Review: The Jensens

Everybody TalksThe Jensens – „Everybody Talks“

Zuerst wollte ich ja was übers neue James-Album schreiben. Aber dann dachte ich mir: Halt – Gestern Primal Scream, heute James? Wir wollen ja nicht, dass es auf diesem Blog nur noch über Bands geht, die’s seit den 80ern gibt!

James also ein andermal, wenn ich die Zeit finde. Heute schiebe ich statt dessen eine Debüt-EP ein. 7 Songs von The Jensens aus Brisbane.

Aufgefallen sind uns die Kids zum ersten Mal letzten Winter mit ihrer Single „Fears“. Das waren, man darf das sagen, 2 Minuten und 44 Sekunden Garagen-Indierock-Perfektion. Nichts Neues, okay. Einfach nur ein struppiger Strokes-Kick. Aber hey, mich kann man mit so was glücklich machen. Es war ein famoses Debüt. Ein peppiges Lied, dessen Refrain genau den Punkt zwischen melancholisch und schnodderig-trotzig traf, den man als Indie-Hörer hören will: „I just want – I just want – I just wanted to say goodbye“

Seitdem hat die Band zwei Singles nachgelegt, „A New Hope“ sowie „Elvis Is Dead“. Nun bilden diese drei Singles gemeinsam mit vier neuen Songs (und einem halbminütigen Instrumental) die erste EP der Jensens.

Die Frage lautet also (mal wieder, siehe neulich Modern Space): Kann die junge Band den Level des Hits halten, durch den wir auf sie aufmerksam geworden sind? Vielleicht sogar toppen? Die Antwort, sie lautet einmal mehr (siehe Modern Space): Nicht ganz. „Fears“ bleibt der beste Song. Aber auf dieser Debüt-EP gibt’s genug, was Mut macht.

Da ist zum Beispiel die Single, die zwar „Elvis Is Dead“ heisst, aber nach dem Gegenteil klingt. Die Kids bringen hier eine 50s-Rock’n’Roll-Note in die Garage und zeigen: Einfach nur Standard-Indie ist dies nicht.

Aber auch die anderen Songs können überzeugen. Auf dem Weezer-esk schuggernden Opener „Shark Thunder“ fällt Sänger Nathan Kendall positiv auf: Wie er den Refrain kläfft wie ein wütender Köter, klingt das echt prima dirty. „Prom Night“ wiederum könnte ein vergessener Track von „In It For The Money“ sein – clever genug durchkomponiert dafür ist er, voller Breaks, Phil-Spector-Drums und Handclaps ist die Nummer – außerdem erinnert mich Kendall hier stimmlich echt an Gaz Coombes.

the-jensens„Sick Sad World“ ist der leichtfüßigste Song der Platte, ein Merseybeat-Track zum Mitschnipsen. „Going Down“ mag das am wenigsten spannende Stück sein, hat aber immer noch ein prima Gitarrenbreak mit fettem Rumms! Rumms! Rumms! Rumms! zum Lufttrommeln. Bleibt noch „A New Hope“. Diese Nummer lebt von ihrem Gitarrenriff, das seine ersten Noten von „Flourescent Adolescent“ mopst (was schon mal nicht blöd ist) und danach nichts mehr falsch macht.

Was ziehen wir für ein Fazit? Schön ist, dass die Kids kompositorisch bereits mehrere Register ziehen. Allerdings hätte man die Unterschiede der einzelnen Songs mehr heraus arbeiten können. Denn was sich durchaus ähnelt auf diesen sieben Titeln, das sind die Gitarrensounds. Die unterscheiden sich sogar so wenig, dass man, wenn man die EP nur nebenbei hört, erst mal denkt: „Hey, das klingt ja alles gleich hier“. Was den Songs nicht gerecht wird, die, wie oben bemerkt, alle sehr wohl ihre Eigenheiten haben.

Wäre ich jemand, der die Band berät, würde ich also sagen: Probiert da ein bisschen mehr aus. Holt ein paar Feinheiten hervor. Versucht mal, das eine oder andere Instrument mit ins Spiel zu bringen, das ihr bisher nicht einsetzt. Denn für die 22 Minuten eurer Debüt-EP ist die Bandbreite, die ihr an den Tag legt, okay. Bei einem kompletten Album aber wird dann doch mehr Abwechslung gefragt sein.

Dies ist allerdings kein Album. Dies ist eine erste EP, die entsprechend die ersten Schritte einer jungen Band dokumentieren und ihr Potential präsentieren soll. Was das Potential angeht, das ist bei The Jensens ohne Zweifel gegeben, in rauen Mengen sogar.

Ranking Jensens

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