Single Review: The Preatures

Preatures - I Know a Girl - SingleThe Preatures – „I Know A Girl“

Ui, das ist spannend jetzt. Erstens wusste ich nicht, dass eine neue Preatures-Single anstand. Klar, man hätte sich’s denken können. „Blue Planet Eyes“ ist jetzt zwei Jahre alt – sie waren dran. Aber ich habe keine Ankündigung mitbekommen. Anyway, ich liebte das Debütalbum der Sydneysider. Es war das, was ich unter perfektem Pop verstehe. Zehn knackige Songs mit peppigem Ohrwurmfaktor, clever und klassisch.

Aber es ist was passiert seitdem: Gideon Benson hat die Band verlassen. Gideon war der Co-Frontmann der Preatures neben Sängerin Isabella Manfredi. Die Story war die: The Preatures hatten bereits eine Zeitlang als Quartett existiert, aber waren nicht so richtig in die Puschen gekommen. Gideon war Mitglied einer befreundeten Band, dort aber ausgestiegen – als man ihn einlud, zu den Preatures mit ins Boot zu steigen, ging es aufwärts. Isabella hatte jetzt ein Gegengewicht. Das machte sich prima, zum Beispiel in ihrem größten Hit „Is This How You Feel?“ Da sang Gideon zwar nur eine Strophe, aber das machte was aus. Das machte aus einem für sich schon feinen Pop-Song einen koketten Boy-Girl-Flirt, ein „Kommen sie zusammen oder nicht?“-Spiel. Es gab dem Song eine neue Ebene.

Gideon sang also eine Zeit lang als gleichberechtigter Frontmann. Allerdings, als die Preatures bekannter wurden und erste Hits landeten, lautete der Grundtenor der Kritik bald, Isabellas Songs seien besser und sie die geeignetere Figur an der Spitze. In der Tat, auf dem Album gab’s dann praktisch nur Isabella-Songs. Ob dies wohl der Grund war, warum er schließlich wieder ausstieg? So oder so, er ist inzwischen solo unterwegs. Was bedeutet: The Preatures haben quasi ihr zweitwichtigstes Bandmitglied verloren. Und die Frage ist, wie gut sie damit umgehen.

So viel zur Vorgeschichte. Machen wir das Lied an.

Es geht sehr schön los. Ein trocken stampfender Drumbeat, wummernde Orgel, schwurrende Gitarren. Prima Seventies-Poprock mit Glamfaktor und lässiger Mainstream-Note. Isabella besingt schicke Mädels. Alice, das Teilzeit-Model, das in Oxford aufs College geht. Kitty, die mit den Sommersprossen, die auch in Paris allen die Köpfe verdreht. Man denkt sich: Ein bisschen neckisch, das Ganze, aber irgendwie auch ein klassisches Glam-Thema: Coole, schöne, stylische Menschen zu besingen, die eigene Szene zu feiern. Im Glam gibt’s bestimmt zig Lieder über bezaubernde Menschen. Elektrische Ladies in ihren High Heels, Tiger-Boys in Federboa, Man feiert seine Szene, die faszinierenden Menschen, ihre Ausstrahlung, ihre Wirkung. Vom 20th Century Boy bis zur Foxy Lady.

„Why do you turn funny, sister?“ fragt da die Middle Eight. „Why do you turn funny, sister?“

„I know a girl, her name is …“ singt Isabella.
„She’s been sleeping with my boyfriend.“ Zack.
„I could do anything, kick her face in“. Aua.
„But I guess I’ll settle for artistic revenge.“ 

Wow. Das. ist. schlau.

Das ist prima Popmusik!!!!!!!

Denn: Erstens hat Isabella plötzlich ist die nett-oberflächliche Vorgeschichte über die schicken Mädels ausgehebelt. Diese Szene wird nicht gefeiert, sondern entlarvt als verräterisches Bitchfest, in dem man der Freundin in den Rücken fällt und ihr den Kerl ausspannt. Während der Kerl selbst natürlich ein seelenloser Sausack ist, dass er den Betrug mitmacht. Das ist ein emotionaler Wirbelwind! Und Isabellas Auflösung, nicht zu keifen, sondern einen Song draus zu machen, auf die „artistic revenge“ zu gehen, das ist die denkbar coole, souveräne Lösung einer Gewinnerin.

Ui. Sowas wünscht man sich doch von Popmusik. Kleine emotionale Achterbahnfahrten. Verpackt ins bildschöne Glitzerpapier bestmöglicher Gitarrensounds. Eine 3:48 dauernde Reise vom Glamour zur Verletzung bis zum triumphal kühles Schulterzucken.

Toll.

Ach ja – dass Gideon fehlt, ist schon vergessen.

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