Review: Band Of Skulls

bandofskullsbydefaultBand Of Skulls – „By Default“

Quo vadis, Band of Skulls? Der sympathische Dreier aus Southampton hat sich bisher nie innovativ gestellt. Sie sind ‘ne kernige Indierockband, mit White Stripes’igen Blues-Elementen und ein bisschen Grunge und der einen oder anderen hymnischen Ballade. Als solche haben sie bisher ja ziemlich gut funktioniert. Weltstars sind sie keine, aber respektiert. Sie haben eine angemessene Fanbase in den Staaten und auf der Insel. Auch das Atomic war immer voll, wenn sie gespielt haben. Jetzt die Frage: Beim vierten Album, sollte man da nicht den Status erreicht haben, dass man die Tonhalle füllt? (Klar, Erfolg bemisst sich nicht an Zahlen allein und nicht immer wird tolle Kunst mit großem Publikum belohnt. Erfolg kann auch eine stetige künstlerische Entwicklung sein.)

Worauf will ich mit hinaus? Es ist folgendes: Ich bin nicht happy mit dem vierten Album der Band Of Skulls. Ich bin irgendwie frustriert von dieser Platte. Und jetzt versuche ich, zu verstehen, warum.
Mich hat bisher ja nie gestört, dass das Trio das Rad nicht neu erfand. Wieso stört es mich jetzt?

Rekapitulieren wir eben noch mal ihre bisherigen Platten. Ich fand, dass ihr Debüt („Baby Darling Dollface Honey“, 2008) so manchen echt satten Hit lieferte: „I Know What I Am“ stampfte amtlich, lief prima auf dem Atomic-Dancefloor. Die himmlische Ballade „Fires“ habe ich mal als Rausschmeißer gespielt. Ich mochte den Nachfolger „Sweet Sour“ (2011) dann sogar noch ein bisschen lieber, weil er die Extreme des Erstlings ein bisschen hervor hob, die ganze Sache vertiefte, auch wenn nix wirklich für die Indiedisse dabei war. „Himalayan“ (2013) schließlich wurde mein Favorit. Der Titel war treffend gewählt, weil ihre Riffs und Drums jetzt mit neuem Glam-Faktor teilweise fast monumental (berg)massiv reinhauten. Ihre Balladen, die schoben mit der Macht von Gletschern.  Popnummern wie „Hoochie Coochie“ oder „Brothers And Sisters“ konnte man jetzt wieder auflegen.

Band Of Skulls sqJedenfalls, auf ihren ersten drei Platten legte die Band of Skulls immer von Platte zu Platte eine Schippe drauf – und wenn eine Band das tut, dann wartet man doch irgendwie auf den großen Knall. Darauf, dass der Damm endlich bricht. So wie bei Biffy Clyro – die wurden von Album zu Album einfach MEHR Biffy Clyro – bis es mit „Puzzle“ knallte und sie UK-Festivalheadliner wurden.

Aber es knallt nicht. Die Band nennt ihr viertes Album „by Default“ – was man übersetzen kann mit „im Ursprungsmodus“. Entsprechend verlautbaren die drei, ihre ersten drei Alben seien quasi eine Trilogie gewesen und man fange jetzt wieder bei Null an. Hmmm. Okay, Bands sollen sich hinterfragen und nicht faul werden. Es muss kein falscher Schritt sein, einen neuen Ansatz zu suchen.
Aber auf dieser Platte zündet das Neue irgendwie nicht.

Was ist anders auf „By Default“? Es gibt mehr stampfenden Geradeaus-Rock, mehr Glampop. Dafür gibt’s weniger Blues als früher, weniger Laut-Leise-Extreme. Tja, aber das, was die Band am Spannendsten gemacht hat, das war ihre Interpolation zwischen süßlich und brachial. Wie sehr dies letztlich ihre Qualität war, und wie sehr die Verwurzelung im Blues der Band ein Urgefühl mitgab, das merkt man jetzt, da die diese Spannung nicht mehr so prickelt, weil die Sache ohne Blues weniger Zug entwickelt.

Nun ist „By Default“ ja auch nicht gleich schlecht. Die Songs sind in Ordnung. Ich kann auch nicht mit dem Finger auf eine konkrete Sache deuten und sagen „Daran liegt’s!“ – auch wenn ich die straighten Drumbeats verdächtige. Diese null synkopierten stumpfen Schläge ließen mich schon nachgucken, ob Drummer Russell Marsden etwa ausgestiegen ist und durch eine Drummachine ersetzt wurde. Ist er aber nicht.
Jedenfalls, es ist einfach so: Das Album läuft irgendwie an mir vorbei. Die Songs packen mich nicht so, wie die Band of Skulls mich bisher packte. Und wie zum Beweis spielt mir mein itunes, nachdem „By Default“ fertig ist, gleich mal „Fires“, als wollte es mir noch mal reinreiben, dass dieser Song halt auf einem ganz anderen Level stattfindet.

Schade. Hoffen wir, dies ist ein Ausrutscher und die Briten kriegen das Schiff wieder auf Kurs. Denn sympathisch sind die drei. Ich wünsche ihnen auf jeden Fall, dass sie ihr Ding weiter durchziehen können. Aber „By Default“ erlebe ich als Enttäuschung, so ehrlich muss ich sein.

Ranking Band Of Skulls

 

Band of Skulls – So Good from Blindeye Films on Vimeo.

Band of Skulls – Killer from Yonatan Weisberg on Vimeo.

Band of Skulls ‚Fires‘ promo from Alex Ed on Vimeo.

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