Review: Alexandra Savior

Alexandra Savior – „Belladonna of Sadness“

Man ist ja schon ein wenig argwöhnisch, wenn man diese Vorgeschichte liest. Da nimmt die Sony also eine Amerikanerin im Teenager-Alter unter Vertrag. Ein neues Wunderkind, das auf Velvet Underground und Nancy Sinatra steht, nicht auf Katy Perry. Als die junge Lady erwähnt, dass sie Alex Turners Lieder vom „Submarine“-Soundtrack liebt, werden die zwei miteinander bekannt gemacht und sofort schreiben sie, ganz begeistert voneinander, ein Album. Schon heisst es, die geheimnisvolle Holde sei jetzt die „Muse“ des Arctic Monkeys- und Last Shadow Puppets-Sängers. Die Jane Birkin für ihn, den Serge Gainsbourgh, die Marianne Faithfull für ihn, den Mick Jagger. Sogar beim Last Shadow Puppets Album hat Alexandra Savior mitgeschrieben.

Das klingt alles ein bisschen märchenhaft, was? Fast zu märchenhaft für uns alte Zyniker, die dem Braten nicht ganz trauen. Soll es wirklich so leicht gehen, an Alex Turner ran zu kommen? Bietet der sich wirklich als Songwriter-for-hire für neue Majorlabel-Talente an?

Aber gut. Warum soll es nicht einfach wirklich so gewesen sein? Es ist ja egal, ob das Ganze über gemeinsame Bekannte oder einen professionellen Kanal lief – man hat Alex und Alexandra eben verknüpft, die beiden verstanden sich offenbar super und entdeckten sofort einen kreativen Draht zueinander. Sowas gibt’s ja. Ihr habt sicher auch gute Freunde oder sogar Lover, die ihr gleich beim ersten Treffen ins Herz geschlossen habt.

Für Alexandra Savior entpuppt sich die Beteiligung des UK-Indierock-Gotts nicht nur als Segen, sondern auch als Fluch. Als die britische Presse mitkriegte, dass ihr Supermann Alex Turner in LA als Gitarrist in der Band einer Newcomerin Konzerte spielte, kriegte sie Schnappatmung, noch lange bevor an ein Album zu denken war. Ein Hype kam ins Rollen, der sich viel mehr um Alex Turner als um die Lady drehte, die hier doch eigentlich im Mittelpunkt stehen soll. Als Alexandra Savior dann im Herbst beim Reeperbahn Festival ihr Deutschland-Debüt gab, spielte sie die Rolle von Turner auch bewusst herunter. Er sei nur ein Kumpel und man habe eben vor einiger Zeit was miteinander geschrieben. Die Gefahr ist eben, dass Alexandra nur als Anhängsel wahrgenommen wird, weil alle Welt nur auf den Namen Alex Turner reagiert. Dabei ist die junge Amerikanerin sehr wohl vielseitig talentiert – so tritt sie als Regisseurin ihrer Videos genauso in Erscheinung wie als Designerin ihrer Plattencover.

Der Name Alex Turner, er wurde im Vorfeld dieser Veröffentlichung jedenfalls mal betont, mal unter den Teppich gekehrt. Hält man dann das Booklet in den Händen und liest, wer die Songs einspielte, fällt auf: Die Platte wurde praktisch in der Bandbesetzung der Last Shadow Puppets aufgenommen – nur mit Alexandra Savior statt Miles Kane. Gitarren und Orgeln bedient Alex Turner. Die Drums und Percussion übernimmt James Ford, bekannt als Star-Producer und Mitglied von Simian Moblie Disco. Den Bass spielt ein gewisser Zach Dawes – der wiederum ist bei den Last Shadow Puppets Live-Bassist.

Man stelle sich also vor: Last Shadow Puppets, doch ohne das Machismo-Element von Miles Kane. Statt dessen haben wir eine  Schönheit am Mikrophon, die die unschuldig/verruchte Rolle spielt, die die oben genannten Nancy Sinatra, Jane Birkin oder Marianne Faithfull in den Sixties spielten. So wie man sich diese Kombi vorstellt, so klingt auch „Belladonna of Sadness“

Die Frage wird gestellt werden, ob die Sängerin nun Lenkerin und Star dieser Operation ist, oder ob sie nur die Passagierin in in einem neuen Vehikel von Alex Turner darstellt. Ich bin nicht derjenige, der die Frage beantworten kann. Was ich sagen kann, ist, dass die Platte zweifellos sehr schön anzuhören ist. Aber auch, dass sie nicht dagegen gefeit ist, immer mal wieder ins Klischee ab zu driften. In schwächeren Momenten sind die Songs bzw ihre Arrangements eher Imitation eines Spät-Sixties-Klangs als inspiriertes Update, da helfen auch die strategisch plazierten „Fucks“ in den Lyrics nichts. Immerhin, „Audeline“ klingt wie der Titelsong eines Krimis mit Alain Delon. Meine Favoriten sind die Momente, in denen das Team am kreativsten mit seinen Mitteln spielt: Das ungewöhnliche, sehr reduziert arrangierte „Frankie“ beispielsweise eiert auf einer unsymmetrischen Bassfigur vorwärts, das hat schon fast was Jazziges. Auch „M.T.M.E.“ fällt positiv auf – hier ist es die Percussion, die sich zum Lead-Instrument aufschwingt und das ist nicht unspannend.

Fazit jedenfalls: Auch wenn Alexandra Savior zweifellos eine interessante Person ist, die mit 21 am Anfang ihrer Karriere steht und hier gleich ein bemerkenswertes Debüt abliefert, wird es der Name Alex Turner sein, der vorerst die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wer wegen seiner Beteiligung auf diese Platte achtet, wird nicht enttäuscht werden, denn die Verwandtschaft dieser Platte zu den Last Shadow Puppets liegt auf der Hand.

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