Interview: Empire Of The Sun

empire-interview-headerEs hat ein bisschen gedauert, bis das Transkript fertig war – eigentlich wollte ich mein Interview zu Empire Of The Sun natürlich schon vor zwei Wochen posten, als „Two Vines“, das dritte Album der zwei Paradiesvögel, erschien. Jetzt aber bin ich so weit. Das australische Indie-House-Duo besteht bekanntlich aus Songwriter Luke Steele (aka The Sleepy Jackson) und Producer Nick Littlemore. Letzteren konnte ich am Telefon sprechen. Ein großes Vergnügen, denn Littlemore ist auch voll der Hippie/Philosoph – und wenn ich mit solchen Typen rede, löst es gerne mal in mir schlummernde, ähnliche Tendenzen bei mir aus und ich steige voll drauf ein.

Nick Littlemore: Hi Henning, wie geht’s?

Henning: Sehr gut, danke. Und dir?

Fein. Ich wache gerade auf in New York. Wo bist du?

In München, Deutschland. Dann hat man uns gerade über von München über Australien mit New York verbunden. 

Ja, sehr international heute.

empire-of-the-sun-two-vines-cms-sourceWas führt die nach New York?

Meine Frau ist von hier. Ich sitze gerade in ihrem alten Kinderzimmer und spiele mit ihrem kleinen Hund. Wir sind zu Besuch, normal lebe ich heute in Hollywood.

Dann hat sich diesbezüglich nicht so viel geändert. Wir haben nämlich vor eurem letzten Album auch telefoniert und damals schon sagtest du mir, dass du gerade nach Kalifornien gezogen warst.

Ja, aber jetzt überlege ich, ob wir nicht nach New York ziehen sollen.

Ist das so?

Ja, denn ich habe schon irgendwie Angst vor dem Erdbeben, das über kurz oder lang kommen soll an der Westküste. Da droht der Weltuntergang.

Ach ja, davon habe ich gehört.

Ja, davon hört man viel in Kalifornien.

Der Weltuntergang droht aber auch, weil die Präsidentschaftswahl ansteht. Davor bist du in New York nicht gefeit.

Haha, ja. Aber Empire sind keine politisch Band.

Jedenfalls, wir sprachen vor „Ice On The Dune“ und schon damals sagtest du, die nächste Platte würde schneller kommen. Ehrlich gesagt, ich dachte mir damals: „Na das wollen wir doch mal sehen!“ Denn letztes Mal brauchtet ihr bekanntlich fünf Jahre. Aber du hast Recht behalten. Was war also diesmal anders?

Ich wollte sogar, dass es noch viel schneller geht! Aber es ist dann ja immer so: Man kann noch so optimistisch und begeistert an ein Projekt ran gehen – in dem Moment, wo es um Plattenfirmen-Angelegenheiten geht, ändert sich das.

Letztes Mal sprachen wir jedenfalls davon, dass du zum Perfektionismus tendierst und dazu, gerne mal das Weite zu suchen, kurz bevor eine Platte fertig ist. Das hast du überwunden und es bis über die Ziellinie geschafft?

Ja, diesmal habe ich mir ganz klar vorgenommen, nicht davon zu laufen. Ich habe sehr großes Vertrauen in diese Platte – und letztes Mal hatte ich am Schluss das Gefühl, dass mir die Zügel entgleiten. Ich war nicht so happy mit der Platte am Schluss – mit dieser aber bin ich’s. Ich habe ganz bewusst dieses Mal die Drums nach unten gemixt und die Musik nach vorne, um die Melodien und die Harmonien zu betonen, und um davon weg zu kommen, mich nach trendigen Sounds zu richten –  was damals härtere Club-Beats waren. Ich wollte es mehr in die Richtung bringen, dass es zu unseren Lieblingsplatten aus den 1970ern passt – Alben von Can und Kraftwerk, aber natürlich auch Fleetwood Mac, Rolling Stones, The Electric Prunes, Bands wie diese.

Damit beantwortest du schon, was ich als nächstes fragen wollte – nämlich, was für dich der Hauptunterschied zwischen dieser neuen und den ersten beiden Empire Of The Sun-Alben ist.

