Review: Catholic Action

Catholic Action – „in Memory Of“

Wie bitte? Das Internet hat die Mechanismen der Musikbranche verändert? Echt jetzt? Verzähl!

Keine Angst, nicht noch mal. Aber ich verweise hier eben noch mal auf meine Rat Boy-Rezension. In der Einleitung schrieb ich darüber, warum viele Bands heute einen langsamen Rollout von fünf, sechs, sieben Singles haben, bevor endlich das erste Album kommt, während Plattenfirmen ihre neuen Signings früher ganz anders positionieren konnten.

Eigentlich ist es ein Wunder, dass wir einem Debütalbum immer noch solche Bedeutung beimessen. Aber es ist so, oder? Das erste Album ist noch immer der Punkt, ab dem eine Band „gilt“. Alles davor ist irgendwie Vorbereitung. Weswegen man so ein erstes Album sehr bewusst setzen muss.

Was uns nun zu Catholic Action aus Glasgow bringt. Seit über eineinhalb Jahren ist das Quartett fleißig dabei, uns mit Singles einzudecken. „L.U.V.“, „Rita Ora“/„Breakfast“, „Doing Well“, „Propaganda“ und „Black and White“ sind seit letztem März erschienen (und davor gab’s offenbar schon einige lokal limitierte Releases in Schottland). Alles kurz-knackige, peppige Indiepopsongs mit Zickzack-Gitarren, Mitmarschier-Rhythmus und augenzwinkernd-cleveren Lyrics.

Man muss einen Namen fallen lassen, wenn man Catholic Action sagt, und der ist Franz Ferdinand. Nicht nur, weil beide Bands aus der gleichen Stadt kommen. Sondern, weil’s ganz einfach zahlreiche weitere Parallelen gibt.

Es wäre ja auch nur fair enough, wenn eine so erfolgreiche und gute Band wie Franz Ferdinand in ihrer Heimatstadt Einfluss auf die jungen Bands ausübt. Das Debüt von FF erschein 2004 – unglaubliche 13 Jahre ist das her. KLAR muss man davon was mitnehmen, wenn man damit aufwächst.

Ein Einfluss ist nur dann ein Problem, wenn man das Gefühl hat, dass eine Band ihr Vorbild nur nachäfft. Dieses Gefühl gibt mir CA-Sänger Chris McCrory nicht. Keine Frage, er hat einen sehr ähnlichen Gesangsstil wie Alex Kapranos. Keine Frage, dass seine Band in ähnlichen rhythmischen Mustern und mit ähnlichen Gitarrenläufen agiert. Keine Frage, die hochgezogene Augenbraue, der spöttische Blick, die wir aus Franz Ferdinands Texten kennen, die erleben wir auch bei Catholic Action. Aber trotzdem nehme ich Chris McCrory das ab.

Es ist ne Instinktsache, sicher. Aber ich behaupte einfach: Das ist keine Masche. Chris McCrory steht nicht morgens vorm Spiegel und fragt sich: „Was würde Alex Kapranos anziehen?“ (Den Gegenbeweis liefert schon Chris’ Langhaar-Matte.) Ich stelle die These auf: Die sind einfach ähnlich drauf. Die möchten was ähnliches rüberbringen. Chris und Alex würden sich mögen und die Witze des Anderen gut finden, wenn sie sich gemeinsam an der Bar träfen, sagt mein Gefühl. Deswegen finde ich es eine legitime, sogar erfreuliche Sache, dass vieles von „In Memory Of“ so klingt, als hätte es auf Franz Ferdinands Debüt landen können.

Zurück zum Album. Wie gesagt, so einige Songs kennen wir schon. Wer die Singles verfolgt hat, weiss, mit wie viel Schmiss „L.U.V.“, „Doing Well“ und „Propaganda“ um die Ecke kommen. Er weiss auch, dass „Breakfast“ vom Gas geht, aber dafür auf einem prima Bassriff einher rollt und dass „Black And White“ bisher CAs melodischster Song war.

Was ist mit den neuen Nummern? Es sind derer sechs, was ein Album von 11 Songs mit 36 Minuten Spieldauer ergibt. Prägnant und ohne Längen, sowas mag ich. Trotzdem: Dass die Single „Rita Ora“, mein bisheriger Favorit, weg gelassen wurde, erschließt sich mir nicht. 12 Songs bei 39 Minuten wäre doch immer noch kurz genug gewesen?

Aber ich wollte die neuen Songs ansprechen. „Say Nothing“ ist ein famoser New Wave-Stampfer, „The Shallows“ eine in der Strophe angenehm reduzierte Ballade, die im Refrain voll auffährt. Weniger angetan bin ich von „New Year“ – auf diesem Boogie erinnern Catholic Action uns daran, dass auch The Fratellis eine Glasgow-Band sind. Ins Bild der arty-Schlauberger-Band, das wir uns bisher von CA machten, passt dieser Hauruck-Song nicht. Aber die smarte Midtempo-Nummer „The Real Thing“ versöhnt uns wieder, bevor uns die Balladen „Childhood Home“ und „Stars and Stripes“ (letztere mit aufbrausendem Finale) aus dem Album heraus begleiten.

Fazit: Die sechs neuen Songs geben uns kein irres Highlight, das die Band noch mal in komplett neuem Licht erstrahlen lassen würde. Aber sie runden die bisherigen Singles zu einem sehr ordentlichen Ganzen auf. Damit ist „In Memory Of“ kein Album, das in die Geschichte eingehen wird, aber eins, das seiner Aufgabe als Debüt gerecht wird. Es stellt Catholic Action der Welt vor. Als Band, deren Spezial-Stärke der Indie-Dancefloor-Knüller ist (siehe „L.U.V.“ und „Doing Well“), die aber auch Allround-Fähigkeiten abrufen kann.

leider nicht auf dem Album: „Rita Ora“

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