Interview: Alex Lahey

Letztes Jahr tauchte Alex Lahey aus Melbourne auf und legte eine prima Single nach der anderen hin: Flotter Indie-Gitarrenpop, zum Platzen voll mit self-deprecating humour. Heute erscheint ihr Album „I Love You Like A Brother“ und erfüllt alle Versprechen. Alex singt über die Komplikationen ihres Liebeslebens, über ihre Zukunftsängste und ihre Freundschaften so, dass es jeder mitfühlen kann. Klar, dass auch ich mich um einen Termin bemühte, als sie Interviews zur Platte gab.

Hello there!

Hey, wie geht’s?

Danke, mir geht’s gut.

Mir auch. Vielen Dank für den Anruf!

Danke für die Gelegenheit! Ich wollte dieses Interview selbst führen, denn ich mag deine Platte!

Danke, das ist sehr nett.

Ich habe eine Frage, die ich in meinen Interviews öfter mal stelle, so gegen Mitte/Ende des Interviews. Bei dir werde ich sie aber vorziehen, denn ich habe gelesen, es ist eine Frage, mit der du dich selbst intensiv auseinander gesetzt hast. Ganz einfach: „Was macht einen Song zu einem guten Song?“

Was macht einen Song zu einem guten Song… also, für mich gilt: Ich finde, ein toller Song ist zeitlos. Er sollte in jedem Moment der Zeit geschrieben sein können, aber die Leute trotzdem erreichen, tief bewegen und über etwas nachdenken lassen – über sich selbst oder über ihre Umwelt. Das, denke ich, macht einen guten Song aus. Wenn er dann auch noch catchy ist oder man dazu tanzen kann, umso besser. Es ist eine gute Sache, wenn man zu einem Song gleich mehrere Reaktionen haben kann.

Schreibst du deine Lieder bewusst mit dieser Vorgabe? Oder lässt du’s raus und hoffst einfach, dass ein Song aus sich heraus diese Qualitäten mitbringt?

Also, ich gehe schon durchaus bewusst an die Sache heran. Ich geben meinen Songs gerne ihren Kontext, aber ich achte schon darauf, dass ich es nicht so tue, dass sie datiert werden können. Die Songs sollen nicht zu sehr auf einen Zeitpunkt festgelegt werden können. Macht das Sinn? Es gibt Dinge, die werden in zehn Jahren kein Thema mehr sein, vielleicht nicht mal mehr in einem Jahr. Deswegen werde ich nicht über, sagen wir mal, Fidget Spinner singen. Dann wär der Song zu festgelegt auf die Kultur in diesem Moment und bald veraltet. Auf solche Dinge passe ich auf.

Ha, da fällt mir ein Beispiel ein! In den frühen 90s, bevor Handies sich durchsetzten, waren doch diese Pager mal der heisseste Scheiss. Es gibt Songs und Videos von Musikern, in denen der Pager daher eine Rolle spielte, weil man zeigen wollte, wie technologisch fortschrittlich cutting edge man ist. Ein solches Video wirkt natürlich heute unfreiwillig komisch.

Genau, und deswegen kann es genauso komisch werden, wenn man heute in einem Song, sagen wir, Instagram als Thema verwendet. Denn wir wissen nicht, wie lange Instagram den Leuten noch was bedeuten wird. In zwanzig Jahren wissen die Leute vielleicht genauso wenig, worum es da geht, wie sie es vor zehn Jahren gewusst hätten. Schon witzig.

Ich glaube, dass bei gutem Songwriting Persönlichkeit eine sehr große Rolle spielt. Ich merke das immer, wenn ich Showcase-Festivals besuche. Da schaut man sich 20, 30 Bands an, die man noch nicht kennt – am Ende überzeugen einen immer die, die Persönlichkeit zeigen, sie müssen nicht die originellste, bahnbrechende Musik machen.
Ich stelle das voraus, weil ich glaube, dass auch deine Songs sehr viel Persönlichkeit haben. Ich habe mir anhand deiner Songs ein Bild von dir gemacht – die Frage ist, wie sehr trifft es zu? Ich habe ein paar Eigenschaften von dir notiert, die ich deinen Songs entnehme. Jetzt wollte ich dich fragen, wie weit du denkst, dass sie zutreffen, okay?

