Meine Alben 2017, Pt.3 (20-16)

Ich komme zu Teil Drei meines Countdowns. Was waren meine persönlichen Lieblingsalben des Jahres 2017 und warum? Es folgen: Platz 20 bis 16.

20. Alex Lahey – I Love You Like A Brother

Mei, ich bin halt Indie-Gitarren-Heini. Und es sind Platten wie der erste Longplayer von Alex Lahey, die dafür sorgen, dass das für immer so bleibt. Alex lebt ihr Leben als sympathischer, schlauer Mensch und sie macht Lieder drüber. Lieder, in denen sie ihre Liebe und ihre Zweifel artikuliert, immer mit einem Schmunzeln, immer mit einem Augenzwinkern und immer mit einem guten Bild zur Hand. „It’s hard for me to put my arms around you with your backpack on“ singt sie der Partnerin, die immer auf dem Sprung ist. Als sie merkt, dass die Exzesse einer anderen Partnerin sie mit runterziehen, haut sie mit „I haven’t been taking care of myself“ die Bremse rein. Und „I Love You Like A Brother“ gilt tatsächlich dem kleinen Bruder. („You dont’ like Sports and I don’t like dresses, luckily for us our parents got the message“). Das sind Situationen, in denen man sich wieder erkennt, auf den Punkt formuliert und in perfekte Indiepopsong-Form gegossen.

Link auf mich selbst: Ich hatte Alex zur Album-VÖ am Telefon.

19. Gold Class – Drum

Mann, Gold Class sind intense. Ihr Sänger Adam Curley hat ein regelrechtes Manifest zum zweiten Album verfasst: „I wanted it to be a record of defiance, a resistance to the idea of scrambling for a place at a table that wasn’t set for you. A sort of a love letter to anyone who not only can’t meet the standard but doesn’t want to. I wanted it to be a record of rage and ecstasy and endless nights and sex and dumb fun and ventures in solidarity. Not just an album of urgency and longing, but one of abandon and a reclaiming of a self beyond boundaries.“ Puh.

Große Ziele. Aber ohne große Ziele erreicht man nicht die Intensität von Joy Division. Ein Level, den die vier aus Melbourne auf „Drum“ echt packen. „10 Songs, unterkühlt aber innerlich brodelnd, kantig aber einnehmend. Lieder, die so viel innere Reibung aufbauen, dass sie sich blitzend entladen, wenn man mit dem Finger dran kommt. Im Idealfall ballt sich all diese Friktion zu unwiderstehlichen Pop-Bomben“ (Das war aus meinem Text zum Album zur VÖ im August)

18. The Horrors – V

Hätte ich auch nicht gedacht. Dass The Horrors, die ich immer in der Schublade „Poser, die zu viel Haarspray eingeatmet haben“ abgelegt hatte, ein Album machen würden, das mich flasht. Ich zitiere mich mal wieder selbst: „Bei The Horrors klappt mir der Kiefer runter, wie zielsicher sie die Klänge finden, die zur Stimmigkeit dieser Gebirge aus Sound beitragen, die sie mittlerweile schaffen – und wie interessant sie diese Klänge verweben und schichten, variieren und sie bewusst wieder entziehen. The Horrors schaffen heute Atmosphären, so dicht, dass man sie fast greifen kann. Schwermütige 80s-Stimmungen, wie sie The Cure auf „Disintegration“ oder „Pornography“ beschworen, Gary Numan oder Ultravox zu „Lament“-Zeiten.“

17. Captain – For Irini

Ein später Beitrag, erschienen Mitte Dezember (und das auch nur für diejenigen, die bei Pledgemusic schon gordert haben). Aber eine umso größere Freude. Elf Jahre ist es her, dass die Londoner Captain mit „This Is Hazelville“ eine makellose Hochglanz-Pop-Platte zauberten. Ich LIEBTE das Ding, aber Captain verschwanden von der Bildfläche. Von all den Reunion-Alben, die dieses Jahr so erschienen, war „For Irini“ das unerwartetste. Die Platte ist auch das Tribut der Band an ihren inzwischen verstorbenen Gitarristen Mario Athanasiou.
Dass Captain nach elf Jahren noch mal wieder auftauchen, ist also schon mal die erste Freude. Für die zweite zitiere ich meinen Text von neulich: „‚For Irini‘ ist toll! Es ist eine Platte, die gegen das Debüt von vor elf Jahren nullnicht abstinkt. Im Gegenteil: Das Album ist eine Aneinanderreihung von brillanten Ohrwürmern, die genau den sweet spot zwischen intelligentem Pop und knackigem Indie treffen, für den ich so anfällig bin.“

16. Elbow – Little Fictions

Bei Elbow muss man aufpassen, dass man sie nicht übersieht, wenn man so eine Liste zusammen stellt. Denn man hat sich ja fast daran gewöhnt, dass ihre Platten toll sind. Dass Guy Garvey als brummbäriger, sentimentaler Dichter das Schöne und das Wichtige im Leben in Gold gießt. Dass seine Jungs als eingespieltes Team den richtigen Soundtrack für seine grobkörnige Poesie finden. Alle zwei, drei Jahre liefern Elbow was Bildhübsches ab, das schwelgerisch (aber nicht ohne Dissonanzen) die Seele krault. Elbow sind eine Band mit majestätischer Diskographie, aber selbst in diesem Himalaya ist „Little Fictions“ einer der höchsten Gipfel, eine ähnliche Meereshöhe wie „Build A Rocket, Boys“ und „The Seldom Seen Kid“.
Link auf mich selbst: Mein Interview mit Guy Garvey gehörte zu meinen Lieblingsgesprächen des Jahres.

(Anmerkung zur Playlist: Der Captain-Track stammt nicht vom neuen Album, da dies noch nicht auf Spotify zugänglich ist, sondern von ihrem Debüt. Ich nehme mir vor, ihn auszutauschen, wenn’s so weit ist.)

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