Single Review: The Stone Roses

All for One - SingleThe Stone Roses – „All For One“

Puh.

Mir gefällt’s!!!
Feines Riff, gute Message, Ohrwurm.
Und nicht peinlich. Was will man mehr?

Ich hatte ja schon auch ein bisschen Angst davor. Ich fürchtete ja einen ewigen Groovewank a la „Second Coming“. Deswegen ist es schön, dass sie uns eine Nummer geben, die am ehesten nicht mal aufs Debütalbum, sondern auf „Turns Into Stone“ gepasst hätte, die Compilation ihrer frühen Singles.

Gehen wir mal kurz die Performances durch:
John Squire macht es richtig gut. Sein Gitarrenriff ist eine feine Schleife, erinnert mich an „Waterfall“. Angeben damit, wie famos er das Griffbrett würgen kann, tut er erst ab 2:36 und das für nicht mehr als 15 Sekunden. Es ist aber nicht so, dass Squire sich hier zurückhält. Er nimmt den Fokus auf sich, das Riff ist stark genug, um die Catchphrase des Songs darzustellen – Sagen wir’s so: Der Klingelton von „All For One“ wird seine Gitarre sein, nicht Ian Browns Refrain.

Womit wir zu Ian Brown kommen. Dass der einen Gesangswettbewerb sogar gegen ein Nebelhorn verlieren würde, ist bekannt. Und es ist egal. Im Studio kann man das erstens kaschieren und zweitens ging und geht es bei Ian es immer um die Persönlichkeit. Die bringt er hier mit einer netten Gemeinsamkeitsbotschaft rüber: Hippiekram wie „If we all join hands we make a wall“ und „If we take a stand we will not fall“. Was allerdings heute, da die meisten Bands nur noch belanglosestes Gewäsch von sich geben, schon fast als Bernie Sanders/Jeremy Corbyn-mäßiger Aufruf an die Massen zur Revolution durchgeht.

stone rosesAuch Bassist Mani liefert. Er macht das, wofür wir ihn bei der ersten Inkarnation der Stone Roses, aber auch seiner Zeit bei Primal Scream kennen: Eine sehr melodische Bassline, die fast selbst als Ohrwurm durchgeht, sich hier aber in den Sinn des Songs stellt. (Es gibt ja Klassiker wie „I Wanna Be Adored“ oder „Kill All Hippies“, da ist sein Bass DAS tragende Element. Ich hoffe auch, auf dem Album – das ja wohl hoffentlich folgt – wird es das eine oder andere Lied geben, wo das so ist. Hier aber hält er sich mehr im Hintergrund.)

Zuletzt: Reni. Als Drummer legendär, aber auch er spielt sich hier nicht mit Sperenzchen auf, sondern gibt dem Song das mit, was er braucht. Präzise und schmissig powert er „All For One“ nach vorne. Am bemerkbarsten macht er sich kurz vor John Squires Gitarrensolo, das er mit einem schon fast Phil Collins-mäßig triumphalen Intro (ich denke ans „In The Air Tonight“-Break) einläutet.

Also echt. Je öfter und genauer ich mir den Song anhöre, umso besser gefällt er mir. Alle vier feuern auf allen Zylindern und dabei greift alles ineinander. Da muss man sagen: Alles richtig gemacht. Wenn eine Band nach 20 Jahren Pause wieder erstmals wieder was veröffentlicht, ist es ja nicht selbstverständlich, dass sie wieder so zu sich findet.

Klar, es wird gähnende Besserwisser geben, die das Ganze als Abklatsch früherer Zeiten empfinden, aber Hey – ich gehöre nicht dazu. Dabei steckt normal ein enormer gähnender Besserwisser-Typ in mir. Ich bin sehr happy mit dieser Rückkehr.

Jetzt stelle ich mir eben noch die strategische Frage: Würde ich den Song auch mögen, wenn er von einer brandneuen Band wäre, ganz ohne den Stone Roses-Bonus? Ja, da bin ich mir sehr sicher.  Ja. Den Song würde ich mir besorgen und hier teilen. Und mich freuen über die junge Band, die den Stone Roses Sound so gut auf den Punkt bringt.

Jörg aus dem Büro meint übrigens, die Band habe den Song strategisch zur Fußball-EM geschrieben oder zumindest absichtlich jetzt veröffentlicht. Weil die „All For One“-Message und das Riff sich so perfekt für die Übertragungen der UK-Sportshows eignen würden. Da hat er nicht ganz Unrecht. Auch wenn ich glaube, dass der Hintergedanke den Roses beim Schreiben nicht im Kopf war, kann dies das inoffizielle Lied des englischen Fußballsommers – und damit des englischen Sommers – werden.

p.s. Der Beitrag wurde modifiziert. Ich habe heute früh das Compilation-Album der Stone Roses „Made Of Stone“ genannt, statt „Turns Into Stone“. Das war natürlich blöd und ein Versehen und wird mit dem Kauen von mindestens zwei Zitronen bestraft.

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