Interview: Jagwar Ma

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Lieblingsband-Alarm!

Muss man als „Journalist“ (Hüstel – ich finde es ja immer noch nicht richtig, wenn ich mich so nenne) eigentlich immer professionellen Abstand wahren? Das habe ich ja nie wirklich getan. Ich bin in die Sache als Fan reingerutscht. Wegen dieser Begeisterung für Musik, die einen komplett flasht, dass man durch die Gegend rennen und anderen davon erzählen will.

Ich bin Fan von Jagwar Ma! Oh Mann, wie GERNE ich deren Musik höre! Das zweite Album der Sydneysider steht seit gestern in den Läden und ich liebe es so sehr wie ihr Debüt „Howlin’“ von 2013. Den Neo-Baggy-Sound, den sie damals quasi für meinen persönlichen Geschmack maßgeschneidert haben, loten sie auf Album „Every Now And Then“ weiter aus, ohne sich zu wiederholen.

Ich hatte Sänger Gabe Winterfield am Telefon. Jubel! Freu!

Gabe: Hallo!

Ich: Hi! Wir haben vor der ersten Platte schon mal telefoniert – ich bin großer Fan.

Ich glaube, daran erinnere ich mich sogar. Das war vor ein paar Jahren? Per Telefon oder persönlich?

Nein, auch übers Telefon – denn auch da habe ich aus München angerufen und ihr seid seitdem ja nicht in München aufgetaucht!

Doch, ich glaube, wir waren in München, oder? Ich weiss nicht genau? Mit den Foals vielleicht?

Glaube ich nicht – denn dann hätte ich euch gesehen.

Tja, dann hast du wohl Recht.

jagwar-ma-every-now-then-artworkWie auch immer, das war vor drei Jahren. Und in der Zwischenzeit – und das finde ich jetzt wirklich unglaublich – habe ich eine neue australische Lieblingsband neben euch, und das sind die DMA’s.

Echt jetzt? Haha.

Das Unglaubliche daran ist natürlich, dass ihr Schulfreunde seid. Johnny Took von den DMA’s hat mir erzählt, dass ihr zwei eure allererste Band gemeinsam gegründet habt. Ist das nicht surreal?

Doch, total. Tooky ist ein uralter Freund von mir. Wir kennen uns, seit wir 12 sind. Wir sind zusammen in die Schule gegangen und wir haben gemeinsam unsere erste Band gegründet, da waren wir so 13 oder 14. Wir haben Hendrix-Covers und Nirvana-Covers gespielt. Die anderen kenne ich auch. Tom, der Sänger von den DMA’s, spielte in einer Band mit meinem Bruder. Wir spielten in all diesen verschiedenen Bands – aber wir hingen immer bei mit daheim rum. Denn wir hatten diesen großen Keller in dem Haus meiner Eltern in Sydney. Das war im Nachhinein schon sowas wie eine Szene – nur dass wir eben alle noch Kinder waren. Aber wir haben es geliebt! Unser Haus liegt ganz oben auf einem Hügel, deshalb haben wir immer Skateboards mitgebracht und sind den Hügel runter gebrettert. Tja, und wir haben Musik geschrieben, gejammt und wir sind miteinander abgehangen. Natürlich sind wir immer noch enge Freunde. Jetzt laufen wir uns manchmal auf Tour über den Weg – und das ist einfach komplett verrückt!

Das wollte ich fragen. Wenn ihr aufs gleich Festival gebucht werdet – und plötzlich lauft ihr euren Kumpels aus der Schule über den Weg! Das ist ja komplett irre.

Total. Es fühlt sich an wie damals auf der Schule. Wir können dann gar nicht aufhören, zu lachen. Wir schauen uns alle nur an und sagen: „Was ist da eigentlich passiert?!“ Es ist SO surreal! Ich meine, als Band lernt man ja viele Musiker kennen, deswegen denken die meisten, wir kennen uns eben, seit wir in unseren heutigen Bands sind. Dann müssen wir den Leuten erst mal sagen: Nein! Wir kennen uns schon viel länger! Wir sind miteinander groß geworden!

