Interview: Paul Draper

Immer schön, einen alten Helden sprechen zu können. Paul Draper am Telefon! Menschenskind, was habe ich Mansun geliebt in den späten Nineties! „Attack Of The Gray Lantern“ und „Six“ waren DIE Platten für mich. Ich hab’ die B-Seiten gesammelt damals und alle mit meiner Obsession zugeschwallt. Okay, ihr drittes Album „Little Kix“ konnte den Level nicht halten. Aber es waren immer noch Mansun.

Ich bin nicht der Einzige, für den diese Band Kult war. Meine Zuneigung zu der Band (nur einmal und nicht öfter ihretwegen nach England geflogen) fällt aber noch moderat aus im Vergleich zu der Besessenheit vieler anderer Fans. Ich war ja noch nicht mal auf einer der jährlichen Mansun-Konventions! Echt, die gibt es, seit ein paar Jahren!

Aber irgendwas mussten die Fans ja tun. Mansun waren wie vom Erdboden verschluckt nach ihrer Implosion während den abgebrochenen Aufnahmen am vierten Album. Was war los? Was ist seitdem passiert? Fragen, die ich Paul Draper natürlich gestellt habe. Freitag erschien sein Solo-Comeback „Spooky Action“. Interview: Paul Draper weiterlesen

Review: The Preatures

The Preatures – „Girlhood“

Hmm. Das ist jetzt schon ein bisschen schade. Ich LIEBTE das erste Album der Preatures. Ganz doll sehr. Ich verteidigte es vehement gegen alle, die sagten: „Das ist mir zu mainstream“. Weil ich fand, dass die Platte echten Pep hatte. Sie hatte diese Art Songs, bei denen man wie von selbst mitschnipsen musste, allem voran natürlich bei der Single „Is This How You Feel“. Dieser kleine Welthit begeisterte auch mit seinem smarten Arrangement: Das blieb bewusst luftig, da hatten Bassline, Gitarrenlick und Boy/Girl-Vocals alle ihren Raum.

Auch die letztjährige Single „I Know A Girl“ löste bei mir genug aus, dass ich extra einen kompletten Beitrag drüber schrieb.

Aber jetzt ist es da, das zweite Album von Isabella Manfredi und ihren Boys aus Sydney – und die gewohnte Begeisterung will dieses Mal irgendwie nicht aufkommen.

War meine Vorfreude, meine Ansprüche zu hoch? Klar, das ist immer ein Faktor. Wenn man die Latte zu hoch legt, sieht auch ein guter Sprung aus, als sei er drunter durch gegangen.

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Alice and Kicking

„What if it’s not meant for me, love?“

Dieser Refrain spricht nicht unbedingt dafür, aber trotzdem ist das Verliebtheits-Lied  „Don’t Delete The Kisses“ ein untypisch glücklicher Song für Wolf Alice. Einer meiner Favoriten 2017, yeah! Jetzt gibt’s ein Video, das den Text ganz gut einfängt. Das Album „Visions Of A Life“ kommt am 29.09.

Ich darf schon mal damit angeben, dass ich Ellie Rowsell gestern fürs Oktober-piranha am Telefon hatte. Das Transkript unseres Gesprächs werde ich dann um die VÖ des Albums rum wieder hier online stellen.

Goldplay

Jetzt geht’s aber los! Das dritte Video in kurzer Zeit von Gold Class? Na, die sind aber aktiv zur Zeit! Das neue Album steht erkennbar vor der Tür. Neun Tage noch, dann erscheint „Drum“. Es wird für mich zu den Alben des Jahres gehören, eine verdammt intensive Platte ist das geworden! Vorab ein neuer Performance-Clip des Songs „Get Yours“

BAD Soundsystem

Ich mag den Ansatz der Bad Sounds. Die Band um die Brüder Callum und Ewan Merrett setzt seit ihrer letzten Single „Zacharia“ eine neue Taktik ein: Viele Musiker stellen ein Standbild auf youtube, wenn sie einen neuen Song, aber noch kein Video dazu haben. Die Merretts drehen statt dessen Lo-Lo-Lo-Lo-Lo-Fi Videoclips, die keine zehn Pfund gekostet haben können. Aber trotzdem ist es ein Unterschied zu einem statischen Bild, oder? Es bewegt sich was. Hätten sie nur das mit Musik unterlegte Cover der kommenden EP „Mixtape One“ geteilt, hätte ich den Clip nicht gepostet. So schon. Funktioniert also.

Review: 5 Billion In Diamonds

5 Billion in Diamonds – „5 Billion in Diamonds“

Auch dieses Mal wieder, bevor ich loslege, ein paar lose Überlegungen.