Okay.

Zuerst mal: Ich glaube, du bist eine warmherzige Person. Das entnehme ich dem Song „I Love You Like A Brother“, denn es ist eine nette Geste, seinem Bruder so einen Song zu schreiben. 

Danke, das ist aber nett von dir! Also, ich würde schon gerne von mir denken, dass ich warmherzig bin. Ich gebe mir auf jeden Fall Mühe, auf andere Rücksicht zu nehmen und mich um sie zu kümmern. Ich gebe mir Mühe, ein guter Freund zu sein, ein gutes Familienmitglied und eine gute Partnerin, wenn man in einer Beziehung ist. Also Danke! Ich gebe mir Mühe, und ich hoffe, es stimmt.

Die zweite Eigenschaft wäre dein selbstironischer Humor. Der kommt zum Beispiel im Song „Ivy League“ zum Vorschein.

Tja, ja – also das mag jetzt ein sehr australischer Ausdruck sein, aber wenn man auch mal sich selbst verarscht, dann sagen wir dazu „Taking the piss“. Und das tue ich definitiv, ja, I’m taking the piss, haha.

Die Briten sagen das auch, oder? Die Amerikaner nicht so.

Ja, glaube ich auch.

Nächste Eigenschaft: Du feierst gerne mal. So richtig. Das entnehme ich „Let’s Go Out“

Naja, also, ich feiere eigentlich lieber moderat. Ich bin mehr der Typ für kleine Zusammenkünfte. Für Treffen im kleinen Kreis. Klar, manchmal juckt’s einen doch und man sagt: „Hey, heute machen wir eine so richtig große Partynacht!“ Allgemein aber bin ich zurückhaltender. Aber ich habe gerne gute Leute um mich und ich lache gerne, das ist keine Frage.

Die vierte Eigenschaft wäre: Du bist Romantikerin, das entnehme ich einem Song wie „Air Mail“.

Tja. Ob ich so romantisch bin, weiss ich nicht. Aber wenn ich etwas oder jemanden wirklich mag, dann setze ich mich echt auf die Hinterpfoten, um diese Sache zu einem Teil meines Lebens zu machen. Da bin ich dann auch sehr offen. Wenn ich jemanden mag, dann zeige ich das, dann lasse ich die Person das wissen.

Deine Songs sind also sehr persönlich und das mag ich an ihnen. Ich muss das jetzt mal kontrastieren mit Songs aus den Charts. Da will ich nicht mal ein spezielles Beispiel picken – aber es gibt Hits, dahinter stehen in Klammern 14 Leute als Songwriter… und da komme ich nicht mehr mit. Diese Songs sagen mir nichts mehr. Denn wie wollen mir 14 Typen gleichzeitig etwas Bedeutendes erzählen? Zu viele Köche verderben den Brei, sagt man, und dies ist ein Beispiel dafür. Tja, wie stehst du zu solchen Songs?    

Schau her, ich glaube, dass Songwriting eine Kunst ist, die in vielen Formen daherkommen kann. Ich denke, es ist auf jeden Fall eine besondere Fähigkeit, wenn man mit anderen Leuten zusammen arbeiten kann. Die besitzt nicht jeder Songwriter – und ich habe mich selbst auch damit befasst. Nicht unbedingt für meine eigene Musik, aber ich habe Songs gemeinsam mit anderen Songwritern für andere Künstler geschrieben und das als Ausdrucksform ausprobiert. Ich finde das auf jeden Fall spannend. Denn wie du sagst, meine Musik ist sehr persönlich – und gerade deshalb ist es manchmal interessant, mit der Story von jemand anderem zu spielen, von dort etwas heraus zu ziehen. Es kann nämlich durchaus anstrengen, immer seine eigenen Gefühle offen zu legen. Ich denke, Songwriting ist eine Kunstform und sicher, es gibt Lieder, die haben eine Million Songwriter – aber am Ende gilt doch ganz einfach: Wenn der Song gut ist, ist er gut. Und weisst du, es gibt genug Songs, da steckt nur ein Songwriter dahinter, und sie sind Müll.

