Review: Blossoms

At Most a Kiss - EPBlossoms – „At Most A Kiss EP“

Noch immer kein Album. Aber die Blossoms veröffentlichen hiermit schon ihre dritte 4-Track-EP innerhalb der letzten drei Monate. Was ja letztlich 12 Tracks macht, praktisch ein Album.

Man könnte diese Release-Politik hinterfragen – aber sie scheint mir noch durchaus Sinn zu machen. Es ist schließlich ganz schon Schwung reingekommen bei den Blossoms zuletzt. Sie waren die einzige Gitarrenband der BBC-Tipps fürs Jahr 2016, eine große UK-Tour läuft, man erwartet den großen Durchbruch im Laufe des Jahres. Jetzt mit dem Album rauszurücken, wäre etwas zu früh. Lieber noch etwas warten, den Hype befeuern, das Album im Mai oder im September platzieren.

Nun zu den Songs. „At Most A Kiss“ kennen wir ja schon. Einer der ersten großen Indie-Pophits 2016. Mit seinem stampfenden Glam-Beat, seiner Keyboard-Hookline und seinem sehnsüchtigen Text über unerfüllte Liebesversprechen macht er überall ein Häkchen, wo ein Indie-Dancefloor-Knaller ein Häkchen machen kann.

Wie geht’s weiter? Bisher haben die Blossoms uns auf ihren EPs immer einen großen Pophit als A-Seite geboten und die drei „B-Seiten“ zeigten, dass sie ein breiteres Spektrum bringen können. „Fourteen“ ist ein solcher Song, denn hier verleugnen die Blossoms beinah, dass sie eine Gitarrenband sind. Ein wurliger 80s-Disko-Bass, eine klimpernde Synthie-Melodie und groovy Rhythmus sind das Skelett, auf das Tom Ogden seinen Gesang legt, Gitarren erscheinen nur als untermalendes Nebengeräusch. Fein.

Blossoms Band„Wretched Fate“ hätte fast selbst das Zeug zur Single. Hier sind Blossoms sehr wohl zuallererst Gitarrenband – die Nummer erinnert ein bisschen an „Blown Rose“ aus dem letzten Sommer. Ein satter, flotter 4/4-Beat, eine Keyboard-Hookline, die ein bisschen was von einem Cembalo hat und deshalb mehr nach 60s als nach Synthies klingt, und, wie bereits erwähnt, Gitarren satt.

Song 4: „Misery“ – hier zeigen uns Blossoms wieder, dass sie auch Balladen drauf haben: Klavier und Streicher und eine Mondscheinmelodie. Die muss man mal eben hervor heben. Das ist nicht einfach nur ne Britpop-Melodie. Die Wendungen, erinnern mehr an Bacharach als an Gallagher.

Zur Zeit gibt es auch einen traurigen Grund, warum die Blossoms in den Schlagzeilen sind: Sie waren eng befreundet mit Viola Beach, der Band, die neulich gemeinsam mit ihrem Manager ums Leben kam, als sie mit ihrem Wagen in Schweden in einen Kanal stürzte. Viola Beach hätten die aktuelle Tour von Blossoms und The Vryll Society als Vorband eröffnen sollen – diese Tour steht daher unter einem dunklen Stern. Was sagt man zu sowas? Dass man Blossoms nur wünschen kann, dass diese Tragödie keinen bleibenden Schatten auf ihre Karriere werfen wird. Denn hier wächst eine wirklich prima Band heran, die Ohrwürmer nur so aus dem Ärmel schüttelt, die ihre Songs sehr smart arrangiert und dabei keine Angst vor der großen Pop-Geste hat.

Ranking Blossoms EP

Blossoms ‚At Most A Kiss‘ from james slater on Vimeo.

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