Interview: Two Door Cinema Club

tdcc-header-2Two Door Cinema Club. Ihr erstes Album „Tourist History“ (2009) hatte auf die Indie-Bands der Welt einen erstaunlichen Effekt: 12 Monate später klangen (fast) alle so. Schnelle Beats, peppige Synths, heller Gesang und auf den hohen Bünden gespielten Gitarrenmelodien wurden zum Standard für viele Newcomer. Auf ihrem dritten Album „Gameshow“, das morgen (14.10.) erscheint, haben die Nordiren selbst sich aber mit Nachdruck von diesem Sound verabschiedet.

Vier Jahre hat das Trio für die Platte gebraucht – Warum so lange? Nun, kurz vor meinem Interview erschien ein großer Artikel Interview im britischen „DIY Magazine“TDCC erzählen dort freimütig, dass sie sich nach dem zweiten Album beinahe trennten, weil die Band von Alkoholproblemen, zerbrochenen Freundschaften und Depressionen zerfressen war. Dass sich Sänger Alex Trimble nach einem Kollaps erst mal ein halbes Jahr aufs Land zurück ziehen musste, bevor man sich langsam wieder annäherte.

Uff. Okay. Befragen wir also jemanden, den wir am Telefon frisch kennen lernen, mal eben zu seinen Depressionen, ja? Schon ein komischer Job, den ich da habe. Am anderen Ende der Leitung: Alex Trimble.

two_door_cinema_club_two_door_cinema_club_gameshow_coverAlex: Hi there!

Ich: Hallo, wie geht’s?

Gut, Danke, und Dir?

Sehr fein. Wie haben einen schöner Tag in München heute. Wo bist du gerade?

Ich bin in London.

Aha. Ich habe kurz vor dem Gespräch noch das lange neue Interview aus dem DIY Magazine gelesen…

M-Hm.

… und ich bin froh, dass ich’s getan habe. Allerdings musste ich viele Fragen neu schreiben. Denn ich hatte so unschuldige Fragen vorbereitet wie: Seid ihr solche Perfektionisten, dass ihr für ein Album vier Jahre braucht?“

Hehe. Ja. Tja, das ist nicht genau, was passiert ist, richtig?

Tja. Eure Pause war nicht unbedingt freiwillig.

Ja, das stimmt. Auf jeden Fall. Wir hatten ein bisschen zu viel zugemutet, waren länger auf Tour, als für uns gut gewesen wäre – und was sich schließlich auf unsere Gesundheit auswirkte. Deswegen bestand der erste Teil unserer Pause einfach nur aus Erholung und Regeneration, und nicht aus Arbeit.

Tja, und jetzt sitze ich hier und krame all die schlechten Erinnerungen hervor, gerade als es wieder mit Schwung losgehen soll.

Nein nein, keine Angst. Klar sind ein paar der Erinnerungen nicht gerade super. Aber es ist nicht so, dass es mich runterzieht, wenn ich darauf zurück schaue – denn es hat uns ja an einen neuen Punkt geführt. Viel davon ist quasi der Treibstoff des neuen Albums. Ich konnte einen Nutzen daraus ziehen.

War das Problem, dass ihr zu viel auf Tour wart? Dass ihr euch keine Pausen gegönnt habt?

Das war definitiv ein Problem, wir tourten zu viel. Und wir gönnten uns nicht nur zwischen den Tourneen keine Pausen, wir gingen dann immer ja sofort ins Studio. Wir machten das erste Album und waren wieder auf Achse, wir machten das zweite Album und waren wieder auf Achse. Fünf, sechs Jahre ging das so, bis wir endlich mal eine richtige Pause machten. Vorher war eine Woche, vielleicht mal zwei Wochen das Höchste der Gefühle. Es war einfach zu viel, die ganze Zeit – und wir haben ja auch nicht gerade gut auf uns aufgepasst. Wir drei waren jung, sorglos, und wir feierten. Das war nicht eben eine gesunde Lebensweise

In den 70ern haben Bands ein Album pro Jahr aufgenommen – aber sie waren auch deshalb so schnell, weil dieser internationale Tour-Circuit so noch nicht stand, durch den heute jede Band geschickt wird. Wären das bessere Zeiten für euch gewesen?

