Review: Laura Marling

Laura Marling – „Semper Femina“

Wenn ich aus irgendeinem Grund mal Laura Marling gegenüberstehen sollte, ich würde vor Ehrfurcht wahrscheinlich kein Wort rauskriegen. Alleine die Vorstellung, dass die Lady gerade mal 18 war, als sie ihr wundervolles, schlaues Debüt „Alas, I Cannot Swim“ (2008) veröffentlichte! Und wie sie die Platte dann zwei Jahre später mit „I Speak Because I Can“ (2010) noch mal toppte! Laura Marlings zweite Platte ist immer noch das Album, das das man auflegen kann, wenn man jemandem das Wort „Anmut“ erklären will.

Danach hat die Frühstarterin aus Oxford es ihrem Publikum ein wenig schwerer gemacht. Ihr sprödes drittes Album „A Creature I Don’t Know“ (2011) war nicht so leicht zu lieben. Zu bewundern, ja, denn Marling entwickelte sich hier als kritische Künstlerin, als Literatin. Sie hinterfragte Geschlechterrollen, erforschte die negativen Emotionen – ein Schritt in Richtung Folk-PJ Harvey, wenn man so will. Von hier aus folgten die Alben „Once I Was An Eagle“ (2013) und „Short Movie“ (2015). Platten, auf denen Laura nicht ganz so die Konfrontation suchte wie auf „Creature…“, aber auch diese Platten hatten ihre sperrigen Momente.

Eine Besonderheit an ihrem sechsten Album ist nun, dass Laura alle Songs auf „Semper Femina“ an andere Frauen richtet, die Dynamik in inter-femininen Beziehungen und Freundschaften unter die Lupe nimmt. Sicher eine Sache, die eine tiefgehende Analyse lohnend machen würde. Ich muss so ehrlich sein: So weit bin ich noch nicht gekommen. Ich habe „Semper Femina“ noch nicht oft genug hören und mich tief damit genug befassen können, dass ich auch die Texte schon näher betrachtet hätte.

Ich wollte, obwohl ich diesen ja echt wichtigen Aspekt von Lauras Kunst noch vernachlässigt habe, trotzdem schon mal was über diese neue Platte schreiben. Denn was mir bei dieser Platte wieder ins Auge (oder genauer – ins Ohr?) sticht, ist folgendes: „Semper Femina“ ist von den Klängen her so in sich ruhend und ohrenschmeichelnd, wie wir es von Marling seit „I Speak Because I Can“ nicht mehr gehört haben. Und ich muss gestehen, dass ich das betörend finde. Also sicher, ich habe Hochachtung vor Lauras starker Künstlerpersönlichkeit und weiss, dass ihre letzten drei Platten ein unbestreitbares Qualitätssiegel haben. Aber Dahinschmelzen, das tue ich nun mal, wenn Miss Marling ihre Grazie voll entfaltet und zu komplexen, aber sanften Akustikgitarren Schönheit und Pracht darbietet.

Also, noch mal. Bewunderung und Respekt ist das eine – beides hat Laura Marling bei mir auch für die Vorgängeralben sicher. Dass es mir so viel leichter fällt, ihre Musik auch zu lieben, wenn sie zierlicher und sanfter ins Ohr geht, das ist mir beinahe peinlich. Es ist aber nun mal so.

Langer, hoffentlich nicht komplett verwirrter Rede kurzer Sinn: „Semper Femina“ ist mein Lieblings-Laura-Marling-Album seit den ersten zwei. Deswegen, weil es ist eine Platte, die man am Sonntag zum Frühstück auflegt, da sie einfach so schön ist, weil sie eine angenehme, Nick Drake/Elliott Smith’sche Ruhe ausstrahlt.  Das ist etwas, das ich bei ihren Platten zuletzt nicht tat. Es ist wohl auch nicht eben die Qualität, auf die Laura den größten Wert legt. Schaden tut’s aber ja auch nicht. Große Künstlerin, schöne Platte.

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