Interview: Blossoms

Header BlossomsGroße Ereignisse werfen ihre Schatten voraus: Freitag erscheint’s endlich, das Debütalbum der Blossoms. Endlich der erste Longplayer der Band, die uns schon seit etwa eineinhalb Jahren ein famoses knuspriges Britpop-Schnitzel nach dem anderen um die Ohren haut.
Das einfach nur „Blossoms“ heißende Album erweitert sechs bisherige Singles um sechs potentielle neue. Ich hatte Sänger Tom Ogden am Telefon. Yippieh!

Hello there?

Hi Mate, wie geht’s?

Danke, gut! Dir?

Mir geht’s prima, danke!

Cool – ich lege gleich los, denn wir haben nur 20 Minuten.

Yeah.

So, das Album kommt endlich. Ihr habt ja zuvor bereits auf EPs und Singles so viele Songs veröffentlicht, dass sie gemeinsam mehr als ein Album ergeben würden.

Stimmt.

Blossoms - CMS SourceWar das eine Strategie? 

Naja, wir wollten halt, dass wir zu dem Zeitpunkt, wenn unser erstes Album kommt, auch so weit sind, dass es eine Wirkung erzielt. Wenn wir es schon vor zwei Jahren oder einem Jahr veröffentlicht hätten, dann hätte man uns auch in England noch kaum gekannt. Aber wir haben von Anfang an gesagt: Wir wollen was reissen und wir wollten, dass unser Debütalbum die größtmögliche Wirkung entfachen kann. Es sollte eine gewisse Aufregung um uns herrschen. Wir haben ja genug Material geschrieben, um regelmäßig EPs zu machen und unseren schon vorhandenen Fans neue Musik zu geben, aber gleichzeitig von Single zu Single auch neue zu sammeln.

Es bedeutet aber auch, dass für Langzeit-Fans nur sechs neue Songs auf dem Album zu hören sind. Die anderen sechs Tracks waren schon Singles.

Ja, das kommt hin. Die Hälfte des Albums gab’s als Singles, die anderen sechs Stücke waren noch nicht veröffentlicht. Aber ich glaube, heute kann man das bringen als Band. Ich kenne so einige Bands aus unserem Umfeld, die ähnlich vorgegangen sind. Ich denke nicht, dass unsere frühen Fans deswegen enttäuscht sein werden. Die Singles gehören schließlich zu unseren besten Songs, auch wenn wir uns immer noch verbessern. Weswegen ein paar ganz frühe Singles auch noch mal neu aufgenommen wurden fürs Album.

Es ist aber immer noch so, dass das Format Album sehr wichtig ist. Kennst du die schwedische Band Urban Cone?

Nein, bisher nicht.

Als die anfingen, da wollten sie nur EPs machen und Singles und ganz auf Alben verzichten. So nach dem Motto: So sind wir näher an den Fans, denn die wissen immer, wo wir als Band gerade stehen. Sie müssen auf kein Album warten, sondern kriegen unseren neuesten Song.

Wow. Guter Ansatz.

Es war dann aber so, dass die Band immer gefragt wurde: „Wo bleibt euer Album?“ Irgendwann ließen sie sich breitschlagen. Es war einfach so, dass für einen Teil des Business und auch der Hörerschaft die Band erst richtig „galt“, als das Album da war.

Ja, so haben wir das auch erfahren. Bis zum ersten Album gilt alles andere als Vorbereitung, egal wie viele Songs wir auf EP schon draußen hatten. Erst ab dann gilt man als richtige Band. Immer noch eine große Sache, so ein Debütalbum, nicht wahr? So kriege ich das auch mit. Das erste Album ist der Punkt, wo sich die Leute wirklich ihr Urteil über eine Band bilden. Weswegen wir eben auch so lange gewartet haben.

Es kann gar nicht so leicht gewesen sein, ein paar Songs der EP nicht mit aufs Album zu nehmen. Ich denke an einen Song wie „Polka Dot Bones“, der hätte für mich auch eine Single sein können.

Cool, Danke.

Stücke wie „Across The Moor“ oder „Misery“ wiederum zeigen Seiten der Blossoms, die man auf dem Album gar nicht zu sehen bekommt.

Naja, wir waren selbstbewusst genug, diese Lieder auf die EPs zu packen. Es ist ja auch so: All unsere Lieblingsbands wie Oasis, die Stone Roses oder die Smiths, die hatten immer auch tolle B-Seiten. Außerdem, wir spielen die Songs ja auch weiterhin live. Wir haben einfach auf unser Songwriting vertraut, dass wir zum Album schon genügend neue Stücke haben würden, die den Level halten oder toppen. So konnten wir unseren Fans auch auf den B-Seiten gute Musik liefern.