Was auf jeden Fall interessant ist. ist zu erkennen, was die Prämisse einer solchen Songwriting-Session ist. Es kommen Leute, die ganz klar sagen: Ich will einen Banger für den Dancefloor schreiben. Aber es gibt auch Songs, die bewusst ein Problem thematisieren wollen, eine Sache ansprechen, über die die Leute reden sollen.

Du hast also gemeinsam mit anderen Autoren für andere Künstler geschrieben – sind diese Songs veröffentlicht, kann ich sie irgendwo finden?

Ich glaube nicht. Da fällt mir jetzt keiner ein. Noch nicht.

Also liegen diese Songs in einem Archiv, und andere Musiker können da ran gehen und sich einen aussuchen? Oder was passiert mit diesen Songs?

Tja, so funktioniert Publishing eben. Man macht eine Session mit irgendjemandem und dann gibt man das Material zurück an den Publisher oder das Label und dann können die letztlich damit anfangen, was sie wollen. Danach ist es nicht mehr in meinen Händen – ich habe mit den Songs nichts zu tun, außer, dass ich sie eben geschrieben habe. Was irgendwie sogar cool ist. Man schreibt, man geht wieder, und schaut, was passiert.

Hast du dieses professionelle Songwriting schon betrieben, bevor deine Solokarriere Fahrt aufnahm? Oder hat man dich darauf angesprochen, weil du den Verlagen aufgefallen bist, als deine Songs bekannter wurden?

Letzteres. Das hat sich entwickelt, nachdem ich mit meiner Sache Anerkennung bekommen habe. Und ich finde es spannend, diesen zweite Möglichkeit zu haben, mich auszudrücken.

Wenn man persönliche Texte schreibt, glaube ich trotzdem, dass es wichtig ist, dass der Hörer die Geschichte auf sich selbst anwenden kann. Deswegen picke ich jetzt doch ein konkretes Beispiel aus den Charts, das ich nicht mag: Die aktuelle Taylor Swift-Single. Darin geht es ganz konkret nur um ihre eigene Situation, sie erklärt all ihre Beefs und pipapo. Ich als Hörer kann nicht sagen: „Sehe ich genau so, zu mir war Kanye auch gemein!“

Tja, das kann stimmen. Ich denke mal, man kann Songs auf verschiedene Arten anhören. Klar, bei Taylor Swift war es immer schon so, dass die Leute spekulierten, um welche ihrer Beziehungen es jeweils ging. Letztendlich ist ein guter Song ein guter Song… aber wenn du jetzt diesen konkreten Song ansprichst, ich weiss nicht. Also, da denke ich mir: Es wäre interessant, was jemand zu dem Song sagen würde, der wirklich null Ahnung davon hat, wer Taylor Swift ist. Wenn jemand von dem offensichtlichen Kontext, in den wir den Song zwangsweise setzen, wirklich keinerlei Ahnung hätte. Was würde diese Person aus dem Song für sich entnehmen? Tja, wir werden’s nicht erfahren.

Aber deine Songs beziehen sich doch auch auf konkrete Personen und ich kann’s trotzdem auf mich anwenden. Dein Lied über deinen Bruder zum Beispiel – auch ich habe einen kleinen Bruder, auch wir haben uns als Kids gezofft und kommen jetzt gut aus. Also kann ich den Song hören und nachvollziehen.   

Vielleicht. Ja, einen kleinen Bruder oder Schwester zu haben, ist wohl eine universellere Erfahrung, als einen Streit mit einem der bekanntesten Rapper in der Welt zu haben. Tja, aber ich habe ja auch diese Erfahrung noch nicht gemacht, dass ich darüber singen könnte. Ich kann ja nur über das singen, was ich kenne und was ich erlebt habe. Und das ist nun mal ziemlich universell, ich bin eine ziemlich normale Person. Die Art individuelle Erfahrung, die quasi nur ein bestimmter Mensch auf der Welt machen kann, widerfährt mir nicht. Ich bin normal. Meine Beziehungen, in all ihren Facetten, sind nicht perfekt, aber sie machen mich happy.

