The Class of 2017 – Pt 2

Es ist wieder so weit! Genauer gesagt: Es war wieder so weit. Sonntag war Stichtag. Unsere Blogclique hat den Ein-Kasten-Augustiner-Preisträger fürs Jahr 2017 gekürt! Yeah!

Aber bevor wir verraten, welche Band von uns einen Kasten Bier kriegt, muss der Ablauf des Ganzen nacherzählt werden. Es folgt: Runde 1

Zuerst aber noch mal ganz kurz: Worum geht’s?

Also. Der Gedanke ist: Wir wollen den besten Song des Jahres finden und der Band/dem/der Interprete(i)n dafür einen Preis überreichen. Aber keine von diesen Statuen, die nur auf dem Kaminsims verstauben. Lieber was Sinnvolles. Ein Kasten gutes Münchner Bier macht alle Musiker glücklich, oder?

Jedes Jahr nominiere ich daher als Blog-Fritze, der das Ganze organisiert und online stellt, erst mal eine Shortlist meiner 16 Favoriten der letzten 12 Monate. Aber ich entscheide nicht alleine, wir sind eine kleine Jury. Wer wiederum an der Kür des Preises teilnimmt, trägt auch ein Lieblingslied zur Shortlist bei. Dieses Mal waren’s 21 Kandidaten. Zuerst sind da meine sechzehn:

Alexander F. – Swimmers
Alvvays – In Undertow
Henrik Berggren – Wild Child
Tyler Childers – Whitehouse Road
DMA’s – Dawning
Fazerdaze – Lucky Girl
FEWS – Metal
Gold Class – Twist In The Dark
King Gizzard & The Lizard Wizard – Rattlesnake
Middle Kids – Edge Of Town
RAT BOY – REVOLUTION
Ride – Lannoy Point
Spoon – I Ain’t The One
St. Vincent – Los Ageless
WHITE – One Night Stand Forever
Wolf Alice – Don’t Delete The Kisses

Die anderen Mitglieder der Jury nominierten:

Elbow – All Disco (Nico)
Shout Out Louds – Oh Oh (Nat)
Wanda – Lascia Mi Fare (Karin)
Yungblud – I Love You, Will You Marry Me (Tom)
The Courtneys – Mars Attacks (Julian)

Wie läuft das Ganze nun ab? Quasi wie bei einem Tennisturnier. Es werden immer zwei Songs gegeneinander antreten und nach einer zufällig ausgelosten Frage oder Aufgabe bewertet werden. Der Sieger kommt weiter, der Verlierer scheidet aus. Easy. Fangen wir einfach an, ja?

Runde 1 – Duell 1: 
Frage: „Bei welchem Song ist die Stimme besser?“

Henrik Berggren – Wild Child
vs
Middle Kids – Edge Of Town

Und schon haben wir die erste Diskussion – aber dafür machen wir das ja. Was bedeutet das überhaupt, eine „gute Stimme“? Niemand bestreitet, dass Hannah Joy, Frontfrau der Middle Kids aus Sydney, singen kann wie eine Amsel. Henrik Berggren ist dagegen seit seinen Tagen als Frontmann von Broder Daniel geradezu berühmt dafür, dass er im Umgang mit Tonleitern sehr… tolerant ist. Aber es gibt ja einen Grund, warum zahlreiche SWE-Bands seinen Gesangsstil (in etwa: Eine traurige Krähe beim Purzelbaum schlagen) übernommen haben. Der ist, dass in seiner Stimme einfach Charisma steckt. Ein schlecht getroffener Ton berührt oft viel mehr als der technisch perfekte. Langer Rede kurzer Sinn: Die Abstimmung endet 3:3 und wir brauchen eine Entscheidungsfrage. Na das kann ja lange dauern heute.

Ersatzfrage: Lies den Songtext laut vor – welcher eignet sich auch als Gedicht?

Auch hier Uneinigkeit. Henrik Berggren erzählt sehr direkt von Ausbruch aus dem Normalo-Alltag, von Hemmungslosigkeit und Exzess, Verzweiflung und Scheitern – ein Spiegel seines wilden Lebens, das erst mit der letztjährigen Soloplatte wieder eine Kurve nach oben nahm. Hannah Joy von den Middle Kids dagegen lässt sich nicht so festnageln, ihr „Edge Of Town“ spricht in Metaphern. Sie steht „face to face with the king of the underground“. Tom und Nico können dem mehr abgewinnen als Henriks Text, den sie plakativ finden. Trotzdem sind sie damit in der Unterzahl. Vier Stimmen gehen an nach Schweden, die Middle Kids sind ausgeschieden.

Runde 1 – Duell 2:
Aufgabe: Luftgitarrenvergleich!

