Meine Alben 2016, Pt. 6 (5-1)

header-2016-1-sturgeFanfare! Yeah! Hier sind sie! Die Alben des Jahres 2016, according to his Nerdness Meinereiner! Ihr habt lange durchgehalten, über fünf frühere Posts habe ich diese Liste schon ausgewalkt. Jetzt sind wir bei den Top 5 angekommen. Na, wer wird gewinnen?

goon-sax-up-to-anything5. The Goon Sax – „Up To Anything“

Hier schließt sich ein Kreis. Dolewave, dieser so typisch australische Sound solcher Bands wie Dick Diver, Twerps, Lower Plenty oder The Ocean Party war immer eine lässige Slacker-Variante der Musik, die die Go-Betweens machten. Durch die exorbitant gewitzten Teenager The Goon Sax (australisch für: Tetra Paks mit billigem Wein) kommt Dolewave nach Brisbane zurück, in die Heimatstadt der Go-Betweens also. Das Trio besteht aus gleich drei Songwritern, sie besingen die Dramas des Teenagerlebens so lebendig und auch so lustig, dass ich alter Heini mitjuble und mitfühle. Ob es das Gefühl ist, als Lover nicht gefragt zu sein („You don’t have to hold my sweaty hands, i completely understand“ – „Sweaty Hands“) oder die Frage, warum man beim Friseur nur Scheißhaare geschnitten kriegt („I asked my mom to do my hair for me – she said ‚Louis, we don’t need these kind of problems in the family.‘“ – „Home Haircuts“) – The Goon Sax machen etwas draus, das durch seine Direktheit berührt und mit seinem drolligen Witz besticht. Mit linkischem, aber lässigstem Charme haben Riley Jones, Louis Forster und James Harrison also Dolewave in die Schulbibliothek geholt und 12 Songs eingespielt, die ich mir wieder und wieder und wieder anhören kann. Hoppla, ist euch der Name aufgefallen? Forster? Aus Brisbane? Genau. Haargenau. Der Kreis schließt sich, sagte ich doch schon.

sturgill-simpson-a-sailors-guide-to-earth-0024. Sturgill Simpson – „A Sailor’s Guide To Earth“

Die Ausgangssituation: Mit zwei umwerfenden Alben ist der späte Durchstarter Sturgill Simpson zur Gallionsfigur des Independent Country geworden. „High Top Mountain“ und vor allem sein Meisterstück „Meta-Modern Sounds In Country Music“ hatte der ehemalige Bahnarbeiter selbst finanziert und auf seinem selbstgegründeten Label veröffentlicht, komplett abseits der Nashville-Maschinerie. Trotzdem verkaufte sich „Meta-Modern…“ über 100.000 mal – was einfach zuvor nicht dagewesen war in der Welt des Country. Vor seinem dritten Album unterschrieb Sturgill bei der warner. Alle Welt fragte sich, was das für seine künftige Musik bedeuten werde.
Alle Welt, außer Sturgil Simpson. Der machte einfach, wonach ihm war. Und ihm war danach, seinem kleinen Sohn, den er als tourender Musiker viel zu selten zu Gesicht bekommt, eine Platte zu schreiben, die ihm erklären sollte, was Pappa so macht und wie er zu diesem Typen wurde. Das macht „ASGTE“ zur biografischen Platte, zur zärtlichen Liebeserklärung, zur Warnung, zum philosophischen Statement. Musikalisch reduziert sich das Album nicht auf Country, sondern nimmt auch R’n’B und Soul und rauschenden, kraftvollen Alternative Rock mit – was deshalb umso beeindruckender ist, weil Simpsons Producer Dave Cobb keine Zeit hatte, so dass der Songwriter diesen Job als Debütant auch gleich mal mit übernahm.
Okay, Country-Puristen waren zum Teil ein bisschen angepisst, dass ihr neuer Held so einfach seine Palette erweiterte. Aber einem Künstler wie Simpson, der sich nie vorschreiben lassen wird, was er zu tun hat, wird das herzlich egal gewesen sein. Zumal, kürzlich flatterte überraschend eine Grammy-Nominierung als „Album des Jahres“ in Haus. Wer hätte gedacht, dass die Academy mal so richtig liegt?
(Hier meine Rezension des Albums vom April)

