Review: Pokey La Farge

Pokey LaFarge – „Manic Revelations“

Die Platte ist seit über zwei Wochen draußen. Dass ich bis jetzt noch nicht drüber geschrieben habe, verrät vielleicht: Irgendwie kann ich mich diesmal nicht ganz so für die Sache begeistern. Hmmm.

Also, ich kann nicht für mich in Anspruch nehmen, ein früher Entdecker dieses Songwriters gewesen zu sein. Ich stieß auf Pokeys fünftes Album (schlicht „Pokey LaFarge“), da war es schon ein Jahr alt. Und es war ja bereits sein fünftes, wohlgemerkt. Aber es haute mich total aus den Socken. Denn Andrew Heissler aus Bloomington, Illinois (unter diesem Namen wurde Pokey geboren), brachte was ganz Besonderes auf die Tonspur: Country, wie er in den 40er Jahren klang. Western Swing, Ragtime, Blues, Bluegrass. Dabei war er voll in seinem Element. Man hat bei Pokey nie das Gefühl, dass da jemand einen Stil kopiert. Sondern, dass diese leicht anachronistische, altertümliche Sprache halt die ist, in der er sich ausdrückt.

Jack White himself hatte jenes Album produziert und auf seinem Third Man Records Label veröffentlicht. Danach konnte Pokey, der von Album zu Album langsam seine Fanbase vergrößert, seine Band erweitern. Aus The South City Three wurde ein Septett – und das sechste Album „Something In The Water“ blühte infolgedessen so richtig auf, weil Pokeys virtuose Band ihm ermöglichte, den Sound in noch mehr Varianten auszuloten. (Meine Rezension hier auf dem Blog war ziemlich begeistert.)

Auch auf „Manic Revelations“ ist die Band zu siebt. Sie sollten jetzt sogar noch eingespielter sein. Aber wie oben bereits angedeutet: Diesmal zieht’s mir irgendwie nicht die Schuhe aus. Warum?

Es kann natürlich sein, das der Überraschungseffekt weg ist. Als ich Pokey zum ersten Mal hörte, kam seine Musik komplett unerwartet für mich. Jetzt verfolge ich den guten Mann ein paar Jahre, da habe ich schon mal zum Einstieg hohe Ansprüche.

Aber es ist nicht so, dass Pokey stehen geblieben wäre und es nichts Neues zu entdecken gäbe. Die Band hat sogar einen erkennbaren Shift im Sound vorgenommen. Auf ihrem neuen Album stehen die Bläser sehr im Mittelpunkt. Dadurch hat man sich vom Country wegbewegt und ist mehr in die Richtung des Pop-Rock’n’Roll gegangen, wie ihn auch Kitty, Daisy & Lewis bearbeiten. Eigentlich ein smarter Move – er zeigt, dass Pokey & Co nicht auf der Stelle treten. Dass, auch wenn die Band sich im Retro-Gebiet bewegt, doch jede Platte etwas anders klingt als die anderen. Das ist natürlich ne gute Sache.

Auch positiv: So rückwärtsgewandt die Klänge sein mögen, die Texte sind’s nicht. Gleich der erste Song „Riot In The Streets“ zum Beispiel wurde von Pokey im Zuge der Demonstrationen der „Black Lives Matter“Bewegung gegen Polizei-Brutalität geschrieben.

Ich kann also objektiv keine Argumente dafür finden, dass Pokeys neues Album nicht so prima wäre wie sein Vorgänger.
Deswegen muss ich subjektiv werden: Ich mag einfach den Country-LaFarge lieber als den Pop-Rock’n’Roll-LaFarge. Das ist einfach mein Geschmack. Tja. So schaut’s aus.

Also, nicht falsch verstehen. Pokey LaFarge ist ein Ausnahmetyp. Seine Band sind Spitzenmusiker. Vielleicht wäre ich völlig bezaubert, wenn „Manic Revelations“ meine erste Begegnung mit dem Mann gewesen wäre. So sage ich: Hey, gute Platte. Hört rein! Aber „Something In The Water“, „Pokey LaFarge“ und auch „Middle Of Everywhere“ (2011, noch mit The South City Three) sind meiner Meinung noch besser.

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