Interview: Ryan Adams

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So. Hier ist es. 50 Minuten Ryan Adams am Telefon. Das komplette Transkript. Anfang Dezember hatte ich den Meister an der Strippe.

Seit gestern ist Ryans neues Album „Prisoner“ draußen – und es ist ja kein Geheimnis, dass er die Lieder für diese Platte in den Monaten nach der Trennung bzw. während seiner Scheidung von seiner Ehefrau Mandy Moore schrieb und aufnahm. Trotzdem ist es nicht „das Scheidungsalbum“, das wird uns Ryan im kommenden Text ausführlich erklären.

Wie er übrigens sehr viel sehr ausführlich erklärt. Ryan redet in diesem Gespräch oft wie ein Wasserfall – und ich bin nicht derjenige, der seinen Interviewpartner unterbricht.

Das schicke ich daher vielleicht eben noch voraus: Dieses Interview liest sich sicher nicht immer leicht. Ich habe mir bei der Übersetzung auch echt schwer getan – und das nicht, weil seine Wortwahl so kompliziert wäre. Sondern weil Ryans Art, zu antworten, oft die ist, dass er sich auf ausschweifende Gedanken-Ausflüge begibt. Um Punkt A zu beantworten, schaut er oft vorher bei Punkt B und C und Q und Y vorbei.  Aber zeigt das nicht auch etwas über ihn? 

Solche Charakteristika sind der Grund, warum ich hier komplette Transkripte auf den Blog stelle. Sie dokumentieren was über den Interviewpartner, denn jeder antwortet eben auf seine Weise. Manche sind in ihren Antworten konzis und prägnant, andere eben wolkig und voller Umschweife.
In einem Artikel für eins der Magazine, für die ich schreibe, habe ich nur eine begrenzte Zeichenzahl zur Verfügung. Man dampft die Gespräche also ein, kürzt, staucht und beschränkt sich darauf, den Sinn wieder zu geben – der Flow eines Gesprächs, der ja auch was über unseren Interviewee aussagt (genauso wie der nicht vorhandene), geht meistens verloren. Also los. 

prisoner-ryan-adamsHello!

Hallo, guten Morgen! Ich glaube, es ist recht früh dort, wo ich dich erreiche, richtig?

Sagen wir’s so: Für mich ist Morgen. Hier ist es gerade 12:30, also eher Mittag. Aber ich habe gestern noch lange im Studio an Demos für meine gute Freundin Jenny Lewis gearbeitet und bin vorhin erst aufgestanden. Es ist also Ryan-Morgen, haha!

Wo bist du denn gerade, in welcher Stadt?

Ich bin zu Hause, in LA. Heute nachmittag muss ich dann noch zum Flughafen, nach Australien, auf Promo-Tour fürs neue Album.

Verstehe. Ja, die neue Platte. Du machst das jetzt ja schon eine ganze Zeitlang. Wenn mal wieder ein neues Album ansteht, gehst du mit bestimmten Vorstellungen und Plänen an die Sache? Oder schreibst du einfach deine Songs und sagst irgendwann: Hoppla, da ist ja wieder ein neues Album fertig!

Naja, ich glaube, die besten Platten passieren immer auf neue, unerwartete Weise. Also diese neue Platte kam auf jeden Fall ganz anders zustande als die anderen. Ich hatte vorher schon so was wie eine Struktur, aber dann habe ich noch einen Song und noch einen und immer mehr Songs geschrieben – und wie das so passierte, zeigte sich dann… dass in der Platte sogar viel mehr Struktur steckte, als ich mir je ausgemalt hatte. Ich habe dann einfach weiter daran gearbeitet und ich ließ das ganz zur Entfaltung kommen. Bis ich schließlich am Zielpunkt angekommen war. Aber die Platte durchlief verschiedene Stadien und Stufen, bis sie zu dem wurde, zu was sie bestimmt war. Ich wusste irgendwie, dass ich noch ein paar Dinge ausdrücken musste, damit auch die ersten Teile der Platte richtig Sinn machten. Richtig brutal war dann, die Sache runter zu kürzen. Wenn auch nicht fürchterlich, es ging da nicht wirklich um Argumente… Jedenfalls, es war ein wirklich umfangreiches Werk, diese Platte. Das waren mehr Songs, als andere Leute in ihrer Karriere aufnehmen. Über 80.

Oha!

Und das waren nur diejenigen, die wir aufnahmen.

80 Songs, das ist echt beeindruckend.

Naja, das passiert einfach, weil ich ein eigenes Studio habe. Zusätzlich habe ich auch immer mobiles Aufnahmegerät dabei, wenn ich auf Tour bin – es wurden also schon auf der letzten Tour Songs geschrieben. Und dann kam dazu, dass ich L.A., wo ich die letzten Jahre gelebt habe, für ein paar Wochen verlassen habe und nach New York gegangen bin. In New York musste ich mich irgendwie beschäftigen, auch wegen der Dinge, die in meinem Leben passiert waren. Also dachte ich, das beste ist, wenn ich mich jeden Tag ins Studio einbuche und mich komplett auf die Platte fokussiere. Es stellte sich dann als eine wirklich gute Sache raus, und es hielt mich wirklich konzentriert bei meiner Arbeit – all die Dinge, die mir vorher auf der Seele lagen, entpuppten sich letztendlich als Segen. Es war das Beste für mich, so beschäftigt zu sein.