tdcc-square-2Ach, man konnte das ja damals auch deshalb tun, weil man noch viel mehr Platten verkaufte. Wir aber verdienen unseren Unterhalt durch die Tourneen. Das ist es, wo das Geld bei uns reinkommt. Das wussten wir ja auch, als es los ging für uns. Deswegen wollten wir auch von Anfang an so viel auf Tour gehen wie möglich – denn wir wollten diesen Lebensstil als Band auf solide Füße stellen. Wir wollten nicht zurück zu unseren normalen Jobs. Wir wollten uns selbst beweisen, dass wir genug Geld verdienen könnten, um als Band davon leben zu können – und dieses Leben aufrecht erhalten zu können. Also sind wir getourt und getourt und haben gespielt und gespielt, so viele Shows es nur ging.

Jetzt steht euch dieser Lebensstil aber wieder bevor. Habt ihr Vorkehrungen getroffen, um auf den kommenden Tourneen der Erschöpfung vorzubeugen? Nehmt ihr euch freie Tage und sucht ihr euch Aktivitäten, um euch zu beschäftigen in den Wartepausen, in denen man sonst zu leicht zur Flasche greift?

Auf jeden Fall! Wir alle sind heute… jetzt wollte ich erst „gesundheitsbewusster“ sagen – aber wir sind auch auf allen anderen Ebener bewusster. Wir achten auf mehr Schlaf, auf mehr freie Tage. Wir werden immer noch ab und zu feiern, aber nicht mehr jede Nacht. Ich meine, als wir die lange Pause machten, da lernten wir auch, dass es da draußen ja auch noch ein ganz anderes Leben außerhalb der Band gibt, das ja auch noch wichtig ist. Wir setzen jetzt auch mal andere Prioritäten, die Familie, Freunde, zu Hause zu sein. Das Bandleben ist jetzt ein Teil unseres Lebens – und nicht mehr 100% davon.

Mir fällt dabei eine befreundete Band ein, die immer Fahrräder auf Tour mitnimmt oder sie vor Ort stellen lässt. In den Stunden vor der Show erkunden sie die Stadt und lernen sie auf diese Weise auch ein bisschen kennen – sie sehen nicht nur Backstageräume und Hotelzimmer.

Klare Sache, Fahrräder sind super. Wir nehmen auf unsere nächste Tour einen Tischtennis-Tisch mit, damit wir zwischendurch Ping-Pong spielen können. Kleine Dinge wie diese. Ich trinke keinen Alkohol mehr, und das ist schon sehr hilfreich. Wir finden unsere Wege, um uns zu beschäftigen und um nicht zurück ins verrückte Leben abzurutschen.

Du hast erwähnt, dass ihr euer Leben abseits der Band wieder entdeckt habt. Ihr kommt aus Bangor in Nordirland, du bist dort eine Zeit lang zurück zu deiner Mutter gezogen. Sind die anderen auch zurück nach Nordirland gegangen? Oder habt ihr alle euren Sitz in London?

Also, genau genommen war ich nicht in Bangor, sondern auf dem Land, ganz im Norden Nordirlands. Nein, keiner von uns hat dort noch eine Wohnung, aber wir sind immer mal wieder dort, weil unsere Eltern dort leben. Wir leben jetzt recht verteilt, verbringen aber alle regelmäßig Zeit in London. Das ist der Ort, wo wir uns normalerweise treffen.

Ich frage, weil ich zuletzt auch öfter meine Eltern besuche. Es ist ja schon immer schräg, die Eltern zu besuchen. Man hat sich sein eigenes Leben aufgebaut, und dann muss man damit klar kommen, dass Eltern einem gerne immer noch erzählen wollen, wie’s läuft. Auf der anderen Seite ist es wie ein Zufluchtsort, ein Ankerplatz. Und so einen Ankerplatz zu haben ist wahrscheinlich sehr gut, wenn man den Rest seiner Zeit ne am gleichen Platz ist.

