Review: DMA’s

DMAs_STICKER POSITION copyDMA’s – Hill’s End

Ooooooookay. Hierauf haben wir gewartet. Lange. Nägelkauend. Mit Hoffnungen, irgendwann so himmelhoch, dass sie eigentlich nur enttäuscht werden konnten.

Aber enttäuschen Johnny, Tommy und Mason auf ihrem ersten Longplayer unsere Erwartungen? Wo denkt ihr hin! „Hill’s End“ ist Wahnsinn!

Aber erst mal eine kurze Zusammenfassung für alle, die hier neu sind: Wer sind die DMA’s und warum hopst Henning krakeelend durch sein Zimmer?

Aaaalso: Johnny Took (Gitarre), Tommy O’Dell (Gesang) und Matt Mason (Gitarre, Gesang) sind drei unscheinbare Freunde aus Sydney, die klassischen Britpop lieben. Oasis, The La’s, die Stone Roses, diese Liga. Die drei kennen sich aus diversen Bands, in denen sie vorher in Sydney gemeinsam gespielt haben. Johnny besaß ein Aufnahmegerät in seiner kleinen Wohnung in Newtown, und da trafen sich die drei dann jedes Wochenende zum Feiern – was in ihrem Falle mit „Songs schreiben und sie aufzunehmen“ gleichbedeutend war. Zwei, drei Jahre lang haben sie so verbracht und es sie würden es vielleicht immer noch tun, wenn nicht ein Kumpel eins ihrer Tapes an die Aussie-Plattenfirma I Oh You geschickt hätte.

Damit nahm der Aufstieg der DMA’s seinen Weg. Erst in Australien, dann im Rest der Welt, den die drei letztes Jahr bereits fleißig betourten.

Warum das alles? Weil die Songs aus dem Schlafzimmer wirklich umwerfend gut waren. Diese DMA’s klangen nicht nur wie Oasis – sie klangen wie die JUNGEN Oasis! Ungeschliffen, grobkörnig – wie Oasis, als sie noch Jungs mit Flausen im Kopf und großen Träumen waren! (meine Rezi zur Europa-Version der DMA’s-EP HIER)

Nun ist es endlich, endlich so weit, das Debütalbum, es ist da – und wer auf die Band früh aufmerksam wurde, wartet seit über eineinhalb Jahren drauf. 18 Monate, in denen man sich in die frühen Songs immer weiter rein steigerte.

DMAs 1Wir drücken „Start“.

Kurzes Feedback, dann bricht die Platte los. Tommy springt uns fast ins Gesicht mit der ersten Zeile aus „Timeless“. Der Song ist stürmisch, rau, mit sägenden Gitarren und treibendem Rhythmus. Mutig, so loszulegen. Die DMA’s können viel poppiger – da ist es ein regelrechtes Statement, ihr Album so kantig zu eröffnen. Nach mehrmaligem Hören entpuppt sich natürlich auch „Timeless“ als Ohrwurm, aber der erste Eindruck ist: Whoah.

Es folgt „Lay Down“. Die Nummer kennen wir ja schon, sie war eine Single, und das zu Recht. Ein flotter, vorwärts treibender Britpop-Song mit Refrain zum Für immer-Mitsingen.

Next: „Delete“. Klar, das kennen wir schon seit Ewigkeiten, aber es wäre eine SÜNDE, dieses Lied nicht auf die Platte zu packen. Producer Mark „Spike“ Stent hat die Originaltapes neu abgemischt, das Ganze aufgeplustert, die krassen laut/Leise-Unterschiede angeglichen. Nimmt das dem Lied seinen holprigen Charme? Ja, ein bisschen. Aber dafür gewinnt es an Dichte.

Nun wird’s wieder rauer. „Too Soon“. Nur mein zwölftliebstes Lied auf der Platte, muss ich gestehen. Vom Sound her Oasis im „Acquiesce“-Modus: Laute, breiige Gitarren, fast schon Swerverdriver’sche Shoegaze-Power. Das ist alles prima und kräftig, nur was Melodien angeht, haben die DMA’s schon mehr geleistet. Trotzdem immer noch stark.