Also, wie ich die Platte so gehört habe, ist mein Eindruck: Dies ist quasi DIE Ryan Adams-Platte schlechthin.

Oh, Danke!

Denn mein Eindruck ist: Textlich bist du in dem Bereich von „Love Is Hell“ oder „Heartbreaker“, musikalisch wiederum in dem von „Rock’n’Roll“ oder „Ryan Adams“. Es war vorher ein bisschen so, als gäbe es die zwei Welten des Ryan Adams: Hier die sensiblen Balladen, da die Indierockstücke. Auf dieser Platte verbindest du die beiden Welten. Ist jedenfalls mein Eindruck.

Ja, also, ich habe auf jeden Fall auch das Gefühl, dass ich meinem kreativen Kern immer näher komme. Ich habe das Gefühl, die verschiedenen Aspekte meiner Persönlichkeit nicht mehr differenzieren zu müssen. Das, glaube ich, habe ich gelernt durch all die größeren Shows, die ich mit der Band in den letzten Jahren gespielt habe. Da ist mir der gemeinsame Faden in meiner Arbeit aufgefallen. Da sagte ich: „Wow, dies hier könnte auch mehr in die andere Richtung gehen…“ Mir ist aufgefallen, dass das, was beispielsweise in „Oh My Sweet Carolina“ drin steckt, eben nicht im Widerspruch steht zu, sagen wir, „Stay With Me“ oder „Gimme Something Good“. Ich sah, dass das geht: Man kann sehr verletzlich sein und trotzdem offen sein. Und die elektrische Gitarre wurde für mich ein sehr viel empfindsameres Instrument. Klar, empfindsam war sie immer schon für mich, aber jetzt erst habe ich wirklich gelernt, sie auch so zu verwenden, wie ich meine Stimme oder meine akustische Gitarre verwende. Ich kann jetzt auch eine ganze Liveperformance mit der E-Gitarre bestreiten und kann die gleiche Dynamik aufbauen. Was letztendlich vor allem eine Frage der Zeit und der Übung war.

Ich glaube auch, dass ich heute meine Einflüsse so tief in mich aufgesogen habe, dass sie nur weitere Zutaten sind in der Suppe, die MICH ausmacht. Und das fühlt sich super an. Denn manchmal findet sich was Toni Iommi-mäßiges in meinem Spiel, nur ohne die Heaviness, denn das ist die Musik, die ich ganz am Anfang geliebt habe, aber auch der Bob Mould-Sound des Chorus Pedals… oder ich liebe YES und ihre Platte „Big Generator“, aber auch General Public oder Tears For Fears – all diese verschiedenen Aspekte, die kombiniere ich heute quasi mit dem, was ich selbst tief drinnen wirklich bin – und das ist letztlich einfach ein Post Punk Kid, das auch mit Metal groß geworden ist. Ich kann heute all diese Teile wieder erkennen und sehen, wie ich in diesem Rahmen ich selbst sein kann. Und das ist echt spannend, denn je mehr ich das sehe, umso klarer wird mir, wie toll die Smiths waren und wie sie zu dem wurden, was sie sind. Irgendwie waren sie diese zwei verschiedenen Charaktere, und trotzdem waren sie eine Person. Ich lerne auch, cleverer mit meinen eigenen Melodien zu sein, ich lerne, sie mehr zu strecken und zu biegen, und ich bin empfindlicher mit ihnen, weil sie jetzt elektrisch sind. Das ist eine Menge, aber es fühlt sich wahnsinnig gut an. Auf jeden Fall ruhe ich mich nicht auf meinen Lorbeeren aus. Ich bin mir sicher, dass ich viele Leute sehr glücklich machen könnte, wenn ich einfach eine akustische Platte a la „Heartbreaker“ wiederholen würde.

Kann man dann also sagen, dein Arbeitsprozess ist, von Album zu Album die Essenz des Künstlers Ryan Adams weiter heraus zu destillieren, oder? Ich meine, es gibt Bands, die bei jedem Album alles auf den Kopf stellen. Dann geht man mit Brian Eno ins Studio und sagt Sachen wie „Heute spielt mal der Drummer die Keyboards“ oder „Heute spielen wir alles nackt“ – einfach nur um immer für Veränderung zu sorgen. Bei dir herrscht Konstanz.

Verstehe. Also, ich versuche, dem Publikum einen Gefallen zu tun, indem ich nicht so genau darüber nachdenke, was ich tue. Den Gefallen tue ich auch mir selber – ich versuche, gar nicht erst Zweifel aufkommen zu lassen. Musik sollte ein Freiraum sein. Ich versuche nicht, an Musik zu denken als etwas, womit ich Geld verdiene oder das mich nach vorne bringt oder zurück hält. Also, ich bin eigentlich durchaus offen dafür, auch mal etwas aufzunehmen, das meine Fanbase spalten könnte. In der Vergangenheit habe ich das ja durchaus getan. Aber das Beste ist einfach, der Muse zu folgen. Den Songs zu folgen.