Ja, das war die eine Sache. Wichtig war mir vor allem, eine ehrlichere Platte zu machen. Womit ich sagen will, ich wollte keine Platte machen, die sich so sehr hinter ihrer Technologie versteckt. Ich wollte Songs, die man theoretisch auch nur mit Gitarre und Stimme anhören kann. Letztes Mal war so viel Editing und Studiotrickserei im Spiel, das hat die Seele der Platte überschattet. Diesmal, finde ich, sind die Lieder einfacher gehalten und mutiger. Manche Lieder sind, würde ich sagen, Gedanken-Konstellationen, und andere bestehen aus einem reinen Gedanken. Da ist zum Beispiel der Titelsong „Two Vines“, den wir in Hawaii aufgenommen haben – da geht es um einen Traum, den ich hatte. Es passiert nicht so oft, dass ein purer Gedanke den Aufnahmeprozess und die Produktion und das Mixen ungefiltert genau so im Ohr unserer Hörer ankommt – aber wenn es passiert, dann ist das für mich unsere höchste Errungenschaft. Wenn das, was wir aussagen wollen, beim Hörer ankommt, bevor wir überhaupt eine Note gespielt haben.

empire-of-the-sun-portraitA-ha. Also, dass ihr in Hawaii aufgenommen habt, habe ich gelesen. Was ja ein Ort ist, der selbst schon so aussieht, als wäre er aus einem Empire Of The Sun-Video. Hat diese Tatsache, dass ihr in Hawaii wart, sich vom Gefühl auf die Platte ausgewirkt?
Schon. Ich fand Hawaii wunderschön und sehr interessant. Was wenige Leute wissen: Man kann barfuss um die Inseln laufen und muss nie Angst davor haben, wo man hintritt. Es gibt dort keine giftigen Spinnen oder Schlangen oder sonst irgendwas in der Art. In vielerlei Hinsicht kann man also sagen, das ist wirklich das Paradies. Ich komme ja aus Australien, wie du weisst, wo eine ganze Menge giftiges Getier herum kreucht und fleucht, das sich in jedem Moment unter deinem Fuß finden könnte – und das hat man dort deshalb immer in Hinterkopf. In Hawaii dagegen, da fühlt es sich an, als wäre man in einer Urzeitwelt. Die Bäume sind manchmal zehn mal so hoch wie anderswo und die Blätter der Pflanzen, sie scheinen dich einzuschließen und zu umarmen.

Das passt zu der visuellen Vorstellung, die ihr vorausgeschickt habt für die Platte. In dem Infotext, den ich bekam, hieß es, man solle sich vorstellen, dass das Album in den Ruinen einer vom Dschungel überwachsenen Stadt spielt. Das stelle ich mir vor wie Angkor Wat in Kambodscha?

In gewisser Weise, ja. Meine Vorstellung ist New York, überwuchert von Efeu und Weinranken. Spannend finde ich: Ich war in diesem Jahr in Milan und da ist mir aufgefallen, dass viele sehr moderne Gebäude schon beim Bau begrünt werden, mit Bäumen und Kletterpflanzen. Das ist doch wundervoll, dass wir an manchen Orten sehen können, wie die Menschheit und die Natur wieder zusammenwachsen – durch die Architektur und Gebäude. Sowas finde ich spannend.

Wenn du also so ein Bild als Ausgangspunkt für einen Song hernimmst – wie läuft das ab im Songwriting-Prozess? Ich meine, andere Songwriter starten mit einer Akkordfolge – startet ihr mit einem Bild, das ihr im Kopf habt?

Schon irgendwie. Also ich habe Musik nie klassisch gelernt. Musik erlebe ich in Farben, durch Klänge, durch Erkundungen. Ich nehme oft einfach nur Klänge auf, selbst wenn es die gleiche Note ist, ergeben sie irgendwann einen Akkord – so, wie das auch bei einem Chor oder einer Gruppe Streicher ablaufen würde. Damit erschafft man, wenn man so will, eine Landschaft. Die malt man dann aus, man färbt sie ein, und man malt Figuren rein. Auch die Texte sind oft von mir – und all das kombiniert ergibt dann das allübergreifende Erscheinungsbild. Bei „Two Vines“, da wollten wir diese Vorstellung von atemberaubender Naur schaffen. Man muss ja, um mal eben Duke Ellington zu zitieren, nur ein einfaches Blatt oder das Blütenblatt einer Rose betrachten – und dann sieht man so viel Schönheit und Perfektion und Muster und Mathematik, Mathematik im reinen und schönen Sinne, Fraktal-Images und Mandelbrot… diese Art Muster, die kann man auch auf Harmonien anwenden. Sehr viel Musik basiert auf Mathematik, man kann mathematische Formeln aus ihr zurück rechnen. Jetzt frage ich mich, ob man das nicht auch mit Stimmungen kann. Verschiedene Akkorde, Rhythmen, Kombinationen, Phrasierungen, all diese Variablen erzeugen verschiedene Gefühle. Man kann einen Song in Dur schreiben, der traurig ist und einen in Moll, der happy ist. Aber es geht noch um so viel mehr.

