Review: Sean Heathcliff

Sean Heathcliff – „A Boy And His Rose EP“

Neulich hat mein itunes-Shuffle mal wieder „Don’t Panic“ von Coldplay in meine Playlist gewürfelt. Das hat natürlich wieder zu den üblichen zwei Reaktionen geführt, die in diesem Fall passieren. Erstens: Erleichterung – Puh, es ist niemand zu Besuch, der fragen könnte: „Wie, du hast fucken COLDPLAY auf dem Rechner?!“ Zweitens diese Mischung aus Wehmut und Erstaunen (Wehstaunen?), das Gefühl, wenn einem einerseits klar wird: „Menschenskind, die waren damals wirklich … (Sorry!) … gut! ‚Don’t Panic‘ ist ein wunderbarer Song! Ich meine, ich übte mal die Akkorde auf der Klampfe!“ Wenn einem aber andererseits die Realität im Kopf klingelt und tobt: „…und jetzt machen sie zynische, banalste Cash-in-Kaka mit den fucken Chainsmokers! Where did it all go wrong?“

Doch, das alles hat was mit Sean Heathcliff zu tun. Weil ich seine EP nachher mit Coldplay vergleichen werde.

Wir kennen Sean Heathcliff, auch wenn dies seine erste Veröffentlichung unter diesem Namen ist. Der Lockenkopf war Co-Frontmann von Snakadaktal, der australischen Indie-Teenage-Sensation, die 2011 (fucken Hell – fast sechs Jahre ist das her?!!) mit einer ganz herrlichen Debüt-EP auftauchte. Ihren frühen, leicht holprigen The xx-meets-ambient-Foals-Charme konnten sie auf ihrem Debütalbum „Sleep In The Water“ (2013) leider nicht zu 100% konservieren, aber fein war die Platte immer noch. Aber kaum ein Jahr später trennte das Sextett sich auch schon.

Vor ziemlich genau zwei Jahren gab Sean dann ein neues Lebenszeichen von sich, für diese EP nannte er sich Kagu. Auch diesen Namen hat er nun wieder abgelegt – meine Theorie dazu ist, dass das Pseudonym zu sehr nach dem EDM-Langweiler Kygo klang und Sean weitere Verwechslungen vermeiden wollte.

Anyway. Soviel zur Vorgeschichte. Jetzt zu „A Boy and his Rose“, was leider ein doofer Titel ist. Mir klingt das zu sehr nach Poesiealbum im rosa Einband. Aber gut. Wichtig ist ja die Musik.

Und die erinnert mich an Coldplay. Zum Glück aber an die frühen Coldplay. Die Coldplay von „Parachutes“ und „A Rush Of Blood To The Head“ und den frühen EPs und B-Seiten (ernsthaft, die habe ich mal gesammelt!). Als sie anmutige Ohrenschmeichler wie „Green Eyes“, „We Never Change“, „See You Soon“ oder „No More Keeping My Feet On The Ground“ veröffentlichten, die man ohne Scheiss noch mit Jeff Buckley und Nick Drake vergleichen durfte.

Ich habe bewusst diese vier Songs gewählt, denn es sind ganz ähnliche Atmosphären, die der Australier bedächtig auch leichten, ineinander verzwirbelten Gitarrenlinien webt. Gitarren, die mal akustisch-folky sind, dann leise im Mix The Edge-mäßig schimmern. Sogar Seans Gesangsstil, ein beruhigendes, manchmal brüchiges Wispern, erinnert an Chris Martin.

Was schade ist: Von der spielerischen Flageolett-Exotik, die Snakadaktals „Air“ oder „Chimera“ zu so faszinierenden Hinhörern machte, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Manchmal ist es daher fast zu schön, das Ganze. „Hunter“ beispielsweise bewegt sich nicht nur am Rande der Gefälligkeit, sondern übertritt die Grenze wiederholt.

Aber letztlich sind dies achtzehneinhalb angenehme, harmonische, stimmungsvolle Minuten. Sie laufen ins Ohr wie… wie etwas, das dort wunderbar sanft und wärmend Wohlfühlgefühl erzeugt. Lauwarme Kokosmilch vielleicht? Nicht, dass ich jemandem rate, warme Kokosmilch in sein Ohr zu flößen. Da dann auf jeden Fall lieber „A Boy And His Rose“.

Also. Sean Heathcliff. Er geht seinen Weg, vier Jahre nach Snakadaktal, und der führte ihn geradewegs zu Coldplays frühen EPs. Das kann man sich gut anhören. Hauptsache, Sean nimmt im weiteren Verlauf seiner Karriere rechtzeitig eine Abzweigung, bevor er eines Tages bei solcher Gülle wie „A Sky Full Of Stars“ oder den Chainfuckensmokers landet.

 

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