Prize and Shine – Pt2

augustiner-collected-2016-bEin mal im Jahr küren wir hier den Ein-Kasten-Augustiner-Preis. Die Idee dahinter ist, dass eine Gruppe Freunde und ich ein Lied zum „Song des Jahres“ ernennen und dann dem Sieger einen Kasten Augustiner zukommen lassen. Auch wenn wir den Kasten noch nicht oft wirklich an den Mann gebracht haben, fand doch letztes Wochenende unser entsprechendes Meeting statt. Hier nun Teil 1 unserer Zeremonie…

Vorgeplänkel: Sechzehn Songs habe ich wie jedes Jahr schon mal nominiert. Als da wären:

Blossoms – At Most A Kiss
Catholic Action – Rita Ora
DIIV – Under The Sun
DMA’s – Step Up The Morphine
FEWS – Drinking Games
The Goon Sax – Boyfriend
Hedge Fund – Summer’s Getting Shorter
July Talk – Push + Pull
Kent – Egoist
Mystery Jets – Bubblegum
The Radio Dept. – Swedish Guns
Rolling Blackouts Coastal Fever – Julie’s Place
The Shimmer Band – Freedom
Sticky Fingers – One By One
WHITE – Step Up

Die Jury umfasst diesmal sieben Mitglieder: Dani, Julian, Karin, Nat, Nico, Tom und mich. Wer in der Jury sitzt, darf auch einen Song nominieren. Es wurden gepickt:

Dani: Emmy The Great – Algorithm
Julian: Dent May – Face Down In The Gutter Of Your Love
Karin: The Baboon Show – Lost You In A Second
Nat: Johnossi – Air Is Free
Nico: Henric de la Cour – Two Against One
Tom: Diskopunk – Antonio America

Eins fällt schon mal auf: Die Neuankömmlinge erhöhen die Schwedenquote. Gleich vier Stück! (The Baboon Show, Johnossi, Henric de la Cour, Diskopunk)

Anyway. Das wird eine langes Procedere jetzt, also legen wir los. Kennt ihr die Regeln noch vom letzten Mal? Es ist wie beim Tennisturnier. Zwei Songs treten gegeneinander an, einer scheidet aus. Am Ende gibt’s ein Finale und einen Gewinner.

Runde 1/1:
Frage: Zu welchem Song kann man sich besser eine Choreographie überlegen?
Bad Sounds – „Avalanche“
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vs The Radio Dept – „Swedish Guns“
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Es geht bei diesem Spiel ja nicht nur darum, einen Gewinner zu küren. Es geht vor allem darum, an einem Sonntag mit Freunden in meiner Küche Blödsinn zu machen. Deswegen eine solche Frage, die gleich die ganze Runde zwingt, aufzustehen und sich mit mehr oder weniger koordinierten Bewegungen zum Affen zu machen.

Wir starten also den Song der Bad Sounds: Groovy Rhythmen und ein Video, in dem die Brüder Ewan und Cullum Merrett so richtig schön blöde Posen werfen: Der Air-Surfer! Der Kung-Fu Man! Der Kranich! Klar, das stellen wir unter großem Gejohle in der Küche nach.

Da können The Radio Dept. natürlich nicht mithalten. Ihr „Swedish Guns“ ist ein hintergründiges Lamento über Schwedens Rolle als globaler Player im Waffenhandel. Ein smarter, fieser Song, aber nicht unbedingt Futter für den Dancefloor. Und chancenlos gegen eine Choreographie, in der man den Kranich machen kann. Das Urteil: 7:0 für die Bad Sounds.

Runde 1/2:
Frage: Welcher Song hat die spannendere Instrumentierung?
The Baboon Show – „Lost You In A Second“
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vs FEWS – „Drinking Games“
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Gehört die Stimme zur Instrumentierung? Schon, oder? Die Stockholmer Girlpunks The Baboon Show haben Mando Diaos Björn Dixgård als Gastsänger am Start – und dass seine Stimmbänder einen satten Sound haben, ist bekannt. Ihre eigene beeindruckend kreischende Sängerin Cecilia Boström stieht ihm im Refrain aber sogar die Show. Das aber ist zugegebenermaßen das einzige, das bei dieser straighten Rocknummer als unorthodoxe Instrumentierung durchgeht.
Auch die FEWS spielen in der typischen Drums-Bass-Zwei Gitarren-Besetzung. Wie die beiden Frontmänner David und Fred allerdings die zwei Gitarren ineinander verzahnen, das ist schon spannend – finden jedenfalls vier von uns. Die anderen drei geben ihren Punkt der prägnanten Stimmen wegen The Baboon Show. Hilft nix, FEWS sind trotzdem in der nächsten Runde!

