Review: The Ocean Party

The Ocean Party – „I.B.O.“

Na, man hatte sich ja schon fast Sorgen gemacht! Die letzte EP von The Ocean Party („Gullt“) erschien im Dezember – also schon vor acht Monaten! Ja was war da los? Normal haben die Schnellschreiber in so einem Zeitraum doch längst was Neues vorgelegt?

Aber jetzt kann ja Entwarnung gegeben werden. Puh! Die sechs aus Wagga Wagga stammenden Wahl-Melbourner finden in ihren gewohnten Rhythmus zurück. Ein neues Album ist quasi fertig und als sonderlichen Begleiter schicken die Australier diese Mini-LP voraus: „I.B.O.“ (kurz für: „It’s Back On!“) enthält 12 Songs in 12 Minuten. Jedes Stück endet nach 60 Sekunden. 

„Die Idee war, gleichzeitig zur neuen Platte auch eine Miniatur-Version von ihr aufzunehmen“ – so hat Bandmitglied „Snowy“ die Sache Noisey Australia erklärt.
Und weil jedes der sechs Mitglieder auch als Songwriter fungiert, hatte also jeder zwei Songs beizutragen.

Drollige Idee. Aber kann man sich das auch anhören?

Nun, mit einer „richtigen“ Ocean Party-Platte würde ich dieses Experiment jetzt nicht gleichsetzen. Das Ganze ist ne Spielerei, klar. Aber, immerhin: Es ist eine kurzweilige Spielerei.

Das liegt natürlich in der Natur der Sache. Eine Minute ist nicht lang genug, dass ein Lied einem auf die Nerven gehen kann. Immer, wenn man sich in einen Song reinfindet, beginnt auch schon wieder der nächste – quasi noch bevor man überhaupt entscheiden konnte, ob man ihn mag oder nicht. 

So gibt ein paar Tracks, die andeuten, das aus ihrer Substanz feine Songs ausgeformt hätten werden können. Andere Titel sind erkennbar nicht weiter hinterfragte Krakeleien. Es gibt feine Balladen, wurligen Janglepop und hibbelig schnatternden New Wave. Keiner nimmt die Sache bierernst – was den Liedern eine losgelöste Freiheit gibt. In den Arrangements bleiben Dinge stehen, die man bei einem richtigen Album ausgebügelt hätte. Manchmal sind es nun gerade die Sonderlichkeiten im Mix, die zum Hinhörer werden.  

Sagen wir’s so: Diese Songsammlung zu hören, das ist ein bisschen, wie wenn man in das Skizzenbuch eines Künstlers schaut. Die Papiere, auf denen er, der sonst großformatiger malt, auch mal kritzelt, witzelt, karikiert, neue Stifte ausprobiert, Ferkeleien und Tintenkleckser stehen lässt – aber auf denen man trotzdem seinen Duktus erkennt, seinen Stil und die Grundsubstanz für seine größeren Formate. 

Ist es nun nicht ein bisschen frech von The Ocean Party, dass sie uns sowas als neues Album andrehen? Nun, das tun sie ja nicht. Erstens: Das Ding kostet im Download nur 3 Euro. Zweitens: Dass dies ein experimentelle EP ist, fällt sofort auf und wurde von der Band so kommuniziert. Drittens: Für den Fan ist dies letztlich ein zweifellos aufschlussreicher Einblick. Anhand dieser ungekämmten EP erkennen wir vielleicht klarer, wie diese Band tickt, als wir es bei einem abgeschliffenen, ausgefeilten Album tun. Zuletzt noch mal, auch wenn ich’s oben schon sagte: Kurzweilig, das ist sie, die Platte. Da müsste man schon ein echter Spielverderber sein, um zu mosern.

  

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