Review: Ra Ra Riot

RaRaRiot_NeedYourLight_1500px_300dpi_RGBRa Ra Riot – „Need Your Light“

Oh Mann, ich werde alt. Ich weiss noch, als Ra Ra Riot eine brandneue Band waren. Als ihre ersten Singles wie „Dying is Fine“ oder „Each Year“ aus den USA bei uns ankamen, spritzig aber melancholisch, eigenwillig instrumentiert mit Geige und Cello zur Gitarre. Ich hopste durch die Gegend und krakeelte „Neue Lieblingsband, die werden GROSS!“2007 war das? Vor neun (!) Jahren?

Das Quintett aus Syracuse/New York ist in meinem Kopf immer noch als Newcomer abgespeichert, dabei sind sie jetzt beim vierten Album. Sie haben sogar  zwischendurch schon eine solche Enttäuschung abgeliefert, dass man hier fast von einem Comeback sprechen muss.

Aber zurück zur Chronologie: Das erste RRR-Album „The Rhumb Line“ (2008) hielt im Großen und Ganzen, was die Singles versprachen. Die Band spielte im Atomic und ich verliebte mich wie auf der Show wie alle Indieboy-Heinis in die hinreißende Cellistin Alexandra Lawn.

Es wäre aber gelogen, wenn man sagte, dass ihr zweites Album „The Rhumb Line“ (2010) die Erwartungen erfüllt hätte. Hie trat die Band auf der Stelle, ohne echte Knüller zu liefern. Aber sie waren immerhin immer noch die Band mit Geige und Cello, dadurch hatten sie immer noch ihren eigenen Sound, ihre eigene Nische.

Dann die Katastrophe. Alexandra Lawn stieg aus! Nix mehr mit Cello! Wie lösten Sänger Wes Miles & Co das Problem? Sie holten keine neue Cellistin an Bord – sie stiegen auf Synthpop um. Aber das Cello, es hat einen schwermütigen Klang, automatisch. Ohne das Cello fehlte die dunkle Grundierung. Jetzt klangen Ra Ra Riot nicht mehr nach ihrer eigenen Nische, sondern wie jede zweite x-beliebige überfröhliche Indie-Synthie-Band. Das Album „Beta Love“ (2013) war ein totaler Letdown.

Meine Erwartungen an „Need Your Light“ waren deshalb extrem niedrig. Sie wurden auch nicht höher, als ich las, das Rostam Batmanglij, der gerade erst frisch bei Vampire Weekend ausgestiegen ist, sich sehr aktiv daran beteiligte. Denn dass er und Wes Miles enge Kumpels sind, das weiss man. Die zwei haben sogar eine gemeinsame Band namens Discovery. Nur, die ließ mich bisher kalt.

Ra_Ra_Riot_porträtAber, sieh an: Producer Rostam hat wieder einiges aus Ra Ra Riot heraus geholt. Okay, eine Cellistin haben sie immer noch nicht. Aber es ist die Struktur, die Schichtung dieser Songs, die neu ist für RRR. Alles hier ist äußerst aufwändig und dennoch dynamisch. Als Beispiel: Hört euch bitte mal den Titelsong an, wie der auf einer geradezu waghalsigen Percussion-Spur voran knattert, die alle anderen Instrumente wegdrückt, den bollernden VW-Bass, die sphärischen Synthies, die zittrige Violine… als Song – also von Melodie und Text her – ist „Need Your Light“ nicht mein Lieblingslied, aber die Produktion ist ein echtes Statement.

Wenn dann auch noch die Songs mit Rostams ambitionierten Produktionen mithalten, wie auf dem Opener „Water“, der Single „Absolutely“ (ein unwiderstehlicher Ohrwurm) oder der Piano/Handclap-Bombe „Everytime I’m Ready To Hug“, dann darf man konstatieren: Ra Ra Riot haben das Steuer herum gerissen. Wer sie nach „Beta Love“ abgeschrieben hatte (unter anderem: Meinereiner), der wird hier eines Besseren belehrt – die können noch immer Hits rausfeuern.

Was nicht bedeutet, dass die Platte nicht auch ihre Skip-Momente hat. „Instant Breakup“ zum Beispiel ist einfach nur ein durchschnittlicher Song, der zum einen Ohr rein geht und zum anderen raus. Sowas gehört auf eine B-Seite, nicht auf ein Album. Bei „Bad Times“ wiederum gehen Rostam bei der Produktion die Gäule durch: Da überfrachtet er ein harmloses Liedchen mit überzogenem Laut-Leise-Gefälle. Ernsthaft, die Drums klingen wie die Transformers bei einem „Stomp“-Casting! Das ist einfach zu viel des Guten, das hilft dem Song nicht vorwärts, das ist style-over-substance.

Trotzdem – nach dem Vorgänger „Beta Love“ hatte ich wenig Hoffnung in die Zukunft von Ra Ra Riot, und dass die Zusammenarbeit mit Rostam die Band zumindest in kurzen Sprints wieder inspiriert und elektrisiert zeigt, das ist eine feine Sache.

Ranking RRR

Josh Goleman: Ra Ra Riot – Water from LEVINE/LEAVITT on Vimeo.

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