Ich bin mir sicher, dass es eine Menge großartiger Platten gibt, die nie gemacht worden wären, wenn die Musiker auf die Leute um sie herum gehört hätten. Es gibt auch Alben, die beinahe ruiniert wurden, weil der Künstler nicht seinem ersten Impuls gefolgt ist. Das Beispiel, an das ich denke, ist „Blood On The Tracks“. Ich bin SO froh, irgendwann mal auf die Original-Version gestoßen zu sein! Denn er (Bob Dylan) hat die Platte als akustische Platte angefangen und dann erst irgendwann nachträglich entschieden, dass sie elektrisch werden soll. Als ich die Ur-Versionen von „Idiot Wind“ und „Lily, Rosemary and The Jack Of Hearts“ hörte, da machten die mich völlig fertig! Ich dachte: „Das ist das Schönste, was ich in meinem Leben gehört habe!“ Als ich diese Versionen hörte, da habe ich mir gedacht: „Höre immer auf dein erstes Bauchgefühl! Lass keine nachträglichen Zweifel an deine Arbeit! Kämpf dich da immer durch!“

Ich habe das Glück, lange schon mit dem gleichen Team zu arbeiten, über zehn Jahre zum Teil, und wir spüren eine enge Verbindung – so dass ich weiss, sie kennen meine Einstellung dazu genau. Wenn es mal vorkommt, dass ich fest hänge und letztlich jemand aus dem Team um Rat fragen muss, dann dauert das meistens Wochen. Aber wenn ich den Stolz mal runter schlucke und zuhöre, und versuche, raus zu hören, was meine Musik bei anderen Leuten in meinem unmittelbaren Umfeld aus Leuten mit Kenner-Geschmack auslöst, dann bringen sie meistens sehr gute Vorschläge. Aber oft genug ist es dann trotzdem so, dass ich mit meiner allerersten Idee doch Recht hatte. Ich gehe ans Songwriting immer so ran: Ich stelle mir vor: Was würde ich hören wollen, wenn ich nicht ich wäre? Ein bisschen knifflig, das zu beschreiben. Ich meine, ich höre mir meine Musik ja nicht an, denn ich mache sie schließlich. Aber ich höre all das andere Zeug, auf das ich total abfahre – auch vieles, das nicht als cool gilt, das aber trotzdem cool ist, weil es gar nicht erst versucht das zu sein.

Okay. Also, wenn ich mir auf der Neuen mal nur die Songtitel anschaue: „Doomsday“, „Shiver And Shake“, „Haunted House“, „Breakdown“, „To Be Without You“ – die Titel alleine sagen uns aus: Dies ist KEIN Partyalbum. Na gut, du hast gerade erzählt, dass du insgesamt 80 Songs hattest – vielleicht handeln nicht alle von gebrochenen Herzen?

Also, ich glaube gar nicht, dass die vorherrschende Stimmung die eines gebrochenen Herzens war. Ich stand eher unter Schock. Es war so, wie wenn man sich sicher ist, dass die Welt auf eine bestimmte Art und Weise funktioniert – aber dann muss man feststellen, es läuft komplett anders. Oder: Es werden einem auf einmal Dinge klar, die einem vorher nie so aufgefallen sind. Ich denke, das ist das Gefühl, das die Platte prägt. Und was die Titel angeht, die mögen recht düster sein – aber wenn du die vergleichst mit den Titeln auf meinen anderen Alben, die sind nicht weniger düster (lacht). So habe ich schon lange gearbeitet, das ist meine Spezialität.

Weisst du, ich habe neulich die Indiana Jones-Filme angeschaut, die komplette Quadrologie – wenn das ein Wort ist, das müsste ich nachschlagen. Jedenfalls, ich guckte mir die Filme an, und ich dachte mir: Okay, das ist also dieser Typ, eigentlich ist sein Hauptjob an einer Universität, er ist Lehrer. Für alte Geschichte und Archäologie. Aber dann ist er auf diesen Expeditionen unterwegs, und er sucht diese raren, extrem gefragten Gegenstände – und ich musste immer wieder lachen, denn ich dachte mir: Auf gewisse, wenn natürlich auch viel weniger glamouröse Weise, ist das mein Leben. Denn eigentlich bin ich ja auch nur ein Nerd. Meine Kumpels, die mich kennen, wissen, war für ein kompletter Dork ich bin. Ich interessiere mich für total nerdige Randthemen. Ich bin eigentlich ein ziemlicher Spaßvogel, kein schwermütiger Mensch – auch wenn ich Skorpion bin und auch anders kann… Jedenfalls, eigentlich will ich nur gut drauf sein. Ich will am liebsten Flipper spielen oder mit meinen Katzen, ich will mit meine Freunden abhängen und gemütlich sein – aber dann ist da noch diese andere Sache, die ich tue, und das schon eine ganze Zeitlang. Ich glaube, ich habe die Gabe, Dinge auszudrücken, über die andere Leute nicht gut reden können. Vielleicht habe ich als Jugendlicher zu viel Metal gehört, zu viel Hüsker Dü und die Smiths – das ist ja auch alles sehr intensive Musik.

