Review: Joseph Huber

Joseph Huber – „The Suffering Stage“

Joseph Huber. Der Name klingt, als stünde er auf dem Firmenschild eines oberbayrischen Handwerksmeisters. „Spenglerei Joseph Huber“.

Der Joseph Huber, von dem wir hier sprechen, ist jedoch kein Bayer. Unser Joseph Huber stammt aus Milwaukee/USA. Handwerker ist er allerdings trotzdem. Um seine Ausbildung zum Schreiner abzuschließen und die Musik in die zweite Reihe zu stellen, stieg er 2011 bei der .357 String Band aus.

Der Name dieser Band verrät’s schon: Es war eine String Band. Also eine dieser traditionellen Bluegrass-Combos mit der Besetzung Gitarre/Mandoline/Banjo/Stehbass/Fiddle. 357SB, wie man sie auch abkürzte, nannten ihren Sound „Streetgrass“, weil sie Bluegrass mit punkiger Energie auf die Indiebühnen brachten, siehe Old Crow Medicine Show, Hackensaw Boys, Whiskey Shivers. Man darf der .357 String Band durchaus Kultbandstatus zugestehen

2010 schon, damals noch Mitglied, veröffentlichte Joe Huber sein erstes Soloalbum. „Bury Me When I Fall“ versammelte traurige, niedergeschlagene Balladen, die nicht so ins Konzept der Band passten. Dann stieg er aus, aber auch als fertiger Schreiner hörte Huber nicht auf, Soloplatten zu machen. Die zwei Alben „Tongues Of Fire“ (2012) und „The Hanging Road“ (2014) gehören zu meinen absoluten Americana/alt.Country-Favoriten. Beide Alben zeigten nicht nur Hubers Leisetreter-Seite. Es sind insbesondere die flinken Folk-Nummern mit Fiddle, Mundharmonika und Banjo, die ich auf diesen zwei Alben richtig liebe. „Fell Off The Wagon“ oder „Shovel On Your Shoulder“ haben so richtig Schmiss und trotzdem eine melancholische Unterströmung.

Das erste Lied von Hubers neuem Album schlägt dann auch mal gleich in diese Kerbe: „Playground / Battlefield“ geht ab, mit Fiddle, Mandoline und einem Refrain, der sich gleich im Ohr einnistet. Auch „16/10“ hat dieses Tempo. Trotzdem ist beiden eine Sache neu: Schlagzeug. Nicht, dass die Drums fett im Mix säßen, aber bisher war Huber voll Folk. Es gab quasi keine Schlaginstrumente auf seinen Platten, nur das Tambourine nahm die Takte mit.

Auf den langsameren und den Midtempo-Stücken von „The Suffering Stage“ kommt dann voll zur Entfaltung, was für Huber ein großer Schritt ist. „Ich werde wohl viele Folk-Fans verlieren“ hat er im Vorfeld befürchtet, denn er hat für die neue Platte eine Band mit ein paar der gefragtesten Musiker der Milwaukee-Szene um sich geschart. Nicht, dass ich Ryan Knudsen, Dustin Dobernig oder Andrew Koenig vorher gekannt hätte – aber die Herren bedienen Pedal Steel, Orgel/Klavier und elektrische Gitarre und addieren damit zu Jason Loveall und Eston Bennett, den Fiddle- und Stehbass-Spielern, die Huber länger schon begleiten. Will sagen: „The Suffering Stage“ ist das erste Album, auf dem wir Joseph Hubers Songs in einem voll instrumentierten Sound zu hören bekommen, wie wir ihn von Klassikern wie The Band oder heutigen Americana-Meistern wie Jason Isbell kennen.

Auch wenn diese neue Klangfülle von Huber vielleicht manchmal noch ein bisschen zu sehr ausgereizt wird (gleich vier Songs dauern länger als 6:30 Minuten), ist es doch ein Sound, der seinen Liedern gut zu Gesicht steht. Vom Songwriting her kann der Schreiner aus Milwaukee lange schon mit viel berühmteren Namen mithalten – mit angemessener Band im Rücken hören ihm hoffentlich jetzt auch mehr Leute zu.

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