Radio Dept - Running Out Of Love3. The Radio Dept – „Running Out Of Love“

Neulich hatte ich eine Diskussion mit einem Kumpel, der die neue Platte der Schweden gar nicht mag. Ihm taugt es nicht, dass die Jungs verstärkt auf elektronische Beats setzen und auf ihrem vierten Album ihren bisherigen verträumten Shoegaze-Sound verkraftwerkt haben. Ich finde das ja super. Ich finde es nicht nur gut, wenn eine Band ihren etablierten Sound stetig fortentwickelt, ich finde auch, dass die transzendente Tanzbarkeit von „We Got Game“ und blubbernde Dubbiness von „Swedish Guns“ die hypnotischen Qualitäten des Radio Dept.’schen Shoegaze-Pop perfekt komplementiert. Und wo ich gerade „Swedish Guns“ namedroppe – dass Radio Dept. heute auch bissige politische Texte schreiben und antifaschistische Botschaften verbreiten, ist natürlich auch ein Pluspunkt.
(Hier meine Rezension aus dem Oktober)

jagwar-ma-every-now-then-artwork2. Jagwar Ma – „Every Now & Then“

Ihr kennt die Situation: Wenn ihr Riesenfan eines Albums wart, kann die Erwartung an den Nachfolger schon mal erdrückend sein. So sehr liebte ich „Howlin’“ (2013), dass ich fast Angst hatte, bei „Every Now & Then“ auf Start zu drücken.
Aber alles wurde gut. Das zweite Album des Sydneysider Trios beginnt mit einem kurzen atmosphärischen intro… und dann kommt „Say What You Feel“. Ein Lied, das all das, was ich immer an Jagwar Ma liebte, langsam bündelt und schließlich auf eine neue Ebene hebt. Psychedelische Gitarren, Britpop-Gesangsmelodien, Baggy Beats, heutige Electronica. Ungefähr bei Minute 4 hat sich alles zu einer trippigen Reise auf dem fliegenden Teppich aufgeschwungen und in meinen Ohren herrscht reine Euphorie. Eine riesige Freude und das Wissen, dass Jagwar Ma ihren herrlichen Vibe von vor drei Jahren mühelos wieder gefunden haben.
Okay, eine Sache fehlt „Every Now & Then“: Ein richtiger Hit, der auf den Indie-Dancefloor zieht, so wie „The Throw“, „Come Save Me“, „Uncertainty“ und „Man I Need“ vom Debüt zogen. Vielleicht ist deshalb das Echo auf „Every Now & Then“ so vergleichsweise still gewesen. Trotzdem, als Album-Hörvergnügen liefert die Platte groovige Lässigkeit und sonnige Rhythmik.
Das Timing hat vielleicht auch was mit der Wirkung zu tun: Als Journalist habe ich ja das Glück, Alben häufig vorab zu kriegen. „Every Now & Then“ erschien offiziell Mitte Oktober, aber lag ca im August in meinem Briefkasten. Also genau zur richtigen Zeit, um meinen Spätsommer zu prägen als ideal stimmiges Klangbett für laue Abende auf dem Balkon, an der Isar, wo auch immer. „Every Now & Then“ liefert also nicht nur Sounds und Songs, auf die ich unweigerlich anspringe, es war mein Soundtrack für beste Zeiten des Jahres und muss daher so weit vorne stehen.
(Ich habe keine Rezi zu der Platte geschrieben, denn ich hatte Sänger Gabriel Winterfield im Interview)

DMAs_STICKER POSITION copy1. DMA’s – „Hill’s End“

Also bitte. Als hätte es eine andere Möglichkeit gegeben!
NATÜRLICH geht Platz 1 an Jonny, Tommy und Mason! An diese herrlich unmoderne, aber aufrichtig euphorische, in die Kraft der Gitarrenmusik verliebte Band, deren Debütalbum all das erfüllte, was ich mir erhoffte – und mehr.
WAS für eine Hitparade! Mit Burnern wie „Play It Out“ oder „Timeless“, die dich am Kragen packen und durchs Zimmer schleudern, aber auch mit Balladen wie „Step Up The Morphine“ oder „Delete“, für die Noel Gallagher heutzutage morden würde.
Die DMA’s sind die Band, der ich dieses Jahr auch auf Konzerte hinterher gefahren bin, auf denen ich dann in die Knie ging und kreischte wie ein Teenie. Weil die mich so packen!
Als ich gestern über die Sticky Fingers schrieb, nannte ich sie „entwaffnend deppert und dafür an anderer Stelle erstaunlich einsichtig“ und behauptete, das sei etwas, das auch Oasis und Kasabian auszeichnet. Das Gleiche gilt für die DMA’s. Musik, zu der Nobelpreisträger den kleinen Finger abspreizen, ist dies nicht. Es ist einfach Musik, die geradeheraus ist, die sich nicht schlau stellt (aber manchmal dafür erst recht zärtlich sein kann) von drei Typen, die ihre eigene Lieblingsmusik machen wollen und erstaunt feststellen, dass sie das können. Ach, ich liebe die DMA’s und ich liebe jedes einzelne Lied von „Hill’s End“. Forever.
(Hier noch mal meine Rezi)
(Hier noch mal mein Interview mit Johnny Took)

So, das war’s.

Hier noch mal der komplette Countdown:
2016: (30-26) (25-21) (20-16(15-11) (10-6)

Interessieren Euch meine Listen von 2015 bzw 2014?
2015: (30-21) (20-11) (10-6) (5-1)
2014: (25-21) (20-16) (15 -11) (10-6) (5-1)

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