Review: Rey Pila

Rey Pila – „Wall Of Goth EP“

Ich hab’s versucht. Ich wollte durch die Beschreibung der neuen Rey Pila EP durch kommen, ohne das Wort „Strokes“ fallen zu lassen. Denn welche Band wird schon gerne dauernd mit einer anderen verglichen? Und das dann über Jahre?

Aber es hilft ja nix. Ich komme nicht dran vorbei. Sorry also, aber in dieser Rezension wird ein Wort mantraartig wiederholt werden und es ist ein Anagramm von „Stoerks“.

Nun denn. Seit ihrer Gründung 2010 in Mexico City gelten Rey Pila als „die mexikanischen Strokes“. Zuerst mal der Gitarren, der Ausstrahlung, der Schnodderigkeit wegen. Später gab es dann tatsächliche eine enge Verknüpfung. Frontmann Diego Solórzano und seine Band ließen sich in New York wieder, Ihr starkes zweites Album „The Future Sugar“ (2015) wurde nicht nur von Strokes-Sänger Julian Casablancas produziert, es erschien auch auf seinem Label Cult Records – und es klang mit seinen leicht übersteuerten Vocals, seinen schugga-schugga-schugga- und Niieröörnh-Gitarren und seinen knalligen Synthies, als hätte man die Tron-Strokes von „12:51“ auf Albumlänge ausgewalzt. Man musste das Album nicht wahnsinnig originell finden, aber daran, dass es famosen Indierock-Spaß machte, gab es keine Zweifel.

Eineinhalb Jahr nach diesem Album melden Rey Pila sich jetzt mit einer EP zurück, aber Cult Records scheint nicht mehr involviert zu sein. In der Beschriebung findet sich der Name „Chill Apocalypse“. Das bandeigene Label? Ob freiwillig oder unfreiwillig, eine geschäftliche Loslösung von den Strokes hat offenbar stattgefunden. Auch musikalisch haben Rey Pila eine klar erkennbare Änderung vorgenommen: Auf der „Wall Of Goth EP“ dominieren die Synthies. Das Klangbild ist New Wave-Pop aus der Mitte der 80er, nicht Garagenrock der frühen 2000er.

Aber trotzdem: Dem Schatten der Strokes können Rey Pila weiterhin nicht entkommen. Ist es ihre Melodieführung, ihre Attitüde, das Gesamtfeeling? Auf dem ersten Song der EP, „How Do You Know“, da mopsen die Mexikaner zwar quasi jeden einzelnen Klang von New Orders „True Faith“. Aber trotzdem bleibt da ein nicht weg diskutierbares Strokes-Element. Beschreiben wir’s so: Wenn die Strokes „True Faith“ covern würden, das Ergebnis klänge vermutlich genau wie „How Do You Know“.

Aber das ist ja nichts Negatives. Im Gegenteil, beim Gedanken einer New Order/Strokes-Kombi sollte doch jedem Indie-Fan das Wasser im Mund zusammen laufen. Mit „Ninjas“ folgt sogar ein absolutes Highlight. Die zackige Uptempo-Nummer dieser EP ist ein verchromter Indie-Dancefloor-Stürmer, der volle (Mr.) Breitseite gibt. Yay!

Bei „Sunday Games“ und „No Man’s Land“ gehen Rey Pila dann jeweils wieder einen Schritt weiter vom Gas. Aber auch wenn meine erste Assoziation dieser Synthiesounds die US-New Wave-Popper The Cars sind, ca zu „Panorama“ (1980) und „Heartbeat City“ (1984) – hört euch die Refrains an und erzählt mir, dass sie euch nicht an Julian Casablancas erinnern!

Aber, wie oben schon gesagt, das ist nichts Schlechtes. Die Strokes haben uns schließlich ein paar der höhepunktigsten Höhepunkte im Universum des Indie geliefert. Auch wenn sie zuletzt oft lustlos und unmotiviert wirkten, bleibt es ein gutes Zeichen, mit ihnen verglichen zu werden. Die 80s-Klangwelt, in der Rey Pila ihre Strokes-ismen hier nun stattfinden lassen, gibt ihnen eine stimmige neue Geschmacksrichtung. Diese EP macht Spaß und mit „Ninjas“ ist einer der Knaller des Jahres drauf. Me gusta!

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