Interview: Nothing

interview HeaderShoegazing – das ist der verträumte Sound behüteter Briten, die per Feedback zur seligen Weltflucht aufrufen, richtig? Nicht immer. Aus Philadelphia kommt Nothing, die Band, die mit diesem Sound Gewalt und Schmerz verarbeitet. Sänger Domenic Palermo, ehemaliger Hardcore-Punk, war wegen einer Messerstecherei schon im Knast und wurde erlebte auch im Vorfeld des zweiten Albums wieder traumatische Ereignisse. Kein ganz unproblematischer Zeitgenosse, offenbar. Im Skype-Gespräch zum zweiten Nothing-Album „Tired Of Tomorrow“ (erschienen letzten Freitag) aber war er die Freundlichkeit selbst.

Hallo, ist da Domenic?

Ja! Hey, wie geht’s dir?

Danke, gut – und Dir?

Ziemlich gut. Ich bin gerade im Hundepark.

Ah, verstehe. Ich habe mich schon über die zwitschernden Vögel gewundert.

Ja, der Park ist ganz in der Nähe meiner Wohnung. Hier gehe ich normal immer um diese Uhrzeit hin.

Alles klar. Aber kommen wir zum Geschäftlichen!

Alles klar, haha!

Nothing_Tired-of-TomorrowIch mag deine Platte sehr gerne, weil ich sehr auf Shoegazing geprägt bin. Die originalen Shoegazer waren aktiv, als ich so etwa 20 war. Ich glaube, die Jahre zwischen 15 und 22 sind die, in denen man seinen Charakter ausformt. Danach verändert man sich immer noch, aber nur noch graduell – und man wird nie mehr von etwas so geprägt wie in den späten Jugendjahren. 

Das ist wahrscheinlich so, ja.

Damals wurde den britischen Shoegazern ja vorgeworfen, sie seien ziemlich wischi-waschi. Ihre Texte seien vage, der Sound sei letztlich reiner Eskapismus. Außerdem kämen die Bands aus gutem Hause und hätten also keine Probleme. Alles Dinge, die man auf Euch nicht anwenden kann, eure Vergangenheit ist gespickt mit Problemen. Ist deine Herangehensweise an den Sound also eine andere?

Naja, ob diese Bands nun lauschig und behaglich waren oder nicht – sie haben mich echt erreicht, als ich auch etwa in dem Alter war. Auch so 15-22. Mein Bruder war etwa 10 Jahre älter und er zeigte mir viele dieser Bands. In der Zeit machte ich echt problematische Zeiten durch – ich suchte Streit, ich kam aus einer bröckelnden Familie. So behaglich die Musik also gewesen sein mag, sie hat mich extrem angesprochen, und ich vernarrte mich in den Sound.

Was sind die Gefühle, die dieser Sound in dir auslöst, was gibt er dir? Trost, Beruhigung, Katharsis?

Vor allem glaube ich, es ist so – man sagt doch: „Misery Loves Company“. Ich weiss, dass die Bands nicht über das sangen, was ich persönlich durchmachte, aber es klickte halt bei mir. Wenn ich die Musik hörte, spürte ich, dass ich nicht alleine war und dass es da draußen jemand gab, der die gleiche Verunsicherung spürte wie ich.

Gleichzeitig warst du in Punkrockbands und du spielst aktuell auch wieder in einer. Erreicht Shoegazing bei dir andere Bereiche als Punkrock?

Hmm. Also, als ich jünger war, da habe ich diese Gefühle der Unsicherheit und der Hoffnungslosigkeit aggressiver reagiert. Wie man’s halt tut, wenn man jünger ist. Da waren Punk und Hardcore ein geeignetes Ventil für mich. Aber wenn man älter wird, betrachtet man das Leben anders. Nicht mehr so wütend, dafür mehr trostlos, man wird fast lethargisch. Ich finde auch, dass Nothing immer noch sehr viel Energie hat. Die kommt daher, weil ich so tief in dieser Punk-Welt drin steckte und diese Musik ein so wichtiger Teil von mir war, auch heute noch.

