Review: Ten Fé

Ten Fé – Hit The Light

Große Hoffnungen setzt ihr Label PIAS in Ben Moorhouse und Leo Duncan, das Londoner Duo Ten Fé. Ich kann nachvollziehen, warum das so ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Platte Ende des Jahres so richtig stark „performt“ haben wird, wie man in der Labelsprache sagt. Denn eins ist „Hit The Light“ ohne jeden Zweifel: Breitenwirksam. Was sowohl die Stärke als auch die Schwäche dieses Albums ist.

Eine Menge Einflüsse kann man hier hören: So fließt der erste Song „Overflow“ in flotter, beständiger Krautrock-Motorik, „Elodie“ dagegen geht definitiv in Richtung Americana – Lord Huron und Robert Francis waren die ersten Bands, die mir beim Hören dieses Songs in den Sinn kamen. „Twist Your Arm“ wiederum bewegt sich mit Gospelchor und Piano in Richtung „Screamadelica“-Territorium und „Another Way“ erinnert an die frühen OMD ca „Joan Of Arc“. Klingt nach einem Album der Extreme? Ein Trugschluss, genau das stimmt nicht.

ten-feDenn Ten Fé haben einen Grundsound – und das ist gefälliger, beinahe gefallsüchtiger Schönheits-Indie-Softpop. Flächige Synthies, Yachtrock-Gitarren, garantiert straighte 4/4-Drums aus dem Rechner und so weiter. Es sind gezielt geschmackssichere Sounds, die – das muss man ihnen lassen – selbst Phoenix, HAIM oder Van She kaum präziser und ohrenschmeichelnder hätten picken können. Von diesem Default-Modus gehen Ten Fé Song für Song aus, um sich sanft in eine der oben genannten Richtungen zu wiegen – und dann wieder zurück.

Das Positive daran ist, dass dieses Album ein stetes, schlüssiges Klangbild aufweist und in all seiner unaufgeregten Perfektion trotzdem eine Menge Abwechslung liefert. Das weniger positive ist jedoch, dass die eben genannte „unaufgeregte Perfektion“ tatsächlich keine Aufregung aufkommen lässt. Es gibt Momente, da plätschert alles einfach so glatt dahin, dass alles zur anämischen Klangtapete wird. Da wird es dann echt eine Frage des guten Willens oder auch der eigenen Tagesform, ob man hierin moderne, edelbittere Popmusik erkennen mag oder doch nur den Punkt, an dem Barclay James Harvest und Snow Patrol ihre Schnittmenge finden.

Tja. Um zum Start dieses Textes zurück zu kommen, zu den Erfolgschancen für Ten Fé – die sehe ich als gegeben, weil diese Platte so angenehm und stylisch reinläuft. Wenn sich „Make Me Better“ oder „Overflow“ im Laufe des Jahres zu Indiedisco-Hits entwickeln, werde ich mich auch nicht beschweren – vielleicht findet man mich sogar auf dem Dancefloor. Jubelnde Begeisterung kann ich für keinen der Songs aufbringen, aber größtenteils würde ich mein Gefühl, hmm, „wohlwollende Zustimmung“ nennen. Außer in den Fällen, wo Ten Fé mich ein bisschen langweilen, da würde ich mein Empfinden aber auch nicht als Abneigung, höchstens als „mildes Desinteresse“ bezeichnen.

Tja. Als Band will man geliebt oder gehasst werden, richtig? „Eigentlich ganz nett“ ist genau, was man NICHT hören will. Sorry, Ten Fé. Eigentlich ganz nett.

ranking-ten-fe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s