Und das ist eine gute Sache. Weil wir’s nachvollziehen können. Auch ich habe Phasen durchgemacht, in denen ich nicht genug auf mich geachtet habe, so wie du in „I Haven’t Been Taking Care Of Myself“. Was kannst du mir zu dem Song erzählen, ich glaube, er ist ein Schlüsselsong auf der Platte.

Das denke ich auch. Der Song entstand aus einem Gespräch mit meiner Mutter heraus. Ich war damals mit jemand zusammen, aber das war jemand, der nicht wirklich gut für mich war, aus mehreren Gründen. Ich hing irgendwie an dieser Person fest und wurde von ihr in Dinge hinein gezogen. Ich habe mich in der Zeit beim Weggehen zum Beispiel immer ziemlich abgeschossen. Einmal in dieser Phase, als ich mich zum Weggehen fertig machte, da… also, meine Mutter ist jemand, die sehr verständnisvoll ist und sie würde mir niemals etwas vorschreiben. Sie würde nie etwas negatives über meine Leute sagen – aber sie sagte an dem Abend: „Stell nur sicher, dass du gut auf dich achtest“. Da ist mir dann aufgefallen, dass sie Recht hatte. Ich hatte nicht auf mich selbst geachtet, ich hatte mich gehen lassen. Da kam das Ganze her.

Hast du dich dann sofort hingesetzt und den Song geschrieben? Wie läuft das bei dir, zuerst der Text oder zuerst die Akkorde? Wenn du eine Erfahrung machst, die zu einem Song wird, schreibst du es sofort nieder oder gärt die Sache erst mal in dir?

Also, das ist natürlich jedes Mal ein bisschen anders. Aber wenn wir dieses konkrete Beispiel nehmen – und so sehr weicht es meistens auch nicht ab – da war es so: Ich hatte also dieses Gespräch mit meiner Mom und ich habe danach gleich mal die Zeile „I haven’t been taking care of myself“ in mein Handy notiert. Oder war’s „I need to look after myself“? Jedenfalls sowas in der Art. Wenige Tage danach sass ich dann an meinem Computer und sagte mir: Ich schreibe jetzt einen Song darüber, dass ich zuletzt nicht genug auf mich geachtet habe und über all die Dinge, die ich mit diesem Verhalten assoziiere. Ich schrieb es alles runter, meine Gesundheit, mein Aussehen, mein Lebensstil. Ich habe damals einen Haufen Zeilen runter geschrieben und was die Musik angeht – da hatte ich länger schon eine Idee im Kopf. Diese Idee von einem ganz satt vorwärts gehenden Powerchord-Song mit den Akkorden, mit denen der Song beginnt. Ich habe dann den Text und die Musik aufeinander angepasst und hatte das Lied in wenigen Tagen fertig.  Und wenn ich einen Song fertig habe, dann landet er normal auch auf der Platte. Wenn ich merke, der Song kommt wahrscheinlich nicht aufs Album, dann schreibe ich ihn erst gar nicht zu Ende. Aber bei diesem Song bin ich voll bei der Sache geblieben und deswegen ist er auch auf der Platte.

Nachdem du den Song fertig hattest – hast du danach auch besser auf dich selbst geachtet? Hast du dich mit dem Song therapiert, sozusagen?

Ja! Total! Der Song war absolut meine Therapie. Er war ein Wendepunkt, denn ich habe alles auf Papier gebracht. Sicher waren das Dinge, die mir unterbewusst wohl schon klar waren – wie wenn man an einem Schaufenster vorbei geht, sich im Spiegel sieht und denkt: „Mensch, ich habe zugelegt!“ Tja, gar nicht so leicht, darüber zu sprechen. Darüber anderen Leuten im Lied vor zu singen. Es war ja nicht mal leicht, sich das selbst einzugestehen. Aber wenn man diese Grenze erst mal durchbrochen hat, ist einem alles egal, schätze ich mal.