Im Leben eines jeden Menschen gibt es Dinge, die von großer Intensität sind, die wir aber lieber verdrängen. Manche Leute setzen sich mit ihrem besten Freund in eine Bar und schütten sich ihr Herz aus. Aber ich – ich mache aus diesen Dingen Songs. Das ist einfach, wie ich funktioniere. Schon komisch, irgendwie. Aber ich meine, wenn es die Smiths noch gäbe, und sie kämen mit einer Platte raus, die einfach nur gut gelaunt wäre und null sarkastisch, das wäre doch auch irgendwie verkehrt. Insofern führe ich ja nur mein Werk weiter.

Aber klar, in der Situation jetzt, da ist es natürlich und legitim, wenn die Leute denken, dass da eine tiefe Verbindung besteht zwischen den Songs und den Dingen, die in meinem Leben stattgefunden haben. Aber in gewisser Weise hatte ich die Platte schon längst geschrieben, in meinem Kopf, damit ich was habe, das ich anhören kann, wenn ich die Situation dann durchmache. Und ich hätte die Platte nicht machen können, wenn ich inmitten all des Chaos nicht auch echte Sehnsucht gefühlt hätte. Echte Sehnsucht in meinem Herzen, die mich näher zu mir selbst geführt hat, und die mir gezeigt hat, dass ich nicht irgendwie… du weisst schon… Ich denke, es gibt Ironie und ein paar Anspielungen auf der Platte, die sich auf konkrete, reale Dinge beziehen, aber ich glaube auch, dass ich über das Licht singe, das durch die Dunkelheit bricht. Dass ich sage: Okay, hier bin ich, an einem sonderbaren Punkt in meinem Leben. Ich habe Freunde verloren, ich musste durch eine fürchterliche Scheidung durch, ich bin dieser Musiker und ich versuche, rauszukriegen, wo ich hin gehöre – das ist ein Zustand, in dem man sehr verletzlich ist.

Aber ich stelle mich nicht als Opfer dar – ich habe das Ganze nach innen gerichtet und mir die Frage gestellt: Was bedeutet das für MICH? Wer bin ich, inmitten dieses Ganzen? Das war mir ganz wichtig bei der Verarbeitung, ich wollte mich nicht in diese klägliche Ecke stellen und sagen „Oh ich Ärmster, man hat mir Unrecht getan!“ – ich wollte rauskriegen: „Was bedeutet das, im größeren Rahmen? Was bedeutet Sehnsucht? Was bedeutet Liebe? Wo stehe ich in all dem? Wie viel davon packe ich in meinem Leben, bevor es zu intensiv wird?“ Das waren echt fantastische Fragen für mich, das war ein guter Pfad, der mich an einen Ort… gewisser Weisheit geführt hat.

Klar, der Weg dahin war heftig. Man ist wütend, frustriert, man ist todtraurig, hoffnungslos, völlig neben der Kappe – das ist alles passiert, aber ich war sehr vorsichtig, denn ich wusste, dass einiges davon Gift war, und anderes davon wie eine Pforte, die mich an einen anderen Ort bringen konnte, an dem ich mich besser verstehen konnte. Und ich habe sehr sorgfältig ausgewählt, was ich als Treibstoff für die Platte verwende. Es gibt zum Beispiel schon genug Wut in der Welt, mehr Wut muss ich da nicht hinein tragen. Ich wollte ich selbst sein und darüber schreiben, was es bedeutet, Mensch zu sein. Was es bedeutet, zu lieben, und Liebe zu verlieren. Und ich bin froh, dass ich das gesagt habe.

Ich glaube, ich komme mit. Manche Leute führen Tagebuch, sie schreiben täglich auf, was sie an dem Tag getan und erlebt haben und das hilft ihnen, eine gewisse Perspektive auf das zu bekommen. Andere gehen zum Psychiater und du hast für dich deinen Weg gefunden, Dinge zu verarbeiten, indem du Kunst draus machst.

Genau. Also, ich meine, ich arbeite auch an mir. Ich laufe zum Beispiel. Das ist auch echt gut für meine Meniéres-Krankheit, für meine Schwindelanfälle. In der Stunde oder den 90 Minuten, die ich laufe, denke ich überhaupt nicht an Musik – und ich merke immer, wenn ich zu Hause angekommen bin, dann habe ich so viel Zeug durchgearbeitet, dann sind mir so viele Dinge klar geworden.

Ich hatte mir ganz fest vorgenommen, durch diese Geschichte gut durch zu kommen. Ich wollte nicht verbittert sein oder meinen Glauben ans Gute verlieren. Ich habe diese echt gute Seele getroffen, er heisst Kerry Gaynor – er hat einigen Leuten geholfen, mit Rauchen aufzuhören und er ist jemand, dem man einfach nur alles erzählen kann, aber er ist auch Hypnotherapeut. Man redet also lange mit ihm, und irgendwann im Gespräch – du merkst es gar nicht, aber irgendwann in dem Gespräch bist du so gelöst – und dann sagst du Dinge, die du normal nicht sagen würdest. Man hört sich dann selbst reden und kann auf einmal selbst feststellen: „Da spricht jetzt die Bitterkeit“, oder: „Da lenke ich jetzt in die falsche Richtung, das führt mich weg von den Dingen, die ich liebe.“ Das alles war auch sehr hilfreich, um mich zu erinnern: Hey, du bist okay. Das ist deine Reise, das ist dein Pfad, bleib wer du bist, bleib am Ball als Künstler, komm nicht vom Weg ab. Viele Leute müssen durch das durch, durch das ich durch musste. Da bin ich nichts Besonderes, ich habe nur auch etwas erlebt, das andere Leute auch erlebt haben.