Interessant. Ich habe mal eine Doku gesehen, in der jemand quasi einen See gereinigt hat, indem er Musik in ihn hinein pumpte. Irgendwie hat er die Vibrationen im Wasser harmonisiert. Was ja in die Richtung dessen geht, wovon du sprichst. 

Oh Ja, da wird viel drüber gesprochen. Fast alle Alben und Orchester sind auf 440 Hz gestimmt. Aber wenn man zum Beispiel auf 432 Hz stimmt, dann werden die Vibrationen einen Teller Sand zu zum Schwingen bringen, dass perfekte konzentrische Kreise entstehen. Was interessant ist in Sachen Harmonien, ist etwas, das ich kürzlich erst gelernt habe: Jedes neugeborene Kind hat das absolute Gehör. Alle Menschen – und da sind wir alle gleich, so sehr man uns auch auseinander dividieren will – wir alle werden mit perfektem Harmonieverständnis geboren.

Jetzt muss ich kurz gestehen, dass ich das nicht richtig verstanden habe. Das absolute Gehör bedeutet…?

Dass man Noten erkennt. Dass man, auch als kleines Kind, eine Tonleiter hören und erkennen kann, wann eine Note dort reingehört und wann nicht. Die Intervalle: Oktave, Terz, Quarte, Quinte,  Sexte, None, Undezime – all diese Dinge werden erkannt. Das ist wahr – die einzigen Menschen, die dieses absolute Gehör auch beim Erwachsenwerden behalten, das sind Mandarin-Sprecher. Auch sie hören eine Note und wissen, welche es ist, ganz instinktiv. Ein Chorleiter hat mir erzählt, dass wir alle damit geboren werden – aber weil wir es nicht einsetzen, verlieren wir es mit dem Aufwachsen. Was ja wiederum ein Licht darauf wirft, wie wir aufwachsen, wie wir in unsere Lebensrealität eingeführt werden. Dass sich in der Art, wie wir aufwachsen, schon etwas zersetzt. Dass wir verlernen, in Harmonie zu leben. Und das kann man auf so viele Dinge außerhalb der Musik anwenden: Der Mensch gegen die Natur, Menschen pro die Natur. Aber wir müssten doch auch in einem symbiotischen Zusammenleben mit der Natur existieren können, wie Eingeborene, wie Naturvölker, wie Völker dieses Planeten, die vergessen wurden – obwohl sie es vielleicht waren, die so lebten, wie der Mensch in der Natur leben sollte.

Ich finde das wirklich interessant. Weil man sich ja fragen muss: Welchen evolutionären Vorteil hat dieses absolute Gehör? Alles, was sich im Tierreich und beim Menschen entwickelt hat, hat sich entwickelt, weil es ein Vorteil war. Eine positive Eigenschaft, die dem Träger beim Überleben half, im Vergleich zu dem, der die Eigenschaft nicht besaß. Es muss also einen Grund geben, warum das absolute Gehör da ist. Zufall kann es nicht sein.

Es ist mein fester Glaube, das das Universum in seine Existenz gesungen wurde. In den letzten Jahren habe och mich damit befasst, die früheste Musik zu entdecken – und ich meine das nicht im Sinne der klassischen Musik, die oft aus Deutschland und England kommt. Nein, viel früher, aus viel tieferer und dunklerer Urzeit. Wenn man zum Beispiel Zigeunermusik und die Musik früher nomadischer Stämme vergleicht, dann überschneidet sich viel – und alles ist sehr mathematisch, sehr kunstvoll und so wunderschön, dass das wirklich klingt wie die Geburt des Universums.

Tja, dann muss ich mich echt mal rein hören. Sehr esoterisch, irgendwie, was hier hier besprechen… 

Esoterisch finde ich das gar nicht.

… aber auch das erzählt uns viel über Empire Of The Sun, oder?

Ja, wir sind die Träumer der Träume. Wir sagen immer: Luke und ich haben unsere besten Aufeinandertreffen in Farbe. In Technicolour.

