Vinterview: Kasabian (I)

Am 05. Mai ist’s so weit – dann kommt Kasabians neues Album „For Crying Out Loud“ in die Läden. Anlass genug, mein Archiv zu durchforsten. Auf meinem alten Blog hatte ich nicht weniger als vier Interviews mit Serge bzw Tom gespeichert. Jener Blog steht leider nicht mehr online. Also ab in den Speicher, pusten wir den Staub von den alten Gesprächen und machen wir sie wieder verfügbar. Anfangen wollen wir 2011. „Velociraptor!“ steht vor der Tür.

Yay! Serge und Tom! Was für Heinis! Rock’n’Roll!

Ich hoffe, ihr erwartet an dieser Stelle keinen investigativen Musikjournalismus. Kasabian muss man reiten wie eine Welle. Ihre Musik klingt auch auf dem vierten Album „Velociraptor!“ wie das Gefühl, das einen durchflutet, wenn man ein Tor geschossen hat. Da springt man rein in den Pulk und umarmt mit. Auf geht’s!

Mir ist noch nie das „Kj“ – Tattoo auf deinem Finger aufgefallen, Tom.

Tom: Das ist mein Girl. Schick, oder? Vier Jahre hab ich das.

Das muss aber übel weh getan haben.

Tom: Irre. Als sägt jemand meine Hand ab. Meinen Finger. Diese Art Schmerz. Hat mich fuckin’ gekillt.

Oookay. Viertes Album.

Tom: Hmmm.

Viele Bands haben es in letzter Zeit gar nicht bis zum vierten Album geschafft.

Serge: Haben sie nicht, ne?

Und wenn doch, dann hat’s die Leute nicht unbedingt interessiert. Die Kaiser Chiefs haben neulich ihr viertes Album rausgebracht – und die Leute so: „Na und?“

Serge: Und bei uns geht’s so: (deutet mit der Hand eine Flugbahn nach oben an) Jedes Album betritt neuen Boden. Nicht so: RIESIGES Debüt, und danach geht’s abwärts.

Was ist also euer Geheimnis?

Tom: Keine Ahnung, du musst halt…

Serge: …gut sein.

Tom: Du musst gut sein! Du musst schick sein, musst schnell sein!

Ich meine, als ich euch zum ersten Mal gesehen habe, da wart ihr Support von The Cooper Temple Clause und Black Rebel Motorcycle Club…

Serge: Wow

Tom: Ach ja, genau…

… Black Rebel gibt’s noch, aber mehr so unter ferner liefen, die Coopers haben sich getrennt – waren aber super. 

Serge: Yeah.

Es war also ein weiter Weg bisher…

Serge: Eine unglaubliche Reise, bis zu diesem Punkt.

… und das Eigenartige ist, dass es sich nicht so anfühlt. Man denkt bei euch nicht: Ach ja, die Band von vor acht Jahren!

Serge: Ne! Wir fangen erst an! So fühlt sich’s jedenfalls an. Komischerweise.

Tom: Es ist, als wenn wir mit jedem Album neu geboren werden. Aber mit diesem jetzt – boah! – Jetzt fühlt es sich an, als ob uns nur der Himmel Grenzen setzt. Das ist jetzt echt unser bestes Album – klar, das sagen wir natürlich jedes Mal, aber diese Platte – das muss unsere Beste sein, das muss sie ja wohl, das muss sie!

Das haben die Kaiser Chiefs aber bestimmt auch gesagt.

Serge: Schon.

Tom: Aber das ist was Anderes, Kumpel, das ist was Anderes!

Okay, ich hab‘ hier was, das ich mal über euch geschrieben habe, okay? Was Kasabian für mich sind, habe ich zum letzten Album folgendermaßen beschrieben: Wenn man Coldplay bitten würde, ein Auto zu entwerfen, dann kämen sie zurück mit einem umweltschonenden Kleinwagen für die Ehefrau.

(Serge und Tom lachen. Tom Hi-fivet mich, wir schlagen ein.)

Das wäre ja immer noch ein gutes Auto. Aber wenn man Kasabian fragen würde, ein Auto zu entwerfen, dann wäre es doch … ein endcooler 70s-Le Mans Tourenwagen, aber mit Raketenantrieb, und mit Subwoofern, es wäre einfach das verdammt noch mal geilste Auto überhaupt.

Tom: Das gefällt mir. Mir gefallen auch deine Haare! Die sind fuckin mental!