Runde 1/3:
Frage: Welcher Songtext liest sich besser ohne Musik?
Blossoms – „At Most A Kiss“
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vs Rolling Blackouts Coastal Fever – „Julie’s Place“
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Diese Aufgabe soll natürlich gute Lyrics belohnen. Das sieht gut aus für Melbournes Rolling Blackouts C.F., die ihre Texte immer mit smarten Beobachtungen voller Subtext bestücken. Zuerst aber sind die Blossoms dran. Deren „At Most A Kiss“ behandelt ganz offenbar eine fehlgeschlagene Romanze. „I thought I was your boy, the earth’s on hold, I’ll packet a stone I find. At most a kiss, this time“ singt Tom Ogden. „Is it on? Someone said that you left town. But I’ve been holding on to long. Someone said that, boy, she’s gone. If it’s time, then I’m yours, so let me know.“ Das kann man ja fast rührend finden! Sie hat offenbar schon längst die Stadt verlassen und er sagt weiter: „Hier bin ich, ich warte!“ Da dachte ich immer, die Lyrics bei den Blossoms seien eher vernachlässigbar, aber das bewegt uns ja fast ein bisschen. Außerdem liest sich’s durch seine Reime ein bisschen wie ein Gedicht.
Der Text von „Julie’s Place“ ist da kryptischer. Es scheint aber ebenfalls um eine unerwiderte mehr-als-Sympathie zu gehen. „Even though I don’t really know ya I keep my head over my shoulder“ singt entweder Tom Russo, Fran Keaney oder Joe White (alle drei wechseln sich bei den Aussies als Sänger ab und noch kann ich die jeweiligen Stimmen nicht zuordnen.) „Moon on my neck, i feel it come. I’m standing here like a burning house. Calling for days, can’t find the door. Keeping it down, foot through the floor.“ Tja. Ich glaube, hier geht’s um jemand, der zu seiner Angehimmelten irgendwie nicht durchdringt, sich aber auch nicht schlüssig ist, ob er’s hundertpro versuchen soll. Andererseits: Es könnte sich auch um was VÖLLIG anderes drehen. Hmmm.
Lassen wir abstimmen: Fünf von uns geben ihre Stimme den Blossoms. Nur zwei Stimmen für Melbourne bedeuten: Rolling Blackouts Coastal Fever sind ausgeschieden.

Runde 1/4:
Frage: Welcher Song ist untypisch/eigenwillig?
Hedge Fund – „Summers Getting Shorter“
hedge-fund-summers-getting-shorter-single
vs the Goon Sax – „Boyfriend“
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Ein australisches Duell. Hedge Fund aus Sydney sind schon eine recht schräge Combo und speziell das Video zu „Summer’s Getting Shorter“ zeigt ihren Sänger William Colvin zweifellos als Sonderling. Aber wir bewerten nicht das Video, sondern den Song. „Summer…“ hat einen recht zähflüssigen Rhythmus, was ich sehr wohl interessant finde. Die Nummer wirkt irgendwie geheimnisvoll, als verberge sie irgendwas ganz Heftiges.
Trotzdem geht auch meine Stimme an The Goon Sax. Die Teenies aus Brisbane haben mit „Boyfriend“ einen echt drolligen Ohrwurm hingelegt, der seine schlichte On-Off-Instrumentierung zu seiner Stärke macht. Das erfüllt auf seine Weise die Aufgabe, „eigenwillig“ zu sein. Finden wir jedenfalls in klarer 7:0 Abstimmung.

