Tonight I’m Wearing Black

BlackSweetestSmileAch mei. Heute ist Colin Vearncombe gestorben. Black. Nach einem Autounfall lag er schon über eine Woche im Koma, nun gab es keine Hoffnung mehr.

Man wird ja nicht als Indie-Hörer geboren. Wer in den 80ern in der Provinz aufwuchs, der kriegte ja The Smiths und The Cure und die Pixies ja nicht mal eben präsentiert. Die musste man sich entdecken.

Womit ich sagen will: Klar bin auch ich mit Chartpop groß geworden. Aber in den 80s gab es ja auch Leute, die mit durchaus unorthodoxer Musik in die Charts fanden. Manches von damals stünde heute im Indie-Fach. Black vielleicht nicht unbedingt. Aber er war mal wichtig in meiner Plattensammlung.

Meine erste Begegnung mit dem Mann im Anzug mit der großen Nase und dem gütigen Blick war der Song „Sweetest Smile“. Ein Top Ten Hit auf der Insel. Ich hatte im Radio kaum ein paar Sekunden  mitbekommen, beim Charts-Schnelldurchlauf. Aber als die 7″-Single im Schallplattenladen stand, hatte das Cover so was Schlichtes, Schickes.  Ich konnte die Platte gar nicht nicht kaufen. 

Den Song fand ich dann ziemlich weird. Viel zu langsam, fast Zeitlupe, fast gehaucht. DAS war ein Top Ten-Hit? Aber schnell zog der Song mich in seinen Bann. Er war, in Zeiten, als man noch sagte „Das ist mein Lieblingslied!“ ein paar Wochen lang mein Lieblingslied. Und Black war noch sowas wie mein Geheimnis.

Dann wurde „Wonderful Life“ zum Hit. Zum Welthit, zu Recht. Was für ein edler, würdevoller Popsong! Für „Wonderful Life“ und alle seine Coverversionen wird Black immer bekannt bleiben, „Wonderful Life“ ist der Song, den man heute im Radio spielen wird, wenn man von Vearncombes Tod berichtet.

Aber das gleichnamige Album zeigte noch zahlreiche weitere Facetten. Vearncombe konnte z.B. auch kantigen Pop („Everything Is Coming Up Roses“ ging noch in die D-Top Ten) und jazziges Balladeering. Klar, der Hit überstrahlte alles, aber das Album hielt ein hohes Niveau.

Im Zuge des Erfolgs klatschte Blacks alte Plattenfirma seine frühen Singles auf eine Mini-LP. Auch die gefiel mir prima, denn dieser rohe und ungeschliffene Black, der wäre heute im Indie-Fach tatsächlich nicht fehl am Platze gewesen.

Danach versank sein Stern schnell wieder. Das Nachfolge-Album „Comedy“ (1988) hatte keinen Hit. Ich besorgte es mir zwar, aber ich war zu dem Zeitpunkt bei den Smiths und den Pixies angekommen. Ich weiss nicht, ob ich es überhaupt 5 mal angehört habe, wenn ich ehrlich bin.

Trotzdem, immer wenn mal irgendwo „Sweetest Smile“ oder „Everything’s Coming Up Roses“ oder, meistens, „Wonderful Life“ lief, wurde mir warm ums Herz. Die Musik, die man mit 16, 17, 18 hört, die prägt einen nun mal. Wenn jemand, den man mit der Aufbruchsstimmung dieser Zeit assoziiert, mit den Schulfreunden von damals, mit Spaziergängen mit dem Familienhund an Sommernachmittagen, wenn so jemand stirbt… dann, tja, dann stirbt ein Stück Jugend. Ich bin traurig.

Colin Vearncombe. Ich sag jetzt mal Danke.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s