Serge: Wir hätten es jedenfalls nicht besser sagen können. Nimm einen Einfluss aus der Vergangenheit, aber gib ihm den modernen Twist. Ein Raketenantrieb hinten drin!

Tom: Unglaublich!

Serge: Ich liebe das! Ich bin mit dir!

Was ich jedenfalls sagen will: Das Ziel von Kasabian – also, wir Journalisten, wir glauben immer, HINTER alles gucken zu müssen, versteckte Bedeutungen zu finden. Aber bei Kasabian glaube ich, geht es wirklich nur um Folgendes: Lass uns verdammt geile Musik machen! Und mehr muss man dahinter nicht suchen.

Serge: Genau.

Ich meine, ich kann mich ja irren. Vielleicht habt ihr ne Agenda, die ich bisher voll übersehen habe.

Serge: Nein, es gibt keine Agenda, und es gab nie eine. Wir haben aber keine Angst davor, riesengroß zu sein. Das wollen wir aber mit unseren eigenen Spielregeln schaffen. Keine Kompromisse. Wir werden kein umweltfreundliches 1970s-Auto machen, den Kompromiss wird’s nicht geben. Aber wenn sich dieses Auto dann auf der ganzen Welt verkauft, dann ist es die Perfektion, so wie wir sie sehen, nicht, wie wir wollen, dass andere Leute sie sehen. Verstehst du was ich meine? Es gibt keine Agenda, und es gab keine, außer: Die Besten zu sein!

Das Album überrascht ja, weil wohl alle dachten, dass ihr die Richtung des letzten Albums weiter verfolgt und es noch heaviere Beats geben wird. Statt dessen ist es voller Melodien.

Serge: Aber es fühlte sich einfach an, als wäre es das Richtige. Wir haben uns über diese Platte nicht den Kopf zerbrochen. Sie kam einfach, wir haben sie heraufbeschworen, aus dem Nichts. Ganz natürlich, und es ging auch echt schnell. Wir haben nicht groß drüber nachdenken müssen.

Tom: Wie Serge gesagt hat – wir hatten eine echt gute Tour und ein echt gutes Gefühl, wir waren noch voll auf dem Buzz. Wir haben trotzdem eine Auszeit genommen, in der Serge bei Tag ein Daddy war und bei Nacht ein Songwriter. Ich glaube, vier Songs hatte er noch übrig aus der Zeit der letzten Platte, und dann hat er acht Songs einfach auf den Punkt getroffen, so zwischen November und Januar. Den Nagel auf den Kopf getroffen mit diesen Songs. Ich dachte, wir nehmen die Vocals so ca im Mai auf. Aber es ging im März schon los. Das war der Hammer! Er so: „In zwei Wochen geht’s nach Amerika“ und ich: „Äh, äh, wofür?“: Er: „Zum Vocals einsingen“ und ich: „Uff! Danke, Mann!“ Wir haben nicht rumgetrödelt. Warum auch, bringt doch nichts!

Ich wußte noch gar nicht, dass du Vater bist, Serge.

Serge: Bin ich, ja.

Und? Was verändert das so? Vater werden gibt einem doch eine andere Perspektive, so im Leben – und in der Band?

Serge: Das Leben zu Hause, das verändert es. Aber das Tourleben, das bleibt genau dasselbe. Das Tourleben wird sich nie ändern. Du musst eine bestimmte Art Tier sein, um zu überleben auf Tour. Du musst ein Hai sein, keine Pussy, auf Tour. Du musst dich einmischen, du musst dich reinhauen. Und die Shows, sie waren unglaublich. Aber zuhause, das ist anders.

Zuhause bist du kein Hai mehr.

Serge: Nee, zuhause kannst du kein Hai sein, verstehst du? Da bin ich jetzt ein Affe, oder so.

Wie alt ist das Kind?

Serge: Ein Jahr nächste Woche.

Sie weiß also noch nicht, was sie für einen coolen Daddy hat.

Tom: Es ist ein Junge.

Hoppla, Sorry.

Serge: Ich muss lachen, denn Tom ist sein Patenonkel, und wir haben da die Tage drüber geredet. Eines Tages wird der Kleine mal unsere Songs auflegen, und er wird uns angucken und sagen: Das seid Ihr? Was soll das Ganze?

Die Sache ist ja die, dass Kinder rebellieren müssen – wenn sie cool sind.  

Serge: Das meine ich ja! Der will am Ende Buchhalter werden, oder sowas.

Und er hört Engelbert Humperdinck.

