Review: Day Wave / Hazel English

Day Wave – „The Days We Had“

Hazel English – „Just Give In / Never Going Home“

Tja. Da läuft man durch die Welt und versucht, den Leuten zu erzählen, man sei offen für Neues. Man redet sich ein, das Originelle zu suchen, das Eigenständige, das Individuelle. Aber ab und zu stößt man an seine Grenzen. Da liebt man, liebt liebt liebt man genau das, was man längst kennt. Mein Kryptonit ist melancholisch-freundlicher Janglepop. Bringt mich in die Nähe dieses Kryptonits und ich werde in die Knie gehen. Für immer.

Originalitätspreise gibt’s wirklich nicht zu vergeben für die zwei Alben von Day Wave und Hazel English. Hölle, die bleiben der Janglepop-Schablone so treu, dass man die zwei Alben in eine gemeinsame Shuffle-Playlist packen könnte und immer erst, wenn der Gesang einsetzt, erkennt, wer von beiden den laufenden Song lieferte. Flötende Damenstimme? Aha, Hazel Englisch. Flötende Jungsstimme? Okay, Day Wave.

Beide kommen auch noch aus der gleichen Stadt! Oakland, California!

Beide halten sich strikt an die Regeln, die das Genre aufgestellt hat: Ganz bestimmte Akkorde in ganz bestimmten Reihenfolgen. Gitarren, die sanft in Richtung Shoegazing schnurren. Schüchterne Synthies, die sich aber ab und zu mit geradezu euphorische Hooklines erlauben. Drummachines. Basslines, die bei Simon Gallup in die Schule gegangen sind. Texte, in denen es um den/die Liebste geht, den/die man wirklich sehr anhimmelt, weswegen man so happy ist, wenn’s gerade gut läuft und so unglücklich, wenn er/sie zickt.

Man darf sowohl Day Wave als auch Hazel English (und übrigens auch Fazerdaze, die ich hier aber noch mal gesondert featuren werde) vorwerfen, nach einem vorhersehbaren Rezept zu arbeiten, bei dem sie immer nur die Konzentration der Zutaten variieren. Aber wen stört das, wenn das Ergebnis so herrlich schmeckt?

Okay, Man kann die beiden dann doch unterscheiden. Day Wave ist einen Schritt weiter in seiner Karriere. Jackson Philips (so heisst der junge Kalifornier hinter diesem Ein-Mann-Projekt) hat bereits letztes Jahr seine ersten EPs auf der „Headcase / Hard To Read“ – Compilation zusammen gestellt. „The Days We Had“ ist also sein erstes properes Album und man hört, dass er in der Zeit nach den EPs Erfahrung und Selbstvertrauen gesammelt hat. „The Days We Had“ klingt klarer, prägnanter, weniger verwaschen als sein bisheriges Material. Poppiger, genau. Mit flotten Nummern wie „On Your Side“, „Promises“ oder „Something Here“ könnte man die Indie-Disco füttern, ohne dass sich gleich der Dancefloor leert. Die Drums sind nicht nur als Begleitung im Mix, sondern geben tatsächlich Schub.

Hazel English, die Australierin, die sich ebenfalls in Kalifornien nieder gelassen hat, ist jetzt genau an dem Punkt, wo Day Wave letztes Jahr war. „Just Give In/Never Going Home“ ist offiziell noch kein Album, sondern eine Sammlung ihrer bisherigen Singles und EPs. Bei ihr ist alles noch ein bisschen mehr Lo-Fi. Die Gitarren haben die Vorfahrt vor den Synthies. Der Sound hat noch seinen Fuzz, während es bei day Wave cleaner geworden ist.

Sagen wir’s so: Beide Bands bewegen sich in einem Feld zwischen Best Coast und Postal Service, aber Hazels Radius überschneidet sich mehr mit dem von Best Coast, während Jackson sich klar Richtung Postal Service bewegt hat.

Tja, und viel mehr kann ich auch gar nicht sagen. Dies sind eben Genreplatte. Aber sie bringen ihr Genre sonnig und lieblich auf den Punkt. Und wer sowas mag, wird’s lieben.
Und jetzt, Jackson und Hazel: Wenn ihr schon in der gleichen Stadt wohnt, findet doch bitte zusammen und macht gemeinsam viele kleine Lieder!

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