Review: Django Django

Django Django – Marble Skies

Eine Sache, die ich nicht ausstehen kann: Wenn Bands ihr letztes Album öffentlich in die Tonne treten. Man kommt sich als Anhänger regelrecht blöd vor, wenn man liest: „Okay, ja, die letzte war ein bisschen scheiße“. Das sagen Bands ja nicht, wenn man ihnen das Ding aus den Händen riss. Das sagen sie, wenn die vorletzte Platte erfolgreicher war und wenn sie Fans zurück gewinnen müssen. Aber: Wenn ihr euer letztes Album nicht mochtet, warum habt ihr’s dann überhaupt raus gebracht und getourt?

Django Django werden zur Zeit in der UK-Presse mit den Worten zitiert, ihr letztes Album „Born Under Saturn“ sei im Nachhinein „bloated“ gewesen. Zu deutsch: Aufgedunsen. Echt jetzt? Also, ich mochte die Platte sogar!

Klar, ihr Debüt klang irgendwie frischer, aber das liegt ja in der Natur der Sache. Als sie 2012 auftauchten, da rechnete keiner mit Django Django. Da waren sie eine schottische Band, die fernab jeder Aufmerksamkeit ungestört vor sich hin bastelte und fröhlich lauter verschiedene Stile ineinander dengelte, von Country bis House. Klar, am Ende kam irgendwie Indie raus, so wie am Ende ein Braunton rauskommt, wenn man zitronengelb, ziegelrot und meerblau mischt. Aber trotzdem, es blieb ein Mix, in dem jeder was für sich entdecken konnte. 

Django Django waren irgendwie auf einem französischen Indie gelandet, der schnell zu klein war für die euphorischen Reaktionen. Also kam ein Majorlabel mit an Bord. Zwei Jahre später hatten die vier Tourneen um die ganze Welt und mehrere Charthits eingesackt. Im Verlauf waren sie von schüchtern-linkischen Glückstreffer-Landern zur zackigen, professionellen Indierockband geworden, die live ihr Publikum total im Griff hatte. In Anbetracht dessen war ihr zweites Album in meinen Augen genau im richtigen Bereich zwischen sich-treu-Bleiben und sich-weiter-Entwickeln zielgelandet.

Nichtsdestotrotz, die Band selbst distanziert sich also im Nachhinein von Album zwei. Beim ersten Album hätten man einfach mehr Spaß gehabt. Den habe man wieder zurück gewinnen wollen. Und soll ich euch was sagen? Sie reden keinen Quatsch. „Marble Skies“ ist lockerer, verspielter – und in der Tat schlicht und einfach BESSER als „Born Under Saturn“. Der Sonderling-Faktor, der das Debüt so spannend gemacht hat – Django Django haben es tatsächlich geschafft, ihn wieder auszugraben.

Das machen schon die ersten Sekunden klar. Der Titelsong „Marble Skies“ gibt Vollgas als 80s-Synthpop-Nummer, mit Ohrwurm-Intro-Melodie und alberner Computerstimme in der Middle Eight. Ohne Scheiß: Dieses Lied könnte man in der Indie-Disse mit drolligen Achtziger-Klassikern wie A-has „Take On Me“ oder Kim Wildes „Kids In America“ kombinieren. Wow, ist das ein Hit!!

So, ich bin zurück. Ich musste nämlich gleich mal durch die Küche tanzen und Luftbass spielen – denn im Verlauf des Songs wird die Bassline zur Geheimwaffe dieses Knallers. Whew!
Jedenfalls: „Marble Skies“ ist ein Lied, das klar macht: Django Django ist Coolness wieder egal. Und das ist ja bekanntlich genau das, was eine wirklich coole Band auszeichnet.

Weiter. Auf Song 2 gibt’s einen Gast: Rebecca Taylor von Slow Club übernimmt die Vocals der Tropicalia-Pop-Nummer „Surface To Air“. Gleich eine ganz andere Klangfarbe, auch und gerade durch die Frauenstimme. Interessant, dass Django Django diese Abwechslung gleich an zweiter Stelle positionieren. Das ist unorthodox.

„Unorthodox“. Das ist das Attribut, das man quasi auf alle Songs auf dieser Platte anwenden kann. Die Arrangements, die Melodieführungen, die Sounds – das Album steckt voller Aufhorcher. Voller Momente, bei denen man denkt: „Soll das so sein?“ Aber genau diese Quirkyness, dieses Unerwartete, macht diese Momente umso lässiger.
Somit wird auch klar, warum die Schotten ihr letztes Album „aufgedunsen“ fanden. Die Platte war im Vergleich einfach professioneller, satter, breitflächiger. Da blieb oft keine Frequenz unbesetzt, breite Keyboardflächen dichteten alles ab. Hier lassen Django Django dagegen bewusst auch Löcher und Ungleichgewichte.

Was gibt es noch? Stolpernde Geschwindigkeit („Tic Tac Toe“), knorriges Westernfeeling („Further“), einen wurlig-groovy Mix aus Psychedeliapop und House Piano mit überraschendem Klarinette-Solo („Sundials“ – ein echtes Highlight!) und stampfenden Lo-Fi-Depeche Mode/Gary Numan-Pop („Beam Me Up“). Es gibt flotten Wubber-Klicker-Pardauz-Hurra („In Your Beat“), sich stetig auftürmende 148bpm-Disco („Real Gone“) und abschließend eine fluppige Handclap-Nummer mit Sixties-Feeling. Wobei diese Beschreibungen alles bestenfalls Annäherungen sind.

Chapeau, meine Herren.

Wie oben gesagt: Ich fand ja nicht mal, dass es nötig war, den Sound von „Life Under Saturn“ einer Generalüberholung zu unterziehen. Django Django taten es trotzdem – und das war eine Spitzen-Entscheidung. „Marble Skies“ ist eine Platte, bei der man permanent grinsen muss. Weil sich hier eine Band abseitige Ideen erlaubt und vogelwild mit Sounds, Styles, Rhythmen und Melodien experimentiert – und das nicht, um schlau auszusehen, sondern weil sie wirklich Spaß daran hat. Wie Kinder mit Chemiekasten, die aufgekratzt alles ineinander kippen, Hauptsache es schäumt und knallt. Super.

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