Meine Alben 2016, Pt.4 (15-11)

header-2016-11-rbcf… und auch heute soll’s einen weiteren Teil meiner Aufstellung geben: Best Ditches (also meine) Alben des Jahres 2016. Weil ich zu jedem Album noch was sage, anstatt einfach nur ne kommentarlose Liste zu schreiben, gehe ich in Fünferschritten vor. Wir sind jetzt bei Position 15-11 angekommen.

Rest & Relocation15. Split Seconds – „Rest and Relocation“

Eine Platte, bei der ich mich nicht wundern würde, wenn andere Leute nicht verstehen, was ich daran so besonders finde. Aber Songwriting, das ist ja immer auch der Ausdruck einer Persönlichkeit – und ich mag diesen Sean Pollard einfach. Sean ist Frontmann der Split Seconds, einer aus Perth stammenden Band, die jetzt in Melbourne lebt. In seinen Songs zeigt Sean sich als augenzwinkernder, cleverer Typ, der sich zwischen Melancholie und optimistischem Idealismus seinen Weg durchs Leben bahnt. Als jemand, der Rückschläge mit Selbstironie als Lehrstunden akzeptieren kann und immer noch ans Gute glaubt. So, wie ich als ein Mensch gerne drauf sein will, so zeigt sich Pollard, zumindest in seinen Songs. Pollard singt alltäglich, aber sympathisch und pfiffig vom freundlichen Flirt („Meet Me After Work“), vom Lange-Zusammenbleiben („No Dramas“), vom Buddy, den eine Trennung zu sehr runterzieht und der mal wieder den Kopf heben soll („She Hit You“). Seine Band übersetzt das in Gitarrenpop zwischen Crowded House und Go-Betweens – genau der richtige Sound für so angenehm unspektakuläre, aber herzliche Songs.
(Hier noch mal mein kompletter Text zum Album aus dem Juni)

SVIIB14. School Of Seven Bells – „SVIIB“

Es hilft Alben immer, wenn sie eine Geschichte haben. Die Geschichte von „SVIIB“ war jedoch eine tragische. School Of Seven Bells-Gitarrist Benjamin Curtis starb Ende 2013 an Lymphdrüsenkrebs. Die Lieder ihres letzten Albums hatten Curtis und Sängerin Alejandra Dehaza in den Monaten vor seiner Diagnose geschrieben und dann in seinen letzten Monaten mit ihm am Krankenhausbett erarbeitet. Nach einer Periode der Trauer hatte Dehaza die Aufnahmen ihrer letzten Lieder schließlich mit Producer Justin Meldal-Johnson fertig gestellt und dieses Frühjahr endlich veröffentlicht. Klar, dass ein Album mit einer solchen Story bewegt. Dass Abschieds-Songs wie „On My Heart“, „Open Your Eyes“ oder „This Is Our Time“ vor diesem Hintergrund besondere Wirkungstreffer landen. Aber auch wenn man diese Story nicht kennt, bleibt „SVIIB“ das beste Album einer prima Band, die immer schon schimmerndem Shoegazing gekonnt einen (Dark) Pop-Dreh mitgeben konnte.
(Hier noch mal meine Rezension aus dem Februar)

Talk Tight13. Rolling Blackouts Coastal Fever – „Talk Tight“

Dies hier war ein Wackelkandidat. Aus formalen Gründen: Sind sieben Songs ein Album? Oder doch nur eine EP? Aber dann sagte ich mir: Die müssen rein! Denn wie schrieb ich im März? „Mein Gott, dies ist genau das, was ich liebe. Die Mischung aus Cleverness, spöttisch-selbstironischem Humor, Bazong-Rhythmen und lässig-schräg-poppigen Gitarren sind auf meine Musikvorlieben so zugeschnitten, als hätte man sie meinen Gehörgängen so angepasst wie diese Ohrenschützer, die man sich individuell anfertigen lassen kann.“ Klar, es sind einfach nur Indiegitarren, es ist nix Neues, sondern halt Janglepop/Dolewave mit kleinen Zähnen. Aber man muss es erst mal so geil machen. Übrigens: Sub Pop ist gleicher Meinung wie ich. Die haben RBCF einen Vertrag gegeben. Ihr erstes mehr-als-7-Songs-Album kommt im nächsten Jahr über Seattle.

Kent - Da som nu for alltid12. Kent – „Då Som Nu För Ålltid“

Ihr letztes Album. Schwedens größte Band backt keine kleinen Brötchen, deswegen haben Kent sich nicht leise heraus geschlichen, sondern noch mal ein letztes Statement abgegeben und auf großer Abschiedstournee ihr „Hej då“ zelebriert. Klar, dass ihre letzte Platte noch mal alles dick aufs Brot strich, was Kent immer ausgezeichnet hat: Sentimentale Schmachtfetzen, schneidende Schweden-Kritik, Mega-Melancholie-Power-Riffs, bedeutungsschwere Trennungslyrik. Kent haben nie mit der kleinen Nadel gestickt, sondern mit dem großen Bagger der Gefühle gegraben. Dass Jocke Berg, Martin Sköld, Markus Mustonen und Sami Sirvio trotzdem nicht weniger präzise und künstlerisch Emotionen auf den Punkt bringen oder greifbare Themen in malerische Bilder übersetzen konnten, das war das, was sie zu so einer Wahnsinnsband gemacht hat.
Hier noch mal mein total übertriebener 13.000 Zeichen-Text zum Album aus dem Mai…

DIIV11. DIIV – „Is The Is Are“

Lustig – wie ich meinen Text zu dieser Platte aus dem Februar noch mal anschaue, sehe ich: Der liest sich ja ganz schön kritisch. Erstens beschwere mich darin langatmig über Zac Cole Smiths Image als verplant-genialischer Junkie, zweitens wirkt es schon auch ein bisschen vorwurfsvoll, wie ich DIIV auf ihrem zweiten Album quasi extremes Cure-Kopistentum unterstelle. Aber letzteres war durchaus positiv gemeint. Sonst wäre „Is The Is Are“ ja auch nicht auf Platz 11 meiner Alben des Jahres gelandet, oder? Ich schrieb: „DIIV vollbringen das Kunststück, nach einer Cure-Platte zu klingen, die Robert Smith nie gemacht hat: Sie platzieren sich genau zwischen ‚Three Imaginary Boys‘ und ‚Seventeen Seconds’.“

In Kürze geht’s hier weiter mit Platz 10-6.

Hier noch mal der Link auf die Vorgänger-Artikel
2016: (30-26) (25-21) (20-16)

Interessieren Euch meine Listen von 2015 bzw 2014?
2015: (30-21) (20-11) (10-6) (5-1)
2014: (25-21) (20-16) (15 -11) (10-6) (5-1)

 

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