Auf jeden Fall. Es ist sehr gut, einen Ort zu haben, an dem man sofort wieder heimisch ist. Wo es eine Art Behaglichkeit gibt. Wenn ich nach Bangor oder Nordirland überhaupt zurück kehre, dann spüre ich auf jeden Fall so etwas wie Nostalgie – eine intensive Vertrautheit mit den Dingen. Man geht eine Straße entlang und man weiss, wo alles ist. Klar, mit der Zeit ändern sich die einen oder anderen Dinge – aber trotzdem hat es etwas besänftigendes, den Ort zu besuchen, an dem man groß wurde, wenn man sonst die ganze Zeit nur reist.

Wie hast du die Monate, die du in Nordirland Pause machtest, denn verbracht?

Ach, ich habe sehr viel …Nichts getan. Ich las viel, ich ging spazieren, ich aß gesundes Zeug, ich dachte über vieles nach, ich verarbeitete viel Information aus den letzten Jahren davor – ich habe mir das Meditieren angewöhnt, um Information zu verarbeiten. Aber auch auch als Teil meines Tagesablaufs,  um im Kopf klarer und präsenter zu werden. Ich lernte einfach, mit den Schwierigkeiten, mit denen wir konfrontiert waren, zu leben. Ich habe den Reset-Knopf gedrückt, wenn man so will.

Wenn du sagst, du meditierst – geht das auf Tour?

Ja! Also ich kann das überall. Klar, manchmal kann es ablenkend sein, wenn Lärm herrscht. Aber sogar den kann ich inzwischen ausblenden, weil ich jetzt so lange schon meditiere, inzwischen kann ich es überall. Normal sucht man sich halt den leisesten Ort im Gebäude, geht notfalls in den Tourbus, sowas in der Art. Ich nehme mir jedenfalls jeden Tag die Zeit, um zu meditieren.

Meditierst du dann auch im Studio?

Ja, jeden Tag. Ich habe im Studio sogar mal eine Gruppenmeditation geleitet. Da haben dann auch unser Produzent Jacknife Lee und die anderen Bandmitglieder mitgemacht. Das war schon eine sehr starke Erfahrung, das mal gemeinsam gemacht zu haben. Es hat uns eingestimmt auf viele der Dinge, die wir uns ausgedacht hatten und darauf, wie sie auf der Platte dann raus gekommen sind.

tdcc-squareInteressant. Ich habe ja schon viele Bands gesprochen, aber das Thema Meditation ist noch nie aufgekommen. Läuft das dann so ab, dass du sagst: „Ich brauche noch den Text für eine Strophe – ich bin dann mal eine Stunde weg zum Meditieren.“

Ja, genau so. Ich kenne auch andere Bands, in denen Meditation ein Thema ist, es ist geläufiger geworden in den letzten Jahren. Man kann jetzt ja auch im Internet mehr darüber lesen, und bestimmte Promis haben das Thema bekannter gemacht. Es gibt also heute mehr Leute, die meditieren – aber das ist ja auch eine großartige Möglichkeit, um im eigenen Kopf mal Ordnung zu schaffen und den Kopf für neue Ideen zu öffnen – und es hilft einem, in sich selbst Dinge zu finden, die man sucht.

Damit sind wir jetzt beim dritten Album. Habt ihr im Vorfeld Dinge geplant und abgesprochen, in welche Richtung es gehen sollte? Oder war’s mehr so: „Wir schreiben jetzt mal Songs und dann sehen wir schon, wo sie uns hin geführt haben.“

Irgendwo dazwischen. Ich wusste, dass es ein paar Dinge gab, über die ich schreiben wollte, Dinge, die mir klar geworden sind in den Jahren des Nachdenkens und Reflektierens. Ich wusste also, dass die Texte diesmal eine größere Aufgabe hatten als je zuvor. Außerdem war mir auch klar, dass wir zwei Alben als die alten Two Door Cinema Club gemacht hatten, weswegen ich die dritte nicht wieder so aufziehen wollte. Nicht nur, weil es uninteressant ist, zum dritten Mal das Gleiche zu machen – aber auch nachdem wir so viel durchgemacht hatten, fühlte es sich einfach an, als wären wir bereit für einen Neustart, für etwas Anderes. Deswegen erlaubte ich mir, mich bei Songwriting weiter aus dem Fenster zu lehnen – und wir alle drei im Studio erlaubten uns, was die Sounds und die Arrangements anging, mehr auszuprobieren. Es gab weniger Grenzen, das beschreibt es vielleicht am besten. Wir experimentierten mehr, und wir freundeten uns mit den Ergebnissen dieser Experimente an – das war uns wichtig. Wir wollten keine typische dritte Two Door Cinema Club-Pop-Platte machen.