Das bringt uns auch zu dem Song „Awkward Exchange“. Da mag ich zum Beispiel die Zeile sehr gerne: „I’ve figured out you’re just a bit of a dick.“ Denn auch ich kenne natürlich diese Situation in einer kriselnden Beziehung, in der einem klar wird: „Wenn ich dich nicht so anhimmeln würde, fände ich dich nicht mal nett. Wenn ich dich nicht so attraktiv fände, würde ich dich wahrscheinlich gar nicht mögen.“

Ja, genau. Späte Einsicht ist eine wunderbare Sache, nicht wahr?

Du hast den Song also im Nachhinein geschrieben, nicht als diese Beziehung aufs Ende zu ging?

Diesen Song habe ich auf jeden Fall aus der späten Einsicht heraus geschrieben, ja.

Okay. Hast du bestimmte Tricks, die du beim Songwriting anwendest? Wie wichtig sind die klassischen Strukturen, hast du Lieblingsakkorde? 

Nicht wirklich. Ich versuche bewusst, immer wieder was zu ändern. Ich möchte in kein Muster verfallen, denn das glaube ich, kann schnell passieren. Wenn ich einen Trick anwende, dann ist es der, so viel Musik wie möglich zu hören. Und zu versuchen, von den Sachen, die ich höre, etwas mitzunehmen.

Von wem hast du denn zum Beispiel für diese Platte etwas mitgenommen?

Och… musikalisch gab’s ein paar Bands, die ich viel gehört habe, als wir die Platte machten. Wer fällt mir da ein? Die Vaccines zum Beispiel. Auch ein paar Australier, wie zum Beispiel die Middle Kids.

Oooh, die Platte MAG ich!

Ja, die sind super. Es gab auch eine Handvoll Springsteen-B-Seiten, in die ich mich ziemlich reingesteigert habe. Ach, da gab es einen ganzen Haufen Sachen, die ich viel gehört habe.

Ich finde, man muss auch mal was über die Verwendung von „Oh!“s und „Whoah!“s sagen. Mit einem „Oh!“ kann man Enttäuschung genauso ausdrücken wie Enthusiasmus, je nach Betonung – und jeder Mensch auf der Welt kann’s verstehen, ohne Wörterbuch!

Ja, genau!

Du setzt „Ohs“ und „Whoahs“ ziemlich oft ein. In „Wes Anderson“ gibt es diese beinahe geseufzten „Oh-hoho“s, in „Everyday’s The Weekend“ gibt’s voll begeisterte „Who-hoah!“s. Wie finden diese Klänge bei dir ins Songwriting?  

Ich weiss gar nicht, das passiert wie von selbst. Ich lege es nicht bewusst drauf an, aber so eine Stelle ist nun mal sehr catchy, oder sie kann was von einem Schrei haben – und jeder kann sofort mitsingen. Manchmal sind’s genau diese Momente, die den Unterschied ausmachen.

Ich habe gelesen, dass du dein Auto verkauft und deinen Job gekündigt hast, um besser Musik machen zu können.

Ja, das stimmt!

Die Frage dazu: War das, weil du dir sicher warst, dass es klappen würde? Oder war es so eine „Ich muss mich jetzt von bestimmten Dingen lösen, sonst zieh ich’s nie durch!“-Sache? 

Also, das mit dem Auto, das machte damals einfach Sinn und es ist auch schon länger her. Ich brauchte das Geld, um meine EP fertig aufnehmen zu können und mein Auto wäre eh nicht mehr weit gekommen. Meinen Job habe ich erst vor fünf Monaten gekündigt. Da lief in Australien schon recht viel für mich, ich tourte schon recht viel und weitere Konzertanfragen trafen ein und dann taten sich auch noch die internationalen Möglichkeiten auf. Da war es dann ein Ding der Notwendigkeit: Wenn ich das jetzt richtig machen will, dann muss ich mich hundert Prozent drum kümmern können.

Ein, Songwriter, den ich sehr mag, Josh Pyke, vergibt einmal im Jahr einen kleinen Geldpreis an australische Musiker. Dazu  offeriert Unterstützung im Musikbusiness. Du hast letztes Jahr gewonnen!

Yeah!

