Review: The Ocean Party

The Ocean Party – „USA Tour 2017 EP“

Wohl kaum eine andere Band arbeitet zur Zeit so schnell wie die aus Wagga Wagga stammenden und inzwischen in Melbourne ansässigen The Ocean Party. Im Oktober erst habe ich „Restless“ besprochen, ihr bereits offiziell sechstes(!) Album seit ihrem 2012er Debüt „The Sun Rolled Off The Hills“.

Und schon wieder gibt’s was Neues! Diese 9-Song-EP, die in Australien schon im April erschien (aber erst seit dieser Woche auch in den deutschen Streamingdiensten und Downloadshops zur Verfügung steht) ist sogar nicht mal ihre einzige Release seit „Restless“! Zwischendurch gab’s eine weitere AUS-EP namens „B-Grade Material“. Menschenskind – man kommt auch als Fan kaum hinterher!

Warum gelten diese zwei Releases (und auch „Mess & Noise Critics Poll 2015“ aus dem Januar 2016) als EPs, obwohl sie mit je 9 bis 11 Songs nicht so viel kürzer sind als The Ocean Partys Alben? Da kann ich nur raten. Aber meine Theorie ist, dass das Sextett die Alben mit etwas mehr Mühe und/oder Budget aufnimmt. Schließlich habe ich in meinem Text zu „Restless“ behauptet, dass die Band sich von dem sympathisch schratteligen Lo-Fi-Dolewave ihrer Anfangstage inzwischen erkennbar in Richtung fein durchkomponierter Janglepop-Musik bewegt habe.

„USA Tour 2017“ ist insofern ein Rückschritt. Hier klingen die Australier entschieden weniger produziert als auf „Restless“. Alles wirkt wieder ein bisschen mehr aus dem Ärmel geschüttelt. Das Albumcover lässt auch erkennen: Diese EP war ursprünglich als Tape konzipiert – ein Format, das man nur in limitierter Stückzahl auflegt. Das legt den Schluss nahe: Die EP ist offenbar quasi nur ein Snack zwischendurch, die nächste offizielle LP wird dann wohl wieder eine Hauptmahlzeit.

Das heisst aber ja nicht, dass ein schnell zubereiteter Snack nicht auch viel Gehalt und Geschmack haben kann. So ist es hier. Ja, man erkennt, dass bei den Aufnahmen schnell und spontan gearbeitet wurde. Egal, wenn eine Gitarre im Mix lauter ist als die andere oder wenn der Gesangston mal nicht hundertpro sitzt – man ist hier nicht bei Pedanten.

Genau diese spürbare Lockerheit, diese relaxte Unbemühtheit, entpuppt sich als die Qualität, die diese Songsammlung ganz besonders auszeichnet. Diese EP umspielt ein befreites, spielerisches Gefühl, das auf „Restless“ so nicht zu finden ist. Schön.

So ehrlich muss ich ja sein: Als ich entdeckte, dass man die EP jetzt auch bei uns kriegt, fragte ich mich zuerst durchaus: „Brauche ich wirklich schon wieder noch eine Ocean Party-Platte? Zumal’s ’nur‘ eine EP ist? Wird mir das was Neues bringen?“
Jawohl, das tut „USA Tour 2017“ ganz entschieden. Dies sind 25 Minuten wunderschöner, stimmig zusammenhängender LoFi-Leichtigkeit.

 

 

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