Findest du denn, dass sich die ersten beiden Alben zu ähnlich waren?

Eigentlich nicht. Aber wir haben sie auf sehr ähnliche Weise erarbeitet. Ich glaube, beide waren sehr… geradeheraus. Ich hatte noch Angst davor, was Radikales zu machen, etwas komplett anderes zu probieren, aus unserem Normal-Modus auszubrechen. Dabei bin ich als Typ gar nicht so – keiner von uns ist eine „normale“ Person. Wir haben die ganze Zeit verrückte und komische Ideen. Und es gibt keinen Grund, warum das von der Musik nicht reflektiert werden sollte. Nein, es sollte erst Recht Teil der Musik sein.

Bei der ersten Single ist das ja bereits bemerkbar. „Are We Ready (Wreck)“ beginnt mit einem Disco-Beat, im Refrain gibt’s einen Break und die Geschwindigkeit zieht an – da sieht man schon, wie sich das Experimentieren manifestiert.

Auf jeden Fall, ja. Und da gibt’s noch viel mehr in der Art.

Die zweite Single „Bad Decisions“ zum Beispiel. Die erinnert mich an 80s-Bands – aber nicht an jene, auf die sich sonst immer alle Bands beziehen. Nicht die frühen 80er-New Wave-Bands. Sondern die Mittachtziger. Bands wie Kajagoogoo oder Living In A Box. Bands, mit denen die Musikgeschichte es nicht gut meint – sie sind heute eher verpönt. Ich kann mir deshalb auch nicht vorstellen, dass ihr die als Referenz gehört habt. Oder doch?

Nein, die haben wir nicht gehört. Aber ich habe viele Musik aus der Zeit gehört, Prince und Madonna. Es ist ein Sound, den ich mag. Ich sammle deswegen auch viele Synthesizer und Gadgets aus der Ära. Die haben natürlich alle ihren typischen Sound, den man dann mit dieser Zeit verbindet. Deswegen klingt es und fühlt es sich natürlich irgendwie nach den Mitt-Achtzigern an.

Die Art, wie der Bass gespielt wird, ist auch typisch für die Zeit. Ich weiss den Ausdruck dafür nicht – nicht Slapbass – sondern diese Bassläufe, die plötzliche Licks einstreuen. „Bodeldodeldodldodop!“

Haha, ich weiss was du meinst.

Gibt es ein Wort dafür?

Ich glaube nicht. Falls ja, kenne ich’s nicht.

Aber diese Art Basslauf wurde lange nicht eingesetzt – und ihr bringt sie zurück.

Wir bringen sie zurück, genau.

Mit Absicht.

… nein, das glaube ich wiederum nicht. Nicht viel auf dieser Platte wurde mit Absicht gemacht. Das gesamte Album entstand ganz natürlich aus sich selbst heraus – ein paar Mal hat uns Jacknife Lee ein bisschen in eine Richtung gepusht oder etwas vorgeschlagen. Wenn wir es uns in unserer Haut zu gemütlich machten, dann trat er uns in den Hintern. Aber sonst ist die Platte ganz organisch gewachsen. Wir haben nicht spezifisch auf eine Sache hingearbeitet, außer, dass wir keine Platte machen wollten, die zu sehr nach uns selbst klingt.

Über den Verlauf des Albums treten die Disco-Beats immer weiter in den Vordergrund. Am Ende bilde ich mir sogar ein, einen Bee Gees-„Saturday Night Fever“-Einfluss zu hören.

In der Tat, die sind ein großer Einfluß, ich bin ein großer Bee Gees-Fan.