Ich wollte keine Platte machen, auf der ich sage: „Es geht nur um MICH und es geht nur um meine Scheidung“. Das wäre schräg, Aber die gute Sache ist: Ich drücke mich aus, ich komme mit meinem Leben klar, ich nehme negative Erfahrungen und mache daraus Songs. Ich habe dieses Ventil, und wenn es für eine Sache gut ist, dann dafür, dass ich aus anderen Ende des Tunnels als besserer Mensch raus kam. Ich verstehe mich besser, so viel besser, nur weil ich diese Songs geschrieben habe.

Ich bin froh, dass du selbst darüber redest, denn als ich meine Fragen aufschrieb, da überlegte ich natürlich: Wie spreche ich das Thema deiner Scheidung an? Viele Leute werden diese Platte schließlich als „das Scheidungsalbum“ sehen. Ist das was, das dich stört?

Sagen wir’s so: Nehmen wir mal an, ich wäre letztes Jahr von Außerirdischen entführt worden. Danach mache ich meine neue Platte. Aber ich bin ja trotzdem noch, wer ich bin. Aber das einzige, was die Leute von mir in den letzten eineinhalb Jahren von mir mitgekriegt haben, wird sein, dass ich entführt worden war. Also werden sie sagen: „Aha, ‚Prisoner‘ geht über deine Zeit der Gefangenschaft bei den Aliens!“

Was ich meine, ist: Mir geht’s besser, zu sagen: Ich habe doch immer schon über die Dinge gesungen, über die man nicht gut reden kann. Du hast sicher auch einen Freund, der gerade was Schweres durch macht. Jeder Erwachsene, den ich kenne, hat mindestens da ein paar heiße Eisen im Feuer. Vielleicht Streit mit den Eltern, oder jemand ist krank, vielleicht man selber, vielleicht was Psychologisches, vielleicht eine Sucht. Und die meisten Leute tun ihr Bestes, diese Dinge zu verdrängen. Sie wollen sich nicht näher damit befassen, weil es sie sonst nur fertig macht.

Aber ich glaube, dass man Musik in diese Bereiche schicken kann. Als Sonde, die darin Farbigkeit sucht und Weisheit. Denn ein Song kann dich durch eine schlimme Trennung navigieren, ein Song kann dich durch den Tod einer geliebten Person navigieren – er trägt dich. Der Songwriter sagt dir „Ich war auch schon dort!“ oder wenigstens „Ich war an diesem ähnlichen Ort, der genauso ist“. Er sagt: „Komm mit mir, und wenn wir das überstanden haben, hast du Dir vielleicht etwas ganz Neues eröffnet“. Ich glaube, es ist gut, Leute zu öffnen – denn ich weiss es ja von mir selbst, wie gut es für mich ist, mich zu öffnen und diese Dinge nach draußen zu lassen.

Und ich sage nicht, dass ich Lieder schreibe, weil ich anderen Leuten damit so einen tollen Dienst erweisen möchte. aber ich finde es okay, zu sagen: Ich bin ein Mensch, ich bin jetzt hier, in hundert Jahren werde ich nicht mehr hier sein. Aber diese Arbeit wird vielleicht noch da sein. Was mich zu dieser Arbeit geführt hat, darüber wird niemand mehr reden, es wird wirklich nur noch das Werk übrig bleiben. Das wiederum gibt mir mehr Selbstvertrauen, zu sagen: Es passt schon, einfach nur Ryan zu sein. Ich muss mir nicht immer so viele Gedanken machen, wie man meine Songs deutet.

Ich kann dir sagen, dass es funktioniert, dass du wirklich die Emotionen ausdrückst, die andere Leute fühlen. Vor ein paar Jahren hat mich eine Trennung sehr mitgenommen und in der Zeit habe ich deine Musik geradezu besessen gehört. „Cold Roses“ und „Love Is Hell“ haben mir in der Zeit wirklich geholfen – und darum geht’s doch.

Genau. Also, es ist sehr nett, das zu hören. Aber letztlich gebe ich nur einen Gefallen zurück. Denn es waren bestimmte Bands, es war echt tolle, smarte, hintergründige Musik, die mir geholfen hat, zu werden, wer ich heute bin – ohne diese Musik wäre ich nicht ich, und ich wäre nicht durchgekommen. Aber es ist so: Als ich durch meine schlimmsten Zeiten durch musste, da war es nicht unbedingt traurige Musik, die mir geholfen hat. Sondern es war Musik, die kathartisch genug war, um mich mitzunehmen. Punk Rock, oder früher amerikanischer Hardcore, Black Flag, Dead Kennedys. Später dann die Smiths, all diese Sachen haben mich angeschoben durch die Schwierigkeiten. Ich mag es, dass man sich an diese Stimmen dann gewöhnt, dass es ein Ort ist, den man kennt, an den man sich zurück zieht. Und die Tatsache, dass man sich in schweren Zeiten von Musik helfen lassen kann, die ist doch wirklich eine wundervolle Sache. Es ist nicht so, dass die Musik einen von den Themen ablenkt, aber sie hilft, Wunden zu verheilen.