Du hast auch die Möglichkeit, Josh immer nach Rat fragen zu dürfen. Was für Ratschläge sind das so? Haben sie dir geholfen, als du bei Dead Oceans unterschrieben hast?

Ich habe ihn in der Tat mehrfach angerufen, als es darum ging, Publishing Deals zu unterschreiben. Das fiel damals zeitlich zusammen, sein Preis und meine Verhandlungen. Josh ist definitiv jemand, zu dem man als Songwriter in Australien aufschaut – dafür, wie er es schafft, sich in der australischen Szene als unabhängiger Künstler langfristig erfolgreich aufrecht zu erhalten. Es ist wirklich hilfreich, sich übers Songwriting und über das Drumherum mit jemand unterhalten zu können, der auch als Künstler mitten drin steckt. Was wirklich gut ist: Nicht jeder fühlt sich dabei wohl, übers Thema Geld zu reden. Aber Josh ist da wirklich offen und kommt zur Sache. Was gut ist, denn letztlich ist dies auch ein Business, in dem wir alle über die Runden kommen wollen. Es ist auf jeden Fall immer gut, sich seine Meinung einholen zu können.

Ich liebe Joshs Songs sehr – ich bin ganz traurig, denn er kommt jetzt endlich nach Deutschland, aber nicht nach München! Du aber kommst nach München! Nächstes Mal gibst vielleicht du ihm den Ratschlag, und der wird sein: Komm nach München, Mann! 

Ja, der Wind hat sich gedreht!

Du könntest ihm jetzt in der Tat auch Tipps geben, denn du hast einen internationalen Vertrag – und er ist zwar in Australien sehr erfolgreich, aber im Rest der Welt beinahe unbekannt. 

Ach, nein, da bin ich weit weg von! Ich werde auf keinen Fall Josh Pyke Ratschläge geben, er ist ein australischer Held!

Okay, eine nicht-musikalische Frage: Was hat dich zuletzt wütend gemacht, und was hat dich zuletzt zum Lachen gebracht?

Das letzte, das mich geärgert hat… oh, das fällt mir nichts ein!

Was ja ein gutes Zeichen wäre.

Naja, heute am Flughafen, da dauerte es eine Ewigkeit, bis meine Gitarre endlich auf dem Gepäckband lag. Da war ich schon ganz schön genervt. Das letzte Mal, dass ich wirklich gelacht habe, das war, als ich mit einer Freundin telefoniert habe. Die Lampe an meinem Bett ist so beknackt – es ist eine Snaredrum mit einer Glühbirne drin. Ganz schön cheesy, oder? Ich habe ihr ein Foto davon geschickt und wir mussten drüber lachen. Später bin ich dann runter in die Lobby – und da war stand dann ein komplettes Schlagzeug als Lichtinstallation. Das fand ich echt witzig.

Ja, du bist in diesem selbsternannten „Rock’n’Roll – Hotel“, richtig?

Ja, das ist ihr Ding. Es ist, als wäre man in Las Vegas.

Zum Schluss frage ich immer gerne nach Anekdoten. Da frage ich: Was war die verrückteste Show, die du je gespielt hast?

Also, ich erinnere mich an eine Show mit meiner alten Band in einer echt runter gekommenen Bar in Melbourne. Da gab es dann einen Stromausfall, bzw. der Club hatte zu wenig Strom. Aber über dem Club war noch eine Wohnung, also steckte man dort alle möglichen Kabel ein und leitete sie durchs Fenster in die Bar im Erdgeschoss. Das waren natürlich immer noch nicht genug Steckdosen, wie man gebraucht hätte, weswegen die Bar mit Kerzen beleuchtet wurde. Das war also alles andere als ungefährlich – all diese Kabel, die durchs Fenster geführt wurden. Es regnete natürlich auch noch, schließlich fing auch etwas Feuer – tja, das war definitiv unsere schrägste Show.

Tja, dann hoffe ich mal, dass deine Show in München in ein paar Wochen nicht ganz so schräg wird. Ich freue mich drauf!

Ja, ich mich auch!

Und damit bin ich fertig! Vielen Erfolg für die Platte und bis bald in München!

Danke!

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