Wir wissen alle, Ebbot Lundberg muss man super finden. The Soundtrack Of Our Lives, was war das für eine umwerfende Band! Ebbot war ihr Mittelpunkt. Ein kauziger, kugelrunder Wikinger im Kaftan, der psychedelischen Hippiekram mit viel Wortwitz genau auf den Grat hin textete, dass man nie wusste: Steckt der tief eingelesen in der Materie drin? Oder macht er sich einen Spaß draus? Seine Band tobte sich derweil auf einer Spielwiese zwischen transzendentem Rock und Oasis’scher Britpop-Power aus. Man sagt zu viel zu vielen Bands „Kultband“, aber TSOOL (und ihre Vorgänger Union Carbide Productions, nicht zu vergessen) waren eine. Trotzdem: In ihren letzten Jahren waren Soundtrack zwar Stammgäste auf der SWE-Nr. 1, außerhalb aber ihres Heimatlandes taten sie sich schwer, Labels zu finden.

Seit der Bandtrennung hat Ebbot Lundberg mehrere Soloalben veröffentlicht. Dem Vernehmen nach sind sie prima. In Schweden charten sie zuverlässig. Aber ehrlich gesagt, ich habe die Platten nicht verfolgt.

Meine Reaktion dagegen, als ich mitkriegte, dass Ebbot Lundberg eine neue Band hat! Eine „Supergroup“ sogar, wenn man so will, mit anderen Promi-MItgliedern wie Producer-Gigant Butch Vig (Nirvanas „Nevermind“, Smashing Pumpkins, außerdem trommelt Vig bekanntlich bei Garbage)!
Da krähte ich vor Begeisterung, als ich das las!

Deswegen dieses Intro – weil ich versuche, mir das selbst zu erklären. Warum diese Diskrepanz? Warum mein mildes Desinteresse an Ebbot solo, aber die Vorfreude auf seine neue Band?

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My Name Is Jonas

Hurra, Neues von Jonas Alaska!

Nachdem sein drittes Album „Younger“ ja die „E-Gitarren-Platte“ des norwegischen Songwriters war, dessen Stil ich an dieser Stelle „Scandinavicana“ nennen werde (= die nordeuropäische Variante von Americana), fragte ich mich, ob’s wohl auf Album vier wieder einen Stilwechsel geben wird. Die erste Single „The Moon & The Steeple“ deutet aber an, dass all das, was wir an Jonas Alaska lieben, am richtigen Platz geblieben ist.

Zur Erinnerung: HIER mein Interview mit Jonas aus Anlass der VÖ seines ersten deutschen Albums (das wiederum eine Kompilation seiner zwei ersten norwegischen Alben war)

Review: The Creases

The Creases – „Tremolow“

Achtung! Bevor ich über diese sehr gelungene, lebhafte Britpop-Platte aus (wo sonst) Australien schreibe, werde ich mal wieder ausholen.

Zu meiner Entschuldigung: Ich bin nun mal ein Kind der 70er, ein Teenie der 80er und war als Twentysomething bewusster Anhänger des Britpop. Darauf bin ich geprägt und darin bin ich gefangen. Als ich zum Beispiel mein Abi machte, da gab’s The Smiths, Pixies, The Cure, The Stone Roses, Ride. Diese Frisuren und Attitüden waren und bleiben für mich der Zenit dessen, was cool bedeuten konnte und kann. Das waren meine Rebellen. Meine individualistischen, stylischen, kunstbeflissenen, smarten Rebellen. Aber vermutlich ging die Prägung schon in Kindeszeiten los, weil die Beatles-Filme „Help“ oder „Yellow Submarine“ oft genug im Fernsehen kamen. Vier Jungs mit Gitarre, Gitarre, Bass und Drums sind für seitdem für mich die ewige Verkörperung von Nonkonformismus, Expression, Freundschaft, Zusammenhalt, Aufmüpfigkeit und vom Glauben, dass man gemeinsam etwas schaffen kann, das man alleine nicht schafft.

Deswegen beschleicht mich ein ungutes Gefühl, wenn ich sehe, dass heute gefühlt nur noch Solisten unterwegs sind. Ob jetzt Singer/Songwriter, Electronic Landfill-Producer, Rapper, egal. Alles selbstzentrierte Egomanen: MEINE Gefühlswelt, MEIN Kopfkino, MEINE Selbstdarstellung! Ich bilde mir ein, dass diese Solo-isierung der Musiker schon irgendwie symptomatisch steht für die Jeder-für-sich-isierung einer Welt, in der jeder sich selbst über alles und alle anderen stellt, seinen Profit über das Wohl der Allgemeinheit. Dafür, dass wir verlernen, gemeinsam zu arbeiten.

Deswegen sehe ich gerne Bands. Außerdem mag ich Songs.

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