Und jetzt seid ihr zwei quasi auch noch meine beiden aktuellen Lieblingsbands! Da war irgendwas echt Gutes im Leitungswasser von Sydney, oder in euren Cornflakes.

Vermutlich, irgendwie so.

So. Zweites Album!

Genau.

Hattet ihr eine ungefähre Vorstellung davon, was ihr machen wolltet, oder seid ihr’s einfach angegangen nach dem Motto: Wir gehen der Nase nach!

Also, ich glaube, Jono und ich sind sehr offen. Wenn es darum geht, Ideen auszutauschen, dann sind wir nicht so drauf, dass wir etwas vom Anderen verwerfen – ob das jetzt die Beats sind, die er macht, oder die Songs, die ich schreibe. Die Lieder, die wir schreiben, können auf ganz verschiedene Arten entstehen. Einerseits haben wir uns also gar nichts bestimmtes vorgenommen, andererseits sind uns natürlich in den letzten Jahren ein paar Dinge passiert, die die Platte beeinflusst und verändert haben. Die nicht nur die Platte, sondern unser Leben verändert haben. Ich erinnere mich in der Tat an unser erstes Telefoninterview – ich saß in Shoreditch in meiner Wohnung. Und ich erinnere mich dran, weil es eins meiner ersten internationalen Telefon-Interviews überhaupt war. Das war noch neu für mich, damals war es noch eine sehr sonderbare Erfahrung. Jetzt bin ich das natürlich fast schon gewöhnt – und das zeigt ja irgendwie, wie sehr sich die Dinge verändern. Das ist dann auch etwas, was sich auf die Platte irgendwie auswirkt. Das ist meiner Meinung nach auch das, was der Grund ist, dass diese Platte etwas anders klingt als die erste. Wir sind ja nicht auf Genres fokussiert, das war in dieser Band nie wichtig.

Auf der ersten Platte war es noch so, dass ihr die Tracks getrennt voneinander angefangen habt. Am Anfang war ja gar nicht klar, dass daraus ein gemeinsames Projekt werden würde. Du hast für dich Lieder geschrieben, Jono hat für sich Soundscapes geschaffen – und das habt ihr dann verbunden. Jetzt war aber ja klar, dass ihr das zu zweit macht – dann habt ihr die neuen Tracks vermutlich jetzt von Anfang an gemeinsam erarbeitet?

jagwar-ma-2Schon, ja. Gewissermaßen. Andererseits, wir arbeiten auch weiterhin immer noch viel separat voneinander. Ich denke, so wird das auch weitergehen. Wir werden immer eine Band sein, in der die Einzelnen ihr Ding machen und das dann verbinden, und nicht gemeinsam jammen. Wir sind wie Stephen Sondheim und Leonard Bernstein, haha. Der eine macht den Text und die Melodie, der andere die Musik. Ansonsten, naja, damals war ich 22, jetzt bin ich 25. Das ist man einfach anders drauf, da hat man andere Dinge erlebt. Deswegen ist die Platte wahrscheinlich schon irgendwie reifer und wenn man so will tiefgründiger. Denn wenn man auf Tour ist, dann kriegt man ganz neue Perspektiven. Das ist wie bei den Astronauten. Das sagt man doch auch immer: Wer erst mal im Weltall war, der ist ganz anders drauf, weil er die Erde mal von außen gesehen hat, alle Menschen auf einem Planeten.

Das kommt für euch ja fast hin. Ich meine, ihr seid sicher ein paar Mal um die Erde gereist, habt wohl jeden Kontinent gesehen.

Stimmt – naja, in Afrika waren wir noch nicht. Und in der Antarktis, klar. Da kriegt man schon eine andere Perspektive. Deswegen wollte ich Songtexte schreiben, die sich universell anfühlen. Und auch Texte, die im Kern aussagen, dass wir alle gemeinsam in einem Boot sitzen, zumindest soll das der Subtext sein. Auf der ersten Platte, da geht es nur um Leute, die für mich persönlich irgendwie wichtig waren.