Was ja ganz witzig ist – während ihr euch anstrengtet, euch nicht zu wiederholen, tauchten zahllose Bands auf, die Euren Sound quasi 1:1 kopiert haben. 

M-hm.

Was geht dir durch den Kopf, wenn du eine Band hörst, die echt eine Blaupause von eurem Sound spielt? Musst du lachen? Oder ist es ein Kompliment? Ich meine, man hört Songs, da weiss man schon nach dem Intro: „Okay, wenn die Strophe kommt, lassen sie die laute Gitarre weg…“

Genau…

Dafür bleibt eine Gitarre, die eine Melodie auf den hohen Bünden spielt – und im Refrain setzt dafür wieder die laute Gitarre ein… für einige Indie-Bands ist das der Default Mode geworden.

Das ist richtig. Und ich finde durchaus, dass es ein Kompliment ist. Es gibt mir auf jeden Fall ein gutes Gefühl, dass wir als Musiker andere Musiker beeinflussen und inspirieren konnten. Es freut mich sehr, zu wissen, dass ich andere Leute beeinflusst habe – aber gleichzeitig… also, wenn etwas zu durchschaubar ähnlich ist, dann erschließt sich mir der Sinn nicht. Ich verstehe nicht, warum jemand Musik machen wollte, die ein Anderer schon gemacht hat. Wenn jemand etwas, das wir gemacht haben, her nimmt, um darauf aufzubauen, es auszubauen oder es zu verbessern, es in eine etwas andere Richtung zu drehen – dann höre ich es gerne.

Ich muss schon sagen – ich mochte eure erste Platte, aber seitdem landen so viele Bands auf meinem Schreibtisch, bei denen so komplett vorhersehbar ist, wie sie ihre Songs entwickeln – und das langweilt mich ziemlich. 

Tja, ehrlich gesagt, das ist in der Tat ein ganz wichtiger Grund für uns gewesen, warum wir auf jeden Fall was Neues machen mussten. Weil diese Art Musik einfach ausgereizt war.

Versucht ihr auch, aus der Schublade „Indie“ raus zu kommen? Das scheint vielen UK-Bands wichtig zu sein.

… och – also, mir waren diese Schubladen immer egal – und ich denke den anderen Bandmitgliedern auch. Schon deshalb, weil wir in verschiedenen Teilen der Welt verschiedene Stempel aufgedrückt bekommen. In den USA gelten wir als eine regelrechte Rockband. In vielen Teilen Europas zählen wir als Elektro-Band, in Frankreich zum Beispiel, was sicher damit zusammen hängt, dass unser erstes Label Kitsuné vor allem für elektronische Musik bekannt ist. Woanders sind wir dann eine Indie-Band und im UK sind wir eine Pop-Band. Wenn dich überall auf der Welt die Leute in eine andere Schublade stecken, dann verlieren die Schubladen ihre Bedeutung. Dann sind dir solche Eingliederungen egal.

Verstehe. Dabei wollte ich doch gerade zur großen Tirade ansetzen! Und sagen: Hey, Indie ist ein super Genre – und nur weil es mal die „Indie Landfill“-Schwemme gab, kann man den Sound nicht für immer in den Dreck ziehen. Die Leute müssen sich wieder dazu bekennen und sagen: Das war ein guter Sound, und wenn man ihn gut macht, bleibt er auch relevant!

Sicher, ja. Da bin ich deiner Meinung.

Weiter mit den Fragen: Wenn ihr eine Platte aufnehmt, gibt es da No-Gos? Dinge, die ihr vermeidet?

Früher ja. Was diese Platte wieder zu einer anderen macht als die ersten zwei. Es gab nichts, dass wir uns nicht erlaubt haben, auszuprobieren. Klar gingen auch ein paar Experimente in die Hose, und es gab Dinge, die ich gut fand, und wo die anderen beiden überstimmt haben. Aber alles war erlaubt und jeder Idee durfte nachgegangen werden.

Hast Du ein Beispiel für so einen Moment, wo die anderen zwei dich überstimmt haben?

Gitarrensolos. Ich wollte mehr Gitarrensolos. Aber speziell Sam hatte nicht so große Lust auf allzu viele davon. Diese Schlacht habe ich verloren.