Viele Leute sperren sich ein, oder, das habe ich früher in Amerika oft gesehen oder ich sehe es noch bei anderen Typen in meinem Alter, sie werden Sportfans. Sie setzen sich vor die Glotze, verfolgen ihr Team und blenden alles aus – und das ist okay. Aber wir sind nur eine kurze Zeit auf der Erde und sie wird uns immer kürzer vorkommen, je näher das Ende sichtbar wird. Und ich glaube, am besten lernt man über die Welt, indem man über sich selbst lernt. Wir sind die Augen, die diesen Ort sehen. Das Innenleben hat uns so viel zu zeigen. Ich wurde zu einem Musik-Geek, weil ich Musik so dringend brauchte. Musik jagt mir Schauer über den Rücken und hilft mir. Gerade ein 15jähriger braucht diese Kunstform. Denn ich habe zwar auch gerne gelesen, ich habe sogar nie so viel gelesen wie in meinem jungen Leben bis Anfang 20. Aber selbst von einem Roman von Faulkner kann man nur eine bestimmte Menge lernen – sogar von einem Song wie Tina Turners „We Don’t Need Another Hero“ aus dem Mad Max Film kriege ich dagegen so viel Information mit, die ich behalte, mein Leben lang! Keine Ahnung, warum das so ist!

Weil Rock’n’Roll und Pop eine so unglaublich kraftvolle Kunstform ist. Sie kombiniert so viele Dinge und kondensiert sie auf wenige Minuten. Es wird nicht so ausgebreitet wie in einem Roman, sondern es ist ein „short sharp schock“. Du hast die Smiths erwähnt – ich kann dir zu hundert Prozent sagen, dass mein Leben anders verlaufen wäre, wenn ich nicht irgendwann die Smiths für mich entdeckt hätte. Das war die Musik, die mich aus der Kleinstadt in den Alpen raus geholt hat. Ich habe nie selbst gelernt, Musik zu machen, aber ich landete im Musikjournalismus. Weil es nichts gab, was mich annähernd vergleichbar berührt hat wie Gitarrenmusik.

Oh Mann, was für eine Band! Meine drei Lieblingsalben aller Zeiten sind von den Smiths und ich wäre nicht annähernd die Person, die ich bin, ohne diese Platten. Diese Band war für so viele Leute so wichtig. Ich meine, ich hätte mir nie eine Gitarre gekauft ohne die Smiths. Ich weiss nicht, ob ich, wenn ich keine Smiths-Platte gehört hätte, überhaupt jemals versucht hätte, ein Lied zu singen. Als Kind habe ich nie gesungen oder großes Interesse daran gehabt, ein Instrument zu lernen. Aber nachdem ich die Smiths gehört hatte, begann meine Reise in die Musik. Ich glaube auch, dass ich eine viel emotionalere Person wurde, ich wurde viel offener dafür, verletzlich zu sein. Weil ich den Mut dazu in diesen Songs so liebte. Es sind nur Platten, aber diese Alben, der Rock’n’Roll, er hat diese unglaubliche Power, Menschen zu verändern. Er kann ihnen helfen, sich selbst zu modifizieren und zu offeneren, besseren Kreaturen zu werden. Für Leute, die Rock’n’Roll wirklich lieben, ist er eine sehr spirituelle Sache. Wenn ich jemanden treffe, dem Musik egal ist, dann denke ich mir immer: Menschenskind, wie muss sich das anfühlen? Aber vielleicht ist es für sie aber völlig okay? Vielleicht ist Musik für uns Andere das größte Pflaster der Welt?

Ich rechne damit, dass wir gleich unterbrochen werden, deswegen möchte ich noch mal kurz ein neues Thema anschneiden. Du hast ja immer sehr persönliche Musik geschrieben – aber zuletzt ist die politische Situation sehr sonderbar geworden in den Staaten. 

Das kann man wohl sagen.

Vielleicht ist jetzt wieder die Zeit für Protestsongs. Wärst du ein guter Protest Singer, oder wäre das nichts für dich?

Naja, also… ich hatte zuallererst mal das Gefühl, dass die Atmosphäre unter unserem letzten Präsidenten eigentlich alle sehr friedliche war, dass eine Leichtigkeit herrschte. Klar, man kriegte mit, dass es einige Leute gab, die sich beschwerten. Aber wenn man zurück schaut, wird man sagen: Eigentlich sind wir sehr friedlich miteinander umgegangen in diesem Land.

Alle reden vom gespaltenen Amerika, und diesem offenbar unkontrollierbaren, wütenden Mob. Es war ein Schock für meine Freunde und für mich und ich glaube für große Teile Amerikas, wir waren alle vor den Kopf gestoßen, dass dies passiert ist. Vielleicht haben sich zu viele Leute gedacht: „Dieser Typ wird nie im Leben Präsident“ und sind deswegen nicht zur Wahl gegangen. Die Wahlbeteiligung war bei diesen Wahlen niedriger als bei den Wahlen davor – und der jetzt kommende Präsident hat ja den „Popular Vote“ verloren, sogar sehr klar, über 2 Millionen Wähler sind es jetzt. Gleichzeitig sagt man: Hey, es lief doch ganz gut. Wir sind raus aus dieser enormen Rezession, Obama hat das in Griff gekriegt und sehr viel Zeit darauf verwendet.

