Review: April Towers

Silent FeverApril Towers – „Silent Fever EP“

Hmm. Da wartet man, dass eine Band endlich mit ihrem Debütalbum um die Ecke kommt, und dann gibt’s doch erst mal nur wieder ne EP. Die dann auch noch nur drei neue Songs liefert. Das kommt mir ein bisschen vor, als würde da jemand Zeit schinden.

Aber gut, es soll uns trotzdem Anlass sein, noch mal auf die April Towers einzugehen. Denn ich setze große Hoffnungen auf das Duo aus Nottingham, das letztes Jahr mit den Singles „Arcadia“ und „No Corruption“ einen Traumstart hingelegt hat. („No Corruption“ habe ich sogar für unseren Ein-Kasten-Augustiner-Preis nominiert.)
Der Sound der April Towers: 80s-Synthpop. New Order / Pet Shop Boys / OMD / Depeche Mode. Clevere, sophisticated Popmusik, der ich einen leichtem Indie-Einschlag unterstelle bzw. ihn mit Macht hinein interpretiere. Wenn die eine oder andere Gitarre durchschimmert, wenn das Grundgefühl ein melancholisches ist, wenn das ganze sehr bewusst auf Stil setzt, dann ist das doch Indie, oder? Wenn man beim Hören der Musik vorm geistigen Auge graue Bilder nordenglischer Nebel-Tristesse empfängt – ja doch, dann sind da genug Überschneidungen, dass man es als Indie empfinden darf.

Nun ist dies natürlich kein neuer Sound. Zum einen nicht, weil es sich so massiv auf die 80er beruft. Zum zweiten nicht, weil das 80s-Revival inzwischen länger andauert als die 80s selbst, und es auch in den Jahren dieses Revivals direkte Vorläufer für die April Towers gegeben hat. Die Australier Cut Copy oder Van She zum Beispiel, die Amis VHS Or Beta, in gewisser Weise auch die Briten Hot Chip oder La Roux. Aber gut, dann bewegen sich die April Towers eben in einem bereits gesteckten Rahmen. Der Punkt ist, sie bewegen sich darin sehr geschickt und sie wissen, welche Knöpfchen sie zu drücken haben.

Los geht’s mit dem Titelsong der EP „Silent Fever“. Ein straighter 120 bpm Drumbeat, ein fast house-eske Keyboardline, spiegelglatt polierter Hochglanzpop, dem gegenüber ein zwar stoisch gesungener, aber rastloser, klaustrophobischer Text steht. In diesem ist von „Panic doors“ und „Stress“ die Rede sowie von fiebrigen Nächten. Der Grund ist natürlich: Die Liebe, die verflossene. „Every night’s the same, take a look at my silent fever. Just myself to blame, never noticed how much I need you“. Dafür gibt’s keinen Pulitzerpreis, okay. Aber als Poplyric über obsessive, nicht (mehr) erwiderte Liebe funktioniert’s prima.

„Losing Youth“ fährt das Tempo sachte runter (von 120 auf 113 bpm) und befasst sich mit einem ähnlichen Thema – wenn man so will, ist es das Prequel zu „Silent Fever“. Hier befinden wir uns in dem Stadium der Beziehung, als sie gerade zerfällt. „Things are so different now, clinging back on somehow, it hurts again.“ Immer diese Angst, was zu verpassen, wenn man zusammen bleibt… „I’m just scared of using all my youth“. Auch hier gilt: Das zugrunde liegende Gefühl ist trotz kühl-elektronischer Instrumente in diesem Popsong sehr prägnant eingefangen und musikalisch treffend wieder gegeben worden.

april towers„Like An Animal“: Klingt als Titel erst mal animalisch, ist als Song aber wieder eher gedämpft. Auch in diesem Song ist die Beziehung auch… nicht eben perfekt. Was ich interessant finde, ist, wie die Musik die Deutung des Textes beeinflusst: Denn nachdem ich eben den Refrain „You chain me up and make me feel like an animal, you cage me up and make it feel like you’re not so cold“  notiert habe, fiel mir auf, dass es theoretisch auch um Sadomaso-Spielchen oder gar um einen Fritzl gehen könnte, wenn man ihn entsprechend röhren würde. Aber so, wie Sänger Alex Noble das Ganze intoniert, fühlt er sich in seiner Beziehung eingeengt und drückt das eben etwas malerisch aus, mehr nicht.

Bleiben noch zwei Songs, die wir schon kennen. „A Little Bit Of Fear“ erschien letzten Spätsommer als Single. Es ist bisher wohl die bekannteste Nummer der April Towers, schon deshalb, weil sie auf dem Soundtrack von „Fifa 16“ vertreten ist. Einmal mehr ist das Thema des Songs das Gefühl des Eingeengtseins – da ergibt sich so langsam ein Muster, was? In diesem Fall ist es der Typ aus dem Büro, der gerne noch feiern würde, aber jetzt die Bürde des Berufs merkt, („It’s nothing like it used to be to stay up all night“) kombiniert mit der Sehnsucht, noch mal so loslassen zu können. („A little bit of hope, a flicker from above, this new revival gives you everything that you love“)

Auch „Modern Psyche“ gab’s schon als Single, erschienen ursprünglich Ende November. Hier klingen April Towers fast identisch nach frühen Cut Copy – was kein Diss ist, sondern mich happy macht, als Cut Copy Fan. Der Text? Generelle Ennui, das Beziehungsding angehend, i guess. „Modern love is like a disco feeling, modern trust is like a bad wound healing“. Aha. Eher Quatsch diesmal, aber er macht sich gut zu 118 bpm bei gegeneinander verzahnten Synthie-Linien.

Noch ist die EP nicht fertig, denn es befinden sich noch zwei Remixe von „Little Bit Of Fear“ bzw. „Modern Psyche drauf“. Die aber ignoriere ich ganz einfach.

Das erlaube ich mir, weil ich sowieso schon wieder an jedem Song rum analysiert habe und Remixe mich meistens eh langweilen. Dieser Text ist schon wieder viel zu lang geworden, vor allem dafür, dass es ja nur drei neue Songs gibt. Die das, was die April Towers bisher machten, nicht abändern, sondern nur unterstreichen.
Aber gut, der Punkt ist: Hier macht jemand sehr starken Synthpop, der richtig gut ins Ohr rein läuft. Man darf auf das Duo weiter große Hoffnungen setzen und ihnen ein sehr starkes Debütalbum zutrauen, auch wenn sich dies durch das Timing dieser EP wahrscheinlich noch mal hinaus zögert.

Ranking April Towers

April Towers – A Little Bit Of Fear (Official Video) from Notts TV on Vimeo.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s