Jetzt hast du eben Oasis, The Stone Roses und The Smiths erwähnt. Auf die wollte ich eh zu sprechen kommen. Sind dies Eure Vorbilder? 

Ja, total. Ich habe die Bands mein ganzes Leben gehört, weil es halt auch das war, was meine Mom und mein Dad gehört haben. So ist das auf mich über gesprungen. Das sind meine Helden. Sie haben ja auch den gleichen Hintergrund wie wir: Sie kommen aus der Working Class. Sie sind vier, fünf Freunde, die sich zusammen tun, um ihre Zeit damit zu verbringen, tolle Musik zu machen. Klar, wir schauen zu ihnen auf.

Blossoms 3Ich habe gelesen, die Stone Roses haben euch bereits auf dem Zettel.

Ja! Ich habe Ian Brown schon getroffen, sie sind Fans von uns. Wir dürfen sie nächste Woche supporten bei ihren Stadion-Gigs in Manchester. Das ist schon surreal. Ich bin ein riesiger Fan! Vor ein paar Jahren bin ich nach Blackpool gefahren, um mir eine ihrer Reunion-Shows anzuschauen. Dass die jetzt Fans von uns sind, das ist kaum zu fassen. Aber darum geht’s, wenn man Musik macht, oder?

Ja, das ist sicher so. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ihr diese Musik macht, denn manchmal sieht es ja so aus, als ob Gitarrenbands eine aussterbende Spezies sind.

Yeah. Aber es ist schon auch so, dass wirklich viele Gitarrenbands unterwegs sind da draußen. Nur werden erstens nicht alle wahrgenommen, und zweitens, offen gesagt, viele sind vielleicht einfach nicht gut genug. Man kann es ja nicht erzwingen, dass mal wieder eine großartige Band auftaucht, manchmal muss man vielleicht einfach ein paar Jahre warten. Naja, über uns kann ich nur sagen, dass wir jeden Satz, den wir schreiben, auch so meinen. Wir stecken all unser Herzblut in diese Band, und deswegen spüren wir eine echte Connection zu unseren Fans. Ich habe nicht das Gefühl, dass das auf diesem Level so oft passiert, vielleicht tatsächlich nur alle zehn Jahre. Gitarrenbands sind immer unterwegs, aber sie und ihr Publikum müssen halt auch diese Connection haben. Weisst du, Leute sind ja nicht blöd. Wenn sie eine Band lieben, dann deshalb, weil sie diese Band gepeilt haben. Dann ist da diese Verbindung, die man gar nicht mehr mit Worten erklären kann.

Interessant ist ja auch: Ihr wart die einzige übriggebliebene Band in der jährlichen Shortlist der BBC. Ob es Rapper waren, Laptop-Künstler oder Sänger mit Akustikgitarre oder am Klavier – die anderen waren quasi alle Solisten. Was können Bands uns weiterhin geben, das uns Solisten nicht geben können?

Also erstens mal hätten sowieso mehr Bands in die Liste gehört. Unsere Freunde von The Vryll Society zum Beispiel, die sind eine tolle Band. Die hätten definitiv in diese Liste gehört, es war ein Fehler, dass sie nicht drin waren. Ich denke mal: Sieh dir das aus der Labelperspektive an – es ist doch viel leichter, sich um einen Songwriter mit Gitarre zu kümmern, als um eine ganze Clique. Alleine schon, wenn es darum geht, einen Newcomer um die Welt zu schicken. Wir sind zu fünft, das geht in die Kosten. Wenn man es so sieht, dann ist es für eine Plattenfirma einfach viel weniger risikoreich, in einen Solisten zu investieren. Da hat man weniger Ballast. Im wahrsten Sinne des Wortes, wenn wir beim Beispiel mit den Flügen bleiben.

Interessant, so habe ich das nicht betrachtet. Ich hab’s immer so gesehen: Ein Solist hat eine Vision, die er zu 100% verfolgt. Aber eine Band, bei der sich mehrere Mitglieder einbringen, da kommt es zu der Zusammenarbeit. Da kann jeder seinen Teil beitragen und man befruchtet sich gegenseitig, und so kann etwas entstehen, das mehr ist als die Summe seiner Einzelteile.