Serge: Darauf wird’s hinauslaufen. Kylie, oder so.

Es wird ihm peinlich sein, wenn du ihn zur Schule bringst! „Bitte, lass mich zwei Straßen vorher raus, ich lauf das letzte Stück!“

Serge: Die langen Haare, ausschauen wie aus den 70s – er wird sagen: „Was machst du, Mann? Geh zum Friseur!“

„Let’s Roll Just Like We Used To“ geht ja, wie ihr geschrieben habt, um eure Freundschaft, als ihr Kids wart. 

Tom: Es ist ein Flashback.

Serge: So ist es.

Es scheint mir, so als sei diese Freundschaft heute keinen Deut anders. 

Tom: Das.. stimmt!

Serge: Das ist echt so. Kein Bullshit, alles ehrlich.

Ich musste an den Buddy denken, den ich mit elf hatte. Bei dem man nach der Schule vorbei schaute, und mit dem ich Clubs gründete, die „die weißen Adler“ oder so hießen…

Serge: Cooler Name

Tom: KLASSE Name!

(Jetzt klingelt mein Mobiltelefon und ich muss eben jemand wegdrücken…)

Das (mein Klingelton) ist der Tanz der Mod Wolves.

Serge: Wollte ich doch gerade sagen, das war doch Mighty Boosh.

Wo waren wir? Die weißen Adler, Kids, dieses Gefühl: „Wenn wir groß sind, gehört uns die Welt!“. Ein Gefühl, das ihr immer noch verbreitet. Und ich harke deswegen drauf rum, weil mein normalerweise bei Bands irgendwas zum Reingreifen findet, aber bei Euch stehe ich als Fan davor und kann nur sagen: „Klingt super!“ Wir müssen eine Angriffsfläche finden!

Serge: Eine Angriffsfläche, ja. Aber ist ja so. Weißt du, ich und Tom und Dibs, wir sind ja praktisch auf einem Bauernhof groß geworden, gemeinsam. Und nach vier Alben kommst du an einen Punkt, da kannst du reflektieren und zurückschauen auf das, was passiert ist.

Tom: Wir waren 22, oder? Fuckin’ hell! 22!

Serge: Du denkst zurück und daran, wie’s am Anfang war. Und du denkst nach über das, was du als Erbe zurückläßt. Dann denkst du schon: Wow, das ist Wahnsinn, dass wir’s bis zum vierten Album geschafft haben. Also, wenn du mir zum ersten Album gesagt hättest: „Was wird mit dem vierten Album“ – ich hätte gesagt: „Ich weiß nicht mal, was das bedeutet! Wir sind ja superfroh, überhaupt eine Platte hingekriegt zu haben!“

Und jetzt seid ihr… 30?

Tom: 30, yeah.

Wenn man einen 22-jährigen fragt: „Was machst du mit 30?“ – da ist 30 noch so ein vages Konzept, das ist noch so weit weg. Das kommt einem vor, als wenn man da schon alt ist. Da denkt man, mit 30 macht man die erste Akustik-Platte.

Tom: Haha, das habe ich Serge schon gesagt, die müssen wir mal machen.

Serge: Das müssen wir, alleine für Tom!

Tom: (leidend) Oh Gott, Oh Jesus!

Serge: Noch ein Album voller Knaller, das packt er nicht mehr. Das bringt ihn um!

Tom: Aber im Ernst jetzt, wir sind halt eine Rockband. Es wäre echt nett, eine Platte a la Simon & Garfunkel zu machen. Das wäre schön. Ich bezweifel’s nur. (Er schmeißt sich weg.) Hey, können wir mit dir ein Foto machen, wenn wir fertig sind? Ich will ein Foto. Legendärer Typ!

Auf jeden Fall, ich will ja selbst eins! Aber wir sprachen von Melodien, und da ist „Surprise Kiss“ – Quatsch, es heißt…

Tom: „Goodbye Kiss“, haha. „Surprise Kiss“ klingt wie ein Porno.

Was ich sagen wollte, war natürlich, dass „Goodbye Kisses“ eine große Überraschung ist. Dass es heraussticht, weil es so un-Kasabian ist.