Ich muss dich aber korrigieren, was das friedliche Leben der Urvölker angeht. Tatsächlich ist es so, dass der Mensch von heute viel friedlicher ist als jeder Urzeitmensch. Es herrschte zum Beispiel sehr viel mehr Gewalt. Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Leben durch die Hand eines anderen Menschen beendet wurde, war viel höher, als sie es heute ist. 

Ja, aber es geht mir um die Beziehung des Menschen zur Natur als der Menschen untereinander. Ich bin mir sicher, dieser Planet würde so viel schöner und so viel länger überleben, wenn es gar niemals Menschen gegeben hätte. Ich meine, schau dir an, was wir mit der Erde anstellen. Wir graben die Elemente aus dem Boden, wir verbrennen Öl in so unglaublichen Mengen, nur damit wir die Straße runterpowern können.

Das ist in der Tat was, das auch mich immer beschäftigt. Ich meine, was ist das, was wir in unsere Autos tun? Es sind uralte Wälder. Jahrhunderte, Jahrmillionen von Urwäldern, zusammengepresst unter Gesteinsschichten. All das Leben, das sich auf unserem Planeten vor uns entwickelt hat. Wenn das das ist, was wir gedankenlos in die Luft feuern, dann kann das unmöglich gut für uns sein. Tja, ich fahre Fahrrad.

Ja, ich habe auch kein Auto. Ich bin Fußgänger. Was in LA natürlich nicht leicht ist. Ich muss aber zugeben, Flieger muss ich immer wieder nehmen.

Aber es ist ja nun mal auch nicht möglich, ohne diese Dinge unsere Leben zu führen.

Ich finde es trotzdem wichtig, dass jeder von uns bewusst versuchen sollte, sein Leben grüner zu leben.

Damit möchte ich unser Gespräch eben zurück zum Album führen – ihr habt ja einige prominente Gäste auf der Platte, zum Beispiel Lindsey Buckingham von Fleetwood Mac. Wenn ihr mit diesen Leuten arbeitet, geht es dann nur um die Musik, oder führt ihr mit ihnen auch ähnliche Gespräche? Die Philosophie von Empire Of The Sun ist ja ganz offenbar ein wichtiger Aspekt, deswegen denke ich, mit euren Gästen habt ihr vielleicht nicht nur musikalische Sessions, sondern ihr setzt euch auch thematisch zusammen.

Also, als Lindsey vorbei schaute, da hatten wir alle das Gefühl, dass wir einen heiligen Moment erleben. Es war, als sitzen wir um ein Lagerfeuer vor 6.000 Jahren und wir erzählen uns die Geschichte der Welt. Ich glaube, dass auch Lindsey ein Anhänger unserer Vorstellung ist, dass wir gar nicht die sind, die Ideen erschaffen – sondern dass wir nur die Empfänger und Überbringer sind, von Botschaften des kosmischen Bewusstseins. Und je offener wir uns geben, desto mehr werden unsere Kanäle entkalkt und wir können Energie und Weisheit durch sie hindurch fließen lassen. Das kosmische Bewusstsein kenn keine bösen Gedanken. Wenn du ans Ende des Universums gehst, dann ist alles, das du finden wirst: Liebe. Denn das ist das Einzige, was es überhaupt gibt.

Das ist etwas, das ich tatsächlich unterschreibe. Auch wenn ich mich damit nicht so befasst habe wie du, glaube auch ich: Die eine Kraft, die unzweifelhaft ist zwischen Schöpfung und Zerstörung, das ist Liebe und Harmonie.

Ja. Definitiv.

Aber noch mal zur Musik. Interessant ist ja, dass „Walking On A Dream“ kürzlich nachträglich noch zum Hit in den USA geworden ist, weil der Song in einem Werbespot auftauchte. Wie hast du das erlebt? Ich meine, niemand wird sich über einen Hit beschweren – andererseits, vielleicht denkt man sich auch: „Hallo? Wir haben auch ein zweites Album, und da ist zum Beispiel ‚DNA‘ drauf, das genauso ein Hit sein könnte!“