Du hast gerade „Hoffnungslosigkeit“ gesagt, und auch der Bandname NOTHING ist ja für sich schon nihilistisch. Der Albumtitel ist auch noch „Tired Of Tomorrow“. Ich glaube ja, dass man als Mensch immer etwas braucht, auf das man sich freuen kann. Sowas wie: In zwei Monaten fahre ich in Urlaub, in einer Woche ist ein Konzert, in zwei Wochen ist eine Party… „Tired of Tomorrow“ zu sein, also keinen Bock auf Morgen zu haben, das ist so ziemlich das Schlimmste, das ich mir vorstellen kann. Schon keine Lust aufs Aufwachen zu haben.

Tja, ich meine, der Albumtitel ist mehr eine Idee mit offenem Ende. Als ich ihn ursprünglich geschrieben habe, da war er Teil eines kleines Stücks, das ich schrieb, in dem es mehr um die ewige Wiederholung im Alltag ging. Es ging nicht unbedingt um etwas Schlimmes oder Furchtbares, nur allgemein um Dinge, wie immer das gleiche zu essen, zur gleichen Zeit aufzustehen, zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen, immer die gleichen Leute zu sehen, die gleichen Dinge zu hören… wenn man ein Pessimist ist wie ich, dann kann man über so was schon zu viel nachdenken. Aber okay, nach den Dingen, die passiert sind, als es auf die Platte zu ging, da hat der Titel schon eine buchstäbliche Bedeutung bekommen.

Letztlich ist die Musik aber ja auch sehr schön. Offeriert sie letztlich auch Hoffnung?

Schon auch. Also, was ich glaube, das uns von anderen Bands unterscheidet, ist, dass wir ziemlich vielseitig sein können. Ich versuche, in jedem Song eine Story zu kreieren, wie klischeehaft das auch klingen mag. Man hat einen hoffnungslosen Teil, dann baut sich etwas auf, das doch Hoffnung andeutet, aber am Ende bist du wieder unten – es ist fast theatralisch, auch wenn man versucht, nicht gleich überdramatisch zu sein. Jedenfalls, ein Song sollte sein wie ein Film: Er sollte einen Anfang haben, einen Höhepunkt, und eine Auflösung. So betrachte ich das jedenfalls immer beim Schreiben.

Nothing 1Ich habe ja gelesen, dass euch krasse Dinge passiert sind zwischen den beiden Alben. Du bist zum Beispiel brutal attackiert worden – das ist etwas, da weiss ich nicht mal, was man für eine Frage dazu stellen kann. Ich habe das Glück, bisher kein Opfer eines Angriffs gewesen zu sein – ich kann mir nicht vorstellen, wie man sich nach so etwas fühlt. Man muss ja künftig immer Angst haben, es muss ein niederschmetterndes Ereignis sein.

Es ist auf jeden Fall interessant. Es war nicht das erste Mal, dass mir sowas passiert ist, und auch wenn ich sage, ich hoffe das war das letzte Mal, kann ich doch nicht wirklich sagen, dass es so sein wird. Ich bin in einer Gegend groß geworden, in der so etwas nicht ganz ungewöhnlich ist. Die Hauptsache war diesmal halt, dass es ein echt extremer Angriff war. Ich war drei Tage im Krankenhaus mit Schädelfraktur, einer Augenhöhlenfraktur, ich hatte Frakturen in meinem Rücken, 19 Klammern in meinem Kopf und ich hatte teilweisen Hörverlust in meinem linken Ohr. Mal ganz abgesehen von den Prellungen, Quetschungen und Abschürfungen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir so krass getourt, zwei Jahre lang haben wir konstant das Album „Guilty Of Everything“ getourt, auch dauernd Party gemacht – wir haben das „wahre Leben“ über zwei Jahre praktisch ignoriert. Es war dann, wie wenn man mit einem Wagen frontal gegen eine Mauer fährt. Mit einem Mal stoppte alles. Alles, wovor ich mich zwei Jahre versteckt hatte, die Realität, meine Gefühle, sie alle wurden nach vorne geschleudert. Auf einmal sitze ich in einem Krankenhausbett irgendwo auf dem Land – das gab mir eine sehr eigenartige Perspektive.