Ja, total. Wenn mehr Leute was an den Tisch bringen, kriegst du verschiedene Einflüsse, ein breiteres Spektrum und letztendlich auch einen erweiterten Sound, würde ich sagen. Ich meine, ich schreibe die Songs. Aber wenn ich sie zur Band bringe, dann addiert jeder seinen Anteil und die Songs werden letztlich zu dem, was sie sind, wenn jeder seinen Beitrag eingebracht hat. Wenn ich das Ganze alleine machen würde, klänge es anders. Deswegen macht es auch mehr Spaß, das Ganze mit einer Band zu machen.

Das hätte ich auch fragen wollen: Wie bei euch der Songwritingprozess ist, wie die Dynamiken in der Band sind.

Ich schreibe die Songs, zu Hause. Meistens über Dinge, die mir passiert sind. Beziehungskram, Dinge, die auch andere Leute erleben. Bis ich einen Song zur Band bringe, steht der Großteil: Text, Akkorde, Melodie, Struktur. So läuft das, aber trotzdem kommt nicht alles von mir. Jeder bringt seinen Anteil ein. Es ist schon so, dass ich eine klare Vorstellung habe, wie ein Song letztlich aussehen soll, aber ich glaube, das ist bei uns hilfreich. Wenn zu viele Leute in verschiedene Richtungen ziehen würden, könnte das auch mal schaden. So bin es schon ich, der ein klares Bild vorgibt, wie der Song werden soll. Aber wir ziehen da auch alle am gleichen Strang. Da schert keiner aus und zerrt in eine komplett andere Richtung. So wie sich das eingespielt hat, läuft es. Ich schreibe die Songs, aber die Band vervollständigt sie und holt das Beste aus ihnen heraus. Wobei, die zweite Hälfte des Albums lief so: Weil wir dauernd auf Tour waren, waren wir pro Monat vielleicht nur vier Tage im Studio. Ich schrieb die neuen Songs dann on the road und stellte sie der Band im Studio erstmals vor. Dann haben wir sie quasi im Studio direkt erarbeitet. Es war also anders als früher, im Proberaum. Strukturierter. So: „Hier ist der Song – wie bauen wir ihn jetzt auf?“ Ich glaube, die Songs haben davon profitiert. Es macht das Album fresher, wenn man einen neuen Song direkt mit den Möglichkeiten eines Studios in Angriff nehmen kann.

Ist es schon mal passiert, dass ein Song in den Händen der Band eine ganz neue Richtung angenommen hat, die du dir nicht vorgestellt hattest, als du ihn alleine schriebst?

Niemals im negativen Sinne. Es ist eigentlich immer besser geworden. Es ist ja so, wenn ich den Song in akustischer Form schreibe, dann gibt es mehrere Möglichkeiten, in die man ihn führen kann. Deswegen kann es immer mal passieren, dass jemand klanglich was einbringt, so dass man sagt: „Oh yeah – das hat was, das vertiefen wir!“ Tatsächlich ist das eine Sache, die unsere Producer sehr gut drauf haben. James Skelly und Rich Turvey, sie sind unsere Producer – und die haben eine klare Vorstellung, was für einen Song das Richtige sein kann. Welcher Keyboardsound passt, solche Dinge. So ein Keyboardsound kann extrem viel ausmachen, in welche Richtung sich ein Song bewegt. Unser Bassist Charlie hat auch großen Anteil an unserem Sound: Er hat ein Faible für Disco, das gibt unseren Songs einen Groove. Was uns mehr gibt, als wenn er einfach nur Tonfolgen spielen würde. Man erkennt seinen Stil schon richtig, denn zusätzlich zum Groove ist er auch sehr melodisch in seinen Basslines, und ich liebe melodische Musik. Das funktioniert einfach. Wir fünf, das passt einfach zusammen.

Schön, du hast ziemlich genau das gesagt, was ich mir als Antwort erhofft habe. Ich mag diesen Aspekt der Zusammenarbeit. Es ist so ein bisschen ein Steckenpferd von mir, mich daran zu stören, dass es zu viele Solisten gibt. Ich will wieder mehr Bands sehen, mehr Zusammenarbeit.

Du hast gerade James Skelly erwähnt, von The Coral. Es ist sicher gut, ihn an Bord zu haben – der Mann weiss Bescheid.

Genau. Es ist gut, wenn man mit jemandem arbeiten kann, den man so respektiert. Dem hört man zu, was er zu sagen hat.  Er hat alles schon erlebt, er hat Erfahrung. Und es gibt im Studio wohl nichts wichtigeres als Erfahrung. Er war schon wirklich eine ganz wichtige Hilfe für uns.

Okay – ganz neue Frage: Was macht einen Song zu einem guten Song?