Genau die Leute, die jetzt ans Ruder kommen, waren die, die vor acht Jahren sagten: „Lasst die Konzerne zugrunde gehen!“ – und gleichzeitig gewannen sie die Wahl durch Versprechungen an die Arbeiterschicht, dass sie ihr helfen wollten – dabei waren sie genau diejenigen, die vorher wollten, dass diese Leute ihre Jobs verlieren und dass alles kaputt geht! Das zu sehen, das ist schockierend – und es ist auch hochnotpeinlich für mich als Amerikaner, der für seinen Lebensunterhalt um die Welt reist. Ich glaubte immer an die Vorstellung von Amerika, von der Henry Miller in „Big Sur“ oder Jack Kerouac in „On The Road“ schrieb. Allan Ginsburgh, der erkannte den Wahnsinn, der sich anbahnte – aber es gab diese große Hoffnung von einem friedlichen, aufgeklärten Amerika.

Deshalb ist es so sonderbar, aus dieser Vorstellung aufzuwachen und zu sehen: Diese Leute, die jetzt auf Trumps Seite stehen, die in seiner Regierung sitzen, nicht zuletzt Trump selbst, diese Leute haben wir ausgelacht. Wir dachten alle, das sind Irre und Lügner. Sie haben gezielt auf Themen gesetzt, die den Hass der Leute geweckt haben, sie haben die Leute bewusst angestachelt.

ryan-adams-innenDas ist mir nur zu bewusst – Trotzdem meine Frage, siehst du die Möglichkeit, daraus einen Song zu machen?

Auf jeden Fall. Also, geographisch gesehen, die Orte und die Sprache, die ich verwende, die sind normalerweise etwas instinktives. Aber ich habe immer schon daran geglaubt, dass man das Politische sehr gut dokumentieren und beschreiben kann und Beispiele geben kann, indem man sie in die Politik des Persönlichen übersetzt. Also, wenn ein Mensch auf einmal zu einem aufgedrehten Rechtsaußen-Spinner wird, dann läuft doch etwas falsch mit dieser Person. Da läuft was auf der Gefühlsebene falsch, da sucht jemand einen Schuldigen, oder ist voll Hass. Vielleicht war der Vater schon so und der ist gestorben, und man vermisst ihn. Es gibt immer einen emotionalen Hintergrund. Ich glaube nicht, dass Leute einfach aufwachen und von heute auf morgen zu Goblins werden. Ich will nicht glauben, dass es so sein kann.

Aber ich sag dir was – in meiner eigenen Familie habe ich dieses Verhalten mitbekommen. Dass jemand diesen wahnsinnigen Lügner unterstützt. Ich meine, die LÜGEN über alles, zum Beispiel darüber, dass sie so christlich seien – und du sagst: Halt mal, Jesus war kein Kapitalist! Da stellen sich diese Leute hin und sagen, sie vertreten die Werte von Jesus, aber als nächstes gehen sie hin und unterdrücken jemanden! Das muss man doch merken und sagen „All das sagst du nur, um Stimmen zu kriegen und denkst, dass niemand auf dein Verhalten achtet.“ Die Situation steckt so voller Widersprüche, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das keine Songs inspirieren wird. Genauer gesagt weiss ich, dass die ersten Songs schon inspiriert wurden.

Ich meine, dies sind sehr ernste Zeiten, in denen regelrecht verrückte Menschen an der Macht sind. Aber meine Stimme zählte, und sie wird weiter zählen. Ich kann vielleicht was schreiben, das den Leute vielleicht andeutet: „Dies ist, was wirklich passiert, und dies ist nur, was man euch erzählt.“ Es kann auch hilfreich sein, etwas zu schreiben, das die Leute zum Lachen bringt. Etwas, woran man erkennt, wie schräg sich jemand verhält, das wäre gut. Aber ich hoffe – und ich kann mich da irren – ich hoffe, dies sind nur die letzten Zuckungen der uralten Garde. Der Generation, die Andere unterdrückt, die sexistisch, rassistisch und einfach fürchterlich drauf ist und die glaubt, dass die Dinge wie vor ein paar Jahrzehnten zu laufen haben. Dies wird das letzte Mal sein, dass wir von ihnen hören, denn die Generation, die heute aufwächst, ist schon längst akklimatisiert mit dem Gedanken, dass es keinen Grund gibt, sich gegenseitig zu bekämpfen und nieder zu drücken.

Kennst du Steven Pinker?

Hmm, ich weiss nicht?

Das ist ein Wissenschaftler, der sich hauptsächlich mit dem menschlichen Gehirn und Dingen wie Sprache befasst, aber auch mit Entwicklungen der Menschheit. Der Mann hat mir letztes Jahr so viel Hoffnung gemacht, denn er hält Vorträge darüber, wie viel friedlicher die Welt geworden ist, wie viel weniger Gewalt eingesetzt wird, wie weit die Menschheit sich entwickelt hat, wenn man es in den historischen Kontext setzt. Wenn man uns erzählt, alles sei schlimmer geworden ist, dann ist das tatsächlich nur Panikmache, denn das Gegenteil ist der Fall. Aber die Panikmacher haben tatsächlich das Ruder übernommen und sie können das Rad weit zurückdrehen. Wenn sie zum Beispiel in den USA jetzt auch das Supreme Court besetzen… aber naja, jetzt sind wir schon bei 45 Minuten und ich sollte wohl längst auflegen, denn der nächste Journalist wartet bestimmt ungeduldig in der Leitung.