Ein Unterschied ist auch, dass es jetzt gewisse Erwartungen gab, richtig? Ich meine, die erste Platte habt ihr aufgenommen, als keiner wusste, dass es euch überhaupt gibt. Jetzt habt ihr eine internationale Fanbase, die ungeduldig auf neues Material wartet. Wirkt sich das auf die Arbeit aus?

Schon, aber das muss man ausblenden. Wenn man darüber zu viel nachdenkt, kann das erdrückend wirken, dann wird es zu Druck. Andererseits, nicht dass ich jetzt Musik mit Sport vergleichen möchte, aber im Sport, da spüren die richtig guten Athleten auch den Druck und sie schaffen es, diesen Druck für sich einzusetzen und nur umso mehr aus sich heraus zu holen. Das wollten wir uns zum Vorbild nehmen. Man muss seine Dämonen im Zaum halten, aber das geht nur, wenn man anerkennt, dass sie da sind. So wollten wir das behandeln auf der zweiten Platte. Es heisst ja immer „das schwierige zweite Album“ – aber das muss ja nicht schwierig sein. Wichtig ist, dass man sich selbst treu bleibt.

Mann muss die Tatsache, dass ihr heute Fans habt, ja gar nicht als Drucksituation deuten. Es ist doch Hoffnung, die euch da entgegen kommt. Ihr könnt jetzt einen Haufen Leute, der auf neue Musik von euch wartet, glücklich machen. Ihr solltet da das Positive sehen.

Auf jeden Fall! Aber wir müssen jetzt auch mehr von uns preisgeben. Ich meine, ich weiss jetzt, dass die Leute meine Texte ganz anders beäugen. Dabei ist es nicht so, dass ich über meine Texte nicht weiter nachdenke – das tue ich, sehr intensiv. Aber ich kann nicht wirklich analysieren, worum sie gehen. Weil sie manchmal fast wie eine Session beim Psychiater sind.

Vielleicht kommt vieles aus dem Unterbewusstsein?

Ich glaube, wenn man schreibt, dann verbinden sich das Bewusstsein und das Unterbewusstsein. Es gibt die Fälle, in denen Leute von außen neue Bedeutung in meine Texte tragen können. „Man I Need“ vom ersten Album zum Beispiel: Da sagte ich erst, es ginge um ein Mädchen. Heute glaube ich, dass der Song möglicherweise darum ging, dass ich den größten Teil meines Lebens ohne einen Vater aufgewachsen bin. Das ist eine Sache, auf die mich jemand anderes aufmerksam gemacht hat – ich selbst war da nie drauf gekommen. Da geben sich manche Dinge erst im Nachhinein preis.

Zum Aufnehmen seid ihr zurück in das Bauernhaus in Frankreich gegangen, wo ihr auch schon eure erste Platte gemacht habt. 

Das stimmt.

Hat der Ort einfach die Vibes, die für euch die richtigen sind?

Ich glaube, wir wollten eine gewisse Kontinuität beibehalten. Es gab so ein Element der, naja, ich will nicht sagen, der Unkenntnis – aber, naja, uns war nicht so ganz klar, was es war, warum die Leute „Howlin’“ so mochten. Ich meine, damals sind wir ja nicht an die Sache gegangen und haben gesagt „Lass uns eine Hitplatte aufnehmen!“ Wir hatten einfach nur Glück, dass sie so positiv aufgenommen wurde. Also sagten wir uns: Hey, lasst uns dort hin gehen zurück und lasst es uns wieder gemütlich einrichten in unserer Wohlfühl-Oase. Denn das ist es ja, unser eigener Raum, in dem wir keinen Zeitdruck haben und in den Flow kommen können. Da geschieht es von selbst, dass Musik und Lieder auftauchen.

Wenn ihr euch dort so wohl fühlt, fahrt ihr dort auch manchmal hin, wenn ihr gar nicht aufnehmt? Zwischen Touren vielleicht?