Ähm – dann, wenn einfach alles ineinander greift. Wenn du einen prima Hook hast, einen prima Songtitel, und eine Melodie, die die Leute sofort mitsingen können. Das i-Tüpfelchen ist dann, wenn dir auch noch der richtige Text gelingt. Ein Text, der die Leute erreicht, der ihnen etwas bedeutet, weil du ehrlich warst, als du ihn geschrieben hast – wenn das alles zusammen kommt, dann hast du einen tollen Song. „Getaway“ zum Beispiel. Das ist einfach ein ehrlicher Song. Ich finde, auch wenn man den runter reduziert nur auf mich an der Akustischen, dann funktioniert er immer noch. Es ist einfach ein toller Song, weil die Melodie stimmt, und weil die Worte mir gelungen sind, und weil das alles ungestellt ist. Ich meine, klar, mir steht’s nicht zu, den Song selbst “großartig“ zu nennen, aber hey.

„Getaway“ mag ich aber auch sehr. Das Album eröffnet ihr mit der früheren Single „Charlemagne“. Da habe ich mich immer gefragt, um was der Text geht. Doch nicht wirklich um die historische Figur Karls des Großen, oder?

Nein, es geht um jemanden, den man so achtet, wie man Karl den Großen achten würde. Das ist gemeint. Zu sagen: „Du bist mein Charlemagne, mein Karl der Große,“, das soll heißen: „Du bist mein König, oder mein Gott.“ Einfach jemand, den man wirklich verehrt. Ob das jetzt ein Mädchen oder ein Junge ist, einfach jemand, für den man so starke Gefühle hegt.

Ist das im Englischen ein feststehender Ausdruck, den ich nicht kenne? Oder ist dir das selbst eingefallen?

Das Lustige dabei ist: Ich kannte Karl den Großen gar nicht, ich hatte das Wort nicht in meinem Vokabular. Ich schrieb diesen Song und mein Bruder – er wohnt im gleichen Haus wie ich und er ist immer in der Nähe, wenn ich was schreibe – also, ich schrieb diesen Song, und die Zeile endete mit „…my kingdom reigned“. Er hörte das und fragte: „Kingdom reigned, was soll das heissen?“ Ich hab’s ihm erklärt, da fragte er: „Kennst du Charlemagne?“ Er hat Geschichte studiert. Er hat’s mir erklärt, wer Charlemagne war. Das Wort traf viel besser, was ich ausdrücken wolte – und es reimte sich mit „Reign“. Perfekt! Da muss ich mich bei meinem Bruder bedanken für das Wort. Ursprünglich hieß die Nummer „Made Of Lead“.

Na, steht er dann jetzt als Co-Autor in den Credits?

Nö! Ich erwähne ihn in Interviews, aber ich denke nicht, dass er irgendwas einfordert. Ich meine, es ist EIN Wort!

Eines Tages verklagt er dich noch, warte nur!

Also, ich glaube nicht, dass er dazu die legale Grundlage hätte.

War ja nicht ernst gemeint. Nächste Frage: Gab es bei dir einen bestimmten Moment, der dir klar gemacht hat: Ich will Musiker werden?

Ach, der Grund war einfach nur, dass ich all die tollen Lieder hörte, die mir mein Vater zeigte. Mit zehn Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich das mal machen würde – Songs schreiben! Aber als Teenager fing ich dann damit an und und spätestens so mit 16, 17 gab es nichts mehr, das mir mehr Spaß machte. Inzwischen sind es fast acht Jahre, seit denen ich Songs schreibe. Ich hatte einfach diese große Leidenschaft für melodische Songs, deswegen lernte ich die Gitarre und dann das Keyboard. Keyboard habe ich dabei eigentlich gelernt, um andere Schulstunden nicht besuchen zu müssen. Man kriegte so eine Karte, mit der man aus der Klasse gehen konnte. In einer Wissenschaftsstunde konnte ich sagen: „Ich muss gehen, ich habe jetzt Musik!“ Das habe ich auch oft behauptet, wenn ich gar keine Musikstunden hatte. Eigentlich war es also meine Faulheit, die mich zur Musik gebracht hat. Da war ich so 14, 15.
Mit 15 fing ich dann damit an, dass ich eigene Songs schrieb. Mit 16 war ich auf einem Oasis-Konzert und danach war’s so: „Yeah – DAS mag ich!“ Also habe ich weiter meine Songs geschrieben, und mein Vater fand: „Die sind richtig gut!“ Und er ist der Typ, der mir gesagt hätte, wenn er sie scheiße gefunden hätte. Er hat mich also sehr aufgebaut, also habe ich weiter geschrieben, und so lief das dann vorwärts. Man macht neue Erfahrungen, man durchlebt Beziehungen, und man schreibt drüber, und man wird besser.