Next up: „In The Moment“. Eine feine Midtempo-Popnummer, ein prima Ohrwurm, schön kreischende Gitarren im Refrain. Kein Song, der nicht beim ersten Hören auffällt, aber einer, der Staying Power hat.

Und jetzt, und jetzt, und jetzt: „Step Up The Morphine“. Kinders! „Step Up The Morphine!“ Was für’n Hit! Was für ein wundervolles, trauriges Lied! Mann, der Song ist so gut wie „Delete“! Und mal ein Wort zu Sänger Tommy: Der kann mit seiner Stimme tatsächlich bewegen! Der Hintergrund des Songs ist traurig, übrigens – Johnny schrieb ihn, als seine Großmutter starb und ihre letzten Tage im Krankenhaus lag, mehr und mehr mit Morphium vollgepumpt.

Darauf erst mal durchschnaufen. Die DMA’s erlauben uns das mit einem Lied, das wir von der EP schon kennen: „So We Know“, noch so eine feine Ballade von der Art, die Noel bei Oasis immer selbst sang, statt Liam ran zu lassen. Was die neue Version von der EP-Variante unterscheidet: die letzte Dreiviertelminute setzt die Band ein und übermalt die Akustische großflächig mit Noise und Schrammel.

DMAs 2Und jetzt? „Melbourne“. Herrjeh! NOCH so ein Sofort-Klassiker! Kinders, wollt ihr mich verarschen? KEIN Album hat so viele Bringer!
„Melbourne“ ist quasi „Lay Down“ in traurig. Der Track hat ein flottes Tempo, aber ist in Moll – und es packt mich wieder,  wie Tommy darauf besteht: „I won’t feel no, I won’t feel no paaaaain!“ Sowas sagt natürlich nur der, der das Schlimmste schon durchgemacht hat. Tommy fühlt keinen Schmerz, aber die Staubsaugergitarre, sie jault für ihn.

Darauf ein bisschen was positiveres. „Straight Dimensions“ fühlt sich leichter an. Auch herrlich, dieses Lied. Hier sind die DMA’s einfach mal nur harmonisch und schön.

Das Gleiche gilt für „Blown Away“. Unauffällig, aber toll. So praktisch das „Cast No Shadow“ dieser Platte.

Next: „The Switch“, eine klassische Britpopnummer irgendwo zwischen The La’s und The House Of Love. Ich mag sowas ja grundsätzlich.

Und zum Abschluss: „Play It Out“. Wer die DMA’s früh genug mitgekriegt hat, kennt den Song noch von ihrer australischen Debüt-EP. Ein echter Kracher, in der neu abgemischten Version mit extra Kerosin unterm Hintern. Fett!

Und damit sind wir durch – und komplett begeistert, auch beim 20sten mal. Was ist alles toll an „Hill’s End“? Das Wichtigste: Die Songs, die Songs! Ein Hit nach dem anderen! Egal, ob Ballade, Midtempo-Gitarrennummer oder stürmischer Rocksong, alles sitzt!

Die Dynamik der Platte ist ebenfalls großartig gelungen – da muss man mal die Person loben, die für das Tracklisting zuständig ist. Jeder Song ist genau die perfekte Antwort auf den Song davor, mal gibt sie den genau gefragten Kontrast, mal die stimmige Kontinuität.

Seit ich die DMA’s kenne, male ich mir aus, wie ihr Album aussehen wird. Besser hätte ich es mir nicht vorstellen können. Es hat eine Handvoll Höhepunkte für die Ewigkeit und die Etappen, die diese Höhepunkte verbinden, sind ebenso jede für sich ihre Reise wert. Herrlich, herrlich, herrlich.

DMA's Ranking

Delete – DMAS from Al Kalyk on Vimeo.

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