WHITE – One Night Stand Forever

vs
Alexander F – Swimmers

Erste Action! Jetzt wird geschreddert! Dabei erweist sich das zackige Riff von den Glasgowern WHITE als erstaunlich mitzuckbar. Man sollte dennoch denken, dass die schrille Punkrocknummer von New Yorks Alexander F das toppt. Es stellt sich aber raus: Die vier durchgeschrammelten Radau-Akkorde von „Swimmers“ bieten zu wenig Herausforderung für die Mehrzahl unserer Luftgitarristen. Nico, Nat, Karin, Tom und Julian geben ihre Stimme nach Schottland. Alexander F erhält meinen Punkt, der ihm aber nicht weiterhilft. Goodbye, Alex!

Runde 1 – Duell 3:
Frage: „ Wie herrlich traurig/sentimental ist der Song?“

Alvvays – In Undertow

vs
Yungblud – I Love You, Will You Marry Me?

Auf den ersten Blick eine klare Sache. Die Kanadier Alvvays sind die Band, die man jemandem als Musterbeispiel vorspielt, der fragt „Was bedeutet eigentlich sentimental?“ Der junge Brite Yungblud hat dagegen eine hopsige Indie-Ska-Nummer abgeliefert. Allerdings: Tom erklärt uns den Hintergrund des Textes seiner Nominierung. Die hier nachzuerzählen, würde den Rahmen sprengen. Sagen wir’s so: Die ist hintergründig und tragisch. Tom ist überzeugend genug, um dem scheinbar aussichtslosen Außenseiter Yungblud immerhin 2 Punkte zu bescheren. Alvvays kommen trotzdem weiter.

Runde 1 – Duell 4:
Aufgabe: „Blockflöten-Tauglichkeit!“
Tyler Childers – Whitehouse Road
vs
Spoon – I Ain’t The One

Diese Frage hat sich Karin ausgedacht. Sie hat auch versprochen, dafür eine Blockflöte mitzunehmen. Der Song, der geflötet besser klingt, soll weiter kommen. Nur: Sie hat die Blockflöte zuhause vergessen. Macht nichts, dann muss eben gepfiffen werden. Darin versuchen sich Karin und Julian. Aber ganz ehrlich, Tyler Childers urige Country-Nummer „Whitehouse Road“ erkennt man nicht wieder. Die Melodie von „I Ain’t The One“, die Ballade der ewigen US-Indierock-Maestros Spoon, kriegt Karin dagegen allerdings überzeugend hin. Womit Spoon weiterkommen und wie Tyler Childers Servus sagen müssen.

Runde 1 – Duell 5: 
Frage: „Wer hat den besseren Songtitel?“
Wanda – Lascia Mi Fare
vs
Ride – Lannoy Point

Italienisch ist eine klangvolle Sprache. Unsere Wiener Kandidaten Wanda wissen das. „Lascia Mi Fare“ rollt doch ganz anders von der Zunge als „Lass mich gehen“. Die Indie-Veteranen Ride dagegen sorgen für fragende Gesichter „WIE heisst der Song?“ „Lannoy Point“. „Und was ist das?“ „Tja, äh, muss ich googlen“. Es stellt sich raus, dass Lannoy Point ein Gebäude ist. Ein besonders gesichtsloser Wohnsilo in London/Kensington. Was genau dieses Haus mit Rides Text zu tun hat, in dem es um die Dummheit der Menschheit geht die droht, sich selbst auszulöschen, weil sie den Klimawandel ignoriert, das wissen wir nicht. Im Text taucht „Lannoy Point“ mal nicht auf, nur im Titel. Hässlich ist der Betonklotz auch, wie die Google-Bildersuche ergibt. Schade um den schönen Song, aber ein klares 6:0 für Österreich.

Runde 1 – Duell 6: 
Frage: „Wie untypisch/eigenwillig ist der Song?“
Shout Out Louds – Oh Oh
vs
The Courtneys – Mars Attacks

Tja, liebe Courtneys, das war ein kurzes Vergnügen. Julians Beitrag für die Shortlist ist ein typischer Vertreter für klassischen Girl-Janglepop. Das macht ihn per definition zu etwas, das NICHT untypisch ist. Unsere Schatzis aus Stockholm, die Shout Out Louds dagegen, haben ihr „Oh Oh“ detailverliebt und mit zartem Pinselstrich raffiniert durch arrangiert. Das ist nicht gleich ein Musterbeispiel für Eigenwilligkeit, aber halt eigenwilliger als The Courtneys. Wieder ein 6:0. The Courtneys sind draußen.

