The Curse Of Knowledge

… an dieser Stelle mal wieder ein Blick über den Tellerrand, über die Musik hinaus. Aber auch wieder auf diesen Blog zurück.

Ich bin ein Mensch, der nur begrenzt gebildet ist und der in vielen Dingen bestenfalls ein Halbwissen pflegt. Trotzdem ist auch mir der eine oder andere Wissenschaftler aufgefallen – und der Kommunikationsforscher Steven Pinker kann mich regelrecht begeistern. Ich kann mir seine Vorträge auf youtube angucken wie andere Leute Kinofilme. Seine Berichte über den Niedergang der Gewalt in der menschlichen Kultur haben aus mir in kurzer Zeit aus einem Angstbold, der sich wegen der aussichtslosen Zukunft für die Menschheit aus Religionskriegen und Klimawandel im Loch verkriechen wollte, auch in Zeiten von ISIS, AfD und ähnlichen zum Aussterben verdammten letzten Bastionen der Kurzsichtigkeit und Dummheit zu einem freudigen Utopisten gemacht.

Zuletzt befasste sich Pinker mit dem vielleicht auf den ersten Blick trocken wirkenden Thema des guten Schreibstils. In dem folgenden Vortrag erklärt er uns den größten Feind des Autoren: „The curse of knowledge“. Zu viele Verfasser übertragen beim Schreiben ihren eigenen Wissensstand auf den ihrer Leser, die aber können unmöglich folgen.

Nun ist es so: Ich weiss, dass ich hier, auf diesem Blog, genau diesem Curse Of Knowledge erliege. Aber ich tue das sogar mit einer gewissen Absicht.
Wenn ich also in einer meiner Plattenkritiken das Feeling eines Songs mit, sagen wir, dem dritten Album der New Fast Automatic Daffodils vergleiche (nicht dass das zuletzt vorgekommen wäre – ein sträflich vernachlässigter Sound!), dann ist mir klar: Das kann nur eine ganz kleine Clique verstanden haben. Aber diese Freiheit nehme ich mir halt. In einem Magazin würde ich mich da einbremsen.  Aber dieser Blog, er ist erklärtermaßen von einem Indie-Nerd geschrieben für andere Indie-Nerds. Meine kleine Oase, wo ich so tun darf, als wäre die Welt eine, in der alle Menschen meine Plattensammlung kennen.

Ich will aber niemanden ausschließen. Keinesfalls. Ich denke mir halt so ein bisschen: Ein Leser, der die New FADs (um beim Beispiel zu bleiben) nicht kennt, ahnt vielleicht durch den Vergleich mit dem neuen Song, wie sie damals klangen? Vielleicht kriegt er auf diese Weise sogar Lust, sich die Band mal raus zu suchen?

Aber das ist Steven Pinker, der da die Ratschläge gibt. Einer meiner Helden! Ich sollte seinem Rat folgen. Ich nehme mir vor, hier künftig ein bisschen weniger spezifisch zu vergleichen. Oder wenigstens solche Vergleiche jetzt öfter mal zu verlinken.

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