Eine Frage, die ich immer mal stelle, lautet: „Was ist die häufigste falsche Vorstellung, die Leute von deiner Band haben.“ Aber mir ist aufgefallen: Die Leute haben von deiner Band gar nicht wirklich eine Vorstellung, oder? Dafür, dass man Eure Songs so gut kennt, kennt man euch als Typen viel weniger. Ich meine, zum Beispiel hat jeder sofort ein Bild im Kopf von The 1975 und ihrem Sänger, dieser großmäuligen Zitatmaschine. Wenn ich dagegen an Two Door Cinema Club denke, dann fällt mir kein klar umrissenes Image ein, dass die Leute von euch haben.

Das denke ich auch, aber wir haben auch nie die Scheinwerfer so gesucht. The 1975 sind das Extrembeispiel für die andere Seite, die sind in jedem Magazin und die wollen auch überall rein kommen. Wir sind als Typen halt leiser. Wir sind zwar deswegen keine langweiligen Typen, aber wir sind halt privater und müssen uns nicht jedem mitteilen. Das macht es dann für die Leute schwerer, sich ein Image von uns zu formen. Ich benutze ja auch keine sozialen Medien, man findet mich online nicht. Das ist ja schon ein sehr wichtiger Teil davon, wie sich jemand ein Image oder eine Vorstellung von dir macht. Ohne das wissen viele Leute gar nicht, wie sie dich einschätzen sollen.

Ist das in Irland auch so? Da seid ihr vermutlich am bekanntesten.

Das sind wir wohl, aber das Image, das wir dort haben, geht wohl nicht tiefer als: „Die Band aus Irland, die international ziemlich erfolgreich ist.“

Was war denn der sonderbarste Ort, an den eure Band euch je geführt hat?

… der sonderbarste Ort… vielleicht ist „sonderbar“ nicht das richtige Wort, aber wir haben Mal in Südafrika getourt vor ein paar Jahren. Das ist für eine Band schon schräg, normal landet man dort nicht als internationale Band. Ich glaube, es gibt da keine professionellen Agenturen und Läden, die regelmäßig Bands aus anderen Ländern buchen. Aber als man es uns angeboten hat, in Kapstadt und Johannesburg zu spielen, da haben wir das natürlich angenommen. Wir waren ja eine der ganz wenigen Bands, die dort auch mal spielen. Entsprechen abgefahren war’s.

Was war denn der größte Unterschied zu Shows in Europa?

Einfach, dass es dort nicht die Regel ist, dass Tourneen überhaupt stattfinden. Es gibt nicht mal die Hallen dafür. In Kapstadt spielten wir in einer stillgelegten Fabrik, in der die Wände schon bröckelten  – und um die Halle herum waren all diese Slums. Da sieht man diese extreme Armut – aber die Kids, die auf die Show kamen, waren natürlich aus der Oberschicht, und zu sehen, wie diese Welten nebeneinander existieren, das war schon augenöffnend. Sowas sieht man halt sonst nicht oft.

Ich wollte dich auch fragen, was ihr als Nordiren vom Brexit haltet.

Zuerst waren wir schockiert. Wir alle waren unbedingt für „Remain“, alleine schon, weil Europa uns all diese Möglichkeiten eröffnet hat, als wir jung waren. Dass wir durch Europa reisen konnten und Konzerte spielen konnten, dass wir das Leben dort kennenlernen konnten, das war phänomenal. Das Lustige ist, hier in Nordirland können wir wählen dazwischen, Ire oder Brite zu sein. Ich bin Ire. Jetzt bin ich ein Ire, der in London lebt, und ich bin gespannt, was das für die Zukunft bedeuten wird. Gerade bin ich einfach nur verwirrt und ich denke, keiner weiss, was passieren wird.

Okay – meine halbe Stunde ist damit leider schon um. Ich wünsche dir viel Erfolg mit der Platte und freue mich aufs Konzert in München! 

Super – vielen Dank! Es war mir ein Vergnügen!

Danke, ganz meinerseits! Bye! 

Danke, Bye!

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