Review: Bloc Party

HYMNS (Deluxe Version)Bloc Party – „Hymns“

Eins muss klar sein: Auf ihrem fünften Album sind Bloc Party nicht mehr die Band, als die sie anfingen. Nicht nur, weil zwei Mitglieder ausgestiegen sind und ersetzt wurden.

Es darf niemanden erstaunen, dass das so ist. Kele Okereke ist jetzt 34, nicht 22. Klar ist man nach 12 Jahren anders drauf. Klar legt man auf andere Dinge Wert. Klar hat man an manchen Dingen Gefallen gefunden und sich von anderen abgewendet. Manch einer, der mit „Silent Alarm“ bei dieser Band anfing, wird ihren Weg mitgegangen sein und sich auch in den gesetzteren Bloc Party wiederfinden. Aber manch einer wird mit „Hymns“ sehr wenig anfangen können.

Für was standen Bloc Party, als sie 2004 auftauchten? Für aufgekratzte Rastlosigkeit, für intelligent artikulierte, schlau kanalisierte Aggression. „Helicopter“, „Banquet“ und „Pioneers“ entfachen immer noch eine Wucht, eine schnittige Dynamik, wenn man sie auflegt.

Bloc Party, das bedeutete immer auch Anspannung. Es wunderte einen nicht, zu hören, dass es innerhalb der Band gehörig knisterte. Diese Reibung, sie wurde in die Musik mitgenommen und sie führte oft genug zu großen Ergebnissen. Persönliche Favoriten von mir sind das gitarrenfreie, schroffe „Mercury“ oder der 152 Bpm-Beatburner „Flux“, die zu einer Zeit entstanden, als die Beziehungen in der Band bereits extrem strapaziert waren (vor bzw. zum dritten Album „Intimacy“, 2008).

Danach war erst mal Bandpause, Kele Okereke wanderte zu seinem elektronischen Soloalbum, die anderen hatten ebenfalls ihre Projekte. Die Reunion fürs  2012er-Album „Four“ war im Nachhinein echt überflüssig. Bis dahin hatten Bloc Party auf jedem Album auch was Neues geschaffen – siehe „Flux“, siehe „Mercury“. Aber auf Technologie zu verzichten und zu versuchen, „Silent Alarm“ noch mal nachzustellen – daran war nichts vorwärts gewandtes. Es war die Platte, auf der Kele die Hände vom Steuer genommen zu haben schien und die er nur zu erdulden schien, um den Bandfrieden wieder herzustellen.

Die Hauptunterschiede von „Four zur Neuen, „Hymns“, sind daher gar nicht mal nur die jetzt überwiegenden elektronischen Sounds, die neuen Mitglieder. Es ist erstens die Aura der Gelöstheit, beinahe einer inneren Ausgeglichenheit, die man bei Bloc Party so noch nicht kannte – und es ist zweitens, dass man Kele abnimmt, dass dies die Platte ist, die er wirklich machen wollte.

bloc_partyGut. Wir halten also fest, dass der Fan, der Bloc Party wegen „Helicopter“ und „Hunting For Witches“ mag, hier nicht kriegt, was er sich wünscht. Wir halten auch fest, dass dies okay ist, weil der letzte Versuch, diesem Fan genau diese Platte zu kredenzen, in die Hose ging. Und wir halten fest, dass wir Kele & Co zugestehen wollen, ihre persönliche Entwicklung als Typen zu vertonen und uns zu erzählen, wo heute ihr Kopf steckt.

Die Sache ist, an einen sooo wahnsinnig spannenden Punkt führt diese Entwicklung Kele & Co nicht immer. Im Großen und Ganzen ist „Hymns“ smooth dahin fließender, elektronischer Pop. Das Album hat definitiv seine Momente, keine Frage. „So Real“ zum Beispiel ist ein einfach reizender Song. Russell Lissack lässt ihn mit bewusst schlichtem Gitarrespiel intakt. Auch bei „The Good News“ stimmt das Verhältnis: Der straighte Beat ist lässig, die Achtel-Bassline ebenfalls, die Melodie ist fein und Lissacks Bottleneck-Bluesgitarre im Refrain sorgt für den idealen  Farbtupfer. Beide Songs kommen in mene Alltime-Bloc Party-Hitparade. Auch fein: „Into The Earth“, der Song, in dem Okereke und Lissack kurioserweise zu The The ca 1989 mutieren und das mit niedlich gezupftem Gitarrenriff dahin wabernde „My True Name“

Minuspunkte gibt’s dafür für die schläfrigen Baladen „Fortress“ und „Exes“ – für mich klare Fälle für die Skip-Taste. „The Love Within“ und „Virtue“ wiederum wurden zwar zu Singles auserkoren, aber nicht weil die Songs besonders überraschen könnten, sondern wohl nur, weil sie die straghtesten Beats und damit die größten Radiochancen haben.

Am Ende steht ein Album, mit dem Bloc Party uns durchaus überraschen, denn es setzt null auf das, was sie bisher definierte: Die Zickzackigkeit, die Unruhe, die sind einfach futsch. Es regiert ein gepflegt distanzierter, gebremster elektronischer Pop, in dem selbst Russell Lissack, eigenlich ja ein durchaus flashiger Player, seine Gitarre nur sehr zurückhaltend, dafür aber mit sehr gezielter Wirkung einsetzt. Der neue Ansatz steht ihnen gut – auf jeden Fall besser als das, was „Four“ war – aber bewahrt Bloc Party dennoch nicht davor, zwischendurch routiniert zu langweilen.

Ranking Bloc Party

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