Serge: Genau. Darum ging’s wohl auch, irgendwie. Denn in einigen Kreisen werden wir ja nur wahrgenommen als diese Elektro-Rock-Whaaaoow-Banger – aber dies ist einfach nur ein traditioneller, wunderschöner, melodischer Popsong. Damit so ein Song perfekt ist, dazu brauchst du: Eine gute Melodie, einen guten Text und eine unglaubliche Performance des Sängers – und schon hat der Song alles. Er kann sich sehen lassen neben Burt Bacharach und Roy Orbison, und, und.. all den heutigen modernen Popautoren. Das ist auch irgendwie unser „Fuck You!“ Auf eine verrückte Weise sind das wir, wie wir sagen: „Hey, das können wir fei auch, wenn wir wollen. Aber wir wollen’s nur dann machen, wenn es PERFEKT ist. Nicht einfach nur, um’s gemacht zu haben.“

Das ist ja so ne Sache mit Euch. In England seid ihr ja vom Image her die Band für die Fußball-Hooligans. 

Serge: Ja… weil wir halt eine Energie ausstrahlen, die… wir sind euphorisch, Mann, wenn du zum Gig kommst, das ist Rock im höchsten Gang. Und das gibt den Leuten Aufregung.

Tom: Yeah.

Serge: Und die Leute, sie wünschen sich Aufregung – aber es geht nicht nur darum. Wenn du zur Show kommst, dann siehst du schon, dass da nicht nur Hooligans in der Menge sind.

Da ihr hier ja nicht so gigantisch groß seid, habt ihr hier dieses Image nicht – aber stört es euch manchmal? Ich hab’ neulich mit dieser Engländerin gesprochen, die meinte, auf der Insel geltet ihr nicht wirklich als cool, weil Ihr halt so erfolgreich seid und weil die Proleten euch mögen. Wer sophisticated ist, der wird kein Fan von Kasabian sein. 

Tom: Das ist aber schon echt seltsam, oder?

Serge: Aber das ist einfach Erfolg, Mann. Je größer du wirst,… da ist das einfach so.

Aber willst du diese Leute nicht am Kragen packen und sagen: Hört halt zu, verdammt noch mal!

Tom: Haben wir aber doch – ich mach mir da gar keine Sorgen. In England, da haben wir die Musicheads, die Kids, die einfach echt zuallererst auf Musik stehen. Klar, wir haben auch das Lad-Publikum. Dann haben wir die 16jährigen Teenager, dazu deren Mums und Dads, die ihre Jugend nacherleben. Dann sind da die Leute, die selbst in Bands sind und sein wollen wie Kasabian. Dann gibt’s die, die einfach nur da sind, weil sie diese Band namens Kasabian mögen, aber sich normal nicht so um Musik kümmern, und dann noch die Musikfans, wir sind einfach riesig in England. Gigantisch. Ich sag’s nur, wie’s ist.

Serge: Ich sag dir was: Wir machen diese Leute baff!

Tom: Und das Moshpit-Publikum haben wir auch, auf unseren Konzerten gibt’s voll die Moshpits!

Serge: Es gibt doch nichts Geileres, als die coole Gruppe unter den Leuten BAFF zu machen. Das machen wir, wir hauen sie um! Schau dir das neue Video zu „Switchblade Smile“ an und hör den Tune – das haut die Leute UM! Die fragen sich: „Warte mal! Wie können DIE so riesig sein? Wie können DIE all die Festivals headlinen, Millionen Alben verkaufen – wenn sie so viel kreativer sind alles, was wir hinkriegen, und wir sind diese kleine gefickte beschissene Band aus Dalston?“ Und dafür liebe ich unsere Band!

Tom: Ist das, was gesagt wird, Serge? Dass wir nicht mehr cool sind, weil wir zu groß sind, das hat jemand gesagt? Nicht interessiert!

Serge: Weil wir sie alle baff machen, das ist Rock’n’Roll, Leute baff machen!

Tom: Kein Interesse daran, klein zu sein, kein Interesse.

Serge: Wir machen’s auf unsere Weise, und das ist das Schöne dran!

Du hast das Video gerade erwähnt, ich habs gestern gesehen…

Tom: Du hast’s schon gesehen? Wow!

… da ist diese eine Stelle, die ist mir beim Hören schon aufgefallen, aber im Video ragt sie erst recht heraus – das ist die Stelle, wo ihr so schräg im Bild hängt und einfach nur anschreit: „Raaaüüüaaghrrgh!“ Das sieht man und denkt sich: Wow! Was ist da in Euch gefahren?!

Serge: Das ist ein Urschrei. Diese Musik bringt dich halt einfach nur zum Schreien!

Tom: Genau.

Serge: Das steckt da drin, du musst es fühlen!

