Review: The Embassy

The Embassy – „Background Music For Action People EP“

Ach guck. Die sind auch noch aktiv. Vier Jahre hatte man so gar nichts gehört vom Göteborger Duo The Embassy, da sind sie mir vom Radar verschwunden. Umso erfreulicher die Überraschung: Doch, sie machen weiterhin Musik. Und ja, sie klingen haargenau wie immer. Genau soll hat es zu sein, bei dieser Band.

Fredrik Lindson (Gesang) und Torbjörn Håkansson (Produktion) gründeten ihr Popduo 1999. Ihr Debüt „Futile Crimes“ kam 2002, klang aber nach 1988. Nach Tweepop, post-C86 sowie zarten Schritten Richtung Tanzbarkeit, nach den prä-Baggy Vibes des erwachenden Manchesters. Das war nett und keinerlei Vorwarnung für den Klassiker, den sie 2005 raushauen sollten.

Okay, ein Klassiker ist ihr zweites Album „Tacking“ nur in eingeweihten Kreisen. (Wir nennen uns jetzt mal so, ähem.)  Aber die Platte war super. Sie war wie der Blick in ein alternatives Universum, in dem 1990 kurz vorm Erscheinen von „Screamadelica“ stehen geblieben war. Ein Universum, in dem House-Klavierloops und Indiepopsongs eine ewige Liaison eingegangen waren. „Tacking“ klang völlig losgelöst aus seiner Ära, geradezu provokant retro, aber auch unbeeindruckt zeitlos. Zuhause in Schweden waren The Embassy ab jetzt Kritikerlieblinge, im Rest der Welt zumindest in bestimmten Zirkeln Kultfiguren. Ich jedenfalls habe The Embassy immer fleißig im Atomic-Britwoch-Programm eingebaut. Wenn z.B. gerade ein Indie-Dance-Block lief, dann passten sie prima, weil sie die Beats hatten, aber auch so ein undefinierbar organisches Gitarrenpop-Element, das man nicht einordnen konnte.

Und weil’s so schön zeitlos war, haben The Embassy seitdem an ihrem Sound praktisch nichts geändert. Vereinzelte Singles überbrückten die acht(!) Jahre bis zum dritten Album „Sweet Sensation“ (2013). Auf dieser Platte nahmen sie ihren aus der Zeit gefallenen Indie-Housepop-Faden auf und strickten ihn unbeirrt weiter. Sehr schön in dem Zusammenhang: Das Albumcover, das mit Stolz seinen Bezug zu den späten 80s präsentierte.

Tja, und jetzt melden sie sich also wieder. Mit vier Tracks, von denen eigentlich nur zwei „gelten“. Denn Titel #1 („Abstract“) dauert gerade mal 1:34 Minuten und Titel #4 („Hommage“) gerade mal 38 Sekunden. Diese beiden kurzen Loop-Impressionen rahmen zwei urtypische Embassy-Titel ein. „MD“  besteht aus dem typischen Klavier-Riff, altmodischen Beat- und Soundeffekten. Es ist nicht nur der Refrain „Sing me Your Lovelife“, der den Hörer an New Order  denken lässt – die Schweden kreieren hier einen Sound, den New Order in den Jahren zwischen „Technique“ und „Republic“ gemacht haben könnten.

„Nowhere“ wiederum ist so herrlich unverschämt rückwärtsgewandt, dass es quasi als Hommage an The Embassy selbst durchgeht: Das Duo mopst bei „Was That All It Was“, dem finalen Track von „Tacking“.
„We’re going nowhere“ tönt Fredrik Lindson, als wäre es ein Manifest. Und tatsächlich, The Embassy treten stolz und fest auf der Stelle, seit 2005. In einem Sound, der in die Ära 1989/90 gehört – aber auch in all die Jahre seitdem. Und in alle, die noch kommen.

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