Hast du das dann verarbeitet durch die Musik und die Texte?

Schon. Zwei Wochen nach dem Angriff hätte ich eigentlich schon wieder im Studio sein sollen. Wir hatten Vorarbeiten gemacht, mehrere Demos. Aber nach der Geschichte schrieben sich die Songs wie von selbst alle noch mal um. Da waren all die Dinge, denen ich mich stellen musste – und die beste bzw. gesündeste Art, auf die ich mich diesen Dingen immer gestellt habe, also keine Drogen und kein Alkohol, das war immer durch Musik. Ich hatte im Krankenhaus noch lauter Schmerzmittel in meiner Blutbahn und ich schrieb die Texte noch mal um. Die Songs haben auf jeden Fall eine andere Form angenommen nach dieser Sache, keine Frage.

Das Album endet dann signifikanterweise mit den Worten „This Is What God Is“. Was wolltest du damit sagen?

Och, das ist eigentlich nur eine Spielerei. Ich habe mal was gelesen, darin wurde Gott mit einer Platte verglichen, die einen Sprung hat, so das sich alles in einer sich wiederholenden Endlosschleife befindet. Das hat nichts mit Glauben oder sowas zu tun, es geht mehr ums Chaos. Ich fand die Idee einfach gut, das in der Auslaufrille unserer Vinylplatte zu haben. Diese Rille soll so gepresst werden, dass dieser Satz endlos wiederholt wird. Ein „locked Groove“. Diesen Gedanken ans Ende setzen, dass Gott nichts ist als eine Platte mit Sprung.

Verstehe – in dem Soundfile, das ich habe, geht das natürlich ein bisschen verloren.

Ja, ich habe die Platte selbst noch nicht gehört. Ich hoffe, dass das überhaupt geklappt hat.

Den Titelsong des Albums habt ihr nur mit Klavier und Streichern eingespielt. Was fällt dir zu dem Song als erstes ein?

Naja, den Song hatte ich schon früher geschrieben. Ich spielte ihn im Studio auf der akustischen Gitarre und sang vor mich hin, und der andere Nick in unserer Band klimperte ein bisschen mit auf dem Klavier – und es klang so stark, dass ich sagte: Halt mal, das ist, wie der Song sein muss! Also haben wir ihn noch mal fürs Klavier umgeschrieben, und dann habe ich noch eine Streichergruppe an Bord geholt, um noch mehr aus dem Lied raus zu holen. Sowas wollte ich immer schon machen und jetzt haben wir endlich die Möglichkeiten, das auch realisieren zu können.

Dann gibt es davon in Zukunft mehr?

Also, ich glaube, wenn Nothing eine Platte schreiben, dann haben wir so etwas wie einen unausgesprochenen Pakt, dass wir alles tun werden, was für die Musik das Richtige ist und uns bei nichts zurück halten. Deswegen ist es nicht unmöglich, dass eine Nothing-Platte mal so klingt. Wir werden immer das tun, was wir für richtig für die Musik halten und uns auf nichts festlegen.

Fast witzig ist ja, dass ihr auf einem durch-und-durch-Metal-Label seid: Relapse Records. Was denken denn die anderen Metal-Bands von euch?