Tom: Das ist Rock’n’Roll für uns, das sind Bands!

Wenn ihr den Song live spielt, da kreischt ihr an dieser Stelle einfach gemeinsam los?

Serge: (kichert) Das muss ich, ja.

Tom: Cool aber, wie unsere Körper so sind (deutet das Bild aus dem Video an), oder?

Serge: Das ist ein echt ikonischer Shot, das.

Stimmt, es ist auf jeden Fall der Shot, der mir im Kopf hängen bleibt, wenn ich an das Video denke.

Tom: Und wenn das nicht cool ist, das weiß ich’s echt nicht mehr. Dann habe ich keine Ahnung mehr, was cool ist. Das ist doch wohl das coolste Video, das ich seit Langem gesehen habe! Ich habe keine Ahnung, was daran nicht cool sein soll.

Find ich aber auch, es ist Wahnsinn!

Tom: Wow. Wow!

Ähem. Velociraptor. He’s gonna find ya. He’s gonna kill ya. He’s gonna eat ya!

Tom: Einfach nur Spaß.

Serge kichert.

Okay, wo ist die versteckte Bedeutung?

Tom: Nur Spaß. Das macht doch Spaß!

Serge: Es ist daher gerotzt, voll rausgerotzt. Du wirst gejagt.

Tom: Das sind Comic Lyrics, verstehst du, Comicbook-Texte. Die sind super! Klingen super, wie ein Punksong! Er findet dich, er kriegt dich, er frisst dich! Wahnsinn! Punk Pop Musik, super, Comics, Comic Books!

Aber wo kommt’s her?

Tom: „Blast Off!“

Serge: Es ist comicmäßig, einfach eine Story darüber, gejagt zu werden, von einem Velociraptor.

Tom: Sie sind hinter dir her!

Serge: Jeder hat doch mal das Gefühl, dass er gejagt wird.

Auf jeden Fall – das ist ja ein ganz häufiger Traum. Alle Menschen träumen dauernd davon, dass jemand hinter ihnen her ist. Es steckt ganz offensichtlich tief in der menschlichen Psyche, dieses Gefühl, gejagt zu werden.

Serge: Ja, das ist wahr.

Und es ist ausgerechnet ein Velociraptor, der hier jagt – weil ihr mit Jurassic Park groß geworden seid..?

Tom: Das ist nur ein Name, der verdammt geil kingt. Triceratopos klingt aber genauso fuckin cool, oder? Oder…

Das hätte halt nicht zur Melodie gepasst.

Tom: Triceratops, oder Dilophosaurus! Oder Pterodactylus!

Serge: Das sind echt die besten Namen für…

Tom: Fuckin’ Hell! Triceratops! Pterodactylus! Velociraptor! Denk dir sowas mal AUS!

Serge: Tyrannosaurus Rex!

Tom: Gallimimus! Hammermäßig!

Ihr wart also diese Art Kinder, die echt auf…

Tom: Stegosaurus!

… Dinosaurier stehen und sich damit auskennen?

Tom: Aber voll. Ich liebe den ganzen Scheiß!

Serge: Man kann doch gar nicht auf etwas NICHT stehen, das die Welt regiert hat, bevor…

Tom: Stegosaurus. Yeah!

Serge: … bevor wir hier aufgetaucht sind. Da waren die schon da. Da kippt dir doch dein Hirn um!

Tom: Klingt gut, es ist einfach ein guter Name, das ist alles.

Serge: Es ist auch nicht buchstabengetreu. Da werden keine Dinosaurier auf unsere Bühne kommen, keine Angst. Es ist nur ein cooles Wort. Sie haben in Vierer-Gruppen gejagt, genau wie eine Band. Und tiefer geht’s nicht.

Sieh an, das hab’ ich nicht gewusst, das mit den Vierer-Rudeln.

Serge: Ja, sie waren die Rock’n’Roll-Band unter den Dinosauriern.

Dann kann ich euch ja in dem Artikel „Rock-Dinosaurier“ nennen.

Serge: Nee, Mann! Eines Tages aber werden sie das sagen über uns! Wenn wir 65 sind und immer noch „Velociraptor“ singen, dann dürfen sie das.

Und wenn ihr dann 65 seid und auf euer 20stes Album zurück blickt…

Tom: Boah, das ist ne Menge. Schaffen wir 20, Serge? Packen wir das? Das wär möglich, oder?

Serge: Könnte gehen. Wenn wir dranbleiben?

Tom: Ich wär’ nur verdammt tot, verstehst du?

