Review: Blaue Blume

Blaue Blume – „Sobs EP“

Besonders schnell sind sie nicht, die Dänen. Fast zwei Jahre ist „Syzygy“, das Debütalbum der Kopenhagener, inzwischen alt. Es wäre nicht zu viel erwartet, so langsam mit dem Nachfolger zu rechnen. Vorerst gibt’s allerdings nur 4 neue Songs auf einer EP.

Aber hey, wir wollen uns nicht beschweren. Denn „Sobs“ ist eine sehr feine Sache. Es zeigt sich auch mal wieder: Das Format EP ist eins, das Blaue Blume entgegen kommt. (Schon ihre ersten beiden offiziellen Releases waren EPs: „15.1.12“ sowie „Beau & Lorette“, beide 2014)

Kurze Einführung in Blaue Blume: Das Quartett hat sich auf einen himmlisch-sphärisch-psychedelischen Sound spezialisiert. Ihre Songs sind mehr Prog als Pop, leben von ihren Atmosphären, ihren verwunden verwobenen Soundschichten und von der komplexen Dynamik ihrer Rhythm-Section. Erstes Erkennungsmerkmal bleibt aber die Stimme von Sänger Jonas Smith, dessen Gesangsmelodien Wendeltreppen auf- und ab purzelbaumen und dessen volle Intonation immer wieder an Walgesänge erinnert.

Live sind Blaue Blume ein Phänomen, aber am Debütalbum „Syzygy“ hatte ich bei aller Bewunderung auch ein bisschen was auszusetzen. Trotz aller hypnotischer Schönheit fand ich’s stellenweise zu langatmig, zu ausgefranst, um die Aufmerksamkeit des Hörers über seine ganze Länge bei sich zu behalten.

Ein Problem, das sich bei den Songs dieser EP nicht stellt. Wenn man so will, haben Blaue Blume für ihre Verhältnisse hier vier Popnummern geschrieben.

Das merkt man sofort, wenn’s los geht, denn „Macabre“ startet mit einem melancholisch-bombastischen Gitarrenintro, dessen Hookline sich sofort als Ohrwurm im Cortex einnistet.

„Ebony“ ist mir sogar fast schon zu poppig: Im Refrain kommen für Blaue Blume ungewohnt straighte Drumbeats ins Spiel, dazu ein paar kleine Synth-Effekte mit nervigen Millenial Whoops -das Ergebnis ist ein Harmoniegitarrenpop, der sich für meinen Geschmack nicht weit genug von Coldplay-Nettigkeit distanziert.

Da ist mir „Mayhem“ gleich lieber. Erste Assoziation angesichts des komplexen Drumbeats und der Keyboardloop: Elbow. Bitte als dickes Lob verstehen!

Zum Schluss folgt noch „Haven’t You“. Auch wieder ein Lied, das durch seine wohlige Schönheit besticht, diesmal aber ganz ohne negative Coldplay-Assoziation.

Zusammenfassung: Das Markenzeichen von Blaue Blume ist eigentlich die lose Trippigkeit ihrer Tracks. Was live ihre unverwechselbare Stärke ist, worin auf Platte aber auch ihre Schwäche liegen kann. Auf diesen vier neuen Songs halten sich die Kopenhagener nun fokussierter und disziplinierter an traditionellen Songgerüsten fest, als sie das üblicherweise tun. Auch das hat seine Vor- und Nachteile: Wenn man die wurlige Pracht, die diese Band entfalten kann, zu sehr komprimiert und kanalisiert, besteht die Gefahr des Lieblichkeits-Overloads, siehe „Ebony“. Aber das ist letztlich ein sehr geringer Makel an vier sehr feinen Liedern einer grundsätzlich herausragend guten Band.

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