Review: The Kills

TheKillsAshIceThe Kills – „Ash & Ice“

Ihr braucht mich natürlich nicht, um euch zu sagen, dass das neue Album der Kills wieder extrem cool ist. Jeder liebt The Kills. Ich kenne keinen Menschen, der was gegen diese Band sagen würde. Die Kills sind sogar so durch die Bank anerkannt, dass es mich ja schon fast wieder juckt, rein aus Prinzip eine Gegenposition einzunehmen, haha. Aber nicht mal das klappt. Da kann ich mir nichts vormachen, Alison Mosshart und Jamie Hince sind ein lässiges Team, das gibt es nicht in Frage zu stellen.

Erstaunlich kann man finden, wie lange das schon so geht. Das erste Album der beiden erschien schließlich 2003 – das ist 13 Jahre her! Jamie war damals schon 33, er ist jetzt ergo 46 – und gilt trotzdem noch als coole Sau! Andere Bands wären von der Coolnesspolizei inzwischen längst mal für „durch“ erklärt worden, The Kills bleiben on top. Dabei es ist ja nicht so, dass die zwei, wie z.B. Radiohead, dadurch anerkannt blieben, weil sie sich stetig neu erfanden. Im Gegenteil, sie haben nie groß was verändert an ihrem Stil.

Aber ihr Stil, diese Kombi aus ruppiger Gitarre, Stimme, Drummachine, Kajal, schwarzer Lederjacke und null Bullshit – dies ist eine Mischung, die so zeitlos gültig ist, die KANN gar nicht aus der Mode kommen. So wie schwarzweiss-Abbildungen von Marlon Brando in „The Wild One“ oder von Jean Seberg in „Außer Atem“ niemals unstylisch werden können. (Siehe auch: The Raveonettes, die genauso lange unterwegs sind.)

Ja, als The Kills damals auftauchten, passten sie zufällig gerade perfekt in den White Stripes-Trend. Trotzdem waren sie dem Zeitgeist nie irgendwas schuldig. Man ist sich bei den zwei völlig sicher: Die hätten auch nicht anders geklungen, auch wenn es The White Stripes damals nicht gegeben hätte.

Noch was: The Kills waren immer verdammt sexy. Die sahen aus wie ein Paar, das eigentlich am liebsten noch diesen Moment übereinander herfallen und sich in der nächsten dunklen Ecke gegenseitig in die Unterlippen verbeissen will. Es ist ja kein Zufall, dass sie immer gefragt wurden „Habt ihr was miteinander?“ Die beiden und ihre knisternd aufgeladene Musik wirkten wie ein Versprechen auf schmutzigen Sex. Dass Jamie und Alison immer darauf bestanden, nur beste Freunde zu sein (aber Seelenverwandte und sogar eifersüchtig auf die jeweiligen Partner des Anderen), erhöhte die Elektrizität nur.

theKillsAber zur Neuen. The Kills wären nicht The Kills, wenn sie krass was verändert hätten seit ihrem letzten Album „Blood Pressures“, obwohl das ja immerhin fünf Jahre alt ist. Sofort erkennt man ihren Style wieder, dabei gab es zwar zwischendurch eine gar nicht so undramatische Entwicklung: Jamie Hince zog sich eine schwere Handverletzung zu. Eine Zeitlang konnte er gar keine Gitarre mehr spielen, bestimmte Akkorde kann er heute nicht mehr greifen. Aber die Band hat aus diesem Handicap eine Stärke gemacht.

Denn erstens setzte sich Jamie während seiner Leidenszeit ein bisschen mit elektronischer Musik auseinander, was man in der Produktion der neuen Songs hört. Zum Glück nicht übertrieben – es wäre ja auch die banalste Entwicklung der Welt, wenn The Kills sagen würden „Unser neues Album ist tanzbarer.“ Nein, die Sounds aus dem Rechner bleiben dezent und richten sich nach dem Song, nicht umgekehrt.

Zweitens musste Jamie mit seiner kaputten Hand neue Wege finden, die Gitarre zu spielen, was seinen Stil natürlich auch leicht verändert. Die Sounds sind dabei gar nicht so viel anders als früher – Jamie bleibt ein Spezialist für spröde, schroffe Riffs. Wenn man das mit der Verletzung nicht wüsste, man würde nicht mal merken, dass er sein Instrument heute anders spielt. Aber es ist halt schon irgendwie… anders.
Sagen wir’s so: Stellt euch vor, ein Maler hat bisher immer mit den gleichen, unvermischten Ölfarben gemalt, aber eines Tages geht ihm das Orange aus. Als Ersatz kriegt er nur Magenta, welches er bisher nicht in seiner Palette hatte. Wenn er jetzt wieder malt, erkennt man seinen Duktus natürlich sofort – aber die Bild sind trotzdem anders als seine früheren. Mit diesem Vergleich will ich sagen: „Jamie’s Stil ist so wie früher, aber schon auch anders. Dabei kann ich nicht konkret benennen, inwieweit er anders ist – aber er ist anders, glaubt mir, Sorry!“

Nun gut. Zusammengefasst: Auf „Ash & Ice“ machen The Kills einmal mehr den Trockeneis-Indierock, für den man sie kennt und früher schon hochjubelte. Dennoch haben sie auch ein paar Veränderungen vorgenommen. Diese Modifikationen, am auffälligsten die synthetischen Sounds, sind gering genug, dass die Band keinen Deut von ihrer Linie abweichen muss. Sie sind aber auch genau groß genug, dass die Band nicht auf der Stelle tritt und ihren Fans definitiv Neues bietet. Ich denke, die werden begeistert sein.

Ranking Kills

The Kills: Doing it to Death from dillygent&son on Vimeo.

The Kills: Heart Of A Dog from dillygent&son on Vimeo.

The Kills : Siberian Nights from dillygent&son on Vimeo.

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