Da wäre dann sicher das eine oder andere akustische Album dabei.

Tom: 20…

Serge: Das müsste so sein, in DEM Alter.

Tom: Was war unser Ziel, zehn?

Serge: Ja, zehn. Weil, man kommt zu dem Punkt…

Tom: Wir haben jetzt fast fünf – sagen wir zehn, Serge?!

Serge: Yeah, denn wie die Jahre so vergehen, läßt man größere Abstände dazwischen.

Scheint mir aber ein guter Plan zu sein, sich eine feste Zahl vorzunehmen, weil man dann jedes Album so gut wie möglich machen wird. Weil man weiß, man hat nur einen begrenzten Platz, weil mit dem zehnten Album Schluß sein wird.

Tom: Aber was bei uns echt super ist – wir werden mit 35 doch noch genau so reden wie jetzt, oder, Serge? In der Welt der Erwachsenen, in der man alles so ernst nehmen muss, da werden wir immer noch solche Scheiße wie die hier jetzt reden! Und das peilen die Leute auch nicht. Selbst wenn ich 40 bin, werde ich noch so reden.

Keith Richards ist schließlich auch neulich mit über 60 noch von der Leiter gefallen.

Tom: Genau! Hey, wir werden immer noch genau so reden. Keinen Ernst machen.

Serge: „Meighanisms“, so heißt diese Sprache. Das ist unser Wörterbuch.

Tom: Ich sag dir was, wenn wir zurück sind aus Europa, dann kauf ich mir ein Buch, und vorne schreib ich „Meighanisms“ drauf und wir fangen noch mal an!

Ihr habt schon welche gesammelt?

Tom: Ja, Berge!

Serge: Jesus, das ist, wie wir REDEN!

Tom: „Don’t make out!“ jedenfalls, es gibt einen Haufen, Kumpel. „It’s not another world, mate“

Dann sag mir doch mal drei.

Tom: Wie, du willst drei Meighanisms? Oh, jetzt hast du mich, jetzt mach ich mir in die Hose, jetzt bin ich geknebelt…. Ääh – es gibt sauviele, ich sag’s dir! Weißt du was, ich sag sie dir später! „Not interested, mate!“ – das ist einer – was gibt’s noch, Serge? „Beastiality Trainers!“ Es gibt viele, sie werden mir einfallen, du hörst sie von mir! „Ratatat“… Ach…

Okay, wir waren also an dem Punkt, an dem ihr 15 oder 20 Platten gemacht habt – und ihr blickt zurück auf „Velociraptor“. Was wird die herausragende Erinnerung sein?

Serge: Ich denke… und da sage ich jetzt die Zukunft voraus: Dies ist das Album, das die Türen aus den Angeln geblasen hat. Dies ist das Album, das uns von „irgendwie bekannt“ zu „RICHTIG bekannt“ geführt hat. Und zwar auch auf dem Festland, nicht nur in England.

Tom: Auf jeden Fall, wir haben zuletzt viele Festivals in Europa gespielt und echt gemerkt, wie es los geht – wir haben’s Europa echt gegeben zuletzt. Jetzt kommt der Durchbruch, und Zeit war’s. Was hast du über Led Zeppelin gesagt, Serge, die brauchten auch Alben um Album, bis sie durchstarteten?

Serge: Schon, und sie haben nie gute Kritiken gekriegt.

Tom: Echt? Led Zep?

Serge: Auch Black Sabbath, die waren echt…

Tom: … verhasst!!

Serge: Verhasst. Erst Jahre später haben die Journalisten zugegeben, dass es was hatte.

Na, von Teilen der Kritik werdet ihr aber ja durchaus gemocht.

Tom: Ja, uns mögen sie.

Serge: (vor sich hin) Die sind die besten, ich liebe Sabbath, verdammt.

Eines der letzten Male, als wir uns getroffen haben – das war beim Rock am See Festival in Konstanz, als sich Oasis gerade getrennt hatten.

Tom: Genau, fuckin hell.

Alle waren voll enttäuscht, sie hätten schließlich spielen sollen. Ihr versteht Euch ja mit Noel und mit Liam gut, wie verhaltet ihr euch jetzt? Steht ihr auf irgendeiner Seite? 

Tom: Nee, denn es geht uns nichts an. Es ist ihre Sache, oder? Uns geht das nichts an, worüber sie streiten. Ich kenn’ Noel, ich kenn’ Liam, ich komm mit beiden gut aus, und ich halt mich raus. Es ist ne Familiengeschichte, oder? Da gibt es keine Seite, auf die man sich stellen kann.