Naja, die Zeit haben wir gar nicht. Wir sind ja immer unterwegs. Aber es ist definitiv so, dass das für uns ein besonderer Ort ist. Zumal, der Ort verändert sich ständig. Dort lebt eine lose Gemeinschaft von Leuten – man weiss nie, was einen erwartet, wenn man wieder dort hin geht. Es ist ein cooler Ort mit seinen eigenen Vibes und wir sind gerne da.

jagwar-ma-3Wenn dort auch andere Leute abhängen, lasst ihr die mitspielen? Irgendjemand kriegt ein Tamburin in die Hand?

Nee, nicht wirklich. Aber die Vibes sind dann schon andere. Wenn jemand mit im Studio sitzt, während du arbeitest, dann wird das das Ergebnis beeinflussen. Selbst wenn die gar kein Instrument in die Hand nehmen, ist es doch ihre reine Anwesenheit, dass die Vibes sich ändern. Die Elektrizität in einem Raum ist eine andere, in dem Moment, wo jemand dazu kommt. Genauso, wie sich ein Gespräch verändert, wenn sich jemand mit an den Tisch setzt, selbst wenn diese Person gar nicht mitredet.

Gibt’s wieder eine lustige Geschichte von den Aufnahmen? Letztes Mal hattest du eine lustige Story, wie ihr „The Shining“ geschaut habt und dann Angst hattet. 

Ach ja, genau. Diesmal haben wir echt viele Werner Herzog Dokumentationen angeschaut. Ganz viel Werner Herzog! Die waren klasse! Angst hatten wir diesmal deshalb aber keine. Oh, aber das kann ich erzählen: Sie haben jetzt Pferde auf der Farm, und in einer Nacht, da gab es ein trockenes Gewitter. Kein Regen, aber Blitze. Das hat die Pferde verängstigt, und sie sind ausgebrochen. Sie sind in einen Wald gerannt. Dann sind wir nachts durch die Gegend gestreift – ich hatte so eine Lampe auf meinem Kopf wie ein Bergarbeiter – und wir haben die Pferde gesucht, in der Nacht. Das war echt verrückt, das werde ich nicht vergessen. Ich war aber echt nicht gut darin, die Pferde im Wald zu finden. Hirsche habe ich gesehen und eine Eule, und kohlrabenschwarz war alles. Einmal habe ich ein Knistern und Knacken gehört, und ich richtete meine Lampe dorthin, und ich sah im flackernden Licht die Pferde, wie sie durch den Wald galoppierten. Das war echt freaky.

Klingt nach einer guten Idee für ein Video.

Yeah, das war echt ein Stroboeffekt. Naja, wir haben die Pferde in der Nacht nicht mehr einsammeln können. Aber am nächsten Tag kriegten wir einen Anruf von der Polizei. Sie waren in der Koppel vom Nachbarn aufgetaucht. Da haben wir sie dann abgeholt.

Kannst du reiten? Hast du sie heim geritten?

Das haben wir, wirklich! Eins der Mädchen, die mit dabei war, reitet schon seit sie Kind ist. Sie hat uns auf ein Pferd geholfen und dann sind wir darauf nach Hause. Das hat echt Spaß gemacht.

Na, das sind doch Stories, die man nicht erlebt, wenn man in der Stadt aufnimmt!

Genau! irgendwie weht in La Brèche der Geist des Abenteuers, das fühlt sich einfach besonders an.

Ihr seid jetzt zu dritt – euer Bassist Jack ist auch in den Bandfotos. Aber es wird immer dazu gesagt, dass er der Live-Bassist ist. Beim Schreiben und Aufnehmen ist er nicht dabei?

Naja, ein bisschen hat er mit eingespielt. Aber das Schreiben kommt von mir und Jono. Er ist auch ein uralter Kumpel von mir, und er reist mit uns um die Welt, und er ist deswegen ein wichtiger Bestandteil der Band geworden. Aber was das Songwriting angeht, das kommt noch von Jono und mir.

War er auch in der Clique dabei, in der Johnny Took dabei war?

Nein, er ging auf eine andere Schule. Wir lernten uns kennen, weil er in einer anderen Band spielte. Wir haben ja immer in mehreren Bands gespielt. Wir sind aber früher schon viel miteinander rum gehangen.

jagwar-ma-1Lass uns ein bisschen über die Songs reden. Eure neue Single heißt „Give Me A Reason“. Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du an den Song denkst?