Naja, also es ist damals schon etwas Magisches passiert, als wir „Walking On A Dream“ erschufen. Als das Lied dann neun Jahre danach wieder zu uns zurückkam – wenn ich es plötzlich wieder in einer Hotellobby hörte oder in einem Taxi – da war es fast, als wäre es neu. Die Leute fragten mich: „Wie findest du das, dass euer neues Lied im Radio läuft?“ und zuerst sagte ich: „Was meinst du, neu? Das ist ein alter Gedanke, wenn auch ein sehr wahrer, an den ich noch glaube. Wir alle wandeln in unseren besten Momenten auf einem Traum.“ Es ist schon ein zweischneidiger Gedanke, dass nun ausgerechnet dieser Song mit Hilfe einer Werbung für ein Auto, das ja wiederum die Luft verpestet, uns auf eine neue Stufe in den USA gehoben hat. Aber ich nehme das mit. Ich fahre auf diesen Metallflügen in den Himmel, um so viele Leute wie möglich zu erreichen. Ich verbreite unsere Band über alle Medien, das Radio. Schon schwierig, aber in diesen  Zeiten ist es wichtig, dass wir unsere Botschaft auch verbreiten, Wir können uns nur auf eine Bergspitze stellen und singen und damit nur eine bestimmte Anzahl Menschen erreichen. Aber wenn wir die Medien für uns einsetzen können, um eine positive, erleuchtete Botschaft verbreiten zu können, dann werden wir sie wahrnehmen.

Wo du die Medien erwähnst – ihr habt den Song bei der „Ellen Show“ performt. Du warst sogar dabei, obwohl ja normalerweise Luke diesen Part alleine übernimmt – denn du gehst bekanntlich ungern auf Tour. Diese Performance bei Ellen sah ganz anders aus als das, was man auf diesen TV-Shows normal zu sehen bekommt. Du sahst aus wie ein Priester, auf deinem Podest, und statt Keyboard zu spielen, machtest du eine Geste. Was war das Konzept hinter dieser Performance?

Schau, diese TV-Shows – und ich mache einige von ihnen mit, wenn auch nicht alle, so wie Luke es sich wünscht – normalerweise muss man da playback spielen. Das heisst, nur der Gesang kommt live übers Mikro und vom Rest ist nichts live. Das liegt am Setup der Shows, es läuft nun mal so. Naja, wenn ich schon da war, man mich aber nicht hörte, wollte ich die Rolle eines Wesens übernehmen. In letzter Zeit bin ich Fan der Yogananda geworden und ich wollte ein Wesen, eine Geistesgegenwart und Spiritualität darstellen. Also sagte ich: Ich sitze hinten, über allem – und ich versuche einfach nur ein Lichtstrahl zu sein, eine Vision aus Licht, wenn man so will.  Erhöht von Luke und den irdischen Gefühlen, die er repräsentierte. So, wie wir alle in jedem Moment unseren Geist erhöhen können, denn das ist kein Gefühl, das irgendwer für sich exklusiv hat, die Erleuchtung. Das ist etwas, das wir alle erreichen können. Es ist komplett demokratisch, wenn man so will, im bestmöglichen Sinne.

Ich wechsle mal eben das Thema – denn bevor ihr diese Platte gemacht habt, warst du aktiv mit Craig Nicholls (The Vines) und hast mit ihm das White Shadows-Album produziert, für das dann gar keine Promo stattfand. Ich fand, das war ein echt schönes Projekt und extrem viele Player der australischen Musikszene haben daran teilgenommen – Naja, ich wollte einfach ein bisschen mehr über diese Platte erfahren, denn ich mochte sie.

Ja, das war schon etwas komisch. Ich hatte nicht wirklich Kontrolle über dieses Album. Ich kam ins Spiel, weil Craigs Management mich anfragte – und es hat mich immer interessiert, mit ihm zu arbeiten. Naja, leider haben Craig und sein Team die Platte nicht so veröffentlicht, wie ich es getan hätte. Aber manchmal, wenn man Gast ist im Universum eines anderen Künstlers, dann folgst du auch den Regeln, die sie aufstellen. Ich finde es sehr schade, denn ich glaube, die Platte hat nicht so viele Hörer erreicht, wie ich es mir erhofft hätte.