Runde 1/5:
Frage: Der Luftfaustfaktor
DMA’s – „Step Up The Morphine“
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vs DIIV – „Under The Sun“
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Oooch. Wir alle lieben „Step Up The Morphine“. Aber dann muss dieser Supersong ausgerechnet in der Kategorie gezogen werden, in der es um die „Yeah-ich-recke-meine-Faust-in-die-Luft!“-Power geht? Das Stück ist schließlich eine Ballade. Anyway. Wir stehen wieder alle auf und geben uns in der Küche den Luftfaust-Tanz. Wobei wir feststellen: Geht eigentlich. Spätestens, wenn der Refrain kommt, passt es durchaus, schwungvoll die Faust gen Himmel zu werfen. Haben die DMA’s also doch eine Chance?
Haben sie. Denn DIIVs „Under The Sun“ ist zwar flotter, aber auch gleichförmiger. Dazu spielt man gerne Luftgitarre. Aber dazu, die Luft zu boxen, lädt dieser Song nicht ein. Findet jedenfalls die Mehrheit von uns: 6 Punkte für die DMA’s. Julian gibt DIIV einen Ehrenpunkt, aber mehr aus Sympathie als aus Überzeugung.

Runde 1/6:
Frage: Wie kunstfertig ist der Song?
Kent – „Egoist“
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vs Emmy The Great – „Algorithm“
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Tja. Kent, Schwedens größte Rockband ever, ist vieles. Bedeutungsschwer, vielschichtig, gerne mal pompös, aussagekräftig. Letztes Jahr gaben sie ihre Trennung bekannt, ihrem letzten Album schickten sie die Single „Egoist“ voraus, deren Text die Entwicklung einer Gesellschaft bedauert, in der jeder nur noch auf sich selbst schaut. Keine Frage, „Egoist“ ist ein Song mit wichtiger Message – aber ist er kunstfertig? Sein stampfender Beat, sein satter Bass, seine schnittigen Gitarren sind genau folgendes nicht: Feinziseliert, virtuos, soulful. Drei Eigenschaften, die Emmy The Great, die in Hong Kong geborene Songwriterin, auf „Algorithm“ schon alleine durch ihren Gesangsstil zur Schau stellt. Deswegen bekommt sie von der Gruppe 5 Punkte, während Kent nur zwei abkriegen, für die immer sehr wohl kunstfertigen Texte ihres Sängers Jocke Berg.

Runde 1/7:
Frage: Der Lagerfeuer-Test
Johnossi – „Air Is Free“
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vs Dent May – „Face Down In The Gutter Of Your Love“
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Ein Job für Nico. Der kann Gitarre besser als ich. Denn im Lagerfeuer-Test geht es darum, den Song nur auf der Klampfe zu spielen. Nach dem Motto: Kann man sich vorstellen, die Nummer gemeinsam am Baggersee zu singen?
Johnossis „Air Is Free“ macht einem dies leicht. Der Song ist zieht vier Akkorde durch, die sich nicht ändern, egal ob Strophe oder Refrain. G-Bb-F-C. (Erst zur Middle Eight tut sich was, aber so weit kommen wir nicht).
Wie schaut’s aus beim Kalifornier Dent May? Sein Song ist da schon komplexer. Was ja nicht gegen ihn spricht, aber es ist für Nico schon kniffliger, sich da durch zu wurschteln. Klar, nach etwas Übung geht die Strophe (B-G#m-D#m-F#). Blöd ist halt aber, dass alles Barre-Griffe sind. Dann kommt eine Bridge (E-D#m-D-C#m), was von den Griffen her geht, die Sache aber halt verkompliziert. Zum Refrain geht’s zurück in die Strophen-Loop B-G#m-D#m-F#, aber hier kommt das echte Problem. Das nämlich liegt hier nicht bei der Gitarre, sondern in der Gesangsmelodie. Dent Mays Beach Boys-eskes „Face Down“ verlangt uns hohe Töne ab, die die meisten von uns überfordern. Mal ganz zu schweigen davon, dass auch hier noch ne Middle Eight folgt(B-Bbm-A-G#m), es also für den Gitarristen noch mehr zu merken gibt.
Somit gewinnen Johnossi, weil ihr Song so schön einfach ist. Das Ergebnis lautet 6:1.

