Review: CRX

crx-new-skinCRX – „New Skin“

„Update zum neuen Strokes-Album“ wird in der NME-Newsmeldung trompetet, „vielleicht kommt es schon nächstes Jahr!“ Wenn man dann auf den Link klickt, stellt sich raus, dass Bassist Nikolai Fraiture und Gitarrist Nick Valensi sich unabhängig voneinander geäußert haben, dass sie das Thema extrem vage und vorsichtig umkurven und sich null festlegen. „Die Band hat sich nicht getrennt“, so der Tenor, „wann was Neues kommt, können wir nicht sagen, aber vielleicht gibt’s ja ne Überraschung“. Beide gaben ihre Aussagen in Interviews, in denen es eigentlich um ihre neuen Bands ging. Fraiture hat eine Gruppe namens Summer Moon gegründet („Angesichts der Geschwindigkeit, in der die Strokes arbeiten, kann man das parallel laufen lassen“) und Nick Valensi hat neuerdings das Quintett CRX am Start.

Das ist mal wieder echt witzig, wie der NME es schafft, diesen Sätzen einen komplett verfälschenden Dreh mitzugeben. Ich meine, fassen wir doch mal zusammen:
1. Zwei Strokes-Mitglieder sind offenbar so unterbeschäftigt, dass sie neue Bands ins Leben rufen.
2. Sie geben ihre Interviews NICHT zu den Strokes, sondern ihren neuen Bands, werden aber unweigerlich nach den Strokes gefragt, worauf sie ausweichend antworten.
3. „Hoffentlich im nächsten Jahr“ heißt auf deutsch in diesem Zusammenhang also „Wahrscheinlich nicht im nächsten Jahr“ und „Naja, aber vielleicht gibt’s ja ne Überraschung“ heißt „Wir wären selbst überrascht, wenn im nächsten Jahr was passieren würde.“
Aber der NME strickt daraus mit „The Strokes deuten Überraschungen an!“ und nennt Gespräche, die zu den neuen Bands(!) geführt wurden, „Updates zum neuen Strokes-Album“! Mann, der Schreiber sollte als Spin-Doctor in die Politik gehen, so wie er es schafft, eine Aussage so darzustellen, dass sie glaubwürdig das Gegenteil dessen vermittelt, was tatsächlich gesagt wurde. Wow. Ha!

Nun soll’s hier ja nicht um die Strokes gehen, sondern um CRX. Aber es ist ja so: Der Grund, warum wir auf CRX überhaupt aufmerksam wurden, der ist nun mal, dass es die neue Band eines Strokes-Gitarristen ist. Das ist der Aufhänger, mit dem die Plattenfirma arbeitet – und es ist auch nicht zu überhören auf dem Album „New Skin“.

Man hört es – wie sollte es anders sein – an den Gitarren. Wie auch letzte Saison Albert Hammond Jr auf seinem Soloalbum „Momentary Masters“ setzt Valensi immer wieder auf eine typische Strokes-Taktik: Zwei sehr markante Gitarren arbeiten quasi versetzt zueinander und kriegen sehr klare Aufgaben zugeteilt. Bei der Single „Ways To Fake It“ tritt es erkennbar zutage: Gitarre 1 spielt ein Strokes-Riff a la „You Only Live Twice“, Gitarre 2 macht „Tshg-tshg-tshg-tshg“-Achtel. Auch das kreiselnde Riff und Refrain und das kurze Solo danach könnte strokes-iger nicht klingen. Was okay ist, denn dies IST der Strokes-Gitarrist. „New Skin“ beginnt also mit einem Song, der einem neuen Strokes-Album gut zu Gesicht stünde, wenn Julian Casablancas ihn sänge – und mit „One Track Mind“ und „Anything“ gibt es im Verlauf der Platte noch zwei weitere Songs, die in genau diese Kerbe schlagen.

crx_band_full_106923737Strokes Strokes Strokes Strokes. Vier mal habe ich das Wort alleine im letzten Absatz verwendet. Klar ist aber, dass Valensi diese Band sicher nicht gegründet hat, um 1:1 das selbe zu machen wie seine Hauptband. Und jetzt kommt der Producer der Platte ins Spiel: Ein gewisser Joshua Homme.  Genau. Ihr wisst alle, wer das ist, aber ich schreib’s noch mal dazu: Mr. Queens Of The Stone Age.

Jetzt kommt wieder eine Frage a la „War das Huhn zuerst da oder das Ei?“: Klingen CRX heavier als die Strokes, weil Josh Homme ihnen als Producer so viel Power mit gibt? Oder klingen CRX heavier als die Strokes – und deshalb wählten sie Josh Homme als Producer? So oder so, „New Skin“ ist voll von Songs, die tatsächlich so klingen, wie man sich die Kombi QOTSA/Strokes vorstellt. Die Queens Of The Stone Age haben auch in ihren poppigsten Momenten a la „No One Knows“ oder „Little Sister“ einen ganz typischen Crunch und genau, haargenau diesen Crunch appliziert Homme auf den New Yorker Szenepowerpop von CRX.

Man hört es in dem stampfenden Riff von „Broken Bones“. Man hört es im zackig marschierenden „Give It Up“. Man hört’s im monoton-zackigen „Walls“, im rasant flitzenden „On Edge“, im Radau-New Wave von „Unnatural“ und im Handclap-Metal von „Monkey Machine“. Es ist eine Kombi, die greift.

Trotzdem, ganz ehrlich, mich begeistert das Ganze nicht immer. Das liegt daran, dass ich nun mal kein Rocker, sondern ewiges Pop Kid bin. Dafür kann ich mir umso mehr vorstellen, dass die Platte die Sorte Hörer, für die „Indie“ eher Foo Fighters und Green Day als Blur und Cut Copy bedeutet, sogar ziemlich aus den Socken schlägt.

crx_group_crxEin paar Worte müssen wir über Nick Valensi als Sänger verlieren: Hmm. Nicht soo doll. Nick hat einfach keine markante Stimme – und weil man die Strokes als direkten Vergleich hat, fällt auf, wie viel von Julian Casablancas da on top mitgibt. Oben schrieb ich, „Ways To Fake It“ sei ein Song, der „einem neuen Strokes-Album gut zu Gesicht stünde, wenn Julian Casablancas ihn sänge“. Das meine ich in der Tat so. Er ist, Sorry, weniger gut, weil Julian ihn nicht singt. Nicht, dass Valensis Stimme schlimm wäre – aber da sie einfach weniger Charakter hat, fehlen dem Song entscheidende Prozent.

Was die Zukunft der Strokes angeht – nun, ihre EP im Sommer klang ja eher mürbe. Valensi behandelt seine neue Band hörbar nicht als wurschtiges Nebenprojekt, das beweist ja schon die Beteiligung eines solchen Namens wie Josh Homme. Ich für meinen Teil kaue jetzt erst mal nicht nervös meine Fingernägel in Erwartung auf Album sechs und würde niemandem raten, das zu tun. Wenn man also mit neuem Material der Strokes erst mal nicht zu rechnen hat, ist es ja immerhin ein Trost, dass man diese Zweitband echt gut anhören kann.

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