Hmmm. Mehreres gleichzeitig, Wir haben den Song in Australien geschrieben, er ist ja recht recht poppig, aber er hat verschiedene Stimmungen. Wir entdecken den Track, wir folgen ihm, sozusagen, wir gehen seinen Stimmungen nach. Es war einer der ersten neuen Songs, einer der ersten, die wir bearbeiteten. Im Text geht es ein bisschen um uns selbst, es bezieht sich in der Tat auf das Schreiben einer zweiten Platte. Ich freue mich echt schon drauf, den Song live zu spielen, wenn ihn mehr Leute kennen. Er geht jetzt schon ganz gut, wenn wir ihn live spielen, aber es wird immer besser. Was irgendwie weird war, war, dass wir uns im Refrain ein bisschen bei Prince bedient haben – wir haben uns auf seine Melodieführung bezogen. Prince ist ja bekanntlich kürzlich gestorben. Ich werde den Text daher immer mit Prince assoziieren. Prince war natürlich eine große Inspiration für mich und für viele andere Leute.

Ein anderer Song, den ich ausgesucht habe – ich denke, das könnte auch eine Single werden – ist „Ordinary“. Der Refrain geht „Don’t be so ordinary“ – da fragte ich mich, wem diese Zeile wohl gilt.

Naja, da geht es darum, dass man sich nicht von Oberflächlichkeiten und darum, dass man sich nicht davon beeinflussen lassen darf. Es gibt Leute, die weil sie Musik machen, auf einmal anfangen, sich zu benehmen, als wären sie Rockstars. Ich habe das beobachtet – auch bei Leuten, die ich gut kenne. Ich sehe, wie sie sich aufführen, aber ich weiss: Das ist gar nicht, wer sie wirklich sind. Der Song wird quasi von zwei verschiedenen Figuren gesungen. In der Strophe ist da dieser Typ, der voll angibt und allen erzählt, wie toll er ist. Im Refrain kommt dann die andere Figur zu Wort, die sagt; „Das ist echt platt, die Dinge so zu behandeln – und auch wenn dich viele Leute bejubeln, musst du sie immer noch anständig behandeln.“ Das ist letztlich, worum es in dem Song geht.

Okay, da werde ich den Song doch beim nächsten Mal ganz bewusst anhören. 

So, Themawechsel. Ihr seid Australier, aber seht wahrscheinlich nicht mehr viel von der Heimat. Was fehlt euch, wenn ihr nicht in Australien seid – und was fehlt euch von Europa oder Amerika, wenn ihr dann doch mal dort seid?

Tja, ich vermisse natürlich meine Familie. Und meinen Hund. Ich vermisse auch den Strand, ich bin quasi am Strand aufgewachsen. Klar gibt es auch anderswo Strände, aber die australischen Strände und die australische Küste, wo ich groß geworden bin, die hat doch was ganz eigenes. Das fehlt mir also sehr, und das Schwimmen fehlt mir sehr. Dafür mag ich es sehr an Europa und den Staaten, dass man sich sehr schnell verbunden fühlt. Aber es ist schon so, dass wir von Australien nicht zu wenig sehen, Wir touren da mindestens ein Mal im Jahr, und ich habe darauf geachtet, dass ich eine hohe Dosis Australien abbekommen habe, als ich Anfang des Jahres dort war. Na, man fühlt sich einfach zu Hause, man spürt die Wärme dieses Orts, an dem man groß geworden ist.

Ja, dass du Anfang des Jahres in Sydney warst, hat Johnny Took mir erzählt. Er erzählte, dass du ihm schon die neuen Jagwar Ma-Songs vorgespielt hast. 

Haha, ja, das war ein super Tag! Er kam vorbei bei mir, in unser Haus. Er hatte die neuen DMA’s-Sachen dabei – und ich hatte das neue Jagwar Ma-Zeug. Wir haben uns unglaublich betrunken und saßen Arm in Arm im Sofa und haben uns gegenseitig unsere neuen Songs vorgespielt, und wir haben einfach nur gelacht. Es ist doch echt bizarr, was passiert ist!

