Interview: Moaning

Auch wenn ich mich wiederhole: Alleine das kleine Sub Pop-Logo auf einer CD ist immer ein Grund, hinzuhören. Wen hat das langlebige Grunge-Kultlabel da jetzt wieder gesignt? Moaning, ein junges Trio aus LA, das einen zwischen Post-Punk und Grungepop seine Klangheimat gefunden hat. Gestern erschien ihr Debütalbum. Moaning-Sänger Sean Solomon hat mir ein email-Interview beantwortet.

Hallo Moaning, und vielen Dank für, dass ihr euch die Zeit für meine Fragen nehmt. Ich beginne mit einer ganz grundsätzlichen Frage: Was ist das Ziel von Moaning, was wollt ihr künstlerisch erreichen?

In Moaning zu spielen, das bedeutet Katharsis für mich. Vom Konzept her interessiert mich die Dualität, die sich schon im Namen spiegelt. Unsere Musik ist sowohl schroff als auch angenehm. Textlich ist das ähnlich, unser erstes Album befasst sich mit der Liebe und dem Schmerz, der ihr folgt. Das ist irgendwie bipolar und ich denke, in unserer neueren Musik werden wir das noch vertiefen.

Was macht für Moaning einen guten Song aus?

Das ist eine schwere Frage. Ich denke, wenn ein Song einer Formel folgen würde, wäre er wohl nicht sehr gut. In unserer Band wird immer lange diskutiert, wie wir uns den Song vorstellen. Wir müssen uns da einig sein und sind da sehr demokratisch. Wichtig ist, dass ein Song von Anfang bis Schluss interessant bleibt.

In eurer Pressebio steht, dass ihr bereits ein Jahrzehnt in anderen Bands hinter euch habt, Was habt ihr in diesen Bands gelernt? Was ist an Moaning anders – warum, denkst du, ist dies das Projekt, das mehr Aufmerksamkeit bekommt als eure früheren Bands?

Wir haben in den früheren Bands sehr viel gelernt. Wir mussten dort erst mal Fehler machen, aus denen wir klug werden konnten. Jetzt spielen wir schon ziemlich lange zu dritt, das gab uns die Möglichkeit, viel zu experimentieren. Unsere Einflüsse und Geschmäcker haben sich erweitert. Wir nehmen Moaning sehr ernst, ich denke, deswegen ist es unser bisher erfolgreichstes Projekt.

Was mir an Moaning gefällt: Ich höre hier eine gewisse Dringlichkeit und eine Reibung, die mir in vieler heutiger Musik fehlt, auch in angeblich alternativer Musik. Kannst du das kommentieren? Legt ihr es auf diese Reibung an, und fehlt sie euch auch unter euren Zeitgenossen?

Ich finde schon, dass viele heutige Musik sehr safe ist. Viele Leute scheinen Angst davor zu haben, etwas zu spielen, das nicht schon erfolgreich oder das schwerer verdaulich ist. Wir sind mit viel Noiserock und experimenteller Musik groß geworden. Im Großen und Ganzen glaube ich zwar, dass Moaning eine Popband sind, aber unsere schrägeren Einflüsse kommen definitiv durch. Außerdem bin ich eine sehr angespannte Person. Das spiegelt sich vermutlich auch im Sound.

Eure Musik erinnert mich an Grungebands der 90er, die Basslines erinnern mich an 80er-Bands. Diese Einflüsse sind 25 Jahre alt und älter. Ihr seid selbst erst Mitte 20. Wie seid ihr auf diese Bands aus der Zeit vor eurer Geburt gestoßen – und ist das die Musik, die ihr vornehmlich hört oder ist auch ganz andere Musik in euren Playlists?

Ich bin mit Nirvana und Sonic Youth groß geworden. Unser Bassist Pascal liebt The Cure und New Order. Aber unsere Einflüsse kommen von überall her. Man kann keine Musik machen, ohne sich auf etwas zu beziehen, das vorher da war, das ist unmöglich. Alles ist schon getan worden, aber man kann daraus seine eigene Collage und somit etwas Neues machen. Eine Revival-Band würden wir nicht sein wollen.

Mein aktuelles Lieblingslied auf dem Album ist “Artificial”. Was könnt ihr uns über den Song erzählen? Worum geht der Text, was war eure Idee betreffs des Sounds?

Vom Text her ist es ein extrem pampiges Lied. Jeder fühlt sich gerne mal übertrieben schlecht, selbst wenn man sich seine Probleme oft nur einredet. Die dissonanten Akkorde am Anfang des Songs kamen von Pascal, den Rest der Musik bauten wir drum rum.

Wie habt ihr die Aufnahmen erlebt? Was war leichter als erwartet, was schwerer? Worauf habt ihr die Schwerpunkte gelegt? Habt ihr das, was ihr euch vorgenommen habt, auch erreicht?

Es war für uns das erste Mal in einem richtigen Tonstudio. Am nervösesten war ich, wenn ich die Vocals aufnehmen sollte. Aber zum Glück konnten wir mit Alex Newport arbeiten, der schon mit At The Drive-In, Death Cab For Cutie, Melvins und einem Haufen anderer toller Bands gearbeitet hat. Er hat kapiert, worauf es uns ankam, so haben die Aufnahmen großen Spaß gemacht. Und ich finde, die Platte ist genau so geworden, wie wir sie uns vorgestellt haben.


Was bedeutet es euch, das SUB POP Logo auf dem Album zu haben?

Das ist schon bizarr. Es gibt dem Ganzen seine Daseinsberechtigung. Sub Pop haben uns großartig unterstützt und es ist eine tolle Sache, zu ihrer Familie gehören zu dürfen.

Das Album Artwork: Durch ein Fenster sehen wir eine Uhr, einen Stuhl, eine Pflanze, eine Kerze. Auf der Außenseite des Covers sind all diese Objekte zerbrochen. Ich schätze mal, hinter diesem Artwork steckt eine Bedeutung?

Das Fenster wählten wir, weil es es voyeuristisch ist und den Spiegel, weil er reflektiert. Wenn man auf das Leben eines Anderen schaut, lernst du oft auch etwas über dich selbst. Die anderen Objekte in dem Fenster pickte ich, weil sie mich an einen alten Roman erinnerten. Das Cover haben wir mit ein paar Effekten in meinem Garten gebaut.

Zum Schluss eine Spaßfrage. Ich stieß nämlich mal auf eine polnische Death Metal-Band, deren Mitglieder sich Alias-Mittelnamen gaben. Dann hießen sie z.B. Kamil “Hellbeast” Kondracki oder Slawomir “Mortifer” Arkangelsky. Deine Aufgabe: Gib den Moaning-Mitglieder solche Namen, mit kleiner Erklärung.

Sean „Harsh“ Solomon. Weil ich launisch und mürrisch bin. Ich kann so richtig abweisend sein. Meine Gitarre manchmal auch.

Pascal „The Brain“ Stevenson. Pascal trägt eine Brille und er hat ein Fußpedal für Synth-Sequenzen. Das sagt alles.

Andrew „Time Machine“ MacKelvie. Andrew ist früher immer zum Klang eines Metronoms eingeschlafen. Dswegen ist sein Timing als Drummer superpräzise. Leider ist es das nicht, wenn es darum geht, zu Meetings zu kommen.

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