Review: Summer Flake

summer Flake Hello FriendsSummer Flake – „Hello Friends“

Eine eingeschränkte Farbpalette kann ein Stilmittel sein. Das Artwork der White Stripes zum Beispiel war bekanntlich immer nur in Rot, Schwarz und Weiß gehalten. Trotzdem stand man nicht davor und sagte: „Da fehlt Gelb! Wo ist das Violett?“ Das Artwork gewann durch seine Reduzierung, es kriegte sein Profil, seinen Wiedererkennungswert.

Wenn man so will, arbeiten Summer Flake aus Adelaide ähnlich reduziert. Sie verwenden nur vier Elemente: Das Drumming von Joel Cary (Wolf & Cub, Peak Twins, Silly Joel & The Candyman) sowie der Bass von Antony Bourmas übernehmen dabei die Rolle von Weiß und Schwarz – sie sind anwesend, aber sie unterstützen bewusst nur, drängen sich nie nach vorne. Sie überlassen den Vordergrund wohlwissend den beiden anderen Farben, die kommen von Frontfrau Stephanie Crase. Was erstens nur fair enough ist, weil Summer Flake ursprünglich ihr Soloprojekt war, zweitens aber essentiell, weil es Stephs Beitrag in den Mittelpunkt rückt.

Was macht Stephanie nun? Sie spielt Gitarre und singt. Sorry, wenn ich den Text bisher so aufgebaut habe, dass ihr mehr erwartet habt als nur eine banale Sängerin/Gitarristin. Aber der Punkt ist natürlich, dass Stephs Gesang und Gitarrespiel keinesfalls banal, sondern speziell genug sind, um der Rolle im Mittelpunkt gerecht zu werden.

Warum schreibe ich das? Weil ich eine gewisse Sorge hatte, bevor ich „Hello Friends“ hörte. Und zwar die, dass Summer Flake mir auf Albumlänge langweilig werden könnten. Ich bin mit ein bisschen Verspätung auf das Trio gestoßen, über ihre letzten beiden Singles „Shoot And Score“ sowie „Wine Won’t Wash Away“. (Das erste Summer Flake-Album „You Can Have It All“ von 2013 habe ich nicht mitbekommen.) Beide Songs gefielen mir prima, weil der Slacker-Postgrunge-Style, in dem sich die Songs bewegten, nostalgische Gefühle bei mir auslöste. Ich musste an 90s-Bands wie Madder Rose, The Spinanes, Jale oder mit Abstrichen Mazzy Star denken, die ich damals sehr gerne hörte, aber die irgendwie ein bisschen vergessen wurden. Herrlich!

summer flake stephIch war also sehr angetan und gespannt aufs Album – aber hatte so die leise Befürchtung, dass meine Aufmerksamkeit über zehn Songs bzw 40 Minuten abdriften würde. Schließlich ist weiblicher Postgrungepop nicht unbedingt was Neues, schließlich sind Summer Flake nicht eben die Band, die einen am Kragen packt und Aufmerksamkeit einfordert, schließlich ist die Kombi GItarre/Stimme/Bass/Drums wirklich kein Neuland fürs Ohr.

Aber die Sorgen waren unbegründet. „Hello Friends“ bleibt ein Hinhörer – und das nicht trotz, sondern sogar wegen seiner eingeschränkten Klang-Palette.

Denn Stephs Gitarrespiel hat Persönlichkeit, es ist subtil und schummrig. Sie kann Noise entfachen, wenn sie will, aber tut das nur in der Ausnahme. Lieber dehnt sie die Töne mit dem Tremolo-Arm, was ihren Tönen dann eine gewisse Shoegaziness mitgibt. Ich finde, ihr Spiel hat eine sehr unaufgeregte Note – es strahlt diese Ausgeglichenheit aus, die Teenage Fanclub ihrem Sound mitgeben können, selbst wenn sie inmitten vom Feedback stehen.

Es ist ein Sound, der sehr zu Stephanies Gesang passt. Steph schreit nicht, sie säuselt nicht, sie quiekt nicht – sie singt einfach nur angenehm, als säße man sich beim Milchkaffee gegenüber. Das – glaubt mir – hat was. Es wirkt ehrlich, es wirkt ungestellt, es wirkt unbemüht und lässig. Das entwickelt Nähe, Verletzlichkeit und – gerade bei mehrstimmigen Momenten – Schönheit. Dabei hilft natürlich, dass Steph feinste Melodien verfasst hat. „Make Your Way Back To Me“ beispielsweise könnte ein Best Coast-Hit sein – auch wenn Best Coast sich sicher nicht so zurückhalten könnten und eine satte Popnummer draus machen würden. „Satellite“ ist ein weiterer Favorit von mir – der Song fließt mit solcher Seelenruhe dahin, dass es mich gleich an Lightships erinnert, das feine Solo-Ding von TFCs Gerard Love, nur in weiblich.

So, Fazit-Time. Summer Flake haben ein prima zweites Album gemacht. „Hello Friends“ ist unaufdringlich schön, in a Laurel Canyon / Post-Slacker kinda way. Kann ein Album, dass den Hörer an Madder Rose und Teenage Fanclub denken lässt, je schlecht sein? Natürlich nicht! Große Freude!

Ranking Summer Flake

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