Ach, na ja – ich kenne ein paar der Bands. Nicht jeder ist ein Fan von uns, aber ich höre auch nichts Schlechtes von ihnen. Was ja schon sonderbar ist, weil heute ja besonders gerne gelästert wird. Ich glaube auch ehrlich gesagt, dass es passiert, dass einige Bands hinter unserem Rücken weniger gut von uns sprechen. Was definitiv stattfindet, ist, dass ein paar Fans vom Label Relapse sich über uns aufregen. Aber das sind normalerweise die eher weniger schlauen Typen. Es gibt einen Kerl, der jedes Mal, wenn Relapse ein Video von uns auf seinen Kanal stellt, sehr deutlich macht, dass er ihre Entscheidung, uns unter Vertrag zu nehmen, in Frage stellt. Aber sein Profilbild ist ein Bild von Children Of Bodom. Er ist also wohl erkennbar nicht der Hellste.

Ich kenne mich in Metal ja nicht aus. Aber ich finde, eure Musik hat definitiv eine Heaviness.

Ja. Finde ich auch.

Slowdive waren zuallererst ätherisch – aber bei Euch ist eine düstere Unterströmung im Sound.

Wie vorhin schon gesagt – unsere Inspiration nehmen wir sehr wohl von den Bands, die du genannt hast. Neil Halstead, Lush, Ride, Chapterhouse – klar waren das wichtige Einflüsse. Aber auch wenn das so ist, haben wir uns ja auch von all den anderen Dingen, die wir seitdem hörten, ebenso beeinflussen lassen. Auch wenn uns Leute aufs Shoegazing festlegen wollen – so lange wir weiter machen, werden wir uns auch entwickeln, weil wir ja neue Musik hören, neue Dinge erfahren und die in uns aufsaugen.

Ich habe euch noch nicht live gesehen, aber ich habe mitbekommen, dass Lautstärke für eure Shows sehr wichtig ist.

Ja, sicher. Das kommt sowohl vom Shoegazing als auch vom Punk. Wir sind live normal auch sehr viel aggressiver. Songs, die auf Platte langsamer und leiser sind, werden live heavier und zupackender. Ich will, dass die Leute sich an unser Konzert erinnern – weswegen auch immer. Ich will keine Shows spielen, die die Leute nicht ein paar Tage lang beschäftigt. Und wenn’s die Ohrenschmerzen sind, oder weil ich ihnen auf den Kopf gesprungen bin, oder weil sie das Konzert so mitgenommen hat.

Ich frage, weil wir in Deutschland jetzt sehr oft Noise-Limits auf den Konzerten haben. 

Ja, fast überall in Europa inzwischen.

Ist das ein Problem für euch?

Manchmal schon. Man streitet auf jeden Fall immer mit den Veranstaltern und den Soundleuten. Aber man weiss ja, wo man ist, und man versucht, den Respekt zu wahren. Manchmal warte ich bis zum letzten Song, dann fahren wir noch mal alles hoch und tun danach so: „Hoppla, Sorry!“

Nothing 2Alles klar. Wie funktioniert euer Songschreibeprozess? Bei Bands, die typische Songs mit Strophen, Refrain und Middleeight schreiben, gibt es oft einen einzelnen Songwriter, der die LIeder alleine schreibt und dann zur Band bringt. Eure Band wiederum kommt ja von der Dynamik, deswegen stelle ich mir vor, dass vieles im Proberaum beim Jammen entsteht.

Diese Band fing als Soloding an, dann hatte ich das Glück, Brendan zu treffen, unseren zweiten Gitarristen. Sobald ich ihn in das Projekt miteinbezog, hatte ich das Gefühl, dass es wirklich aufblühte. Da wurde es zu mehr, als es vorher war, zu etwas Schönem. Meistens ist es heute also so, dass ein Song mit uns beiden beginnt. Mal hat er eine Idee, auf der ich aufbaue, oder umgekehrt. Inzwischen ist es allerdings so, dass wir, nachdem wir um die 20 verschiedene Bassisten und Drummer durchgetauscht haben, jetzt bei einem Lineup angekommen sind, bei dem jeder seinen Teil einbringen kann. Das ist ein gutes Gefühl. Nach sechs Jahren, in denen man manchmal auf die miesesten Typen stieß, endlich die Leute gefunden zu haben, mit denen man nicht nur permanent arbeiten kann, sondern die sogar ein neues Licht auf die Sache werfen.