Runde 1 – Duell 7:
Aufgabe: „Stelle den Song pantomimisch dar“
FEWS – Metal
vs
King Gizzard & The Lizard Wizard – Rattlesnake

Nat hat diese Aufgabe gezogen, daher ist es ihr Job, uns die beiden Songs ohne Worte zu erklären. Und ganz ehrlich: „Metal“ vom schwedisch/amerikanischen Quartett FEWS hätten wir durchaus erkennen können, so überzeugend, wie sie ihr Haar durch die Küche schleudert. Wir aber rufen Sachen wie „Headbang“ und „Shake“, als wären Songs mit diesen Titeln nominiert, und kommen nicht drauf. Soll sie erst mal Lied zwei darstellen. Und nun? Keine zwei Sekunden, nachdem sie mit ihren Armen eine schlängelnde Bewegung vollführt, rufen alle „Rattlesnake!!“ Womit klar ist, wer weiter kommt. Die irren Australier sind’s.

Runde 1 – Duell 8: 
Frage: „Welcher Song ist besser für Sexytime?“
Wolf Alice – Don’t Delete The Kisses
vs
St. Vincent – Los Ageless

Uneinigkeit. Was eignet sich mehr fürs Biest mit den zwei Rücken, das Verliebtheits-Lied von Londons Wolf Alice oder der Robo-Groove von New Yorks Hipster-Lady St. Vincent? Tom findet „Wolf Alice ist mehr für davor, St. Vincent mehr fürs Hauptprogramm“. Aber ein paar von uns finden die Synthies zu maschinell und nicht gefühlsecht genug. Es gibt ein 3:3 Unentschieden und eine…

Ersatzaufgabe: Tanzvergleich!

Also wieder aufgestanden, meine Küche wird zum Dancefloor. Wir zucken zu Wolf Alice, wir smooven zu St Vincent. Diesmal gibt’s keine Widersprüche: Der Beat von „Los Ageless“ könnte zwar auch ein paar bpm mehr vertragen, aber man kann sich vortrefflich dazu bewegen. „Don’t Delete The Kisses“ ist nicht untanzbar, aber St Vincent ZWINGT regelrecht zum Schwofen. Klares 6:0.

Runde 1 – Duell 9: 
Frage: „Welcher Song hat die besseren ersten 15 Sekunden?“
Fazerdaze – Lucky Girl
vs
Elbow – All Disco

Überraschung! Ja, Amelia aus Neuseeland alias Fazerdaze hat mit „Lucky Girl“ eine sonnige Mitschnips-Nummer abgeliefert, die gleich loslegt und das würdig-elegische „All Disco“ von Brummbär Guy Garvey & Band ergo locker abservieren sollte, oder? Aber, aber: Die kleine Melodie, die „Lucky Girl“ kickstartet, wiederholt sich in den ersten 15 Sekunden mit zu wenig Variation. „All Disco“ gibt zwar weniger Schub, braut aber sofort eine Atmosphäre mit gleich mehreren Aufhorchern. Es gibt ein 3:3 und einmal mehr brauchen wir die…

Entscheidungsfrage: „Welcher Song hat das schönere Cover?“

Über Geschmack kann man nicht streiten. Ich ziehe das unscharfe sonnige Foto von Fazerdazes Album vor, aber werde überstimmt. 5:1 für die Farbkombi und das Gesamtkonzept von Elbows „Little Fictions“

Runde 1 – Duell 10: 
Frage: „Kann jemand den Refrain auswendig?“
RAT BOY – REVOLUTION
vs
DMA’s – Dawning
vs
Gold Class – Twist In The Dark

Ja, drei Songs. Wir haben eine ungerade Zahl an Teilnehmern, was bedeutet: Die letzte Runde wird als Duell unter drei Gegnern ausgefochten. Ein Triell?

Anyway. Den Refrain von „REVOLUTION“ kann ich. „I was alright, till they took me off my medication, starting slagging off my generation, and I don’t know why!“ Yeah!
Aber kann ich auch den Refrain meiner Lieblinge DMA’s? „In the morning, you will wake up, äh, irgendwas mit Dawning, und nochmal Dawning“ behaupte ich. Google ergibt: Von wegen. „In the dawning you will wait for, for her warning, she was warning“ steht da.

Und Gold Class? Oha. Mir fällt auf, dass ich zu dem Song zwar begeistert durch die Küche jumpte, ich mir den Text aber noch nie genau angehört habe. Klar, ein paar Fetzen nimmt man mit. Aber was singt Adam Curley da genau, bevor er „Twist In The Dark“ ruft? Wenn der Song jetzt liefe, könnte ich so tun, als wüsste ich den Text, das ja. Aber ohne Schummeln geht’s nicht.
Was bedeutet: Jordan Cardy aus Essex, der Rattenbub, er ist weiter.

Puh!
Die Hälfte haben wir geschafft. 11 Songs von 21 sind ausgeschieden. Bei unserer Kür in der Küche ist jetzt erst mal Zeit fürs Brezenmonster. Aber auch auf dem Blog mache ich hiermit erst mal Pause. Teil 2 mit dem Sieger folgt in Kürze!

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