Serge: Ja, richtig.

Tom: Da gibt’s keine Seite, auf die du dich stellen kannst, das wäre lächerlich, da musst du sagen: Geht mich nichts an!

Und es geht, das Thema nicht anzuschneiden, wenn man sich trifft?

Serge, Ja, aber halt, weil beide gute, enge Freunde sind – hie und da taucht das Thema vielleicht auf.

Ich stell’ mir das vor, wie wenn sich ein befreundetes Paar trennt. Im eigenen Kopf gehören sie halt doch irgendwie zusammen.

Serge: Auf jeden Fall, aber wie Tom gesagt hat – das ist ihre Sache. Ich schneide das Thema nicht an, das ist ihre Sache.

Habt ihr denn schon was für Pretty Green designt?

Tom: Nee, haben wir nicht. Paul Weller hat das neulich gemacht, richtig? „English Rose“. Liam hat mich gefragt, ob ich will. Sowas wie „Empire Clothing“, weißt du? Hörst Du, Serge? Er hat gesagt: Wenn du irgendwas willst, ich sorge dafür, dass es hergestellt wird, pass auf! Wir werden Dandys, Serge, du und ich! Sowas wie „Shoot The Runner Clothing“, wie wär’s?

Ich hab ja schon gesagt, wie ich mir ein Auto von Euch vorstelle. Ich habe vollstes Vertrauen in Eure Design-Fähigkeiten.

Tom: Gestreifte Jacken und sowas!

Am Anfang habe ich ja auch gedacht: Ja klar, Liam, du und dein Klamotten-Label. Aber dann guckt man sich’s an und muss sagen: Hey, das ist ja echt schick!

Tom: Er hat echt den Kopf klar bekommen, Liam, nicht wahr?

Serge: Das ist echt gutes Zeug, auf jeden Fall.

Okay, es ist ja bekannt, dass ihr euch von vielen Sachen beinflussen lasst – du hast kürzlich erst wieder deine Platte mit türkischer Psychedelic-Musik erwähnt, Serge. Aber was sind denn die neuen Alben, die euch in letzter Zeit gefallen haben?

Tom: Cold War Kids – Tame Impala, ich muss die noch live sehen, aber Serge hat sie angeschaut.

Da sehe ich eine Connection, zwischen Euch und Tame Impala.

Tom: Ja, Mann, die sind fuckin awesome!

Serge: Tolle, tolle, tolle, tolle Band.

Tom: Was noch?

Serge: Mir gefällt die Malachai Platte sehr gut, die ist nicht wirklich bekannt.

Tom: Ja, die kennt keiner.

Serge: Sie heißt „The Other Side Of Love“

Tom. Ja, genau, die ist echt klasse. Kannst du die kaufen, Serge? Ich hab sie verloren. Ich kauf sie auf itunes!

Serge: Diese Band Gang Gang Dance. Die sind echt wild.

So, jetzt frag ich was Schweres.

Tom: Was Persönliches, mach!

Was ist moderne Musik? Sorry, das war nicht persönlich.

Tom: Gut so, Mann.

Serge: Ich glaube… eine Sammlung aus der Vergangenheit, neu geknetet und zusammen gestückelt. Ich glaube, nur so kann’s gehen. Ich denke nicht, dass es irgendwelche neuen Tonleitern gibt, oder irgendwelchen neuen Geräusche. Ich denke, eine Cut & Paste – Version aus den letzten 50 Jahren Musik.

Interessant, zu dem Schluss kam ich neulich auch. 

Tom: Wow.

Ich stelle diese Frage momentan öfter, in dem Fall war es mit dieser dänischen Band Treefight For Sunlight – sie sind sehr retro-melodisch, arbeiten aber letztlich auf Computern. Was neu ist, ist dass Musiker heute diesen leichten Zugriff auf alte Musik haben. In den 70s wäre es richtig schwer gewesen für einen Musikfan, Musik aus den 50s überhaupt zu finden. 

Serge: Genau.

Heute findet man alles im Handumdrehen online. 

Tom: Da ist diese Band, von der alle reden… oh Mann, die Leute kriechen ihnen in den Hintern, aus Brighton. Sie heißen… das fällt mir in einer Minute ein. Die sollen echt gut sein. Aber macht weiter!