Daraus schließe ich, dass ihr euch schwer getan habt, Mitglieder zu finden?

Genau, ja.

Bzw. dass ihr Mitspieler gefunden habt, aber die vielleicht nicht peilten, worum es bei Nothing geht?

Da gab es alle möglichen Gründe. Meistens war den Leuten nicht ganz klar, worum es mir bei Nothing geht, Oder sie waren zu aufdringlich dabei, sich kreativ einzumischen. Es ist sicher auch so, dass man mit mir nicht immer leicht auskommt. Ich bin sehr geradeheraus – und dieses Projekt ist für mich fast ein Tagebuch. Es ist der Ort, in dem ich meine letzten sechs Jahre erzähle. Und es ist auch mein Therapieprogramm. Deswegen kann ich sehr abwehrend sein, wenn man was verändern will, und es ist für die meisten Leute schwer, damit klar zu kommen. Aber okay, es gibt ja die Leute, die das Ganze auf die richtige Weise infiltrieren. Brendan hat verstanden, worum es geht, und er konnte auf großartige Weise etwas dazu addieren. Ich denke mal, so findet man die richtigen Leute. Ich habe aber eine lange Zeit dafür gebraucht.

Jetzt habe ich ein paar Fragen, die nichts mit Musik zu tun haben. Zuerst mal, dein Nachname ist Palermo.

Yes!!

Palermo ist natürlich eine Stadt auf Sizilien. Warst du schon mal dort?

Bisher nicht, und das finde ich schrecklich. Ich hoffe, dass es auf der kommenden Europatour im September/Oktober mal einen freien Tag gibt, wenn wir in Italien sind. Nur, damit ich mal für einen Tag dort hin kann.

Kommen deine Vorfahren von dort?

Also, die Familie meines Vaters ist aus Sizilien. Die Familie meiner Mutter stammt zum einen Teil aus Neapel, zum anderen aus Polen und Litauen. Meine Mutter kam quasi direkt vom Boot – ich habe ein bisschen italienisch von ihr gelernt. Davon, wie sie mich anschrie, als ich ein Kind war. Aber ich habe noch nicht die Chance gehabt, es auf Tour groß anzuwenden.

Solche Fragen muss ich einfach stellen, wenn ich einen solchen Namen lese. 

Das ist okay, macht doch Spaß.

Aber du bist Fan des US Palermo, richtig?

Sollte man denken, was? Stimmt aber nicht.

Philadelphia Union?

Auch nicht, haha! Ob du’s glaubst oder nicht, ich war immer Fan von Madrid. Madrid und AC Milan.

Und das erzählst du einem Münchner!

Hahaha. Sowas willst du nicht hören, was?

Nee, ist schon okay. Ich bin ja Anhänger von 1860, dem anderen Münchner Verein. Oh Gott, wir sind echt nicht gut zur Zeit! Aber man kann sich’s nicht aussuchen. 

Als Amerikaner haben ich hier ja lange keine andere Möglichkeit gehabt, als mir ein europäisches Lieblingsteam zu suchen. Aber unsere Frauen-Nationalmannschaft ist ziemlich gut. Denen schaue ich gerne zu. Zur Zeit gibt es da Ärger, weil die Frauen zwar den Sport dominieren und sie trotzdem nur ein Drittel wie die Männer.

Ja, das habe ich mitbekommen. Nächste Frage: Erzähl uns etwas unerwartetes über Nothing. Etwas, das dem Bild, was die Leute von eurer Band normal so haben, nicht entspricht.

Naja, meinst du die Musik, oder generell?

Tja, was dir zuerst einfällt.