Ich habe mir euren Tourplan angeschaut – und am 8. November spielt ihr in Montreal. Weißt du, was am 8. November passiert?

Hmmm – nein?

An dem Tag sind die Präsidentschaftswahlen der USA. Ihr spielt am 8. in Montreal und am Tag danach in einem Ort namens Somerville, Massachusetts.  

Ah. Verstehe.

Habt ihr schon drüber nachgedacht? Wie ihr die Wahlnacht verbringt, und wie das wird, wenn ihr am Ende in Trumpland spielen müsst?

Ach jemine! Naja, wir waren gerade erst in den USA, und mein Eindruck war… – also mal abgesehen davon, dass wir natürlich unsere politischen Einstellungen haben – Aber ich glaube trotzdem, dass es nicht das Richtige ist, wenn man in ein anderes Land geht, dass man sich dann über die dortige Politik auslässt. Das wäre respektlos. Deswegen behalten wir unsere Meinung für uns – also, was ich jedenfalls so mitkriege, ist, dass die Leute einfach nur wollen, dass die Sache endlich vorbei ist. Weil diese Kampagnen einfach schon so endlos lange läuft, all der Bullshit und das Geld und die Lügen – und jetzt auch noch mit den sozialen Meiden ist das ja gar nicht mehr abzuschalten. Trump sagt etwas Blödes, Hillary sagt was Blödes, und dann wird das alles diskutiert – ich glaube, viele Amerikaner werden einfach nur froh sein, wenn das vorbei ist, egal, wie das Ergebnis ausgeht.

Das heisst, ihr könnt am 9. in Somerville auf die Bühne gehen und sagen: „Egal, Hauptsache das ist vorbei!“ und ihr werdet bejubelt. 

Ja, so können wir das machen: „Endlich! Abgehakt!“ Also, ich kenne die Werte nicht von Trump, aber ich will mich darum auch nicht kümmern. Massachusetts wird sicher ein guter Ort sein, um am 9ten zu spielen – Massachusetts ist ja doch mehr auf der Seite der Demokraten.

Okay, ich bin so ziemlich fertig mit meinen Fragen. Zum Abschluss kommt bei mir immer die Frage, nach der verrücktesten Show, die ihr je gespielt habt. Letztes Mal erzähltest du mir von eurem Debüt in Nijmegen, Holland.

Das war aber auch echt verrückt!

Was war denn die verrückteste Show seitdem?

Also, neulich erst – das war jetzt gar keine so verrückt Show, aber es war so eine Art Kulturschock. Wir hatten gerade in England gespielt, und dann hatten wir direkt danach einen Auftritt als Support von Grimes in Salt Lake City. Ich meine, das Konzert war prima und ich hatte den Eindruck, dass es den Leuten gefallen hat. Aber eben noch in England, und dann mitten in den USA, das war schon ein bisschen ein Kulturschock. Das hat es komisch gemacht.

Zumal Salt Lake City ja die Stadt der Mormonen ist. Ist Salt Lake City dadurch anders als andere US-Städte?

Haha, das ist genau der Grund. Das wollte ich eigentlich nicht so direkt sagen, aber darum ging’s. Man sieht die Kids und denkt sich: Ist er oder sie wohl Mormone? Die meisten dort unten sind’s ja! Das war schon interessant. Aber es lief gut – die Leute vergessen ja oft, dass die USA so unglaublich gastfreundlich sind. Im Konzert herrschte auch eine fast radikale alternative Stimmung – und das in Utah! In dem Teil der Welt, wo die meisten Leute glauben, dass es die Welt noch erst seit 15.000 Jahren gibt!

So, jetzt entlasse ich dich dann aber! Ich wünsche dir alles Gute fürs Album – und ich hoffe, dass die nächste Tour euch auch mal nach München führt!

Also, ich habe das Gefühl, wir hätten München gespielt – aber vielleicht irre ich mich da.

Vielen Dank jedenfalls, und alles Gute!

Cheers Mate, Bye!

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