Blossoms 2Eine schwarze Wolke gibt es leider auch, die über der Bandgeschichte der Blossoms steht: Ich wart eng befreundet mit der im Frühjahr in Schweden tödlich verunglückten Band Viola Beach. Tatsächlich passierte ihr Unfall, als ihr auf der Insel eine gemeinsame Tour spielen solltet und ein Dutzend gemeinsame Shows vor euch hattet. Ich hoffe, dass es für dich nicht zu schwer ist, darüber zu reden – und es wäre auch okay, wenn du das nicht möchtest. Aber ich muss halt doch fragen, wie ihr das damals erlebt hat, und wie ihr das verarbeitet.

Ach, es ist einfach eine Tragödie. Mit sowas kann man einfach nicht rechnen. Ich rede aber gerne über Viola Beach, weil so so liebenswürdige Typen waren und es einfach so unglaublich schade ist, was passiert ist. Der Effekt auf uns, denke ich, ist, dass wir einfach mehr schätzen, was wir erleben dürfen. Weil man eben nicht weiss, was um die Ecke auf einen wartet, nicht wahr? Uns hat es klar gemacht: Wir haben ein großes Glück, dass wir das tun können, was wir tun – und wir sollten versuchen, jeden Moment davon zu genießen. Auch sind wir heute wohl vorsichtiger – gerade, wenn man in einem fremden Land ist, wo man sich nicht auskennt.

Ansonsten verarbeitet so etwas wohl jeder anders. Bei mir war’s zum Beispiel am Anfang so, dass ich’s wirklich nicht richtig realisieren konnte. Ich war wohl geschockt, oder so. Wir haben später ein Wohltätigkeitskonzert für sie gespielt, so etwa zwei Monate danach. Ich glaube, es war wirklich erst an jenem Abend, dass mir das Ganze mit seiner ganzen Wirkung wirklich klar geworden ist, Ich war echt emotional an dem Abend. Ich glaube, das war der erste Abend, an dem ich die Sache wirklich an mich ran gelassen habe, und mich meinen Gefühlen gestellt habe – wenn man versteht, was ich meine. Bis dahin hatte ich das wohl einfach verdrängt.  Aber hey, wir erinnern uns mit einem Lächeln an sie zurück, sie hatten tolle Songs, und wir behalten sie in unserer Erinnerung als die tolle Band, die sie waren.

So, jetzt wird unsere Zeit gleich rum sein – und ich möchte das Interview natürlich nicht mit so einer traurigen Note beenden. Deswegen frage ich zum Abschluss: Was war die lustigste Show, die ihr je mit den Blossoms gespielt habt? Oder überhaupt, die lustigste Geschichte.

Ach, es gibt so viele lustige Erinnerungen! Wenn man in einer Band mit Myles ist, unserem Keyboarder, dann gibt es immer was zu lachen, denn er ist einfach ein saulustiger Typ. Da war das eine Mal, als wir in Amerika waren, da hat er die schärfste Soße der Welt probiert – und er ist ohnmächtig geworden.

Ohnmächtig gleich?

Das war echt witzig. Er wollte den Harten spielen, so nach dem Motto „Ich pack das!“ Wir so: „Leck mal am Ende hiervon“ – und er nimmt das komplette Teil in den Mund. Zehn Minuten später liegt er am Boden, zuckend und schwitzend! Er sagt heute, er glaubte damals, seine ganzen Eingeweide würden platzen. Das war schon urkomisch – und es gibt lauter solche Stories. Denn wenn du mit deinen besten Kumpels unterwegs bist, dann wird einfach dauernd gelacht. Da gibt es auch lauter Insiderwitze und Dinge, die man nicht wirklich erklären kann.

Ja, das klingt echt gut. So, ich weiss, ein paar deutsche Festivals stehen für euch an – ich hoffe, eure Tour wird euch über kurz oder lang auch nach München bringen, damit ich euch mal sehen kann.

Oh, total. Ende des Jahres wollen wir noch mal nach Deutschland rüberkommen, wenn das Album da ist.

Alles klar, und jetzt muss ich aufhören, denn wir haben unsere Zeit schon überzogen. ich bedanke mich für deine Zeit, wünsche alles Gute mit dem Album, und hoffe auf eine Show in München! Danke, Bye!

See ya, bye!

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