28.10. Berlin, Heimathafen
30.10. Bielefeld, Forum
31.10. Wiesbaden, Schlachthof
01.11. München, Ampere
02.11. Bochum, BHF Langendreer

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