Runde 1/8:
Frage: Welcher Song hat die bessere Stimme?
WHITE – „Step Up“
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vs Sticky Fingers – „One By One“
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Ha. Da dürfen WHITE aus Glasgow sich ärgern. Ihr Song lebt von seiner bollernden Bassline, ist ein Rhythmusbiest. Hier wird nicht gesungen, sondern unter wildem Kontrollverlust krakeelt. Die Nummer ist ein Killer, aber nicht wegen der Stimme.
„One By One“ von Sydneys Sticky Fingers dagegen gibt ihrem Sänger Dylan Frost die Gelegenheit, eine so richtig schöne Melodie zu gurren. Und in der Tat, er setzt sie sehr effektiv ein, seine Stimme. Das gefällt allen. Ein klares 6:0 für die Australier. (Wir sind nur noch zu sechst, Dani musste leider gehen.)

Runde 1/9:
Frage: Ist man bei dem Song „verliebter“?
Catholic Action – „Rita Ora“
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vs The Shimmer Band – “Freedom“
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Ihr kennt das. Ihr hört einen Song, und der löst was aus in Euch. Plötzlich wollt ihr Eure(n) Liebste(n) drücken oder eure/n Ex sehen. Haben die Songs aus unserer Liste diese Macht?
Catholic Actions „Rita Ora“ strahlt für mich folgendes Gefühl aus: Kindliche Begeisterung. Man stellt sich vor, dass der Song im Proberaum in Glasgow eigentlich mal als Witz gedacht war. „Rita! Ora! Take me! Love me!“ – Sowas singt man mal zum Scheiß. Aber dann finden’s alle zum Schreien und man entscheidet: Hey, der Song macht Riesenspaß, den behalten wir!
Deswegen ist unsere Runde auch durchaus der Meinung, dass der Song zum Verliebtsein passt. Man stellt sich vor, wie man an einem Sommertag die Straße entlang hopst, leichtfüßig, weil verliebt.
„Freedom“ von Bristols The Shimmer Band ist dagegen zwar eine echte Groovewalze, aber dieses Verliebtheits-Ding löst es bei keinem von uns aus. Ein 6:0 für die Schotten!

Runde 1/10:
Frage: Bei wem wird’s netter, wenn wir den Preis übergeben
Diskopunk – „Antonio America“
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vs Henric de La Cour “Two Against One“
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Tja. Ich hatte Henric de la Cour mal am Telefon, lange ist’s her, zum zweiten Stripmusic-Album damals. Der Typ kommt natürlich als Goth recht düster rüber, aber klar ist auch, dass so jemand einen starken schwarzen Humor hat und man sich mit ihm sicher vortrefflich amüsieren kann. Das Interviw ist mir jedenfalls sehr angenehm in Erinnerung.
Klar ist aber auch, dass seine Stockholmer Stadtnachbarn Diskopunk fünf Jungs Anfang 20 sind, deren Video zu „Antonio America“ nach wilder Exzess-Party ausschaut. Die wüssten einen Kasten Augustiner bestimmt zu schätzen. Daher fällt die Abstimmung 5:1 für Diskopunk aus.

Runde 1/11:
Frage: Welcher Song funktioniert besser in der Indiedisko?
Mystery Jets – „Bubblegum“
mystery-jets-bubblegumvs July Talk – „Push + Pull“
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Also ich mag „Bubblegum“ von den Mystery Jets. Ich finde, der Song hat einen poetischen Text, einen komplexen Aufbau und er entwickelt eine geradezu kathartische Dynamik. Zuletzt habe ich ja nur selten aufgelegt, aber ich kann mir vorstellen, den Song mal in der Disse zu spielen. Allerdings halt leider nur zu später Stunde. Dann, wenn die Leute bereit sind, sich auch mal auf einen Song einzulassen, der sich Zeit lässt, in die Gänge zu kommen.
July Talk aus Toronto haben mit „Push + Pull“ aber natürlich eine sehr viel knackigere, rhythmischere Nummer abgeliefert, die auf dem Dancefloor zweifellos ganz anders kickt. Deswegen werfen die Kanadier auch ihre britischen Gegner raus. 5:1 lautet das Ergebnis – Julian tanzt lieber zu den Mystery Jets.

Puh! Die erste Runde ist geschafft und unser Teilnehmerfeld ist halbiert. Elf der 22 Teilnehmer sind noch übrig. Wie’s weiter ging, folgt in einem späteren Post!

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