Review: Superfood

Superfood – „Bambino“

Auf ihrem zweiten Album klingen Superfood ziemlich anders als auf ihrem Debüt. Man könnte jetzt sagen „Das kam unerwartet“. Aber so unerwartet kam’s gar nicht.

Als Superfood so 2012/2013 auftauchten, da waren sie Teil einer ganzen Clique neuer Bands aus Birmingham. Wer damals Peace sagte, der musste auch Swim Deep sagen, und wer Swim Deep sagte, musste auch Superfood sagen. Superfood waren die letzten der drei, die mit einem Album um die Ecke kamen. Aber die besten. Peace hatten ein ganz okayes Debüt hingelegt mit „In Love“. Das war ein bisschen Foals, ein bisschen early 90s-Indie. „Where The Heaven Are We“ wiederum, das erste Album von Swim Deep war eher wischi-waschi. Ein paar niedliche Melodiepop-Momente, aber auch eine Menge nicht bemerkenswertes Geplodder.

Superfoods „Don’t Say That“ dagegen war ein durchwegs peppiges, griffiges Gitarrenpop-Album, das Britpop-Hurra a la Supergrass und den Baggy-Schwof-Pop von Blur zur „Leisure“-Ära mit einem Grinsen zusammen dengelte. Wenn man sie darauf ansprach, wunderten sie sich aber ein bisschen über die klare Zuordnung zum Gitarrenindie. Kennengelernt hatten sich Dom Ganderton und Ryan Malcolm schließlich in einer Disco, in der Dancemusic lief, und die Vorarbeit an ihrer Musik machten sie am Computer.

Auch mit ihrem zweiten Album sind Superfood später dran als ihre Kollegen aus Birmingham, zwei Jahre sogar. Aber ihre Freunde haben beide auf Album zwei eine Schippe draufgelegt. Peace haben ihren Sound auf „Happy People“ nicht unbedingt verändert, aber knackiger auf den Punkt gebracht. Swim Deep haben sich auf ihrem Zweitling „Mothers“ nicht weniger vorgenommen, als ein „Screamadelica“ für 2015 zu schaffen. Das hat zwar nicht geklappt, aber so einige spannende Musik ist dabei entstanden. Somit wäre es eine Überraschung gewesen, hätten Superfood sich davon nicht angespornt und herausgefordert gefühlt, ebenfalls einen Schritt nach vorne zu machen.

Dass es überhaupt eine zweite Platte gibt, war allerdings gar nicht so selbstverständlich. Die Band hat sich nach „Don’t Say That“ mit ihrer Plattenfirma überworfen, weil man sich in die Gitarrenecke gedrängt fühlte und dort raus wollte. Geld hatte man mit dem Album auch keins gemacht und war chronisch pleite. Es war also auch ein finanzielles Problem, Superfood am Laufen zu halten und neue Aufnahmen zu stemmen. Es spricht für Doms und Ryans Zielstrebigkeit und Glauben an sich selbst, dass sie’s durchgezogen haben und uns nun „Bambino“ präsentieren.

Was haben sie nun verändert? Nun, die Gitarren sind weitgehend aus dem Klangbild verschwunden. Nicht komplett, aber Betonung liegt nur noch selten auf ihnen. Und das Ganze ist tanzbarer. Es sind aber nicht unbedingt Tech- und Disco-Klänge, sondern Dub-Elemente und HipHop-Beats, die in Superfoods Welt finden. Treu bleiben Dom und Ryan dabei den Songstrukturen. Ihre Lieder haben (meistens) Strophen und Refrains, nur die Arrangements sind jetzt halt unberechenbarer. Das Ergebnis ist eine pulsierende und mit sich selbst mitwippende Dancepop-Platte – die Sorte Dancepop. für die Indiegitarrenkids offen sind.

Was ich damit sagen will? Ich nenne mal ein paar Vergleiche. Nicht, weil ich sagen will, dass diese Lieder genau nach den Bands klingen, die ich gleich in den Ring werfe, dazu sind die Arrangements von Superfood doch immer ein bisschen zu eigenwillig. Sondern, um eine Andeutung zu geben, in welchem Ballpark wir uns bewegen.

Also los: Die Single „Unstoppable“ ist der Song. den man in der Disco vor oder nach Gorillaz’ „Feelgood Inc“ auflegen kann. „Clo Park“ mit seinen Tropicalia-Drums, seinen WahWah-Effekten und seinem Spielzeuggitarrensolo könnte von Becks „Midnite Vultures“ kommen, „Where’s The Bass Amp“ wiederum von „Odelay“. Bei „Raindance“ muss ich an die DIY-Grooves von Metronomy denken, „Shadow“ ist nicht weit weg von einer Jagwar Ma-Nummer und „I Can’t See“ schließlich is so laid back, dass mir zwar ein Vergleich auf der Zunge liegt, aber ich mich darüber jetzt nicht verrückt mache, dass er mir nicht einfallen will.

Damit’s noch mehr Abwechslung gibt, unterbrechen die Dom und Ryan die Songs auch immer mit kleinen, stimmungsvollen Instrumentals. In der Summe ergibt das ein fluppiges, gut gelauntes Album, bei dem man immer wieder unbewusst mitgrooven muss. Dass es eine Mühe war, dieses Album fertig zu stellen, hört man in keiner Sekunde.

Ich war ein großer Fan von Superfoods Erster „Don’t Say That“ (offenbar anders als die Band selbst). Wenn man mir vorher gesagt hätte: „Auf ihrem zweiten Album klingen sie nach Metronomy und Gorillaz“ – dann wäre ich wahrscheinlich nicht so happy gewesen. Aber ich kann mich mit den neuen Superfood jetzt doch sehr gut anfreunden. Das ist ne lässige Platte.

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