Also, hmm, man legt uns aufs Shoegazing fest, aber wir versuchen einfach, keinem Schema zu folgen. Es wird bei uns von Platte zu Platte immer etwas Neues geben. Trotzdem ist uns klar, es wird immer bestimmte Elemente geben, die man bei Nothing zu hören bekommt. uns ist schon klar, dass wir an diesen Punkt gelangt sind, weil die Leute von uns etwas bestimmtes erwarten, da werden wir keinen Radiohead-mäßigen abrupten Soundwandel hinlegen und auf einmal Techno machen. Auch wenn das vielleicht sogar cool wäre, haha. Ich glaube, was die meisten Leute erstaunt, ist der große Unterschied zwischen den Platten und der Liveshow. Die Platten sind oft irgendwie schwermütig, aber live sind wir doch sehr energetisch, das erschreckt die Leute oft.

Ich komme zum Schluß, und als letztes frage ich immer nach einer Anekdote. Was war denn eure bisher verrückteste Show?

Hmm.. also, die verrückteste war diejenige, nach der ich drei Tage im Krankenhaus lag. Aber um das Gespräch nicht mit etwas so depressiv machendem zu beenden, nehme ich noch eine andere. Ziemlich am Anfang unserer Karriere habe ich mal eine Show auf LSD gespielt. Tja, und ich habe offenbar eine Viertelstunde mal einfach aufgehört, Gitarre zu spielen. Die anderen haben in der Zeit ohne mich weiter gemacht. Es war ganz am Anfang, es waren nur 3 oder 4 Leute im Publikum, es hatte keine Konsequenzen. Aber für mich selbst war es der verspulteste Moment meines Lebens.

Ha – aber auch wenn ich keine schlechten Erinnerungen herauf beschwören will – bist du echt während des Konzerts verprügelt worden? Ich dachte, das sei außerhalb einer Tournee passiert.

Also, es war nach der Show. Wir luden gerade unser Equipment ein. Ich war in einem anderen Raum als die anderen, als eine Gruppe Typen rein kam, die was klauen wollte, oder so.

Aber es hatte mit der Show nichts zu tun?

Nein nein, das nicht.

Okay. Jetzt habe ich aber das negative Erlebnis noch mal zur Sprache gebracht und wir wollen mit was positivem enden. Deswegen eine zweite letzte Frage: Was hat dich denn zuletzt so richtig zum Lachen gebracht?

Lass mich nachdenken – oh, das sollte viel einfacher sein, was? Halt, mir fällt was ein. Ich habe meinem Hund eine schlimme Frisur verpasst. Er hat ein sehr flauschiges Fell und manchmal muss man es einfach stutzen. Ich hatte mit dem Kopf angefangen, ich habe ihn mit einem Langhaarschneider rasiert. Da sah er so bescheuert aus, dass ich mich weggeschmissen habe. Weil der Rest des Körpers noch ganz haarig war, sah sein Kopf auf einmal unpassend winzig aus. Er sah aus wie der blödeste Hund auf der Erde. Ich wünschte, ich könnte dir ein Bild zeigen.

Aber ich kann’s mir vorstellen. Ich hatte als Kind einen sehr flauschigen Hund, der ist imer in jeden Bach gesprungen. Dann war sein Kopf noch riesig, während sein ganzes Fell an seinem kleinen Körper anlag. Umgekehrt wie bei dir, aber wir mussten auch immer lachen.

Ja, solche Sachen sind’s, für die man am Morgen dann doch immer wieder aufwacht. Sie machen Spaß.

Alles klar. So, vielen Dank – viel Erfolg für die Platte, und vielen Dank für deine Zeit!

Ich bedanke mich – ich hoffe, wir sehen uns in Europa?

Da würde ich mich freuen – hoffentlich lassen sie euch laut genug spielen!
Diesmal bringen wir unseren eigenen Soundguy mit uns, da wird es leichter.

Na, dann viel Glück!

Vielen Dank, pass auf dich auf!

Mach ich, du auch! Bye!

Bye!

 

 

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