Nein, das ist okay. Ich finde es gut, dass wir dieses Gespräch führen. Ich glaube, die Menschen haben immer Krieg geführt. Die Menschen haben sich immer verliebt – und wieder entliebt. Die Leute haben immer mit Selbsthass und mit Hass auf andere zu kämpfen gehabt, oder mit Unterdrückung. Es ist wichtig, dass ich mich da nicht so reinsteigere, dass ich mich am Ende auf ein Podest stelle und den Leuten Predigten halte – denn die meisten verstehen das alles ja längst. Ich glaube, besser ist, wenn ich anhand von Einzelbeispielen zeige, dass es im Leben um mehr geht als eine Art weltweites Schachspiel gewinnen zu wollen. Es geht wieder um die Politik des Inneren: Wie geht es mir heute? Wie betrifft mich all das, was um mich herum passiert? Was kann ich heute selbst tun, das jemand anderem Freude bereitet? Das sind für mich die entscheidenden Fragen. Und ich hoffe, dass sich das für alle hoch rechnet. Das wäre eine bessere Welt. Es gibt genug Platz und genug Liebe für alle.

Daran glaube ich auch. Naja, wir haben hier in Deutschland im neuen Jahr auch Wahlen. Ich hoffe einfach, dass die Rechten hierzulande keine so großen Zahlen bekommen.

Weisst du, was echt witzig ist – du hast doch vorhin von der Macht des Rock’n’Roll gesprochen. Selbst wenn die Dinge umschlagen, können sie das nur eine Zeitlang tun. Und der Rock’n’Roll, er HAT die Welt schon verändert, immer wieder. So viele Leute trifft man, die sagen: Sie haben ein Konzert oder eine Band gesehen, und das hat ihnen das Herz geöffnet und ihre Persönlichkeit beeinflusst. Das ist echt witzig: Die guten Menschen, die Kreativen, die aufgeklärten Menschen, diejenigen, die Mitgefühl und und Empathie für andere Menschen empfinden, wenn die ihre Stellung halten und so viel Mitgefühl und Liebe zeigen, wie es nur geht – das sind die, die gewinnen werden. So gewinnt man: mit Liebe!

Das ist das Wichtige: Die bitteren, hasserfüllten Menschen können tun, was sie wollen – aber sie dürfen es nur nicht schaffen, dich zu einem von ihnen zu machen. Das wäre der Punkt, an dem du kein Mensch mehr bist. Ich glaube, dass Karma sehr schnell wirkt. Jeder Mensch, der einen anderen unterdrückt und seine Zeit darauf verwendet, jemand anderen zu hassen, weil er eigentlich mit sich selbst nicht klar kommt – eine solche Person brennt sehr schnell aus. Ich möchte niemals Teil dieser negativen Energie sein. Vielleicht kann dann tatsächlich ein einfühlsames Lied im Radio der Auslöser sein, dass jemand Mitgefühl entwickelt. Tja, vielleicht sollten wir all die Smiths-Alben noch mal neu pressen und an all die korrupten Politiker schicken: „Hört Euch diese Platte an, ‚Meat is Murder‘!“

Dann wiederum: David Cameron von den britischen Konservativen, der ehemalige Premierminister des UK, hat wiederholt erzählt, er sei ein Smiths-Fan. Johnny Marr hat ihm offiziell „verboten, ein Smiths-Fan zu sein“, das ging durch viele Medien. Denn Camerons Politik stand für das Gegenteil dessen, wofür die Smiths standen.

Na, der hat wohl ganz offensichtlich nicht aufgepasst und zugehört, worum es der Band ging. Ich glaube auch, dass Politiker sowas oft sagen, damit sie cool rüber kommen.

Ich kann mir sogar vorstellen, dass das gezielt war. Die Smiths haben immer noch eine große Kraft, sie stehen immer noch für die Opposition. Ich kann mir vorstellen, dass man gezielt diese Kraft schwächen wollte, indem man die Smiths für die dunkle Seite beanspruchte.

Vielleicht. Hmm. Also meine Platten kriegt er nicht!

Aber jetzt muss ich tatsächlich packen, ich muss heute noch nach Australien. Es hat mir großen Spaß gemacht, mit dir zu sprechen!

Vielen Dank, ich kriegte viel mehr Zeit, als ich erhofft habe! Vielen Dank dafür!

Hey, wir hatten doch ein nettes Gespräch! Das war super!

Das freut mich, dass es dir gefallen hat. Hast du eine Ahnung ob es dich mal wieder nach München verschlägt?

Ich hoffe doch! Das letzte Mal hat es uns super Spaß gemacht. Ich will nächstes Jahr so viel spielen wie möglich.

Na, dann wünsche ich dir heute noch einen guten Flug und bedanke mich sehr herzlich!

Vielen Dank!

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