Letztendlich war das mit ein Grund, warum ich meine neue Band The Two Leaves Project gegründet habe. Einfach, um mehr Kontrolle zu haben, aber auch um Leute fördern zu können, die ich für extrem talentiert halte. Diese Leute will ich der Welt präsentieren, so als Art, etwas zurück zu geben. Unbekannte Leute zu finden, deren Stimme gehört werden sollte, und sie zu veröffentlichen. Ich toure zwar nicht mit Empire, aber ich kriege einen kleinen Prozentsatz – und das Geld setze ich ein, um die Karrieren von anderen Musikern zu fördern. Im November wird’s das erste Ergebnis vom ersten Two Leaves Projct zu hören geben – da habe ich mit einer australischen Sängerin namens Celia Pavey gearbeitet. Ich habe noch eine einige mehr solcher Platten in der Produktion, die in den nächsten zwei, drei, Jahren erscheinen sollen. Das soll mein Weg sein, andere Künstler zu fördern, in einer Form, die nicht so vom kommerziellen Ansatz getrieben wird. Denn was oft passiert, wenn man Erfolg hat, ist dass die Plattenfirma oder das Management entscheiden, dass du jetzt noch mehr und mehr von diesem Erfolg erreichen sollst. Das ist aber nicht die Art, wie ich arbeiten will. Das Natürliche für einen Künstler ist, sich nicht zu wiederholen und den Leuten nicht dauernd das Gleiche rein zu drücken – sondern die kreative Energie laufen zu lassen wie einen Fluss.

Wo wir von Erfolg reden – du hattest vor einiger Zeit deinen zweiten Nummer-Eins-Hit in Deutschland mit einem PNAU-Remix. Gibt’s PNAU noch? Die letzte Platte ist ja ein bisschen her. Ich hätte auch gedacht, dass dieser Erfolg dazu führt, dass nun auch das alte PNAU-Material endlich in Deutschland veröffentlicht wird. Das ist aber nicht passiert. 

Einmal mehr ist das alles eine Businessfrage. Und es ist sehr frustrierend, dass wir da von den Launen von Business-Leuten abhängig sind und nicht von Künstlern. Künstler möchten teilen – und Business-Leute wollen Profit machen. Es ist dann immer das Problem, diese Interessen in eine Balance zu bringen. Klar würde ich PNAU auch gerne nach Deutschland bringen und in den Rest der Welt – wenn du den Faul & Wad Ad Remix ansprichst – diese Typen haben einen Remix des Songs „Baby“ gemacht, den ich vor über zehn Jahren geschrieben hatte. Aber auch dieser Song hatte irgendwas, einen unbezwingbaren Spirit, der dafür sorgte, dass er noch mal zurück kam. Das war natürlich eine großes Glück. Wir schließen das neue PNAU-Album gerade ab. Ich wünschte, ich könnte dir erzählen, dass es in Kürze erscheint… aber es hängt mal wieder an dieser Business-Sache. Ich glaube, die ist schuld, warum man aus vielen Künstlerkarrieren nichts Langfristiges raus holt. Dieser Konflikt arbeitet gegen die Natur der Kreativen.

…in diesem Moment unterbricht uns die Dame von der Plattenfirma. „Bitte die letzte Frage!“

Alles klar, dann werde ich zum Abschluss noch etwas zu den Tourneen fragen, obwohl ich weiss, dass du nicht mit Empire unterwegs bist. Meine Frage: Bringst du dich trotzdem ein, zum Beispiel, was die Lightshow oder die Bühnensets angeht? Schließlich ist Empire eine Band, die sehr übers Visuelle kommt. Daher bist du ja sicher erpicht darauf, auch ein bisschen mitzureden, wie die Bühne aussieht und wie die Songs der Welt präsentiert werden.

Das ist eine knifflige Sache. Klar wäre ich gerne mehr involviert. Ich arbeite auch eng zusammen mit den Filmemachern, die die Projektionen drehen, die auf der Bühne im Hintergrund laufen. Mit diesen Künstlern schreibe ich oft die Konzepte. Luke wiederum ist eine sehr starke Persönlichkeit, die sehr genau weiss, was sie will. Ich bin vom Acid House geprägt, vom Summer of Love, da war ich acht oder neun – das war meine musikalische Revolution. Luke dagegen kommt vom Country & Western – und jetzt ist er derjenige, der auf den Acid House Parties spielt! Aber er hat ein klares Bild davon, was er will. Ich würde da gerne ein noch größeres Wörtchen mitreden, doch zur Zeit ist das nicht wirklich so. Trotzdem habe ich großen Optimismus und ich möchte das weiterführen, was wir tun. Ich denke, letztlich werden wir dahin kommen, wo wir hin wollen. Die Leute scheinen die Shows wirklich zu lieben, und das ist doch schon mal wundervoll. Da bin ich froh, dass ich Teil dieser positiven Kraft sein kann, in diesen schwierigen, schwierigen Zeiten.

Na das ist doch ein guter Abschluss! Damit bedanke ich mich für deine Zeit und wünsche dem neuen Empire-Album viel Erfolg – und ich freue mich auf all deine anderen kommenden Sachen.

Vielen Dank, Goodbye!

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