Review: WHITE

white-cuts-that-dont-bleed-epWHITE – „Cuts That Don’t Bleed EP“

Seit Jahren will man uns erzählen, dass Alben bald nicht mehr wichtig sein werden. Denn die Leute, sie laden nur noch einzelne Tracks runter und dann stellen ihre Geräte auf Shuffle, anstatt sich einer ganzen Dreiviertelstunde Musik zu widmen, so die Argumentation.

Ich stelle fest: Immer noch ist es so, dass eine Band erst dann wirklich angekommen ist, wenn ihr erstes Album da ist. Erst mit dem Debütalbum scheint eine Band zu sagen: „So. Hier sind wir – das ist unser Statement.“ Singles und EPs, die voraus geschickt werden, empfindet man als Hörer immer noch eher wie eine Andeutung. Als einen Tipp für das, was uns auf einem Album erwarten kann.

Ich schreibe dies, weil ich auf den Debüt-Longplayer von WHITE warte. Die Glasgower Band mit dem un-googlebaren Namen hat uns seit Anfang letzten Jahres eine Handvoll brillanter und variantenreicher Singles geliefert. Die Zeit scheint reif, dass sie uns auf voller Länge ihr Können zeigen.

WHITE haben sich aber entschieden, diese nächste Stufe noch nicht zu nehmen. Statt dessen gibt es eine Vier-Track-EP – weswegen es sich immer noch so anfühlt, als seien die fünf Schotten noch in der Findungsphase.

Mein Text über die EP wird nicht so lang ausfallen. Denn hier gibt’s nur zwei neue Songs, die beiden anderen wurden schon als Singles voraus geschickt.

Immerhin, diese zwei Singles sind Wahnsinn. „I Liked You Better When You Needed Me“ hat mich kürzlich so geflasht, dass ich einen ganzen Text nur über diesen Song schrieb. Ein Text, den ich auch nutzte, um über den Vorgänger „Step Up“ auszuflippen, der nun ebenfalls auf der EP zu hören ist. Weswegen ich hier nur auf den Text von neulich verlinke und mich heute nur kurz mit den neuen beiden Tracks befasse.

WHITE BandDie sind definitiv gut. Zuerst: „Private Lives“, ein kantiger Glam-New Wave-Stampfer. Ich habe noch nicht ganz verstanden, ob es im Text um Paparazzi geht, die die Privatsphäre von Prominenten eindringen, oder doch mehr um die Darstellungssucht dieser Promis – oder vielleicht sogar um den Verlust der Privatsphäre auch von uns Normalos, die wir unser Leben auf facebook teilen? Was ich aber verstanden habe, ist das Gefühl, das Sänger Leo Condie dem Song mitgibt. Denn der Mann kann was ausdrücken mit seinem Organ. Seine Stimme schneidet wie Papier in die Handfläche – gemein und schmerzhafter, als man geahnt hat. Leo klingt perfide, schlau und abgehoben. Ich versuche mal, es so zu erklären: Alex Kapranos von Franz Ferdinand hat doch auch immer diese gewisse Abgehobenheit, diese hochgezogene Augenbraue, findet ihr nicht auch? Er singt immer leicht ironisch, als müsste r innerlich den Kopf schütteln, er hat immer ein Schmunzeln auf den Lippen. Bei Leo fehlt dieses Schmunzeln. Bei ihm ist es, als sammelt er wirklich zuhause Messer. Versteh man, was ich meine? Naja, das ist einfach das, was bei mir ankommt, wenn ich seine Stimme höre.

Auch der zweite neue Song, er heisst „Recreational TV“, zeigt uns diese Seite von Leo Condie. Der Song walzt in einem schleppenden Tempo dahin, weswegen ich ihn aufs erste Hören eher enttäuschend fand. Nach zwei, drei Anläufen aber wird klar: Auch das entwickelt einen interessanten Schub, der WHITE eine neue Seite abgewinnt.

Aber okay, die Stars dieser EP, das sind die folgenden, zwei bereits bekannten Mega-Bringer.

Anyway. Insgesamt haben WHITE (die Großbuchstaben sind gewollt, übrigens – die Band schreibt sich nun mal so) uns damit jetzt acht Songs geliefert. Vier einzeln stehende Singles und nun diese EP. In der Summe ist das fast ein Album – ein schnittiges, kantiges, modernes New Wave-Album mit Attitüde, zu dem man auch noch tanzen kann. Trotzdem lautet mein Schlußsatz: Hey, ich kann das erste Album von WHITE kaum erwarten. Ich hoffe auf Großes.

ranking-white-ep

Ach, ich freu mich so, dass ich Videos jetzt einfach so problemlos teilen kann!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s