Review: Green Buzzard

Green Buzzard Eazy Queezy Squeezy - EPGreen Buzzard – Easy Queezy Squeezy

Der Fluch der perfekten Debütsingle.

Da kommt also jemand, von dem man noch nie gehört hat, mit einem ersten Lied an, das einem gleich mal die Schuhe auszieht. Kann das ein Problem sein?

Doch, kann es. Man denkt als Hörer ja immer: „Wenn DAS die erste Single ist, wie geht es denn dann erst weiter?!“ Aber das ist oft der Trugschluss. Die Band, die so brandneu scheint, hat vermutlich schon ein, zwei Jahre im Proberaum verbracht. Als erste Single pickt sie dann natürlich den Song, der auch ihr bester ist. Nach einer perfekten Debütsingle kann’s also logischerweise normal erstmal nur bergab gehen.

Können Green Buzzard mit dieser Regel brechen? Als das Quintett letzten Juni seinen ersten Track „Zoo Fly“ veröffentlichte, da waren viele von uns auf Anhieb begeistert. Eine Band aus Sydney, die noch gar keine Show gespielt hatte, aber deren erste Single gleich mal an Lieblings-UK-Bands aus den frühen 90s erinnerte? Das spiegelte ja genau den Werdegang der DMA’s! Green Buzzard erscheinen auch noch auf dem gleichen Label, nämlich I Oh You! In die Nu-Britpop-Welt des erweiterten Sydney um die DMA’s, Jagwar Ma, Deep Sea Arcade und Morning Harvey passte das geradezu ideal.

Seitdem haben Green Buzzard zwei weitere Tracks veröffentlicht („Slow It Down Now“ und „Phantasy Girl“), die richtig gut waren, den Level von „Zoo Fly“ aber nicht ganz hielten. Zuletzt kam dann eine weitere Single „I Don’t Wanna Break Your Heart“, die die Sydneysider nun um fünf weitere Songs zur „Easy Queezy Squeezy EP“ erweitert haben.

Nun ist eine erste EP nicht nur sowas wie das erste Etappenziel. Es ist auch der Punkt, an dem man nicht mehr nur Versprechungen macht – jetzt muss man auch anfangen, sie einzulösen. Es ist der Punkt, an dem wir beim Hören der Songs uns nicht mehr nur verträumt vorstellen, was aus der Band idealerweise mal werden kann, sondern uns die Realität angucken müssen. Wo steht die Band tatsächlich?

green buzzardUnd da darf man schon ein bisschen ernüchtert sein.

Fangen wir mal mit was Technischem an, das ich normalerweise nicht groß beachte: Dem Klang der Aufnahmen. Es ist extrem, wie höhenlastig und blechern Green Buzzard immer klingen. Ihre Lieder wirken nicht, als hätte da ein Profi in einem Studio an einem Mischpult gesessen, sondern, als hätte ein Buddy der Band das Ganze auf seinem Telefon aufgenommen. Und zwar nicht auf einem Smartphone, sondern einem, dass noch eine Wählscheibe hat.
Bei „Zoo Fly“ konnte man das okay finden, weil es eben die erste Single war. So nach dem Motto: Die lernen eben noch, und es hat ja auch was charmant ungeschliffenes, wenn ein Song mal so übersteuert bzw unterfüttert klingt. Aber dass Green Buzzard ein halbes Jahr später diesem Aufnahmesound immer noch keine Muskelmasse zugefügt haben, das ist schon eine sonderbare Entscheidung. Okay, vielleicht MÖGEN sie’s einfach lieber, wenn’s tinny klingt. Aber für mich als Indie-DJ macht der Klang es zum Beispiel ziemlich unmöglich, einen ihrer Songs auch mal im Hauptprogramm aufzulegen.

Okay, aber das sind ja immer noch nur Äußerlichkeiten. Wie steht’s mit den Songs?
Also, die sind in Ordnung. „Diggin’ A Hole“ schuggert schön sixties-esk daher, gegen Ende brezeln die Gitarren mit beinahe shoegaziger Verzerrung rein. „I Don’t Want To Break Your Heart“ kickt und geht ins Ohr. „Crystal Eyes“ fährt auf dem stolzen Beat von Oasis „Supersonic“ rein (ohne aber ein vergleichbares Riff, eine vergleichbare Gesangsmelodie und eine vergleichbare Attitüde an den Tag zu legen). „Frequency Overload“ und „Green Time“ fahren den Schmirgelfaktor hoch und spicken zwischen Shoegaze und Grungepop als kämen sie von einer frühen Boo Radleys-EP. Am leichtesten ins Ohr geht die letzte Nummer, „Motorcars & Jaguars“, eine flotte Popnummer, auf der eine Gitarre sogar mal unverzerrt bleibt und mit ihrem akustischen Strum die Lage bestimmt.

Na, eigentlich ergibt das doch echt eine solide erste EP.

Die Sache ist halt nur, nach „Zoo Fly“ hatte man eben noch mehr erhofft. Aber okay, sehen wir’s als erste Etappe und hoffen, dass Green Buzzard es genauso betrachten. Wenn sie so weit sind, ein Album an den Start zu bringen, muss der Wiedererkennungsfaktor von mehr kommen als nur vom blechernen Aufnahmesound. So ist der Stand der Dinge: Wenn die DMA’s Oasis sind und Jagwar Ma blur, dann sind Green Buzzard Heavy Stereo – nicht schlecht, aber auch nicht essentiell. Es sollte ihr eigenes Ziel sein, auf längere Sicht hin mehr zu wollen.

Ranking Green Buzzard

(Ausgerechnet die neue Single gibt’s nicht auf vimeo – hier die drei Vorgänger)

Green Buzzard | Zoo Fly from MATT DEMPSEY on Vimeo.

Slow It Down Now | Green Buzzard from Masses Collective on Vimeo.

Green Buzzard | Phantasy Girl from MATT DEMPSEY on Vimeo.

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