Single Review: The Naked And Famous

Higher - SingleThe Naked & Famous – „Higher“

Tja hmm.

Ich mochte „In Rolling Waves“ (2013). Das zweite Album der Neuseeländer The Naked And Famous, die nach ihren frühen Singles „Young Blood“ und „Punching In A Dream“ schon als kommende Superstars gefeiert wurden, zeigte vor allem eins: Dies war nicht nur eine Hipster-Popband.

Klar, wer die fünf lange genug verfolgt hatte, wusste das. Schon ihre allerersten EPs changierten zwischen Noiseattacken, Indierock und Ohrwurm-Pop, wie es sich für eine Band gehört, die in ihren ersten Bandproben NIN coverte und HEALTH zu ihren Einflüssen zählt. Auch ihr Debüt-Longplayer „Passive Me, Aggressive You“ (2013) bot mehr als nur die Hitsingles: Da gab’s auch schwerelos dahingleitenden Trongaze-Dreampop, Akustisches, pulsierende DFA-Tanzbarkeit und mehr. Es war die experimentellere Seite, die das Quintett auf dem zweiten Album weiter ausprägte. Songs bauten sich über lange Intros auf, bis sie in die Puschen kamen oder erlaubten sich auch mal im 2/4-Takt daher zu kommen, ein bestimmtes Akkord/Melodiemotiv zog sich wiederkehrend durch mehrere Songs. „In Rolling Waves“ war ein ALBUM-Album mit Spannungsbogen und schillernden Farbwechseln.

Das Problem: Eine Hit-Single vom Schlage „Young Blood“ oder „Punching In A Dream“, die fehlte. Weder „Hearts Like Ours“ noch „I Kill Giants“ eigneten sich, um auf dem Indie-Dancefloor gepumpt zu werden. „In Rolling Waves“ stank in den Radios ziemlich ab. Der Stern von The Naked And Famous, er war schon wieder gesunken.

Und nun: „Higher“.

Also, ich will niemandem was unterstellen und so.
Aber spielen wir mal ein Szenario durch: In diesem Szenario sitzen Band, Management und Plattenfirma in der Krisensitzung.  Einer ergreift das Wort und macht unmissverständlich klar: „Kids! Ein neuer Hit vom Kaliber eurer zwei großen Erfolge muss her, oder ihr könnt in Zukunft wieder kleine Brötchen backen!“
Nicht unzynisch meint er: „Nehmt doch einfach die gleichen Akkorde wie vom einen Hit und die exakten Synthie-Klangeinstellungen vom anderen!“
Und dann noch: „Ach Scheiß drauf – wir gehen auf Nummer Sicher und setzen Euch jetzt noch einen Hit-Fließbandautoren vor die Nase, dass ihr nicht wieder auf den Gedanken kommt, was Originelles aus dem Lied rauszuholen“.
Klar, dies ist das Szenario, das rein meiner Fantasie entspringt und durch nichts belegt ist.

Naked & FamousAber der Song, der in diesem Szenario entstanden wäre, er klänge haargenau wie „Higher“.

Echt jetzt.
Nee.
Also erstmal: Man könnte den Song tatsächlich in „Young Blood“ 1:1 reinmixen und keiner merkt’s. Okay, das Tempo ist anders (92 bpm statt 105). Aber es ist die gleiche Tonart. Im Refrain kommt zielgerecht der wiedererkannbare Plipp-Plopp-Pling-Sound aus „Punching In A Dream“, so nach dem Motto „Hey! WIR sind’s doch!“
Und was für ein doofer Refrain das ist! „We raise our voices higher, higher!“ Was ist das denn für ne nichtssagende Gülle straight out of the Klischee-Lexikon für Carly Rae Jepson und Demi Lovato? Das soll die gleiche Band sein, deren letzte Single „I Kill Giants“ noch den frühen Krebstod von Sängerin Alisa Xayaliths Mutter verarbeitete? („The saddest of days – why couldn’t we save you?“) Das MUSS denen doch jemand geschrieben haben. Das machen die doch nicht selbst!

Also ehrlich, meine Lieben, diese Single ist Dreck. Aber ich habe trotzdem eine Hoffnung. Ich habe die Hoffnung, dass dieses Lied das Zugeständnis von The Naked And Famous an die Radios und an ihre Handelspartner ist. Dass sie für den neuen Albumzyklus eine, vielleicht auch zwei, drei offensichtliche Throwaway-Popsongs gemacht haben, um sich die Freiheit zu erkaufen, auf dem Album wieder tiefer zu gehen. Ich gebe The Naked and Famous noch nicht auf. Aber das hier ist ein Griff ins Klo.

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