Inzwischen wurden mir schon Zeichen gegeben, dass ich zum Schluss kommen soll. Ich beende meine Interviews ja gerne mit einer Anekdote, und frage immer: Was war euer eigenartigste Konzert?

Tom: Haha, da gibt’s was. U2! U2 in Italien, welches Stadion war das, Turin?

Serge: Oder in Deutschland das.

Tom: Ja, Frankfurt, aber das wollte ich überspringen. Jedenfalls mit U2, wir supporteten U2. Welche Stadt war das, Serge? Turin? Das Juventus-Stadion.

Serge: Das ist Turin, ja.

Tom: Vor etwa einem Jahr um diese Zeit, es war fürchterlich, einfach nur echt fürchterlich. Die Leute haben sich hingesetzt, man hätte genauso gut Pappfiguren von uns auf die Bühne stellen können. Das war der schrägste Gig, die Leute mit Hotdogs, sie essen vor dir – war das schräg oder nur fürchterlich? Es war schon schräg.

Motiviert euch so eine Reaktion extra oder sagt ihr bei so einem Publikum „auch egal jetzt“?

Tom: Ooh, wir waren umwerfend!

Serge: Wir haben gespielt, als wären wir die Headliner!

Tom: Als wär’s unsere Show! Als wäre das unsere große Spinne da über uns! Also, U2 sind super, Mann, die sind ein Spektakel, die waren klasse, aber die Show war fürchterlich. Ich muss doch ehrlich sein.

Okay, noch eine Anekdote. Was war das Verrückteste, was während der Aufnahmen passiert ist?

Serge: Ich würde sagen: Jeder Morgen, an dem man aufstand und sich das nochmal anhörte, was wir am Vorabend aufgenommen haben. Nicht dass wir’s vergessen hätten, aber wir waren trotzdem immer wieder von uns selbst so überrascht. Ich weiß noch, wir waren in San Francisco, und wir haben uns das ganze Album am Stück angehört und uns angeguckt und gesagt:

Tom: Wow!

Serge: Fuck! Was WAR das? Ist das gerade passiert? Das war surreal, es war, als wäre das alles aus dem Nichts gekommen.

Tom: Irre, oder?

Serge: Wir haben uns angeguckt und gesagt: Jetzt sind wir am Arsch. Denn mit der Platte gehen wir durch die Decke!

Was mir erst jetzt richtig auffällt: Kasabian sind doch zu viert, aber ihr zwei seid immer auf den Covers und führt die Interviews…

Tom: Bill und Ben. Die Flowerpot Men.

Was ja auch klar ist – Du, Serge, bist der Hauptschreiber, Tom ist der Sänger – aber letztlich sind die Beiträge der anderen zwei doch sicher auch nicht so einfach austauschbar.

Tom: Yeah, überhaupt keine Frage, Mann!

Sind sie denn happy, dass nur ihr im Fokus steht? Ich meine, vielleicht sind sie ja sogar froh.

Tom: Not interested, mate! Klar sind die endfroh, dass die keine Promo machen müssen!

Serge: Hör zu – was machen die denn gerade? Sitzen im Liegestuhl und rauchen einen gigantischen Joint! Denkst du, die sagen „Ach, ich wäre jetzt so gerne in Deutschland um über das Ganze reden zu müssen?“ Die lieben ihr Leben, Kumpel!

Tom: Dibs hat die Tage zu mir gesagt: „Die sollen halt mit mir reden, wenn’s dich nervt!“ – da hab ich gesagt, „Hey, mich musst du nicht anlügen!“ Der würde doch im Ernst niemals mit mir tauschen wollen!

Serge: Dibs würde es sofort zugeben – er liebt es so, wie’s ist.

Aber kriegt er denn all die gleichen Vergünstigungen, die es mit sich bringt, wenn man ein Star ist?

Serge: Aber welche sind das denn?

Tom: „Vergünstigungen“?

Weiß nicht, ist ne Redensart, oder?

Tom: Drogen umsonst, und Blowjobs umsonst!

Serge: Die kriegt er doch zur Genüge.

Tom: War fei nur’n Witz.

Ein Glück, du hast mich fei gerade dermaßen geschockt!

Tom: Es gibt keine Vergünstigungen.

Serge: Umsonst gibt’s nix!

(Und damit unterbricht die Dame von der Plattenfirma)

Tom: Danke!

Alles klar! Vielen Dank – es hat wie immer viel Spaß gemacht.

Serge: Immer eine Freude!

Tom: Machen wir jetzt das Foto?

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